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22. Februar 2026
Pflege neu gedacht: Wie Longevity die Branche positiv verändert
Pflege neu gedacht: Wie Longevity die Branche positiv verändert

Pflege neu gedacht: Wie Longevity die Branche positiv verändert

Der demografische Wandel, gepaart mit Fachkräftemangel, verschärft nicht nur die Finanzierungsfrage in der Pflege, sondern rückt auch die Qualität der gewonnenen Lebensjahre in den Fokus. In diesem Zusammenhang gewinnen Prävention und Longevity an Bedeutung.

Ein Artikel von Folke Tedsen, Leiter Kranken-Leistung und Gesundheitsmanagement bei HanseMerkur

Der demografische Wandel ist keine statistische Zukunftsprognose mehr – er ist Realität. Schon 2035 wird rund ein Viertel der Menschen in Deutschland 67 Jahre und älter sein, laut aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Wenn der Fokus nur auf der Frage liegt, wie Gesellschaft und Versicherer Pflege finanzieren können, wird ein ein wichtiger Hebel außer Acht gelassen: Longevity – das Ziel, gesund lange zu leben. Es geht nicht mehr nur darum, das Risiko „Pflegefall“ abzusichern. Vielmehr gilt es, dieses so lange wie möglich hinauszuzögern. Damit das Ziel erreicht werden kann, setzt die HanseMerkur in Zukunft stärker darauf, Gesundheitspartner ihrer Kunden zu sein.

Wir gewinnen Jahre, aber nicht automatisch Gesundheit

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen: Lag sie 1970 für Männer noch bei 67,5 und für Frauen bei 73,6 Jahren, sind es heute 78,9 und 83,5 Jahre. Allerdings wächst die Zahl der gesunden Lebensjahre nicht im gleichen Maße mit. Wir gewinnen zwar Zeit, wir leben länger, aber diese „Bonusjahre“ sind oft von chronischen Erkrankungen, Schmerzen und einer sinkenden Lebensqualität geprägt.

Die Gesellschaft steuert darauf zu, dass immer mehr ältere Menschen auf immer weniger Fachpersonal treffen. Die Gleichung „Mehr Alte gleich mehr Pflegefälle“ führt unausweichlich in den Systemkollaps, wenn die Variable „Gesundheit“ nicht verändert wird. Und genau hier kommt Longevity ins Spiel.

Warum Longevity der Pflege hilft

Longevity wird oft als elitärer Trend missverstanden, dessen Anhängerinnen und Anhänger das Ziel verfolgen, 100 Jahre alt zu werden. Doch im Kontext der Pflegeversicherung ist Longevity die rationalste Antwort auf den Fachkräftemangel. Wenn es gelingt, durch Prävention und einen gesunden Lebensstil die Phase der Pflegebedürftigkeit am Lebensende zu verkürzen, gewinnen alle.

Die Rechnung ist simpel: Jedes Jahr, das ein Versicherter länger gesund und selbstbestimmt verbringt, entlastet das solidarische System, mindert den Druck auf das fehlende Pflegepersonal und schont die Ressourcen der Angehörigen. Vor allem aber erfüllt es den tiefsten Wunsch der Menschen: Würde und Autonomie.

Die Sorgen der Deutschen – ein klarer Auftrag an die Branche

Der Wunsch nach Würde und Autonomie ist tief in der Gesellschaft verankert, belegen die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Befragung der HanseMerkur. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und definieren einen Handlungsauftrag:

Zu den Hauptsorgen der Deutschen mit Blick auf das Älterwerden gehört schlichtweg die Angst, pflegebedürftig zu sein (42%). Eng damit verknüpft ist die Furcht, nicht mehr selbstbestimmt leben zu können (37%) und den eigenen Angehörigen zur Last zu fallen (14%).

Gleichzeitig ist das Bewusstsein da, dass das deutsche Gesundheitssystem Schwächen hat. Mehr als die Hälfte der Befragten bezweifelt, dass Deutschland auf eine zunehmend älter werdende Gesellschaft vorbereitet ist (69%). Gleichzeitig gibt es eine hohe Bereitschaft zur Eigeninitiative: 71% stimmen zu, dass jeder Einzelne Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen muss. Noch spannender ist der Wunsch nach Veränderung im System: Zwei Drittel (68%) fordern, dass das Gesundheitswesen seinen Fokus stärker auf Prävention legen sollte, statt nur Krankheiten zu behandeln, wenn sie bereits entstanden sind.

Der erfolgversprechende Ansatz: Fördern, fordern, belohnen

Die Menschen wollen fit und selbstbestimmt alt werden und sehen aktives Handeln als notwendig an. Das stellt eine Chance für Versicherer dar: Sie sollten diese Bereitschaft wahrnehmen und die Menschen dabei unterstützen. Die HanseMerkur verfolgt daher den Ansatz „fördern, fordern, belohnen“. Weg von der reinen Reparaturmedizin hin zu einer präventiven Begleitung. Das bedeutet, nicht nur gesundheitsbewusstes Verhalten zu fordern, sondern greifbar zu belohnen, zum Beispiel durch Tarife, Boni und Services. Aber wie gelingt dieser Wandel konkret?

  • These 1: Wer Verantwortung für die eigene Gesundheit übernimmt, investiert in die Lebensqualität.

Gesund alt zu werden, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler kleiner, alltäglicher Entscheidungen. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und ein aktives soziales Leben sind die Grundpfeiler.

In der Beratung und Kommunikation muss verdeutlicht werden: Wer frühzeitig Verantwortung für die eigene Gesundheit übernimmt, investiert in seine Lebensqualität im Alter. Es geht darum, nicht passiv abzuwarten, bis der Arzt eine Diagnose stellt, sondern aktiv zu gestalten und die eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Jede Investition in die eigene Fitness ist eine Investition in die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit.

  • These 2: Eine echte Langlebigkeitsstrategie ist notwendig.

Die technologischen Möglichkeiten wachsen rasant, doch Technik allein heilt nicht. In einer Zeit, in der immer mehr Möglichkeiten gibt, Gesundheit aktiv zu beeinflussen, wird Selbstverantwortung zu einer Schlüsselkompetenz.

Wer sich informiert, bewusst lebt und Vorsorge ernst nimmt, kann viel für das eigene Wohlbefinden tun. Und entlastet damit gleichzeitig das Gesundheitssystem massiv. Es geht nicht darum, alles alleine zu machen, sondern um eine aktive Rolle: Fragen stellen, Entscheidungen treffen und Angebote nutzen. Selbstverantwortung als Schlüsselkompetenz für Prävention!

Hier können auch Makler und Berater eine neue Rolle übernehmen: Sie werden zu Architekten einer Langlebigkeitsstrategie für die Kunden. Die Police deckt das finanzielle Risiko, die Beratung schärft das Bewusstsein für das biologische Risiko. Und die Technologie unterstützt, ganz konkret auch im Alltag.

  • These 3: Vorsorge spielt eine entscheidende Rolle, bis ins hohe Alter.

Oft wird Prävention nur mit jungen Menschen assoziiert. Ein Trugschluss. Prävention endet nie. Es geht nicht nur darum, Krankheiten zu verhindern, sondern darum, Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Dazu gehören Bildung, soziale Kontakte, sinnvolle Beschäftigung und ein Umfeld, das gesundes Leben fördert. Medizinische Maßnahmen sind wichtig, aber sie sind nur ein Teil des Ganzen. Die Gesellschaft muss Gesundheit als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen und fördern – angefangen bei der Politik über die Wirtschaft und die Gesundheitsversorger bis hin zu jedem Einzelnen.

Gerade im Hinblick auf Pflege bedeutet das: Auch mit 70 oder 80 Jahren lohnt sich Prävention, um etwa Stürze zu vermeiden oder kognitive Fähigkeiten zu trainieren. Jede verhinderte Krankheit oder Verletzung ist ein Sieg für das System und für den Menschen.

Fazit: Versicherer als Partner fürs gesunde Altwerden

Die Menschen wollen alt werden. Aber sie wollen es zu ihren Bedingungen tun, gesund und autonom. Zugegeben: Den entscheidenden Schritt – nämlich die Umsetzung im Alltag – muss jeder selbst gehen. Stichwort „Selbstverantwortung“. Unsere Aufgabe als Branche ist aber, die nötigen Werkzeuge bereitzustellen, die Hürden zu senken und die richtigen Anreize zu setzen. Wenn das gelingt, kann das Thema Pflege seinen Schrecken verlieren und Longevity zur echten Chance für alle werden.

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Ein Artikel von
Folke Tedsen