Der Versicherer ERGO will in den nächsten fünf Jahren 1.000 Stellen abbauen. Laut einem Bericht im Handelsblatt will das Unternehmen bis 2030 jährlich etwa 200 Arbeitsplätze einsparen. Darauf habe man sich im Rahmen eines Interessenausgleichs mit den Arbeitnehmervertretern geeinigt. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen seien bis Ende 2030 allerdings ausgeschlossen. Derzeit beschäftigt ERGO knapp 17.000 Menschen in Deutschland.
Der Stellenabbau ist Teil der Unternehmensstrategie des Mutterkonzerns Munich Re. Munich Re will bis 2030 insgesamt 600 Mio. Euro einsparen, unter anderem durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dabei sieht Munich-Re-Chef Christoph Jurecka bei der ERGO großes Automatisierungspotenzial, heißt es in dem Artikel von Handelsblatt.
Stellenabbau basiert auf Freiwilligkeit
Das Unternehmen setzt dabei auf Freiwilligkeit. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungsprogramme erfolgen. „Niemand geht gegen seinen Willen“, wird ERGO-Personalvorständin Lena Lindemann zitiert.
Betroffen werden vor allem Funktionen mit repetitiven und standardisierten Aufgaben sein, darunter Tätigkeiten im Callcenter, bei der Schadenbearbeitung sowie bei einfacher Schriftgutbearbeitung. Solche Aufgaben könnten zunehmend durch KI übernommen werden. So werden etwa in der Krankenversicherung Arztrechnungen bereits heute automatisiert bearbeitet, was in weniger Bedarf für klassische Sachbearbeitung resultiere. Im Bereich Leben dagegen bestehe aufgrund Wachstum und neuer Produktinitiativen größerer Personalbedarf.
Fokus auf Reskilling - wo möglich
Gleichzeitig will das Unternehmen Mitarbeiter für neue Aufgaben qualifizieren. Geplant seien aktuell rund 500 sogenannte Reskilling-Plätze, etwa 260 davon bereits in diesem Jahr. Doch man müsse realistisch bleiben, so Lindemann. Umschulungen haben Grenzen. „Es ist schwierig, einen klassischen Sachbearbeiter auf hoch spezialisierte technische Data-Jobs umzuqualifizieren“, so Lindemann.
Neben dem Abbau in Deutschland sollen freie und frei werdende Stellen stärker „international besetzt werden“. Verwaltungs- und Servicefunktionen sollen teilweise nach Indien und Polen verlagert werden, weil dort bereits IT-Hubs aufgebaut sind und man dort Synergien und Erfahrungen nutzen können.
Wie es nach 2030 weitergeht, sei noch offen. „Wir planen bis 2030“, erklärt Lindemann gegenüber dem Handelsblatt. „Gleichzeitig beschäftigen wir uns fortlaufend damit, wie schnell die Entwicklung bei KI tatsächlich voranschreitet.“ (js)
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