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Rechtsschutzversicherung zwischen mehr Nachfrage und höheren Kosten
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Rechtsschutzversicherung zwischen mehr Nachfrage und höheren Kosten

Die Rechtsschutzversicherer rechnen damit, dass vor Gericht geführte Prozesse zunehmen werden. Dabei werden Klagen teurer, weil Anwalts- und Gerichtskosten gestiegen sind. Das könnte auf die Prämien wirken. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach Beratung und Rechtsschutz groß.

In Corona-Zeiten suchen mehr Kunden als sonst rechtliche Unterstützung bei ihrem Rechtsschutzversicherer. Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben des GDV über 1,8 Millionen Kunden die anwaltliche Telefonberatung eines Rechtsschutzversicherers in Anspruch. Im vergangenen Jahr hatten einige Versicherer ihre Hilfe auch über ihren Kundenkreis hinaus ausgedehnt, um einen gesellschaftlichen Beitrag in der Pandemie zu leisten.

In den Hauptmonaten 2020 war es gut ein Viertel mehr als in normalen Monaten, so der GDV. Der Verband geht davon aus, dass die Nachfrage nach anwaltlicher Telefonberatung auf hohem Niveau bleiben wird oder zunimmt. Gleichermaßen darf davon ausgegangen werden, dass Rechtsschutzfälle deutlich zunehmen werden. Sollte sich die Wirtschaft nicht schnell genug erholen, wird es wohl vermehrt zu Arbeitsstreitigkeiten im Zuge von Kurzarbeit oder Kündigungen kommen.

Erheblich mehr Prozesse erwartet

Insgesamt bearbeiten die Rechtsschutzversicherer über vier Millionen Fälle im Jahr und leisten dafür rund 2,8 Mrd. Euro. Auf die Gerichte werden wohl in diesem Jahr voraussichtlich erheblich mehr Prozesse zukommen, beispielsweise Prozesse um den Erhalt des Arbeitsplatzes oder etwa wegen der Kostenerstattung bei stornierten Reisen. Das bedeutet mehr Ausgaben für die Versicherer.

Erhöhung von Anwalts- und Gerichtsgebühren

Dabei wurden erst zum Jahresanfang 2021 mit Inkrafttreten des Kostenrechtsänderungsgesetzes die Anwalts- und Gerichtsgebühren angehoben. Gestiegen sind etwa Rechtsanwaltsgebühren, Sachverständigen- und Dolmetscherhonorare, Schöffen- und Zeugenentschädigungen sowie Gerichtsgebühren. Dies bedeutet eine Erhöhung der Gebühren um 10%, in sozialrechtlichen Angelegenheiten um 20%.

Höhere Kosten und Krise Gründe für einen Abschluss?

Für Kläger wird es also teurer. Für Rechtsschutzversicherer, die zuletzt schon mit dem Dieselskandal und den Streitfällen rund um die Betriebsschließungsversicherung im Lockdown belastet waren, gibt es zwei Effekte: Einerseits werden Leistungsfälle kostspieliger, andererseits könnten die Versicherer von der Situation profitieren. Denn Verbraucher könnten sich aufgrund der Teuerung überlegen, eine Rechtsschutzpolice abzuschließen. Gleichermaßen dürfte bei vielen bereits in den Corona-Monaten das Interesse an einem starken Rechtsschutz gestiegen sein. So vermeldeten Versicherer wie die ARAG im vergangenen Jahr deutliche Zuwächse. Versicherungsmakler spielen dabei eine wichtige Rolle. Bei der ARAG trugen sie mit 55% zu der Produktion bei.

Prämien im Griff behalten

So kann die aktuelle Situation dazu führen, dass mehr Policen abgeschlossen werden. Die Herausforderungen für Rechtsschutzversicherer bleiben jedoch. Sie müssen versuchen, Mehraufwendungen in den Griff zu bekommen. Letztlich auch, um die Prämien in einem vernünftigen Rahmen zu halten.

Die Versicherer versuchen dies mit Digitalisierung sowie schnelleren und einfacheren Prozessen. Gleichermaßen hoffen sie, dass Rechtsdienstleistungen in nicht allzu ferner Zukunft in Deutschland liberalisiert werden. Die Branche fordert beispielsweise eine Erlaubnis der außergerichtlichen Rechtsberatung im Rechtsdienstleistungsgesetz. Gemeint ist, dass Anwälte das Monopol für gerichtliche Auseinandersetzungen behalten sollen, die außergerichtliche Beratung aber liberalisiert werden soll. Das würde die Rechtsdienstleistungen kostengünstiger machen. (bh)

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