Interview mit Holger Ehses, der als Vorstand u. a. die Produktentwicklung der Tierversicherungen bei der HanseMerkur verantwortet
Herr Ehses, welche Trends sehen Sie generell im Markt und wie entwickelt sich die Sparte bei der HanseMerkur?
Eines sehen wir deutlich: Die emotionale Bindung zu Haustieren ist unverändert hoch. Für viele Menschen sind Hund oder Katze ein festes Familienmitglied. Gleichzeitig steigen die finanziellen Belastungen, insbesondere bei Tierarztkosten. Der Markt ist wettbewerbsintensiv, mit Angeboten von Basistarifen bis hin zu Premiumlösungen. Für die HanseMerkur bleiben Tierversicherungen ein klares Wachstumsfeld. Das starke Neugeschäft bestätigt uns, dass unsere Produkte und Services gut ankommen. Die HanseMerkur zählt inzwischen zu den Top-Tierversicherern in Deutschland und wir wollen diese Position weiter ausbauen.
Sie haben kürzlich Ihre Tier-OP- und Tierkrankenversicherungen überarbeitet. Was muss eine Tierversicherung im Schadenfall heutzutage denn leisten? Und was wird von Kunden besonders gewünscht?
Aus meiner Sicht prägen heute drei Entwicklungen den Markt: steigende Tierarztkosten, medizinischer Fortschritt und höhere Erwartungen an Transparenz und Service. Im Schadenfall erwarten Kunden vor allem finanzielle Entlastung ohne Überraschungen – also hohe Erstattungssätze und eine klare Leistungsstruktur. Die Leistungen müssen zur Gebührenordnung für Tierärzte und zur modernen Diagnostik passen. Ebenso wichtig sind Verlässlichkeit und Fairness, etwa durch einen Kündigungsverzicht im Schadenfall und lebenslangen Versicherungsschutz. All dem tragen wir mit unseren neuen Produkten Rechnung. Darüber hinaus stehen digitale Prozesse wie einfache Schadenmeldung per App und eine schnelle Erstattung im Fokus.
Was hat sich also bei dem Update verändert und vor allem: Warum? Und haben Sie bei der Versicherung eine besondere Zielgruppe im Blick?
Unsere neuen Tarife sind flexibler und leistungsstärker. Dazu gehören erweiterte Leistungen, mehr Wahlfreiheit durch modulare Bausteine und langfristige Sicherheit. So greift der Kündigungsverzicht im Schadenfall in allen Tariflinien ab Versicherungsbeginn, und ab dem vierten Versicherungsjahr bieten wir Optionen für einen lebenslangen Versicherungsschutz. So können Tierhalter dauerhaft auf eine verlässliche Absicherung vertrauen. Gleichzeitig sind die Produkte intuitiv aufgebaut, damit Kunden unkompliziert genau den Schutz wählen können, der zu ihrer Lebenssituation passt. Unsere Zielgruppe umfasst alle Hunde- und Katzenhalter – vom preisbewussten Einsteiger, für den wir Tarife zu sehr fairen Konditionen anbieten, bis zum anspruchsvollen Kunden, der rundum abgesichert sein will.
Was ist denn aus Ihrer Erfahrung das Wichtigste für die meisten Tierbesitzer in Sachen Risikoschutz? Worauf achten diese besonders?
Die meisten Tierbesitzer wollen sicherstellen, dass ihr Tier im Krankheitsfall optimal abgesichert ist und notwendige Behandlungen nicht an finanziellen Grenzen scheitern. Ebenso wichtig ist eine schnelle und unkomplizierte Kostenübernahme im Leistungsfall. Wir sehen, dass sich ein Großteil unserer Kunden bewusst für einen leistungsstarken Schutz entscheidet. Die optimale Lösung hängt stark von individuellen Bedürfnissen ab.
Und welche Tiere versichern Sie und gibt es hier z. B. Gesundheitsfragen, Wartezeiten und Ausschlüsse?
Wir nehmen Hunde und Katzen in unseren Versicherungsschutz auf, die bei Vertragsbeginn gesund sind und keine Vorerkrankungen haben. Das mögliche Höchstalter für die Aufnahme hängt vom jeweiligen Produkt und dem gewünschten Leistungsumfang ab.
Manche Rassen sind für bestimmte Krankheiten prädestiniert. Wie gehen Sie als Versicherer damit um?
Die Rasse ist für uns ein wesentliches Tarifierungsmerkmal. Die Höhe des Beitrags orientiert sich unter anderem am jeweiligen rassespezifischen Risiko. So stellen wir sicher, dass jeder Tierhalter einen fairen Beitrag zahlt. Bei besonderen Erkrankungen, die auch rassespezifisch sein können, gilt je nach Produktlinie eine verlängerte Wartezeit.
Welche Zahlen liegen Ihnen denn konkret zu Schadenquoten bei verschiedenen Tierarten vor? Welche Tierart weist die meisten Schadenfälle auf?
Die Häufigkeit von Schadenfällen spielt eine wichtige Rolle, aber auch die Kosten pro Behandlung können stark variieren. Sie hängen unter anderem von Größe oder Gewicht des Tieres ab – eine Katzenbehandlung ist im Schnitt deutlich günstiger als die eines großen Hundes. In der Hundehalterhaftpflicht wiederum sind andere Faktoren entscheidend, etwa Temperament oder Verhalten des Hundes.
Verbraucherschützer beanstanden Tierversicherungen oft als unnötig und teuer. Zudem kritisieren sie das außerordentliche Kündigungsrecht, nach dem Gesellschaften die Versicherung nach einem Schadenfall kündigen können. Wie sehen Sie das?
Tierversicherungen schützen vor finanziellen Risiken, die viele allein kaum stemmen könnten – und genau deshalb greift diese Kritik aus meiner Sicht zu kurz. Ernsthafte Erkrankungen oder Unfälle können schnell mehrere Tausend Euro kosten; eine Operation kann je nach Aufwand schnell bei 3.000 bis 5.000 Euro liegen. Solche Summen kann kaum jemand spontan abrufen. Wer monatlich 20 Euro für solche Fälle zurücklegt, braucht für einen Betrag in dieser Größenordnung rund 20 Jahre. Eine Versicherung macht diese Kosten planbar und stellt sicher, dass ein Tier im Ernstfall sofort und ohne finanzielle Sorgen behandelt werden kann. Bei unseren neuen Produkten gilt der Kündigungsverzicht im Schadenfall im Übrigen ab dem ersten Tag, und ab dem vierten Versicherungsjahr bieten wir Optionen für lebenslangen Versicherungsschutz. Das zeigt: Wir wollen langfristige Sicherheit bieten und lassen niemanden nach einem Schadenfall fallen.
Seit der Aktualisierung der Gebührenordnung für Tierärzte 2022 haben sich die Kosten für Behandlungen stark erhöht. Laut einer AssCompact Befragung von 2022 geht fast die Hälfte der Makler davon aus, dass die Relevanz von Tierversicherungen in den kommenden Jahren noch steigt. Sehen Sie das ähnlich und wie stark müssen Sie als Versicherer hier immer wieder Anpassungen vornehmen?
Der Markt bleibt in Bewegung. Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau und werden – wenn notwendig – verantwortungsvoll reagieren. Unsere bisherigen Erfahrungen helfen uns, die Produkte stabil und zukunftsfähig zu gestalten.
Wie unterstützen Sie Vermittler bei der Beratung zur Tierversicherung?
Vermittler profitieren bei uns von persönlichen Ansprechpartnern in der Region, die speziell für das Thema geschult sind. Darüber hinaus stehen alle wichtigen Informationen in unserem Vertriebsportal zur Verfügung. Bei individuellen Angebotsfragen unterstützen wir selbstverständlich direkt.
Haben Sie selbst ein Haustier und wie ist es versichert?
Ja, ich habe einen Kater namens Spike. Er ist tatsächlich nicht versichert, weil wir ihn bereits 2020 aufgenommen haben. Die Tierkrankenversicherung der HanseMerkur gibt es erst seit 2022, und zu diesem Zeitpunkt ist Spike leider nicht mehr durch die Gesundheitsprüfung gekommen. Da gibt es auch für Vorstandskatzen keine Extrawurst.
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