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2. Dezember 2021
Studie konstatiert bei Fonds „Greenwashing im großen Stil“
Man painting green pollution from a chimney. greenwashing malpractice concept

Studie konstatiert bei Fonds „Greenwashing im großen Stil“

Finanzwende hat Nachhaltigkeitsfonds unter die Lupe genommen und kaum Unterschiede zu konventionellen Produkten entdeckt. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass nachhaltige Fonds weiterhin stark in Unternehmen investiert sind, die ihr Geld mit fossilen Energieträgern verdienen.

Finanzwende Recherche hat sich in einer aktuellen Studie mit den in Deutschland angebotenen nachhaltig investierenden Fonds beschäftigt. In der Analyse mit dem Titel „Greenwashing im großen Stil“ gelangen die Studienautoren zu der Ansicht, dass die Unterschiede zwischen konventionellen und nachhaltigen Fonds nur geringfügig sind.

Höhe des nachhaltig angelegten Kapitals steigt drastisch

Für die Auswertung, wie viel Geld insgesamt in in Deutschland erhältliche nachhaltige Fonds geflossen ist, wurden 446 Fonds von Finanzwende Recherche betrachtet. Das nachhaltig angelegte Nettovermögen stieg demnach seit 2010 von 30 Mrd. Euro auf 150 Mrd. Euro an. Die Zahl der Fonds erhöhte sich von knapp über 100 auf die besagten 446. Und der Anteil, gemessen am Vermögenswert, von nachhaltig investierenden Fonds in Deutschland stieg in diesem Zeitraum von 10% auf 18%.

Was steckt in nachhaltigen Fonds?

In einer zweiten Auswertung wollten die Studienautoren wissen, welche Wertpapiere nachhaltig investierende Fonds konkret halten. Zu diesem Zweck mussten alle Fonds aus der Analyse gestrichen werden, die keine Unternehmensanteile halten. Übrig blieben 314 Fonds, von denen jedoch 32 mittlerweile nicht mehr am Markt sind.

Abgleich mit MSCI World

In einem weiteren Schritt verglichen die Verbraucherschützer nun die Zusammensetzung der nachhaltigen Fonds mit der Zusammensetzung des MSCI World nach Sektoren. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Aufteilung nach Sektoren bei nachhaltigen Fonds den konventionellen Pendants sehr stark ähnelt.

Fokus auf Transport und Energie

Da die Sektoren „Transport“ und „Energie“ für die Frage der Nachhaltigkeit von herausragender Bedeutung sind, wurden sie einer näheren Betrachtung unterzogen. Ergebnis: Auch nachhaltige Fonds investieren im Sektor „Transport“ vorwiegend in die Automobilproduktion und nur nachrangig in den öffentlichen Verkehr.

Im Energiesektor sieht es kaum anders aus. Von den grob 3 Mrd. Euro, die nachhaltige Fonds in den Energiesektor investiert haben, entfallen fast 2 Mrd. Euro auf Erdöl und Erdgas. Der Kohleanteil ist zwar deutlich geringer als im Vergleichsindex MSCI World, aber auch in Kohleunternehmen stecken noch fast 100 Mio. Euro aus nachhaltigen Fonds.

ESG-Kriterien erfüllt?

Die Studienautoren führen im Weiteren verschiedene Unternehmen an, in die nachhaltige Fonds investiert sind, obwohl es sich bei ihnen um Erdöl- und Kohlebergbauunternehmen handelt. Dass Nachhaltigkeitsfonds Anteile von Amazon, Apple und Johnson & Johnson halten, wird unter sozialen Gesichtspunkten als problematisch thematisiert. Und auch Unternehmen mit Governance-Problemen listen die Studienautoren auf. Unter anderem war demnach auch Wirecard in zahlreichen nachhaltigen Fonds vertreten.

Konkreter Vergleich anhand zweier Fonds

Finanzwende unterstreicht die Ergebnisse mit dem Vergleich zweier Fondsprodukte der Deka. Hier finden die Autoren nur wenige Abweichungen im Hinblick auf die Fondszusammensetzung zwischen dem nachhaltigen Produkt „Deka-Nachhaltigkeit GlobalChampions“ und dem konventionellen Pendant „Deka GlobalChampions“.

Fazit

Das Fazit der Studienautoren fällt vernichtend aus: Problematische Sektoren und unverantwortlich agierende Unternehmen würden nicht konsequent aus dem Portfolio nachhaltiger Fonds ausgeschlossen. Auch sei keine Bevorzugung besonders zukunftsträchtiger Sektoren oder Unternehmen erkennbar.

Konsequente, nachvollziehbare Regeln nötig

Um hier Abhilfe zu schaffen, schlagen die Autoren vor, stringentere Regelungen für die Klassifizierung nachhaltiger Anlagen zu schaffen bzw. diese auszubauen. Problematische Sektoren wie Kohle sollten komplett ausgeschlossen werden. Außerdem müsse konkret definiert werden, wie zufriedenstellendes ökologisches und soziales Handeln auszusehen habe und was eine gute Firmenpolitik ausmache. (tku)

Bild: © tanaonte – stock.adobe.com