Bei der privaten Altersvorsorge in Deutschland weht ab Januar 2027 ein frischer Wind, denn das Altersvorsorgedepot ist beschlossene Sache. Darin gibt es nun die Möglichkeit, auch ohne Garantien und ohne Versicherungsmantel am Kapitalmarkt zu investieren. Und es herrscht außerdem Entscheidungsfreiheit, ob man einen Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr oder eine Leibrente beziehen möchte.
Dass die Reform in der Versicherungsbranche kontrovers diskutiert wird, ist nichts Neues, Kostendeckel und Zillmer-Verbot sind hier die primären Stichworte. Aber auch aus Sicht der betrieblichen Altersversorgung scheint es Bedenken zu geben. So gibt es einige Statements von Beate Petry, der Vorstandsvorsitzenden der aba Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e. V., in denen Petry auf der aba-Jahrestagung 2026 in Berlin den Konflikt zwischen der bAV und der neu konzipierten pAV aufzeigt.
Kritik an pAV-Reform
Die Reform der privaten Altersvorsorge bewertet Petry deutlich kritisch, so verkündet die aba in einer Pressemitteilung zur Veranstaltung. Der starke Fokus auf ETF-Sparen und die Abkehr vom Leitbild der lebenslangen Leistung setzten aus ihrer Sicht falsche Anreize und verschieben Risiken in die Auszahlungsphase: „Das Gesetz fördert keine nachhaltige Altersvorsorge, sondern eher die Vermögensbildung – eine Art Konsumfinanzierung auf Zeit“, so Petry. Zudem warnt sie vor Fehlsteuerungen im Gesamtsystem. Wenn Förderung und politische Kommunikation den Eindruck erwecken, kurzfristiger Vermögensaufbau sei Altersvorsorge, drohe das Vertrauen in kollektive, langfristig angelegte bAV-Lösungen zu leiden. „Die Neugestaltung der Rahmenbedingungen für die Förderung der privaten Altersvorsorge wird die betriebliche Altersversorgung nachhaltig beschädigen“, so ihr Fazit.
Für die kommenden Reformschritte fordert Petry einen säulenübergreifenden Blick mit einer klaren Stoßrichtung hin zu mehr kapitalgedeckter Vorsorge, praxistauglich und kollektiv ausgestaltet. „Die betriebliche Altersversorgung muss Vorfahrt bekommen vor der Vermögensbildung mit befristeten Auszahlungsplänen“, fordert Petry. (mki)
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