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23. Mai 2026
Tierversicherungen verkaufen sich nicht nebenbei

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Tierversicherungen verkaufen sich nicht nebenbei

Tierversicherungen verkaufen sich nicht nebenbei

Ein Haustier bedeutet Verantwortung – finanziell, organisatorisch und emotional. Martin Markowsky hat sich auf Tierversicherungen spezialisiert und weiß, dass Hund oder Katze für viele Menschen zur Familie zählen.

Interview mit Martin Markowsky, Geschäftsführer der DOGVERS GmbH
Herr Markowsky, welchen Stellenwert haben Haustiere heute in der Gesellschaft?

Haustiere haben in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. Für viele Menschen sind sie längst ein fester Teil der Familie und nicht mehr nur ein Begleiter im Alltag. Diese Entwicklung war schon vor der Corona-Pandemie sichtbar, hat sich in dieser Zeit aber deutlich beschleunigt.

Während der Pandemie haben sich viele Menschen ein Tier angeschafft. Der Wunsch nach Nähe, Struktur im Alltag und emotionaler Unterstützung hat dazu geführt, dass v. a. Hunde stark nachgefragt waren. Gleichzeitig hat sich die Bindung zwischen Mensch und Tier intensiviert, da viele Besitzer deutlich mehr Zeit mit ihren Tieren verbringen konnten. Diese Entwicklung wirkt bis heute nach. Damit steigt gleichzeitig die Bereitschaft, Geld in Gesundheit, Ernährung und Absicherung der Tiere zu investieren. Doch es gibt auch eine proble­matische Seite: Nach der Pandemie ist eine große Zahl von Hunden wieder abgegeben worden und viele Tierheime standen plötzlich vor massiven Herausforderungen.

Gibt es denn Zahlen dazu, wie viele Menschen für ihre Tiere eine Versicherung abgeschlossen haben?

Die Zahlen schwanken je nach Quelle, aber ein klares Bild zeigt sich trotzdem. In Deutschland sind mehrere Millionen Hunde und Katzen kranken- oder OP-versichert. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 15 bis 20% der Hunde eine OP- oder Krankenversicherung haben. Bei Katzen ist die Quote deutlich niedriger. Es hat eine Zeit gedauert, bis bei Katzenhaltern die deutlich höheren Kosten durch die geänderte Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) angekommen sind. Seit dieser Anpassung sind die tierärztlichen Kosten für Katzen denen für Hunde gleichgestellt. Katzen gelten statistisch aber als weniger krankheitsanfällig, weshalb viele Halter die steigenden Kosten zunächst nicht unmittelbar gespürt haben. In­zwischen erkennen immer mehr Katzenhalter, welche finanziellen Risiken mit tierärztlichen Behandlungen verbunden sind. Entsprechend steigen aktuell auch die Zahlen bei der Absicherung von Katzen. Doch es besteht hier noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Sie haben kürzlich einen LinkedIn-Beitrag veröffentlicht, in dem es um eine verpflichtende Hundekrankenversicherung geht – ein kontroverses Thema. Es gibt natürlich diverse Pro- und Kontrapunkte, aber was ist Ihre Meinung dazu?

Die Idee einer verpflichtenden Hundekrankenversicherung klingt auf den ersten Blick für viele Menschen logisch: Wenn jeder Hund versichert wäre, könnten Tierarztkosten immer bezahlt werden. In der Theorie wirkt das wie eine einfache Lösung. In der Praxis ist sie das nicht.

Ich bin klar gegen eine solche Pflichtversicherung. Nicht weil Versicherungen grundsätzlich schlecht wären – im Gegenteil, ich beschäftige mich beruflich täglich damit –, sondern weil eine Pflichtversicherung in diesem Bereich niemals wirklich gerecht umgesetzt werden kann. Versicherungen funktionieren über Risikokalkulation. Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Vorerkrankungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Deshalb gibt es Altersgrenzen, Wartezeiten oder Ausschlüsse. Wenn der Staat nun eine Pflichtversicherung einführen würde, müsste jedes Tier versicherbar sein – unabhängig von Risiko, Alter oder Gesundheitszustand.

Spätestens an diesem Punkt beginnt das Problem: Entweder die Beiträge explodieren für alle oder der Staat müsste massiv eingreifen. Beides wäre am Ende weder für Tierhalter noch für Versicherer sinnvoll. Man darf außerdem nicht vergessen: Eine Pflichtversicherung löst nicht das eigentliche Problem. Wer sich heute keinen Tierarzt leisten kann oder möchte, wird durch eine zusätzliche Pflichtabgabe nicht automatisch verantwortungsvoller.