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17. März 2026
Welche finanziellen Fragen ältere Eigentümer beschäftigen
Welche finanziellen Fragen ältere Eigentümer beschäftigen

Welche finanziellen Fragen ältere Eigentümer beschäftigen

Auch mit zunehmendem Alter im eigenen Zuhause zu bleiben, wünschen sich viele Haus- und Wohnungsbesitzer über 60 Jahren. Wie Makler diese Zielgruppe bei Modernisierungsplänen, möglichen Liquiditätsengpässen und der Vermögensplanung wirksam begleiten.

Ein Beitrag von Rainer Hagenbucher, Fachbereichsleiter der Allianz Baufinanzierung

Die große Mehrheit der über 60-Jährigen möchte in den eigenen vier Wänden alt werden. Das bestätigt eine aktuelle Erhebung der Allianz Baufinanzierung. Bundesweit wurden mehr als 1.100 Immobilieneigentümer, die älter als 60 Jahre sind, befragt. Doch was bedeutet der Wunsch, im Eigenheim zu bleiben, konkret für die jeweilige Lebensplanung? Reichen die finanziellen Mittel? Braucht es zusätzliches Kapital für Renovierungen oder die Absicherung des Pflegefalls? Was, wenn Kinder und Enkel finanziell unterstützt werden sollen? Genau diese Fragen gilt es mit Kunden zu besprechen. Denn nicht immer sind so viele liquide Mittel vorhanden, dass es zur Lebensplanung passt.

Die Erhebung zeigt klar: Der bauliche Zustand der eigenen Immobilie, mögliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten, ungeplante Sonderausgaben und der Wunsch, etwas zu vererben, beschäftigen ältere Immobilienbesitzer.

Mangelnde Barrierefreiheit und Sanierungsbedarf

Denn ob man wie geplant in der eigenen Immobilie alt werden kann, hängt auch wesentlich vom Zustand dieser Immobilie ab. Die Häuser und Wohnungen der befragten Immobilienbesitzer sind im Durchschnitt etwa 133 m2 groß und 43 Jahre alt. Es verwundert also nicht, dass knapp drei Viertel der Immobilien nicht barrierefrei sind und mindestens kleinere Sanierungen, wenn nicht sogar größere, erforderlich sind. 44% der Befragten, die grundsätzlich Renovierungs- oder Modernisierungsbedarf haben, sehen die Notwendigkeit für einen Treppenlift, 35% für einen Bad­umbau und 33% für einen barrierefreien Zugang.

Mit den möglichen Kosten für einen Umbau oder eine Sanierung hat sich jedoch nur knapp die Hälfte der älteren Immobilienbesitzer bereits auseinandergesetzt. 29% haben eine grobe Vorstellung von der Kostenhöhe für ihre Renovierungsvorhaben. Immerhin 15% haben ihren Investitionsbedarf konkret berechnet. Von den Menschen, die bereits eine Vorstellung von den Kosten für Sanierungen oder Modernisierungen haben, geht etwa ein Fünftel davon aus, dass sie mehr als 50.000 Euro in ihre Immobilie investieren müssten. Mit 42% schätzt die Mehrheit das Investitionsvolumen auf 20.000 bis 50.000 Euro.

Frage der Finanzierung als Damoklesschwert

Unabhängig davon, ob die Kosten bekannt sind, ist die Frage der Finanzierung für knapp 40% der Befragten die zentrale Hürde bei Sanierungen und Modernisierungen. Die Befragten sind sich sicher, Modernisierungen oder Umbauten nur teilweise oder gar nicht aus eigenem Kapital stemmen zu können. Wo das Geld dazu fehlt, würden drei Viertel die Maßnahmen reduzieren oder ganz darauf verzichten. Einen Kredit aufzunehmen, wäre für die meisten ein erheblicher Schritt. Nur 16% konnten sich das im Rahmen der Befragung ohne Weiteres vorstellen.

Immobiliendarlehen als mögliche Option

Doch wenn sich Barrieren abbauen lassen und dies den Menschen ermöglicht, länger mit einer höheren Lebensqualität im eigenen Zuhause zu bleiben, dann lohnt es sich, die Option eines Darlehens zu prüfen. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass es jenseits klassischer Angebote und des Teilverkaufs auch Finanzierungen wie das BestAger Immobiliendarlehen der Allianz gibt, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. Dieses Darlehen ermöglicht, die eigene Immobilie zu beleihen und selbst Eigentümer zu bleiben. Auf Wunsch kann die Tilgung ausgesetzt und den Erben überlassen werden, sodass nur die Darlehenszinsen gezahlt werden.

Mit einer solchen Möglichkeit lässt sich dann auch leichter sagen: Ich bleibe im Alter im eigenen Heim. Und das ist Männern wie Frauen gleichermaßen wichtig. Bei Hausbesitzern ist der Wunsch, in der eigenen Immobilie zu bleiben, besonders stark ausgeprägt. 66% der Hausbesitzer können sich nicht vorstellen, das eigene Heim je zu verlassen.

Finanzielle Unterstützung für Kinder und Enkel

Zusätzliches Kapital durch ein Immobiliendarlehen freizusetzen, kann auch eine Option sein, wenn es darum geht, Kinder und Enkel bei deren Träumen finanziell zu unterstützen. Das ist vielen ein Anliegen. Immerhin für gut 60% der über 60-jährigen Immobilienbesitzer ist es wichtig, einen Teil des Ersparten an Nachkommen weitergeben zu können.

Ein erheblicher Teil der Menschen über 60 Jahren hat zudem bereits damit begonnen, Vermögen an Erben zu übertragen. 40% haben dies bereits getan oder planen dies noch vor ihrem Tod zu tun. Für die Kinder und Enkel ist dies oft eine wertvolle Starthilfe, denn ohne eine solche finanzielle Unterstützung könnten sich viele jüngere Menschen beispielsweise keine eigene Immobilie leisten. Oft macht es erst eine solche Finanzspritze für die nächste Generation möglich, mit einem soliden Eigenkapitalpolster von 20 bis 30% zu finanzieren.

Fragen rund um die Vermögensübertragung

Gerade wenn es darum geht, Vermögen früh zu übertragen, gibt es vieles zu besprechen: von der Steuerlast bis hin zur eigenen monatlichen Belastung. Und die Zielgruppe für solche Gespräche ist nicht klein. Immerhin 33% der über 60-jährigen Immobilienbesitzer sind davon überzeugt, dass ihr angespartes Kapital im Alter auch für größere Konsumwünsche wie Reisen, Wohnmobil und Renovierungen reichen wird. Dass sie genügend Geld angespart haben, auch um sich hin und wieder etwas zu gönnen, davon gehen weitere 48% aus. Kapital ist also da. Das heißt, um die 80% der Immobilienbesitzer schätzen ihre eigene finanzielle Situation in der Rentenphase positiv bis sehr positiv ein.

Eventualitäten in der Beratung ansprechen

Selbst unter guten finanziellen Voraussetzungen sollte die Unterstützung der Nachkommen jedoch nicht auf Kosten der eigenen Lebensqualität oder der eigenen finanziellen Sicherheit gehen. Ob es um die Finanzierung eines Treppenlifts oder die eigene Pflege geht, auch diese Aspekte müssen in einer Beratung thematisiert werden. Speziell Ausgaben für Gesundheit und Pflege sind für viele Senioren ein großer Unsicherheitsfaktor. Mehr als 40% fürchten, gar nichts mehr vererben zu können, weil die Ausgaben dafür entsprechend hoch sein werden.

Realistischer Überblick über mögliche Kosten

Umso entscheidender ist es also für Vermittler, mit den Kunden ein realistisches Bild der Ausgaben für diesen Lebensabschnitt zu entwickeln, das die eigene Lebens­qualität nicht vernachlässigt. Und vielleicht ist ein Darlehen dann eben doch die Lösung, um bei Bedarf Kapital für eine zusätzliche lebenslange Rente oder die Absicherung der Pflegebedürftigkeit zu haben. Dabei ist das daraus resultierende Geld zu einem marktüblichen Zins verfügbar – ohne dass die Immobilie verkauft werden muss. Das verbindet den Wunsch vieler, etwas zu vererben, mit den persönlichen finanziellen Bedürfnissen im Alter. Das schafft Vertrauen – auch bei der nächsten Generation.

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Ein Artikel von
Rainer Hagenbucher