Für den „Postbank Wohnatlas 2026“ hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) beleuchtet, welche Preisaufschläge beim Verkauf energieeffizienter Wohnungen gegenüber Immobilien mit schlechteren Effizienzklassen verlangt wird. Sie verdeutlicht außerdem, in welchen Regionen der Anteil energieeffizienter Wohnungen besonders hoch oder niedrig ist. Dafür hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) bundesweit alle Angebote von Eigentumswohnungen im Bestand und Neubau untersucht, bei denen eine Energieeffizienzklasse angegeben war.
Anteil
Im Durchschnitt aller 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands beträgt der Anteil an Eigentumswohnungen mit sehr guter bis durchschnittlicher Energieeffizienz (Klassen A+, A, B, C und D) 35%. Den höchsten Anteil weisen unter anderem die sieben größten Städte hierzulande auf, Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart. Geringer ist er in den kreisfreien Mittelstädten mit 33,5%.
Regionen mit höherem Anteil an Wohnungen mit guter Energiebilanz
62 Regionen, überwiegend in Ostdeutschland und Südbayern, kommen auf einen Anteil an Wohnungen mit sehr guter bis durchschnittlicher Energieeffizienz von mindestens 42,%. Den höchsten Wert weist der brandenburgische Landkreis Potsdam-Mittelmark mit rund 55%. Es folgen die Landkreise Plön (Schleswig-Holstein), Börde (Sachsen-Anhalt) sowie der Saale-Holzland-Kreis (Thüringen) vor den bayerischen Landkreise Erding und Ebersberg – alle mit einem Anteil von über 50%. Mit Flensburg und Trier finden sich zwei Städte in den Top 10 der Regionen mit sehr hohen Anteilen an energieeffizienten Wohnungen.
92 Regionen mit Anteil unter 30%
In 92 Regionen machen Wohnungen mit Energieeffizienzklasse D oder besser dagegen weniger als 30% aus. Den niedrigsten Anteil verzeichnet der sächsische Landkreis Görlitz mit rund 13%. Nur knapp darüber liegt die Stadt Frankfurt (Oder) mit rund 18% sowie der Landkreis St. Wendel im Saarland und die Stadt Emden mit je fast 20%. Ebenfalls zu den Schlusslichtern zählen die Landkreise Höxter in Nordrhein-Westfalen und der Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz.
„Der Wohnatlas zeigt, wo Kaufinteressierte aus einem breiten Angebot an effizienten Eigentumswohnungen auswählen können. Der Vorteil liegt dabei nicht nur in den geringeren Heizkosten: Energieeffiziente Gebäude sind stabiler im Wert und schützen vor den Folgen künftiger Sanierungspflichten“, erklärt Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank in Deutschland. „Wichtig ist dabei ein genauer Blick in Details, um Mängel und Sanierungsbedarfe beim Kauf einschätzen zu können. Dabei helfen Sachverständige.“
Trier führt Ranking der Großstädte an
In der Rangliste der deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern und dem höchsten Anteil energieeffizienter Wohnungen belegt Trier Platz 1: Hier weisen fast 50% der angebotenen Eigentumswohnungen die Energieeffizienzklasse D oder besser auf. Allerdings sind die Preise dafür vergleichsweise hoch. In Chemnitz, Erfurt und Bochum, die ebenfalls in den Top 10 im Städteranking landen, sind die Quadratmeterpreise für energieeffiziente Wohnungen dagegen noch moderat.
Wo die Aufpreise für Energieeffizienz am höchsten sind
Neben der Verfügbarkeit ist auch der Preis von großer Relevanz beim Kauf einer Wohnung. In den sieben größten Städten hierzulande beträgt der Durchschnittspreis für Angebote mit sehr guter bis durchschnittlicher Energieeffizienz 6.711 Euro pro Quadratmeter. Wohnungen der Effizienzklassen E bis H kosten im Durchschnitt 1.337 Euro pro Quadratmeter und somit merklich weniger.
In Hamburg ist der Aufschlag am höchsten. In der Hansestadt kommt der Durchschnittspreis für Wohnungen mit Effizienzklasse D oder besser auf 7.558 Euro pro Quadratmeter. Das sind rund ein Drittel bzw. 1.893 Euro mehr als bei Angeboten der Klassen E bis H. Auf Rang 2 landet München mit einem Aufpreis von 1.720 Euro. Es folgen Frankfurt am Main mit einer Differenz von 1.599 Euro vor Köln mit 1.155 Euro, Düsseldorf mit 1.129 und Berlin mit 1.092 Euro. Den geringsten Aufpreis für Eigentumswohnungen mit sehr guter bis durchschnittlicher Energieeffizienz weist Stuttgart mit 772 Euro auf.
Der Postbank Wohnatlas zeigt, in welchen Großstädten die Entscheidung für eine energieeffizientere Wohnung leicht fällt, weil der Aufpreis gering ist. In gerade ohnehin schon teuren Metropolen wie Hamburg müssen Käufer wie energieeffiziente Wohnungen aber deutlich tiefer in die Tasche greifen. Hamburg ist sowohl absolut als auch prozentual ein besonders teures Pflaster bei energieeffizienten Objekten.
„In Regionen, wo die Preisaufschläge für energieeffiziente Eigentumswohnungen sehr hoch sind, kann sich die Sanierung einer älteren oder weniger effizienten Immobilie lohnen“, meint Beermann. „Ob der gesparte Aufpreis durch die Sanierungskosten aufgefressen wird, entscheiden im Einzelfall mehrere Faktoren. Beispielsweise spielen die Höhe der Rücklagen und das Alter der Heizungsanlagen eine Rolle. Neben dem Sanierungsbedarf ist auch die Anzahl der Wohneinheiten in der Immobilie relevant, denn energetische Maßnahmen betreffen die Eigentümergemeinschaft“, so der Experte weiter.
Regionen mit Aufschläge von über 1.000 Euro pro Quadratmeter
Auch außerhalb der großen Städte treibt Energieeffizienz den Preis nach oben. Unter den untersuchten Landkreisen und kreisfreien Städten finden sich 83 Regionen, in denen die durchschnittlichen Preisaufschläge für Angebote der Klassen D und besser bei mindestens 1.000 Euro pro Quadratmeter liegen. Im bayerischen Landkreis Miesbach müssen Kaufinteressierte mit einem Rekord-Aufpreis von 3.133 Euro pro Quadratmeter für eine energieeffiziente Wohnung kalkulieren. In den Top 10 der Regionen landen fünf weitere bayerische Landkreise: Garmisch-Partenkirchen (2.239 Euro), Landsberg am Lech (1.771 Euro), Erding (1.677 Euro) und Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim (1.652 Euro) sowie die Landeshauptstadt München (1.720 Euro). Ebenfalls in den Top 10 mit den höchsten Aufpreisen landen die Ferienregion Schleswig-Flensburg (2.130 Euro), der Landkreis Wesermarsch (1.846 Euro) und die Stadt Emden (1.711 Euro).
Standorte mit Preisvorteilen für energieeffizientere Wohnungen
In 66 Regionen liegt die durchschnittliche Differenz zwischen energieeffizienteren und weniger energieeffizienten Wohnungen dagegen bei weniger als 400 Euro pro Quadratmeter. Zwölf Regionen weisen sogar günstigere Preise für Angebote mit den Energieeffizienzklassen D oder besser auf. Dazu zählen der niedersächsische Landkreis Aurich, wo der Durchschnittspreis um 868 Euro pro Quadratmeter niedriger ausfällt als für Angebote der Klassen E bis H. Auch in den Landkreisen Zwickau (Sachsen), Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) und Wittmund (Niedersachsen) ist der Erwerb einer energieeffizienten Wohnung im Schnitt pro Quadratmeter im dreistelligen Bereich günstiger. In den sächsischen Landkreisen Meißen und Vogtlandkreis liegen die Preise für energieeffiziente und weniger energieeffiziente Wohnungen durchschnittlich etwa gleichauf.
„Energieeffizienz ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen jetzt noch wichtiger bei der Wahl einer Immobilie. Doch sie darf nie das einzige Entscheidungskriterium sein. In einigen Regionen ist schlicht das Angebot solcher Wohnungen sehr gering. Oder die Lage und Ausstattung der energieeffizienten Wohnung hat Nachteile oder passt nicht zu den persönlichen Anforderungen“, so Beermann. (tik)
Lesen Sie auch:
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 5 Aufrufe

