AssCompact suche
Home
Management & Wissen
4. September 2026
Warum wir über die Generation Alpha anders sprechen müssen

2 / 2

Warum wir über die Generation Alpha anders sprechen müssen

Warum wir über die Generation Alpha anders sprechen müssen

Das hat Folgen!

Wenn ein Kind früh lernt, dass ein Klick sofortige Belohnung bringt, dass ein Produkt Zugehörigkeit verspricht, dass ein verpasster Drop sozialer Ausschluss sein kann und dass jeder Wunsch direkt erfüllt werden könnte, dann verändert das Erwartungen. An Kommunikation, an Reaktionsgeschwindigkeit, an Beratung, an Arbeitgeber, an Führung und auch an Finanz- und Versicherungsprodukte.

Für unsere Branche ist das unbequem im Hinblick auf Produkte, die in Apps junger Menschen bereits integriert sind, aber auch eine große Chance. Die Versicherungswirtschaft kann entweder weiter darüber klagen, dass junge Menschen sich angeblich nicht für Vorsorge, Risikoabsicherung oder langfristige Planung interessieren, oder sie kann verstehen, dass Orientierung in einer überreizten Welt wertvoller wird als das nächste Produktargument.

Gerade junge Menschen brauchen keine Branche, die noch lauter wird, sie brauchen eine Branche, die verständlicher wird. Das bedeutet nicht, dass Beratung zum TikTok-Video werden muss. Es bedeutet aber, dass wir akzeptieren müssen, dass Aufmerksamkeit nicht mehr selbstverständlich ist.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie bekommen wir junge Menschen dazu, wieder so zu werden wie früher?

Die entscheidende Frage lautet: Wie schaffen wir Orientierung für Menschen, die in einer Umgebung aufwachsen, die permanent Ablenkung, Vergleich und Konsum erzeugt?

In meinem Buch „Nach Generation Z kommt Alpha“ beschreibe ich genau diesen Bruch. Junge Menschen sind nicht das Problem. Sie sind das Ergebnis ihrer Sozialisierung. Wer Generation Z verstehen will, muss ihre digitalen Startbedingungen verstehen. Wer Generation Alpha führen, ausbilden oder später beraten will, muss noch einen Schritt weiter gehen. Denn diese Generation wächst nicht mit digitalen Medien auf, sie wächst in digitalen Geschäftsmodellen auf.

Das ist ein massiver Unterschied!

Für Führungskräfte heißt das: Wir brauchen mehr Klarheit, mehr Beziehung und mehr Einordnung. Für Ausbilder heißt es: Wir müssen erklären, warum Dinge wichtig sind, nicht nur, dass sie erledigt werden müssen. Für Vermittlerinnen und Vermittler heißt es: Finanzbildung beginnt nicht erst beim Produkt, sondern beim Verständnis von Konsum, Risiko, Entscheidung und Verantwortung.

Wenn Kinder früher zu Konsumenten gemacht werden, müssen Erwachsene früher Orientierung geben. Das ist keine Aufgabe für Eltern allein, es ist eine Aufgabe für Schulen, Unternehmen, Politik und auch für Branchen, die sich mit Zukunft, Sicherheit und Verantwortung beschäftigen. Genau deshalb betrifft dieses Thema die Versicherungswirtschaft unmittelbar.

Denn eine Gesellschaft, die Kindern früher Konsum beibringt als Selbststeuerung, darf sich später nicht wundern, wenn langfristige Vorsorge schwer vermittelbar wird. Vom Kind zum Konsumenten ist keine steile These, es ist längst Realität. Die Frage ist nur, ob wir Erwachsene endlich bereit sind, nicht nur über Bildschirmzeit zu sprechen, sondern über die Systeme, die in dieser Zeit wirken.

Lesen Sie auch: Wie Führung in einer komplexen Welt gelingt

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.