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7. April 2026
„Mein Rat für die Karriere: Arbeitet aktiv an eurer Sichtbarkeit“
„Mein Rat für die Karriere: Arbeitet aktiv an eurer Sichtbarkeit“

„Mein Rat für die Karriere: Arbeitet aktiv an eurer Sichtbarkeit“

Wie macht man als Frau Karriere in der Finanzwelt und wird dann auch noch Vorbild für andere? In einem empowernden Interview gibt Carola Marx Tipps und erzählt zudem, was ihr selbst geholfen hat, Fuß zu fassen. Zudem hat sie ein klares Bild von modernem Leadership entwickelt.

Interview mit Carola Marx, Head of Investment Operations EMEA bei der DWS Group
Frau Marx, Sie haben 2025 beim Fondsfrauen Award den Preis für das „Role Model of the Year“ gewonnen – Glückwunsch! In welchen Bereichen sind Sie Vorbild?

Vielen Dank. Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel – besonders, weil mich mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen aus eigener Initiative nominiert haben. Dass es sich um den „Role Model“-Award handelt, freut mich besonders, denn diese Rolle übernehme ich bewusst. Inspirierende Persönlichkeiten haben mir früh gezeigt, was möglich ist. Heute möchte ich diese Erfahrungen weitergeben und die nächste Generation von Frauen ermutigen.

Als Role Model ist mir wichtig, Frauen in unserer Branche sichtbarer zu machen und sie aktiv in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ich fördere Talente gezielt, spreche offen über Herausforderungen und teile meine Erfahrungen, um anderen Mut zu machen. Vielfalt sehe ich als wesentlichen Erfolgsfaktor – deshalb setze ich mich dafür ein, entsprechende Initiativen im Unternehmen zu stärken und langfristig zu verankern. Durch Mentoring und verschiedene Netzwerkformate schaffe ich zudem Räume, in denen sich Talente austauschen, vernetzen und weiterentwickeln können.

Sie engagieren sich auch in der Nachwuchsförderung. Welche Strategien verfolgen Sie, um junge Menschen anzusprechen?

Nachwuchsförderung heißt, Potenziale früh zu erkennen und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Besonders bewegt mich die Entwicklung einer Mitarbeiterin, die sich von der Teamleiterin bis zur Bereichsleiterin entwickelt hat – heute arbeiten wir auf Augenhöhe. Solche Wege mitgestalten zu dürfen, motiviert mich jeden Tag.

Ich initiiere Mentoring-Programme, vernetze passende Talente und organisiere gemeinsam mit Partnern Formate für Young Talents und erfahrene Frauen. Dabei zeigen wir, wie vielfältig und spannend Asset-Management wirklich ist – jenseits aller Klischees.

Um junge Menschen zu erreichen, setze ich auf Nahbarkeit und authentische Einblicke: Networking-Events, offenes Mentoring und Formate, in denen Talente aktiv in den Dialog gehen. Zusätzlich spielt Social Media heute eine zentrale Rolle: Über LinkedIn geben wir Einblicke in unsere Unternehmenskultur, stärken Community-Building und ermöglichen jungen Talenten den direkten Austausch mit mög­lichen Mentorinnen und Mentoren.

Was können Unternehmen tun, damit sich mehr Frauen in die Branche und als Führungskräfte bewerben?

Frauen in der Finanzbranche stehen oft unter enormem Druck. Wir versuchen, überall 100% zu geben: als Mutter, im Job, als Partnerin. Aber die Realität ist: Alles gleichzeitig perfekt zu machen, ist kaum möglich. Oft stehen wir uns mit diesem Perfektionsanspruch selbst im Weg oder zweifeln an uns, obwohl wir längst bereit für den nächsten Schritt sind. Hinzu kommt das ständige Urteilen von außen: Machst du Karriere, bist du eine „Rabenmutter“, bleibst du zu Hause, fehlt der Ehrgeiz. Mein Rat: Befreit euch von diesem Judging. Entscheidet selbst, was für euer Leben richtig ist, und steht dazu – egal ob ihr nach einem Jahr zurückkehrt oder nach zehn Jahren den Fokus ändert. Es ist euer Leben, nicht das der anderen.

Was ich als absoluten Gamechanger erlebe, ist echtes Sponsoring. Wir brauchen Führungskräfte, die nicht nur mentorieren, sondern aktiv Türen öffnen. Das bedeutet: Frauen bewusst in Gremien bringen, ihnen Sichtbarkeit und Chancen verschaf­fen und sie dort platzieren, wo Entscheidungen getroffen werden. Mein eigener Weg hat mir gezeigt: Wenn man klar sagt, was man möchte, und einen Sponsor an der Seite hat, der dieses Potenzial erkennt, lassen sich viele Barrieren überwinden.

Und wie hängt „Leadership“ damit zusammen?

Gutes Leadership bedeutet, Potenziale zu erkennen und aktiv zu ent­wickeln – im eigenen Verantwortungsbereich durch Förderung, aber auch bereichsübergreifend über Mentoring. Wichtig ist, Frauen bei der Stärkung ihrer Sichtbarkeit zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, eigene Wege selbstbewusst zu gehen.

Außerdem sollte Leadership menschlich bleiben: Mit zunehmender Hierarchie besteht die Gefahr, nur noch Zahlen zu sehen. Mir ist wichtig, immer im Blick zu behalten, dass Entscheidungen konkrete Auswirkungen auf Menschen haben.

Sie haben in Ihrem Unternehmen einen Female Round Table gestartet. Was hat es damit auf sich?

Mit dem Female Round Table haben wir ein Format geschaffen, das weit über klassisches Networking hinausgeht. Es ist ein geschützter Raum, in dem wir über Hierarchien hinweg voneinander lernen – und zwar ganzheitlich.

Uns ist wichtig, dass wir Themen besetzen, die im Berufsalltag oft zu kurz kommen. Das Spektrum ist dabei bewusst breit: Wir hatten beispielsweise eine sehr spannende Session zum Thema ‚Wechseljahre, Hormone und Haferflocken‘, weil Gesundheit und Leistungsfähigkeit eng zusammenhängen. Ein anderes Mal ging es um die ‚Kraft der Stimme‘ mit einem inspirierenden Vortrag von Annegret Oster, was gerade für die Präsenz in Meetings entscheidend ist.

Gleichzeitig nutzen wir die Termine, um die Sichtbarkeit unserer internen Vorbilder zu erhöhen. Wenn Führungskräfte ihre persönlichen Erfahrungen teilen, entsteht ein wertvoller Wissenstransfer an die nächste Generation.

2025 war der Equal Pay Day am 07.03., dieses Jahr am 27.02. Ist die Lohnlücke also bald passé?

Dass das Datum nach vorne wandert, ist erst einmal ein positives Signal – es zeigt, dass die Richtung stimmt. Aber wir dürfen uns nicht von der Statistik täuschen lassen: Bei diesem Tempo würde es rechnerisch immer noch Jahrzehnte dauern, bis die Lücke komplett geschlossen ist. Die Ursachen für die Lohnlücke sind komplex. Es geht nicht nur um den gleichen Lohn für exakt dieselbe Arbeit, sondern vor allem um die Struktur: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder sind in den obers­ten Führungsebenen noch unter­repräsentiert.

Bei der DWS sehen wir das als klaren Auftrag. Wir setzen auf gezielte Maßnahmen – insbesondere auf die Förderung von Führungs­kräften in Teilzeit. Die Erfahrungen damit sind durchweg positiv: Eine Kollegin, die ich seit Jahren begleite und die heute auf Augenhöhe mit mir arbeitet, führt nach ihrer Elternzeit erfolgreich in Teilzeit – ohne Job-Sharing, allein durch hervorragende Organisation und Struktur.

Inwiefern muss finanzielle Bildung eine größere Rolle spielen?

Finanzielle Bildung ist die absolute Basis für Unabhängigkeit. Wenn wir über die Lohnlücke und den Equal Pay Day sprechen, müssen wir auch über die Vorsorgelücke sprechen. Wer weniger verdient oder in Teilzeit arbeitet, muss umso klüger investieren. Deshalb gehört Finanz­bildung deutlich früher und systema­tischer verankert. In Schulen benö­tigen wir ein eigenes Fach, das grundlegendes Wissen vermittelt.

Aber auch im Erwachsenenalter besteht großer Bedarf. Unternehmen können hier einen wesentlichen Beitrag leisten, ebenso wie niedrigschwellige Formate. In unseren Round Tables erleben wir immer wieder, wie wichtig es ist, eine offene Gesprächskultur zu schaffen. Sobald Menschen Hemmschwellen verlieren, fällt auch der Zugang zu Themen wie Altersvorsorge leichter. Und wer seine Finanzen versteht, kann diese Entscheidungen treffen, ohne die eigene Zukunft zu gefährden.

Welche Botschaft haben Sie für Frauen, die sich für eine Karriere in der Finanzbranche interessieren?

Mein eigener Weg zeigt eigentlich ganz gut, dass Karriere oft eine Mischung aus Planung, Mut und den richtigen Unterstützern ist. Ich komme ursprünglich aus Lörrach im Süden Deutschlands. Eine ältere Freundin arbeitete damals bei der Deutschen Bank, und die Art des Kundenzugangs hat mich sofort fasziniert. Für mich war klar: Das ist mein Weg.

Nach der Ausbildung wollte ich raus aus der Kleinstadt. Mein Plan war, für ein bis zwei Jahre nach Frankfurt zu gehen – daraus ist ein ganzes Berufsleben geworden. Manches treibt man aktiv voran, manches ergibt sich. Man braucht manchmal Glück, aber vor allem einen Vorgesetzten oder Sponsor, der an einen glaubt und einen unterstützt.

Dabei habe ich eines gelernt: Ich rate jungen Frauen, so früh wie möglich durch Praktika oder Graduate-Programme reinzuschnuppern. Formate wie der Girls’ Day sind ideal, um erste Einblicke zu gewinnen und herauszufinden, ob die Finanzwelt wirklich zu einem passt.

Mein wichtigster Rat für die Karriere: Arbeitet aktiv an eurer Sichtbarkeit. Benennt eure Stärken klar und setzt sie strategisch ein. Oft verschwenden wir zu viel Energie darauf, an unseren Schwächen zu feilen. Viel effektiver ist, die eigenen Stärken konsequent auszubauen und als Profil zu nutzen. Finanzielle Bildung bedeutet am Ende eben auch, den eigenen Marktwert zu kennen und sich mutig zu positionieren.

Über FemSurance

FemSurance ist die Community für Frauen (und Verbündete) in der Versicherungsbranche. Wofür wir stehen: Visibility. Network. Impact. Wir machen weibliche Expertise, Stimmen und Storys sichtbar, wir verbinden Menschen gezielt – nicht nur „Kontakte“, sondern echte Verbindungen. Und wir schaffen Formate, die Karrieren und die Branche messbar voranbringen. Mehr Infos unter asscompact.de/nachrichten/femsurance-veraenderung-durch-community.

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