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23. März 2026
Wie mentale Gesundheit auf den Unternehmenserfolg einzahlt
Wie mentale Gesundheit auf den Unternehmenserfolg einzahlt

Wie mentale Gesundheit auf den Unternehmenserfolg einzahlt

In einer Branche, die von Vertriebsdruck und Wandel geprägt ist, wird mentale Gesundheit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Francesco Jäger erklärt, warum der „Fisch vom Kopf stinkt“, und dass Menschlichkeit im Zeitalter von KI die wichtigste Währung für Maklerbetriebe wird.

Interview mit Francesco Jäger, er berät Unternehmen zu bKV und Corporate Health und ist Versicherungsmakler und Gründer des Private Health Club
Herr Jäger, Ihr Fokus liegt auf der betrieblichen Krankenversicherung (bKV). Können Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Der Private Health Club wurde als bKV-Pool für Makler gegründet, um ihnen beim Vertrieb und auch beim Service am Kunden viel Arbeit abzunehmen. Durch uns wird die bKV für Makler zu einem erfolgreichen und skalierbaren Vertriebsmodell. Wir stellen eine komplette IT-Plattform mit dem Vergleich von bKV, mit Unterstützung beim Antrag und so weiter. Also bei uns dreht sich seit vielen Jahren alles um das Thema Mitarbeitergesundheit.

Ich als Person habe in der Vergangenheit und auch heute noch Unternehmen zum Thema bkV beraten. So bin ich seit vielen Jahren mit zahlreichen Unternehmen in Deutschland sozusagen täglich im Austausch über deren Mitarbeiter­gesundheit. Außerdem beschäftige ich mich auch selbst stark mit dem Thema Mitarbeiterbenefits und mit der Frage: Welche Benefits haben überhaupt einen Impact, welche haben keinen?

Inwiefern zahlt denn die bKV auf ein ganzheitliches Mental-Health-Konzept eines Unternehmens ein?

Die bKV ist ein starker Hebel, wenn man sie richtig einsetzt. Es geht nicht nur darum, Rechnungen zu be­zahlen, sondern um Prävention. Ein Beispiel: Ein einfacher Blutcheck im Rahmen der bKV kann beispielsweise einen massiven Vitamin- bzw. Nährstoffmangel aufdecken. Dieser Mangel schlägt sich direkt auf die Stimmung und die Energie der betroffenen Person nieder. Hier greifen körperliche Vorsorge und mentale Gesundheit direkt ineinander. Zudem gibt es Tarife oder andere Angebote, die psychologische Soforthilfe und Coachings inkludieren. Das Unternehmen stellt die Ressourcen bereit, damit der Mitarbeiter sich um sich selbst kümmern kann – das ist gelebte Fürsorge.

Sehen Sie das Thema „Mental Health“ als temporären Trend an, der gerade in die Zeit passt, oder ist es nachhaltiger?

Es ist weit mehr als ein Trend, es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Werfen wir einen Blick in die Gesundheitsreporte der Krankenkassen: Die Hauptgründe für Fehlzeiten sind Atemwegserkrankungen, Probleme mit dem Bewegungsapparat und – immer stärker werdend – die Psyche.

Und warum sollten sich aus Ihrer Sicht auch Maklerunternehmen gut damit auskennen?

Gerade in der Finanz- und Versicherungsbranche stehen psychische Erkrankungen oft sogar an erster Stelle. Wer als Unternehmer möchte, dass seine Mitarbeiter performen, muss verstehen, dass körperliches und mentales Wohlbefinden untrennbar mit dem unter­nehmerischen Erfolg zusammen­hängen. Fühlt sich jemand in seinem Körper unwohl, leidet das Selbstbewusstsein und damit auch die mentale Belastbarkeit.

Aber viele Unternehmen unter­stützen eher mit Gutscheinen fürs Fitnessstudio oder dem klassischen Obstkorb die Gesundheit der Belegschaft.

Das sind oft reine „Pflaster­lösungen“. Der Fehler liegt meist im Ansatz: Wenn von 100 Mitarbeitern 20 laut nach einem Fitnessstudio schreien, führt der Chef das als Benefit ein. Aber was ist mit den restlichen 80%? Was ist mit denen, die sich vielleicht gar nicht ins Studio trauen und so weiter?

Also was würden Sie als „Best Practice“ empfehlen?

Best Practice bedeutet, nicht den einfachen Weg zu gehen, sondern den richtigen. Man drückt dem eigenen Kind ja auch nicht einfach einen Lolli in die Hand, damit es ruhig ist. Unternehmer müssen sich die Mühe machen, ihre Belegschaft wirklich zu analysieren: Wie ist die Altersstruktur? Was sind die wahren Krankheitsursachen? Nur so investiert man Budget sinnvoll und nicht nur in Maßnahmen, die gut klingen, aber verpuffen.

Inwieweit sollten sich Führungskräfte hier auch als Vorbilder betrachten und wie sieht denn „gesunde Führung“ im Maklerbetrieb für Sie aus?

Es gibt ein altes Sprichwort: Der Fisch stinkt immer vom Kopf. Das gilt auch hier. Ich kann von meinem Team keine Balance und Gesundheit erwarten, wenn ich als Chef Raubbau an meinem eigenen Körper betreibe. Führungskräfte müssen Vorbilder sein – auch darin, an der eigenen mentalen und körperlichen Fitness zu arbeiten. Gesundheit beginnt bei der Führung.

Dazu gehört auch eine Kultur der psychologischen Sicherheit. Wir verbringen mit unseren Kollegen oft mehr Zeit als mit unseren Ehe­partnern oder Kindern. Ein Maklerbetrieb ist wie eine Art „Arbeitsfamilie“. Wenn ein Unternehmer nicht bereit ist, Zeit und Energie in die Entwicklung und das Wohl­befinden dieser Menschen zu inves­tieren – auch auf die Gefahr hin, dass sie mal ab­geworben werden –, dann ist er in einer Führungsposition falsch.

Blicken wir in die Zukunft: Wie können sich Maklerbetriebe zukunftsfest aufstellen?

Der Faktor „Menschlichkeit“ wird in Zukunft für Maklerbetriebe überlebenswichtig. Wir erleben durch KI gerade einen massiven Umbruch. Reines Fach­wissen wird zur Commodity – es ist überall und jederzeit verfügbar, egal ob jemand seit sechs Monaten oder 50 Jahren im Job ist. Was eine KI aber nicht ersetzen kann, ist Menschlichkeit, Empathie und vertrauensvolle Kommunikation.

Das mittlere Management, das nur KPIs trackt, wird verschwinden, weil KIs das besser können. Die Führungskräfte der Zukunft sind „People Manager“, deren Hauptaufgabe ist, dass es den Menschen gut geht und sie gerne zur Arbeit kommen. Wer als Makler seine Mitarbeiter nur als Wissens­arbeiter sieht und nicht als Menschen fördert, wird langfristig verlieren.

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