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Solvenzquoten: So steht es um den Puffer deutscher Lebensversicherer in der Corona-Krise
28. April 2020

Solvenzquoten: So steht es um den Puffer deutscher Lebensversicherer in der Corona-Krise

In einer Studie hat Policen Direkt die Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer unter die Lupe genommen. Demnach stehen 21 Unternehmen aktuell vor großen Herausforderungen, 34 Unternehmen zeigen sich weitgehend finanzstark und gerüstet für Extremszenarien, 29 Unternehmen weisen eine komfortable Solvenzkapitalausstattung auf.


In einer Studie hat Policen Direkt die Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer unter die Lupe genommen. Demnach stehen 21 Unternehmen aktuell vor großen Herausforderungen, 34 Unternehmen zeigen sich weitgehend finanzstark und gerüstet für Extremszenarien, 29 Unternehmen weisen eine komfortable Solvenzkapitalausstattung auf.

Solvenzquoten: So steht es um den Puffer deutscher Lebensversicherer in der Corona-Krise

Die für die Aufsicht relevanten Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer liegen im Schnitt bei 428% und damit rund 12% unter dem Vorjahr. 13 Gesellschaften befinden sich jetzt in enger Manndeckung der BaFin, und damit eine mehr als im Jahr 2018. Das geht aus einer Studie zu den Solvenzquoten der Lebensversicherer aus dem Haus der Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH hervor, die näher betrachtet, welche Finanzstärke die Gesellschaften zum 31.12.2019, vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, hatten.

Demnach liegt die Nettoquote + VA bei 279% (2018: 321%), die Nettoquote bei 256% (2018: 278%) und die MCR-Quote bei 713% (2018: 728%). Sämtliche Quoten liegen laut Policen Direkt angesichts erwartungsgemäßer Rückgänge im Marktschnitt bei stabilen Werten über denen der Erstauflage von 2016. Der Blick auf die Einzelfälle (www.solvenzquoten.de) zeigt allerdings, welche Versicherer weiter große Herausforderungen zu bewältigen haben.

Neun Versicherer weisen der Studie zufolge eine Nettoquote + VA von unter 100% auf (2018: sechs Versicherer), sieben Versicherer haben eine MCR-Quote von unter 100 (2018: vier Versicherer). Insgesamt haben sich 57 Versicherer bei der relevanten Netto-Quote + VA im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, 26 hingegen verbessert. Übergangsmaßnahmen verbessern die Quoten der Studie zufolge im Schnitt um 149 Prozentpunkte (2018: 168 Prozentpunkte).

20 Versicherer machen von gewährtem Aufschub Gebrauch

Wegen der Corona-Pandemie gewährt die Aufsicht den Versicherern derzeit eine Fristverlängerung für den kompletten Solvenzbericht bis zum 02.06.2020. Insgesamt 20 Versicherer haben diese Fristverlängerung in Anspruch genommen und bis dato nur den quantitativen Anhang veröffentlicht. „Wie sich die Corona-Pandemie auf deutsche Lebensversicherer auswirkt, ist aktuell noch schwer zu sagen. Ein genauer Blick auf die Entwicklung zeigt, welche Unternehmen mit starken Puffern in die Krise gegangen sind“, erklärt Henning Kühl, Versicherungsmathematiker (DAV) und Chefaktuar von Policen Direkt. Aus den Solvenzquoten ohne Übergangsmaßnahmen leitet er ab, welche Unternehmen besonders gut gewappnet sind und welche nicht. Laut Studie handelt es sich um 21 Unternehmen, die mit ihrer Solvenzquote ohne Bilanzierungshilfen von unter 150% aktuell vor großen Herausforderungen stehen (2018: 20), insbesondere wenn sie noch Neugeschäft betreiben wollen. Bei der Wahl der Produkte für das Neugeschäft und bei der Höhe der Überschussbeteiligung sind sie ohnehin eingeschränkt. 34 Unternehmen sieht Kühl mit einer Nettoquote + VA von 150 bis 300% weitgehend finanzstark und gerüstet für Extremszenarien (2018: 27). Sie sind in der Lage, den eingegangenen Versprechen auch in Zukunft nachzukommen.

29 Unternehmen mit komfortabler Solvenzkapitalausstattung

Der Studie zufolge weisen 29 Unternehmen (2018: 36) sogar eine komfortable Solvenzkapitalausstattung mit einer Nettoquote + VA von mehr als 300% auf. Sie sind demzufolge gut gewappnet in die aktuelle Krise gegangen und können ihren Kunden auch weiter höhere Leistungen anbieten, zum Beispiel in Form von Überschüssen oder Garantien im Neugeschäft.

Wie ein Unternehmen vorhandene Puffer nutzt, ist Teil der Unternehmensstrategie. Für Henning Kühl bleiben niedrige Marktzinsen das größte Problem für Lebensversicherer, weil sie Kundengelder hauptsächlich in festverzinsliche Papiere anlegen und hohe Garantien in den Beständen bedienen müssen. Effekte aktueller Wertverluste am Aktienmarkt sieht er in diesem Zusammenhang für die Branche eher weniger bedrohlich.

Weitere Informationen gibt es hier.

Lesen Sie auch: LV: Erste Solvenzquoten 2019 zeigen leicht rückläufigen Trend

Bild: © Farknot Architect – stock.adobe.com




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