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13. Februar 2026
Übernimmt ChatGPT künftig den Job von Vermittlern?
Übernimmt ChatGPT künftig den Job von Vermittlern?

Übernimmt ChatGPT künftig den Job von Vermittlern?

OpenAI hat ChatGPT nun für Versicherungsangebote via Apps von Drittanbietern geöffnet. Zu den ersten Unternehmen gehören der spanische Digitalversicherer Tuio, der Hausratlösungen anbietet, und die US-Vergleichsplattform Insurify. In der Versicherungsbranche ließ die Nachricht aufhorchen.

Der US-Softwareanbieter OpenAI hat erstmals Versicherungsangebote über integrierte Apps für ChatGPT zugelassen. Über die neue App-Bibliothek können Drittanbieter spezielle Anwendungen in ChatGPT einbinden. Bei den beiden ersten Unternehmen handelt es sich um den spanischen Digitalversicherer Tuio sowie um die US-Vergleichsplattform Insurify. Die Anbieter der Apps nutzen die KI-Vertriebsinfrastruktur des Technologieunternehmens WaniWani. Über die App von Tuio haben Nutzer in ChatGPT die Möglichkeit, sich personalisierte Angebote für Hausratversicherungen erstellen zu lassen. Insurify bietet einen Vergleich und teilweise den Abschluss von Versicherungen über seine Online-Plattform an.

Reaktion an der Börse

Nach der Ankündigung vor allem von Insurify gerieten vor allem die Aktien US-amerikanischer Maklerhäuser kurzzeitig unter Druck. So berichtete „Insurance Business“, die Zulassung der ersten auf Versicherungen spezialisierten ChatGPT-Apps habe die Versicherungsmärkte aufgerüttelt. „Nach der Bekanntgabe fielen die Aktien großer US-amerikanischer Broker wie Willis Towers Watson, Aon und Arthur J. Gallagher am 09.02.2026 um etwa 8 bis 11%. Dies spiegle die Besorgnis der Anleger über das disruptive Potenzial von KI wider“, wie das Medium weiter schreibt.

ChatGPT als zusätzlicher Vertriebskanal?

In der Branche sorgen die neuesten Entwicklungen für Gesprächsstoff. So stellt sich die Frage, ob sich ChatGPT nun zu einem zusätzlichen Vertriebskanal entwickeln und gar Vermittlern perspektivisch den Rang ablaufen wird. Gerade für beratungsintensive Sparten erwarten Branchenbeobachter keine Bedrohung für Makler. Dennoch ist bereits von einem „Meilenstein“ in der digitalen Versicherungsvermittlung die Rede. Denn die Versicherungs-Apps in ChatGPT setzen dort an, wo viele Kunden ohnehin schon recherchieren. Das Medium Reinsurance News zitiert Juan García, Mitgründer und CEO von Tuio, wie folgt: „Wir haben KI massiv genutzt, um unser Versicherungserlebnis zu verbessern und effizienter zu arbeiten. Als erster Anbieter, der live auf ChatGPT vertreten ist, können wir Neukunden direkt beim ersten Kontakt gewinnen.“ Für ein offizielles Angebot verweist Tuio Kunden auf die eigene Website.

DSGVO & Co.: Regulatorische Hürden in Deutschland

Ob solche Apps bald auch hierzulande verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten. Laut Handelsblatt gehen Branchenbeobachter davon aus, dass sich die Versicherer in Deutschland bereits mit den Optionen für eine Einbindung in ChatGPT befassen. Wie Stephen Voss, Mitgründer der Neodigital Versicherung, gegenüber dem Handelsblatt mitteilt, seien solche Angebote technisch möglich. Regulatorisch hält er es hierzulande aber für nur „schwer umsetzbar“. Voss verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die DSGVO und die Versicherungsvertriebsrichtlinie.

Das sagt der GDV

Die Frage, ob sich in diesem Zusammenhang auch regulatorische Probleme ergeben, verneint der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). So schreibt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, auf LinkedIn: „KI-Agenten verkaufen keine Versicherungen, somit liegt auch kein regulatorisches Problem vor. KI-Agenten unterstützen bei der Orientierung und Produktsuche. Darauf müssen sich alle Anbieter einstellen, deren Angebote gefunden werden sollen. Die Versicherer haben diese Entwicklung fest im Blick.“

Für Versicherungen in Deutschland gelte dabei ganz klar: Angebote würden ausschließlich von regulierten Anbietern stammen, dazu gehören Versicherer ebenso wie Vergleichsportale oder andere zugelassene Versicherungsvermittler. „Wer Versicherungen anbietet oder vermittelt, muss die geltenden Regeln einhalten – unabhängig davon, ob KI-Agenten oder andere digitale Tools genutzt werden“, so Asmussen weiter.

Weitere Anbieter werden mit Apps nachziehen

Wie Raphael Vullierme, Mitgründer von WaniWani, in Medienberichten zitiert wird, würden weitere KI-Apps für Versicherungen bereits in den Startlöchern stehen. Zudem würden andere Dienste wie Anthropics oder Google für Gemini an eigenen Standards für Drittanbieter-Apps arbeiten. Was die künftigen Entwicklungen angeht, meint Vullierme: „Jeder Versicherer wird betroffen sein, unabhängig davon, ob er eine KI-App entwickelt hat oder nicht.“ (tik)

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