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12. Oktober 2026
Wie BlackRock das AV-Depot in Angriff nimmt
Wie BlackRock das Altersvorsorgedepot in Angriff nimmt

Wie BlackRock das AV-Depot in Angriff nimmt

Die Investmentbranche hatte es in Deutschland auf politischer Ebene lange schwer – gelten der gemeine Deutsche doch als risikoscheu und Aktien als böse Zockerei. Im Januar aber weht ein frischer Wind bei der geförderten Altersvorsorge. Wie stellt sich der Branchenprimus BlackRock auf diese neue Produktwelt ein?

Interview mit David Wenicker, Leiter Wealth für Deutschland bei Blackrock
Herr Wenicker, die Reform der privaten Altersvorsorge nimmt nun erstmals in Deutschland die reine Anlage am Kapitalmarkt mit staatlicher Förderung in den Fokus. Wie steht BlackRock zu der Reform?

Mit dem Altersvorsorgedepot und der Einigung auf die Frühstart-Rente sind Ende vergangenen Jahres zentrale Reformen der privaten Altersvorsorge erfolgreich angestoßen worden. Durch die Öffnung für kapitalmarktbasierte Anlageformen und verbesserte Fördermechanismen wurden erstmals spürbare Anreize für eine kapitalgedeckte Vorsorge gesetzt. Aus unserer Sicht hat die Reform das Potenzial, Millionen Menschen in Deutschland dabei zu unterstützen, langfristig Vermögen aufzubauen und ihre Altersvorsorge stabiler aufzustellen. Gleichzeitig kann sie für den deutschen Kapitalmarkt einen Beitrag leisten, da so mehr Sparguthaben produktiver investiert werden können, zum Beispiel in Innovation, Wachstum und Infrastruktur.

Viele Ihrer Produkte dürften im Rahmen des Alters­vorsorgedepots förderfähig sein. Planen Sie weitere, konkret als AVD konzipierte Produkte?

Mehr als die Hälfte der Gelder, die uns weltweit anvertraut werden, sind Gelder, die für die Altersvorsorge bestimmt sind. Das bedeutet, dass viele Produkte, die wir heute im Angebot haben, sprich ETFs, aktive Fonds und auch ELTIFs, bereits von Anlegern für die Altersvorsorge genutzt werden. Wir sind aber bestrebt, unser Angebot kontinuierlich auszubauen, um Anlegern mehr Auswahl und auch Produktinnovationen an die Hand zu geben. In vielen Ländern begleiten wir Kunden bereits erfolgreich mit staatlich geförderten Vorsorgelösungen. Die dabei gewonnene Expertise bringen wir nun auch in Deutschland ein.

Erwarten Sie Stau bei der Zertifizierung? Werden AVD-Produkte wirklich direkt zum 01.01.2027 starten?

Wir erwarten, dass viele Vertriebspartner zunächst mit einem einfachen AVD-Angebot an den Start gehen werden, um dann in den Folgemonaten und -jahren das Angebot sukzessive auszubauen und vielfältiger zu gestalten. Die Vorgehensweise sollte dazu führen, dass es keinen Stau bei der Zertifizierung geben sollte.

Warum ein AVD genau bei BlackRock anlegen? Worin unterscheiden Ihre Produkte sich von denen Ihrer Mitbewerber?

Als großer Vermögensverwalter und bekannter ETF-Anbieter, der seit über 30 Jahren im deutschen Markt ansässig ist, vertrauen viele Anleger in Deutschland bereits unseren Produkten und Lösungen. Vertrauen ist das A und O bei einer langfristigen Geldanlage und insbesondere, wenn es um die Altersvorsorge geht. Anleger wissen, dass sie Verlässlichkeit und höchste Qualität von BlackRock bekommen. Das ist etwas, was uns in besonderem Maß auszeichnet.

Welche Vertriebswege werden Sie für Ihre AVD-Produkte nutzen?

Der Vertrieb zum Endkunden erfolgt über unsere Vertriebspartner wie klassische Banken, Versicherer, Onlinebanken, Neobroker und unabhängige Finanzdienstleister. Gerade das ist einer der großen Unterschiede zu früheren Vorsorgeprodukten wie Riester: Das Altersvorsorgedepot kann in der gesamten Breite der Finanzindustrie angeboten werden, auf rein digitale Weise oder auch durch den persönlichen Finanzberater. Das stellt sicher, dass den unterschiedlichen Bedürfnissen der Anleger in Deutschland Rechnung getragen werden kann.

Sie sind dieses Jahr auch auf der DKM vertreten. Wird der Versicherungsmaklermarkt für Sie nun auch spannender?

Wir beobachten, dass der Markt für fondsgebundene Versicherungen weiter an Bedeutung gewinnt. In diesem Segment spielen ETFs heute bereits eine zentrale Rolle: Sie werden von Anlegern immer stärker nachgefragt, nicht nur aufgrund ihrer Popularität, sondern auch wegen Ihrer Kosteneffizienz, ihrer einfachen Handhabung und der breiten Diversifikation, die sie ermöglichen. Sie lassen sich zudem hervorragend in moderne Versicherungsprodukte integrieren. Gleichzeitig erfreuen sich unsere aktiv gemanagten ETFs und aktive Fondsbausteine großer Nachfrage von Versicherern und ihren Kunden, da sie spezifische Anlageziele und individuelle Bedürfnisse adressieren.

Was werden Sie tun, um sich in diesem Markt weiter zu etablieren?

Abseits von Investmentlösungen wollen wir Versicherer und angeschlossene Vertriebe noch stärker mit unserer führenden Risikomanagementtechnologie unterstützen. Unser Ziel ist, ihnen dabei zu helfen, bessere Portfolios für ihre Kunden zu konstruieren und zugleich ein besseres Verständnis für Portfoliochancen und -risiken zu schaffen. Dafür haben wir Anwendungen entwickelt, die gezielt auf die Bedürfnisse von Portfoliomanagern, Beratern und Vermittlern zugeschnitten sind. Um Versicherungsvertreter und freie Finanzdienstleister noch besser zu unterstützen, bauen wir zudem ein Team bei uns im Haus auf, das explizit diese Beratergruppen bei Fragen zu unseren Produkten und Technologielösungen unterstützt.

Die Versicherungsbranche hadert mit der Reform aufgrund des Kostendeckels von 1% beim Standardprodukt und der Verteilung der Abschlusskosten auf die gesamte Vertragslaufzeit. Wie ordnen Sie das ein?

Die Reform wird von Versicherern unterschiedlich bewertet: Die einen sehen Risiken für ihre bestehenden Riesterbestände, die anderen eine große Chance, da die private Altersvorsorge durch das neue Altersvorsorgedepot noch mal viel stärker ins Bewusstsein der Deutschen rückt. In vielen Gesprächen haben wir jedoch Häuser erlebt, für die Kostendeckel und Rahmenbedingungen kein Hindernis sind. Sie stellen sich der Entwicklung offen und entwickeln gemeinsam mit uns attraktive Lösungen für Ihre Kunden.

Was sagen Sie zu der Kritik, dass beim Auszahlplan, der jetzt auch bei staatlich geförderten Produkten möglich ist, das Langlebigkeitsrisiko nicht abgesichert ist?

Das Altersvorsorgedepot muss immer im Gesamtpaket der drei Säulen gesehen werden. Der Auszahlplan sollte daher niemals als die einzige Absicherung gesehen werden. Menschen können selbst entscheiden, ob der Auszahlplan zu ihrer Absicherungssituation passt oder ob sie auf die auch im Altersvorsorgdepot mögliche Lösung im Versicherungsmantel setzen, wenn sie ihr Langlebigkeitsrisiko absichern wollen. Gerade bei diesen Fragestellungen kann ein Berater den entsprechenden Kunden sicherlich Mehrwert bieten. Eine gute Absicherung im Alter basiert auf einer diversifizierten Lösung.

Wird der Wettbewerb in der privaten Altersvorsorge durch die Reform intensiver werden?

Der Markt und das Wachstumspotenzial sind groß, und ebenso vielfältig werden die Angebote der verschiedenen Anbieter sein, genauso wie die Bedürfnisse der Menschen. Manche legen Wert auf Sicherheit, andere sind eher bereit, höhere Risiken einzugehen. Einige treffen ihre Entscheidungen selbst, andere setzen bewusst auf professionelle Beratung. Der Wettbewerb wird attraktive Lösungen und Innovation fördern. Klar ist, dass die Reform eine große Chance für Deutschland ist und vielen Menschen in Deutschland helfen wird, besser für das Alter vorzusorgen.

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