Die Reform der privaten geförderten Altersvorsorge wird den Markt kräftig aufmischen. Das erwartet die große Mehrheit der Anbieter, die Teil einer gemeinsamen Befragung von Strategy&, PwC Deutschland und der Assekurata Solutions GmbH waren. Insgesamt bewerten 96% der 25 befragten Anbieter – darunter Versicherer, Banken, Asset-Manager und FinTechs – die Bedeutung der Reform für den Markt der privaten Altersvorsorge in Deutschland als „eher groß“ oder „sehr groß“.
Zudem wollen die meisten keine Zeit verlieren. Die Reform wird zum 01.01.2027 in Kraft treten. Aktuell planen 68% der befragten Anbieter die Einführung neuer Produkte. 94% davon wollen im ersten Halbjahr 2027 in den Markt starten. Allerdings bereitet die genaue Umsetzung vielen noch Kopfzerbrechen, heißt es. So sei bei zahlreichen Gesellschaften weder die Effektivkostenquote abschließend definiert, noch die künftige Betriebs- und IT-Architektur vollständig festgelegt. 60% der Befragten haben bisher keine Effektivkostenquote für Depotprodukte definiert, bei Garantieprodukten liegt der Wert sogar bei über drei Viertel (76%).
Klare Entscheidungen benötigt
Die größten Herausforderungen stellen begrenzte Kapazitäten in der IT, regulatorische Unsicherheiten und die Frage, wie sich Abschluss- und Vertriebskosten künftig wirtschaftlich tragfähig über die Laufzeiten verteilen werden, dar.
Anbieter sollten nun nicht zögerlich agieren. „Zwischen Konkretisierung und Marktstart bleibt nur wenig Zeit. Umso wichtiger ist es, dass die Anbieter jetzt klare Entscheidungen treffen und die operativen Voraussetzungen zügig schaffen“, so Tim Braasch, Partner bei Strategy& Deutschland.
Umverteilung statt Neugeschäft
Ein weiterer Aspekt, mit dem sich die Studie beschäftigt hat, ist die potenzielle Wirkung der Reform auf den Markt der Altersvorsorge. Die Mehrheit der Anbieter rechnet demnach nicht mit einem stark wachsenden Neugeschäft, sondern eher mit einer Umschichtung bestehender Vorsorgeverträge. Nur ein Fünftel erwartet ein starkes Marktwachstum durch die Änderungen.
Vor allem Versicherer könnten im Falle einer solchen Umverteilung als Verlierer der Reform hervorgehen: Als wahrscheinlich gilt dabei vor allem eine Verlagerung von Versicherern zu Banken und Asset-Managern, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.
Es gilt daher nun, Kunden aktiv zu binden, oder zu riskieren, das Wachstum der Konkurrenz mit dem eigenen Bestand zu finanzieren. Der erwartete Wechselmarkt betreffe dabei nicht nur den Vertrieb, sondern ebenso Betrieb, Bilanzsteuerung und Vergütungsmodelle.
„Wer Vertrieb, Vergütung, Betrieb und Bilanz frühzeitig aufeinander abstimmt, kann seinen Bestand wirksam verteidigen. Wer hingegen nur reagiert, riskiert Abwanderungen an den Wettbewerb“, resümiert das Studienteam.
Seite 1 Studie zur pAV-Reform: Anbieter kämpfen mit Umsetzung
Seite 2 Produktlogik: Versicherer im Nachteil?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 15 Aufrufe
