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23. April 2021
Renteneintrittsalter anheben? Das sind die Alternativen
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Renteneintrittsalter anheben? Das sind die Alternativen

Prof. Dr. Bert Rürup hat sich in einem Kommentar mit möglichen Maßnahmen für eine Reform der Altersvorsorge in Deutschland beschäftigt – abseits von einer Renteneintrittsaltersanhebung, einer Absenkung des Rentenniveaus oder von Beitragserhöhungen. Von der Politik fordert er entschlossenes Handeln.

Die Altersvorsorge muss reformiert werden. Diesen Befund nennt Professor Dr. Bert Rürup in einem Kommentar für das Handelsblatt richtig. Den Schluss, dass deshalb aber auch zwingend das Renteneintrittsalter erhöht oder an die Lebenserwartung gekoppelt werden müsse, hält der renommierte Ökonom jedoch für falsch. Seiner Ansicht nach gibt es weitere vielversprechende Ansätze.

Drei versicherungsinterne Stellschrauben

Der Rentenexperte macht in seinem Beitrag deutlich, dass es drei versicherungsinterne Stellschrauben gibt, über die das Rentenversicherungssystem justiert werden kann: Beitragssatz, Rentenniveau und Renteneintrittsalter. Sollte das nicht weiterhelfen, kommen nur noch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt in Betracht.

Parteien fordern keine Erhöhung des Renteneintrittsalters

Der demografische Wandel führt jedoch dazu, dass der Durchschnittswähler immer näher an das Renteneintrittsalter heranrückt. Rürup prognostiziert, dass weder die Union noch die Grünen oder die SPD mit Blick auf ihre Wählerklientel eine Anhebung des Renteneintrittsalters in ihren Wahlprogrammen fordern werden. Zumindest in den Wahlprogrammentwürfen der Grünen und der SPD findet sich tatsächlich keine Forderung nach einer Anhebung des Renteneintrittsalters.

Mehr qualifizierte Zuwanderer

Das bringt ihn zu der Frage, welche Alternativen zu den drei Stellschrauben denkbar wären. Zum einen sieht Rürup es als notwendig an, qualifizierte Zuwanderung intensiv zu fördern. Immerhin habe der Aufschwung der vergangenen zehn Jahre viel mit der Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus anderen EU-Staaten zu tun gehabt. Ob die Attraktivität Deutschlands für Fachkräfte jedoch weiterhin aufrechterhalten werden könne – da hat der Ökonom seine Zweifel.

Erwerbsbeteiligung erhöhen

Die zweite Möglichkeit läge laut Rürup darin, mehr Potenziale der vorhandenen deutschen Bevölkerung zu heben. Es müssten Anreize geschaffen werden, um die sozialversicherungspflichtige Erwerbsbeteiligung zu steigern. Er schlägt hierzu geringere Transferentzugsraten für Langzeitarbeitslose vor, um eine reguläre Beschäftigung attraktiver zu machen. Außerdem könnten Mini-Job-Privilegien abgebaut werden. Bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Ganztagsschulen könnten es gerade Frauen ermöglichen, früher wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufzunehmen. Des Weiteren schlägt er eine Reform des Ehegatten-Splittings, höhere Hürden für die Frühverrentung und Anreize für ältere Beschäftigte vor, über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig zu bleiben.

Wirtschaftsstandort Deutschland stärken

Doch die Hausaufgaben, die der Leiter des Handelsblatt Research Institute der Politik mit auf den Weg gibt, werden noch länger. Denn Deutschland müsse auch seine Infrastruktur modernisieren, Verwaltungsverfahren beschleunigen, seine Energieversorgung auf eine sichere, saubere und bezahlbare Basis stellen sowie attraktive steuerliche Rahmenbedingungen für Investoren in den Wirtschaftsstandort bieten. (tku)

Der Kommentar von Prof. Bert Rürup ist hier auf der Website des Handelsblatts zu finden.

Bild: © pusteflower9024 – stock.adobe.com