Interview mit Lisa Knörrer, Geschäftsführerin, und Tobias Knörrer, Geschäftsführer der bbg Betriebsberatungs GmbH (DKM-Messeveranstalter)
Frau Knörrer, was ist heute der zentrale Mehrwert der DKM für Vermittler – jenseits von Networking und Sichtbarkeit?
Lisa Knörrer Die DKM gibt Orientierung in einem Markt, der komplexer und dynamischer geworden ist. Es geht nicht nur darum, Kontakte zu pflegen oder Präsenz zu zeigen. Entscheidend ist, Entwicklungen einzuordnen, relevante Marktteilnehmer an einem Ort zu erleben und die eigene Position im Markt besser bestimmen zu können. Die DKM ist damit ein Ort, an dem Vermittler fundierte Entscheidungen für ihr Geschäft ableiten können.
Herr Knörrer, viele Branchenveranstaltungen setzen auf Austausch. Was unterscheidet die DKM konkret, damit Besucher nach der Messe bessere Entscheidungen treffen können als davor?
Tobias Knörrer Entscheidend ist die Verbindung aus Austausch, Weiterbildung und Einordnung. Die DKM bündelt in sehr kurzer Zeit viele Perspektiven, Einschätzungen und Informationen. Besucher sprechen dort mit Versicherern, Dienstleistern, Verbänden und Vermittlern, die den Markt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Daraus entsteht mehr als ein Stimmungsbild. Es entsteht eine belastbarere Grundlage für Entscheidungen. Die DKM ist der Kompass im Umbruch des Maklermarkts.
Inwiefern entwickelt sich die DKM von einer klassischen Messe zu einer Plattform für Marktbeobachtung?
LK Diese Entwicklung ist längst sichtbar. Die DKM ist heute nicht mehr nur Ausstellerfläche und Kontaktbörse. Sie bündelt Weiterbildung, Marktbeobachtung und strategische Einordnung. Das zeigt sich im Kongressprogramm, in den Themenparks, in Diskussionsformaten und in den Studien, die im Umfeld der Messe eine wichtige Rolle spielen. Für Vermittler ist damit nicht nur relevant, was heute verkauft wird. Entscheidend ist auch, wie sich ihr Geschäft in den kommenden Jahren verändert und welche Schlüsse sie daraus für ihre Positionierung und ihr Geschäftsmodell ziehen müssen.
Wie wichtig sind belastbare Zahlen, Daten und Studien für Vermittler geworden?
TK Ihre Bedeutung ist deutlich gestiegen. In einem volatilen Marktumfeld müssen Entscheidungen schneller fallen. Gleichzeitig müssen sie belastbar sein. Die klassische Bauchentscheidung reicht dafür immer seltener aus. Studien und Daten sind deshalb kein Beiwerk, sondern ein Instrument zur Orientierung. Die DKM versteht sich als Plattform für diese faktenbasierte Orientierung. Dazu gehören eigene Studien wie die aktualisierte AssCompact Poolstudie 2026 oder die im Sommer erscheinende Studie „Maklermarkt 2030+“. Sie sollen Maklern, Versicherern und Dienstleistern helfen, den Markt nicht nur zu beobachten, sondern ihn besser zu verstehen.
Welche Themen treiben den Maklermarkt derzeit am stärksten, und wie spiegeln sich diese Entwicklungen im Programm der DKM wider?
LK Ein zentrales Thema ist die Konsolidierung. Das betrifft Maklerhäuser, Pools und Versicherer gleichermaßen. Dazu kommen wachsende regulatorische Anforderungen – etwa die intensivere Wohlverhaltensaufsicht der BaFin oder die jüngst beschlossene Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Außerdem gewinnen Gewerbe- und Industrierisiken weiter an Gewicht. Im Programm spiegelt sich das unter anderem in der Diskussionsrunde mit großen Maklerhäusern in der Speaker’s Corner sowie in spezialisierten Kongressformaten. Und all das verändert sich schneller als früher. Das erhöht den Bedarf an Einordnung.
Wie hat sich das Publikum der DKM in den vergangenen Jahren verändert – und welche Zielgruppen gewinnen künftig an Bedeutung?
TK Das Publikum ist breiter und vielfältiger geworden. Zur DKM kommen heute sowohl kleinere Vermittlerbetriebe als auch große Einheiten. Gleichzeitig ist der Markt professioneller geworden. Professionalisierung bedeutet dabei heute nicht nur fachliche Spezialisierung. Sie meint auch unternehmerische Klarheit: belastbare Prozesse, strategische Positionierung und die Fähigkeit, aus dem Erfahrungsaustausch anderer Marktteilnehmer zu lernen. Diese Entwicklung wirkt sich auf Themen, Formate und Erwartungen aus. An Bedeutung gewinnen aus unserer Sicht vor allem junge Makler sowie Frauen im Versicherungsvertrieb. Beide Gruppen sprechen wir gezielt über unsere Communitys „Jungmakler“ und „FemSurance“ an.
Was erwartet unterschiedliche Besuchertypen konkret – vom Erstbesucher über den etablierten Makler bis hin zu großen Maklerhäusern?
TK Erstbesucher sollen sich möglichst schnell orientieren können. Dafür gibt es mit der DKM Connect eine eigene Anlaufstelle, die Einstieg und Vernetzung erleichtern soll. Etablierte Vermittler profitieren vor allem vom erweiterten Weiterbildungs- und Kongressangebot. Für kleinere Maklerbetriebe ist zudem wichtig, in kurzer Zeit verdichtete Momentaufnahmen zu erhalten und mit Experten direkt ins Gespräch zu kommen. Das kann helfen, die eigene Position im Markt besser einzuschätzen. Für größere Gewerbemaklerhäuser bauen wir zudem die Zusammenarbeit mit den Vermittlerverbänden BDVM und BVK weiter aus.
Welchen konkreten Nutzen haben Aussteller heute von einer Teilnahme – und wie hat sich deren Erwartung an die Messe verändert?
LK Die Gespräche auf der DKM sind anspruchsvoller geworden. Besucher kommen besser informiert. Darauf reagieren die Aussteller mit intensiverer Vorbereitung und spezialisierterem Fachpersonal am Stand. Der Nutzen liegt deshalb nicht nur in Reichweite oder Neukundengewinnung. Gerade in einem Geschäft, das stark von Vertrauen lebt, bleibt die persönliche Begegnung zentral. Die Messe schafft einen Rahmen, in dem belastbare Beziehungen entstehen oder vertieft werden können und zugleich ein genaueres Verständnis dafür wächst, was Vermittler aktuell bewegt.
Ein Makler ist noch unentschlossen: Was ist das stärkste Argument, Ende Oktober zur DKM zu kommen?
TK Das stärkste Argument ist, dass Vermittler auf der DKM in sehr kurzer Zeit ein Maß an Marktüberblick, Einordnung und Gesprächsdichte bekommen, das sich im Alltag kaum abbilden lässt. Wer die Messe gut vorbereitet besucht, kann in zwei Tagen sehr viele Gespräche, Einschätzungen und Marktsignale bündeln, für die sonst zahlreiche Einzeltermine nötig wären.
LK Hinzu kommt, dass das gesamtwirtschaftliche und politische Umfeld für die Versicherungsbranche an Bedeutung gewinnt. Auch hier setzt die DKM Impulse, die über das klassische Messegeschehen hinausgehen. Ein Beispiel ist der Auftritt von Carlo Masala, einem renommierten Experten in puncto Sicherheitspolitik, der die geopolitische und wirtschaftliche Lage einordnet. Solche Perspektiven helfen, Marktentwicklungen besser zu verstehen.
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