AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Youtube

Millionär enterbt drogensüchtige Söhne: Welchen Anspruch hat ein Enkel?
06. Februar 2018

Millionär enterbt drogensüchtige Söhne: Welchen Anspruch hat ein Enkel?

Ein Millionär verfasst ein Testament, in dem er seine drogenabhängigen Söhne enterbt. Über deren eventuelle Nachkommen sagt er nichts. Hat ein Enkel Anspruch auf einen Teil des Erbes?


Ein Millionär verfasst ein Testament, in dem er seine drogenabhängigen Söhne enterbt. Über deren eventuelle Nachkommen sagt er nichts. Hat ein Enkel Anspruch auf einen Teil des Erbes?

Millionär enterbt drogensüchtige Söhne: Welchen Anspruch hat ein Enkel?

Enterbt ein Großvater nur seinen Sohn und vererbt sein Vermögen anderen Erben, kann dem Enkel ein Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsanspruch zustehen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden.

Im zugrunde liegenden Fall verstarb ein Mann aus Hagen. Er hinterließ einen Nachlass und eine Lebensversicherung im Wert von zusammen ca. 1.854.000 Euro. Seine beiden Söhne hatte er bereits im Jahr 1989 wirksam enterbt, da sie drogensüchtig und zudem Straftäter waren. In dem damals verfassten Testament bestimmte er seine Lebensgefährtin und seinen Bruder als Erben. Diese teilten den Nachlass nach seinem Tod unter sich auf.

Geburtsurkunde als Nachweis: Biologische Abstammung nicht von Bedeutung

Der Erblasser hat jedoch auch einen 21-jährigen Enkel, das Kind seines jüngeren Sohnes. Dieser klagte vor dem OLG Hamm gegen die Erben auf den Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsanspruch in Höhe von ca. 927.000 Euro. Die Erben bestritten, dass er das Kind des enterbten Sohnes sei, obwohl der Kläger seine Geburtsurkunde vorlegte. Das OLG gab der Klage statt und verurteilte die Erben dazu, den Pflichtteil und die Pflichtteilsergänzung an den Enkel auszuzahlen. Mit der Geburtsurkunde habe er nachgewiesen, dass er Enkel und somit Pflichtteilsberechtigter sei. Eine Unrichtigkeit dieser Geburtsurkunde habe der Beklagte zu beweisen, was ihm nicht gelungen sei. Ob der Kläger auch biologisch vom enterbten Sohn abstamme, sei aufgrund der feststehenden rechtlichen Vaterschaft nicht von Bedeutung.

Erben müssen Enkel den Pflichtteil auszahlen

Als entfernterer Abkömmling des Erblassers sei der Kläger nunmehr pflichtteilsberechtigt. Der Erblasser habe in seinem Testament nur seinen Söhnen, nicht aber deren Nachkommen den Pflichtteil entzogen. Es liegt auch kein Grund vor, dem Enkel den Pflichtteil zu entziehen. Die Erben müssen zahlen. Sie können sich auch nicht darauf berufen, dass der Nachlass nicht mehr oder nur noch zum Teil vorhanden sei. Nach der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft müssen sie den Anspruch mit ihrem gesamten Vermögen und nicht nur mit dem übernommenen Nachlass erfüllen. (tos)

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 26.10.2017, Az. 10 U 31/17




Ähnliche News

Ein Vermieter hat keinen Anspruch auf Schadenersatz wegen Mietausfalls, wenn die zukünftigen Mieter wegen zwischenzeitlichem Beziehungsende doch keinen Mietvertrag abschließen. Das hat das Arbeitsgericht München entschieden. weiterlesen
Wirecard ist der Finanzskandal des Jahres. Im Zuge der Betrugsvorwürfe und -ermittlungen hat die TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH eine Schadenersatzklage gegen die BaFin eingereicht. Die Finanzaufsicht hat nun wiederum Wirecard Zwangsgelder angedroht. weiterlesen
Kosten für einen Polizeieinsatz müssen im Falle des Fehlalarms einer Alarmanlage vom Hausbesitzer übernommen werden. Auch wenn nicht festgestellt werden kann, wodurch der Alarm ausgelöst wurde. Das ergibt sich aus einem Urteil des VG Koblenz im Fall rund um einen vermeintlichen Einbruch. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.