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Mehmet Göker ist zurück
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Mehmet Göker ist zurück

Mehmet Göker feilt nach seiner Flucht in die Türkei offenbar an einem Comeback in der Versicherungswelt. Der umstrittene Versicherungsvertreter ist laut einer Recherche des NDR wieder im Versicherungsgeschäft aktiv – diesmal mit „Tarifoptimierungen“ privater Krankenversicherungen.

Das Landgericht Kassel hat in einer Entscheidung vom 15.02. den Haftbefehl gegen Mehmet Göker aufgehoben. Das geht aus einer aktuellen Recherche des NDR hervor. Und der umstrittene Versicherungsvertreter plant nun sogar sein großes Comeback, auch wenn die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt hat. Göker gibt sich auf Instagram gewohnt angriffslustig. Er werde nun baldmöglichst nach Deutschland zurückkommen und sich „holen, was mir immer rechtmäßig zustand“.

Wieder bei PKV-Verträgen aktiv

Den NDR-Recherchen zufolge ist der Versicherungsvertreter sogar bereits wieder am deutschen Markt aktiv. Der umstrittene Versicherungsvertreter tritt demnach zwar mit einem neuen Geschäftsmodell auf. Dieses weise aber deutliche Parallelen zu seinem System aus Zeiten der MEG auf, mit dem er in den 2000er-Jahren für Aufsehen und einen der größten Versicherungsskandale des Jahrtausends sorgte, der mit Insolvenz, Strafverfahren und einer Flucht in die Türkei endete – und mit dem Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter – die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“ sogar den Weg in die Kinos fand.

Neue Masche: Tarifoptimierung

Nun ist er scheinbar wieder zurück – und wieder hat er private Krankenversicherungen im Visier. Diesmal verkaufe er aber keine neuen Policen, sondern biete Kunden die „Optimierung“ bestehender Tarife an. Anrufer geben sich laut NDR-Recherche als Mitarbeiter der Krankenversicherung aus, versprechen den Kunden dann massive Ersparnisse durch einen Tarifwechsel und erstellen anschließend für die „Wechselberatung“ enorm hohe Rechnungen.

Abwicklung über Finanz Check Rhein-Main

Die Abwicklung erfolgt der Reportage zufolge über die Finanz Check Rhein-Main GmbH, die sich auf ihrer Website als „unabhängigen PKV Spezialisten“ beschreibt. Die Firma hat laut dem Medienbericht unter anderem bei der 67-Jährigen Cornelia B. aus München angerufen. Anschließend folgte ein Anruf eines vermeintlichen Mitarbeiter ihres Krankenversicherers der ihr empfahl das Angebot der Finanz Check Rhein-Main GmbH anzunehmen. Daraufhin überwies sie 7.000 Euro an das Unternehmen.

Behörden ermitteln

Laut NDR-Recherchen sei der Tarifwechsel aber gar nicht durchführbar und die versprochenen vollkommen unrealistisch gewesen. Daher sei auch die Rechnung in Höhe von 7000 Euro „Abzocke“. Der Versicherer gibt an, dass er die Kunden weder angerufen noch den Tarifwechsel empfohlen habe. Mithilfe einer Anwältin hat sie den Betrag aber mittlerweile zumindest zurückerhalten. Nichtsdestotrotz ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen fünf Beschuldigte wegen Betrugsverdacht, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen günstige Versicherungen versprochen haben sollen, um Provisionen zu erhalten. Zudem bestätigt die Bundesnetzagentur, dass Beschwerden gegen die Finanz Check Rhein-Main GmbH aufgrund von unerlaubten Werbeanrufe vorliegen.

Bewusste Falschangaben

Auch Göker selbst sei bei entsprechenden Anrufen aktiv. Entsprechende Sprachaufnahmen zu solchen unerlaubten Werbeanrufen lägen dem NDR vor. Demnach habe er sich Versicherten gegenüber unzutreffend als Jurist bezeichnet. Ein entsprechendes Verhalten lege er auch seinen Mitstreitern ans Herz. Diese sollten sich zum Beispiel einen Doktortitel hinzufügen. Immerhin haben die meisten Angerufenen laut der NDR-Recherche trotzdem kein Interesse an einer „Tarifoptimierung“, sondern fühlten sich von den Anrufen vor allem eins: belästigt. (mh)

Ein ausführlicher Bericht zur NDR-Recherche war am 02.03.2021 um 21:15 Uhr im NDR-Politmagazin ‚Panorama – die Reporter‘ zu sehen, der hier auch in der Mediathek abrufbar ist.

Bild: © sternfilm