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So wenige Insolvenzen in Deutschland wie lange nicht
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So wenige Insolvenzen in Deutschland wie lange nicht

Noch bleibt die gefürchtete Welle an Unternehmensinsolvenzen infolge der Pandemie aus: Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der beantragten Insolvenzen 2020 auf den niedrigsten Stand seit 1999 gesunken. Dies sei aber maßgeblich der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht in der Corona-Krise geschuldet.

Trotz der Corona-Krise ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hierzulande im Jahr 2020 so stark gesunken wie seit über 20 Jahren nicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben die deutschen Amtsgerichte im vergangenen Jahr 15.841 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren 15,5% weniger als 2019 und entspricht dem niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Einen Anstieg gab es zuletzt im Krisenjahr 2009 mit +11,6% gegenüber dem Jahr 2008.

Sondereffekte der Pandemie

Doch ein Grund zum Aufatmen ist das nicht: Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, sei das Jahresergebnis 2020 maßgeblich durch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht in der Corona-Krise beeinflusst. Die durch die Corona-Krise verursachte wirtschaftliche Not vieler Unternehmen spiegle sich nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider.

Die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen war bis Ende 2020 ausgesetzt. Die bereits seit Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen macht sich im Jahresergebnis 2020 unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeiten in den Gerichten nur leicht bemerkbar. Bis Ende April 2021 ist die Insolvenzantragspflicht nach wie vor für jene Firmen ausgesetzt, bei denen die Auszahlung der seit Anfang November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch nicht erfolgt ist.

Mehr Insolvenzanträge im Bau als im Handel und Gastgewerbe

Die meisten Unternehmensinsolvenzen entfielen 2020 auf das Baugewerbe mit 2.500 Fällen. Von Firmen aus dem Bereich Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen wurden 2.466 Insolvenzanträge eingereicht. Im Gastgewerbe wurden 1.775 Insolvenzanträge verzeichnet.

Anstieg der Forderungen trotz Rückgang der Insolvenzen

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen betrugen im Jahr 2020 knapp 44,1 Mrd. Euro. Im Vorjahr hatten sie sich noch auf rund 26,8 Mrd. Euro belaufen. Dieser Anstieg der Forderungen trotz rückläufiger Zahl der Unternehmensinsolvenzen sei laut Statistischem Bundesamt darauf zurückzuführen, dass 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Firmen Insolvenz beantragt haben als im Jahr zuvor.

2021 nur leichter Anstieg der Insolvenzen?

Wie schnell sich die Dynamik bei den Unternehmensinsolvenzen ändern wird, bleibt abzuwarten. Der Kreditversicherer Euler Hermes geht davon aus, dass die Zahl der Insolvenzen 2021 um 6% steigen wird – allerdings erst ab dem zweiten Halbjahr. (tk)

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Euler Hermes erwartet 2021 nur leichten Anstieg der Insolvenzen

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