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8. Januar 2026
Strategie statt Größe: Bernd Helmsauer erklärt seinen Rückzug
Strategie statt Größe: Bernd Helmsauer erklärt seinen Rückzug

Strategie statt Größe: Bernd Helmsauer erklärt seinen Rückzug

Der Rückzug von Bernd Helmsauer als Geschäftsführer der Helmsauer Holding hat den Markt überrascht. Im Interview mit AssCompact erklärt der Unternehmer die strategischen Gründe für seinen Schritt. Zudem spricht er über seine eigene künftige Rolle außerhalb des Maklergeschäfts.

Ein Interview mit Bernd Helmsauer, Geschäftsführer
Herr Helmsauer, Ihr Rückzug als Geschäftsführer der Helmsauer Holding kam für den Markt überraschend. Was war der konkrete Auslöser für diesen Schritt?

Der Rückzug war das Ergebnis eines grundlegenden strategischen Dissenses im Gesellschafterkreis. Es ging nicht um Personen, sondern um die Frage, wie sich eine Maklergruppe nachhaltig entwickeln lässt.

Worin bestand der Dissens mit dem Investor konkret?

Ich halte eine Wachstumsstrategie, die primär auf überwiegend kreditfinanzierten Zukäufen basiert, für problematisch. Integration und Nutzung von Synergien müssen im Mittelpunkt stehen. Zukäufe allein schafften keinen dauerhaften Wert.

Was passiert mit dem Versicherungsmaklergeschäft der Helmsauer-Gruppe nach Ihrem Rückzug?

Das Versicherungsmaklergeschäft wird fortgeführt. Die operative Verantwortung liegt nun vollständig bei Herrn Dr. Tischendorf, der die Holding und alle darunter angesiedelten Maklergesellschaften und den Assekuradeur führt. Ich selbst habe damit operativ nichts mehr zu tun. Meine Rolle beschränkt sich auf die eines Gesellschafters.

Viele Investoren argumentieren, dass Größe ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist. Warum teilen Sie diese Sicht nicht mehr?

Größe ist kein Selbstzweck. Sie erhöht die Komplexität. Ohne klare Integration steigen Kosten, Reibung und Abhängigkeit von immer neuen Übernahmen. Das Modell trägt sich dann nur so lange, wie ausreichend attraktive Kaufobjekte verfügbar sind.

Was hat sich denn im Marktumfeld geändert?

Ganz generell gilt, dass die Zahl der für Investoren wirklich attraktiven Maklerhäuser in Deutschland abnimmt. Von ca. 100 für Investoren relevanten Maklerhäusern sind 88 Häuser mittlerweile verkauft. Die verbleibenden befinden sich in fester Hand oder sind strukturell sehr stabil. Diesem investorenrelevanten Segment steht eine breite Mehrheit von Maklerbetrieben gegenüber, die lediglich ein bis fünf Mitarbeitende haben. Diese kleineren Unternehmen sind für viele Investoren in der Regel nicht attraktiv. Bei EBITDA-Größen von etwa 150.000 bis 200.000 Euro fressen Transaktions- und Due-Diligence-Kosten in der Anfangsphase einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Potenzials auf. Hier wird es bei manchen Konsolidierern neue Antworten benötigen.

Ihre beiden Söhne gehen nun mit dem „Helmsauer Verbund“ einen eigenen Weg. Was machen sie konkret?

Meine Söhne haben sich bewusst für einen unternehmerischen Neuanfang außerhalb der bisherigen Holding entschieden. Beide führen die Unternehmen gemeinsam. Ich selbst bin daran operativ und finanziell nicht beteiligt, auch wegen des bestehenden Wettbewerbsverbots.

Welche Gesellschaften haben Ihre Söhne mit dem „Helmsauer Verbund“ genau gegründet?

Diese Infos sind ja dem Internet zu entnehmen. Daraus geht hervor, dass vier Gesellschaften gegründet wurden: eine Holding, dann die Helmsauer Versicherungsmakler GmbH, die Helmsauer Zeichnungsstelle GmbH als Assekuradeur sowie die Deutsche Gesellschaft für betriebliche Vorsorge GmbH.

Welche Rolle nehmen Sie nach Ihrem Rückzug aus dem Versicherungsmaklergeschäft künftig ein?

Ich bin jetzt nicht arbeitslos, falls Sie das meinen (lacht). Selbstverständlich bleibe ich unternehmerisch aktiv. Innerhalb der Helmsauer Gruppe verantworte ich weiterhin 17 Gesellschaften, an denen ich 100% der Gesellschaftsanteile halte und die nicht dem Versicherungsmaklergeschäft zuzuordnen sind. Dazu zählen unter anderem eine Verrechnungsstelle für Ärzte, eine IT- Gesellschaft sowie ein Beratungszentrum für das Gesundheitswesen und Abrechnungsgesellschaften für sogenannte Selektivverträge (GKV-Leistungen). Dort bin ich weiterhin als Geschäftsführer tätig. Meine beiden Söhne sind seit dem 01. Januar ebenfalls in Teilzeit als angestellte Mitarbeiter in der Verrechnungsstelle für Ärzte tätig und werden von mir auf eine zukünftige Geschäftsführertätigkeit vorbereitet.

Das Wettbewerbsverbot wiederum schließt eine operative Tätigkeit im Versicherungsmaklergeschäft für mich aus. Daran halte ich mich konsequent. Meine weitere Rolle ist damit klar definiert und sauber abgegrenzt.

Wie hat der Markt auf die Veröffentlichung Ihres Rückzugs reagiert?

Unmittelbar nach der öffentlichen Kommunikation meines Rückzugs haben sich einige Konsolidierer bei mir gemeldet. Alle Anfragen zielten auf eine Tätigkeit als Berater bzw. Advisor ab. Die Geschwindigkeit und Anzahl dieser Anfragen haben selbst mich überrascht. Das zeigt, wie dynamisch der Markt aktuell ist. Ich habe allen abgesagt.

Zusätzlich haben mich ein paar Vorstandsvorsitzende und Vertriebsvorstände von Versicherungsunternehmen wegen einer Beratertätigkeit angefragt. Da bin ich momentan in der Prüfung.

 
Ein Interview mit
Bernd Helmsauer