Interview mit Frauke Fiegl, Vorsitzende des Vorstands der ERGO Krankenversicherung AG und der DKV Deutsche Krankenversicherung AG sowie Mitglied des Vorstands der ERGO Deutschland AG
Frau Fiegl, wie hat sich die private Krankenversicherung in Ihrem Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt? Das Wachstum bei den Vollversicherten bleibt ja weiterhin eher verhalten...
In Deutschland war im Jahr 2025 fast jeder Zweite privat krankenversichert: Fast 9 Millionen Menschen waren krankenvollversichert und es bestehen über 32 Millionen abgeschlossene Zusatzversicherungen. Seit Jahrzehnten ist damit das Interesse an der privaten Krankenversicherung (PKV) ungebrochen.
Die DKV Deutsche Krankenversicherung AG und der ERGO Krankenversicherung AG betreuen in Summe über 6,3 Millionen Kundinnen und Kunden. Damit sind wir Marktführer.
Wir sehen unverändert eine gute Nachfrage, insbesondere nach Ergänzungsversicherungen. Die aktuellen politischen Diskussionen tragen dazu bei und stärken die Bedeutung der PKV. Viele Kundinnen und Kunden wollen ihren gesetzlichen Schutz gezielt erweitern, allen voran im Zahnbereich, aber auch in der stationären und ambulanten Versorgung. Sehr dynamisch entwickelt sich außerdem die betriebliche Krankenversicherung.
Parallel entwickeln wir unser Geschäftsmodell stetig weiter: Im Mittelpunkt stehen dabei digitale Services, schnelle Prozesse sowie eine hohe Service-Qualität.
Welche Rolle spielen gute und umfassende digitale Gesundheitsangebote heutzutage bei der Wahl eines privaten Krankenversicherers?
Digitale Gesundheitsangebote sind heute ein zentrales Entscheidungskriterium – insbesondere für jüngere, digital affine oder auch beruflich sehr eingebundene Kundinnen und Kunden. Sie erwarten, ihre Gesundheit weitgehend digital managen zu können: Rechnungen einreichen, Dokumente verwalten, die elektronische Patientenakte (ePA) nutzen, E-Rezept empfangen und bei Bedarf telemedizinische Angebote in Anspruch nehmen – alles möglichst aus einer Hand.
Mit unserer neuen „Meine DKV“-App bündeln wir genau das in einer App: ePA, E-Rezept, digitale Leistungsabwicklung und weitere, innovative Services in einer Anwendung. Zusätzlich unterstützen wir unsere Versicherten mit weiteren Gesundheits-Apps und Online-Programmen – angepasst an ihren individuellen Bedarf. Wir fördern das Umsetzen eines gesunden Lebensstils oder unterstützen Patienten mit akuten/chronischen Erkrankungen durch Programme wie z. B. digitales Rücken- und Schlaftraining oder digitale Schwangerschaftsbegleitung.
Welcher Anteil der bei der DKV vollversicherten Personen nutzen digitale Angebote wie beispielsweise die ePA, die Gesundheitsapp oder digitale Gesundheitsanwendungen? Gerade bei der ePA hört man ja immer wieder, dass die Resonanz eher verhalten ist.
Unsere App- und Online-Services werden von einem großen Teil der Vollversicherten aktiv genutzt. Aufgrund der noch jungen Historie unserer neuen „Meine DKV“-App, die wir Ende letzten Jahres ausgerollt haben, besteht hier natürlich noch Potenzial.
Seite 1 „Digitale Gesundheitsangebote sind zentrales Entscheidungskriterium“
Seite 2 Wie arbeiten Sie daran, den Anteil zu erhöhen?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können