Sie haben vor Kurzem eine verbindliche Servicevereinbarung mit der VEMA bekannt gegeben. Was war der strategische Gedanke dahinter?
FW Es geht darum, effiziente Schnittstellen zu definieren und gemeinsame Prozessanforderungen aufeinander abzustimmen, um ein passgenaues Serviceerlebnis zu schaffen. Da diese Voraussetzungen zwischen unserem Kooperationspartner VEMA und uns sehr gut harmonieren, haben wir unsere Serviceverpflichtungen entsprechend verbindlich festgehalten und transparent gemacht. Das hat aus meiner Sicht eine wichtige Signalwirkung.
Ein wichtiger Baustein der Transformation ist die Einführung eines neuen Bestandsführungssystems. Welche Chancen sehen Sie darin, Prozesse und Strukturen grundlegend neu zu denken und aufzustellen?
FW Wir sehen darin eine Once-in-a-Lifetime-Chance. Deshalb nutzen wir diese Gelegenheit nicht nur zur Digitalisierung von Prozessen, sondern gehen an das Herz der Leistungserstellung ran. Wir denken den gesamten Versicherungsbetrieb noch einmal neu. Wir überprüfen Rollen, Abläufe und Strukturen und richten sie konsequent an den Bedürfnissen von Maklern und Kunden aus. Eines der Ziele ist ein hoher Automatisierungsgrad. Wir wollen Themen, die einfach schnell laufen sollen, noch schneller bearbeiten. Im Fokus steht bei uns nicht die Kostenersparnis, sondern das Servicelevel und die Bearbeitungsqualität. Wir investieren damit in Kundennähe, die wir dann natürlich umso mehr leben, wenn wir uns mehr Zeit für die wichtigen Dinge nehmen können.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute bereits in Ihrem Unternehmen?
FW Wir sehen künstliche Intelligenz nicht als Instrument zur Kostensenkung, sondern vorrangig als Möglichkeit, Mehrwerte für Makler und Mitarbeitende zu schaffen. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf standardisierten Aufgaben, etwa in der Bearbeitung von Schriftgut oder in der Verwaltung von Vertragsdaten. Hier können wir mittels KI Daten nahezu in Echtzeit auslesen und verarbeiten.
RB Das bringt Tempo und setzt wertvolle Ressourcen frei. Ressourcen, die wir im Kundenkontakt nutzen können. Denn der persönliche Kontakt bleibt unverzichtbar, insbesondere in Beratungssituationen oder bei komplexen Schadenfällen. Dort spielen für uns Erfahrung und Nähe weiterhin die entscheidende Rolle.
Wie verändert sich Ihr Produktentwicklungsprozess durch neue Technologien?
FW Das neue Bestandsführungssystem wird es uns ermöglichen, flexibler zu werden, schneller neue Tarifgenerationen zu entwickeln und auch mal Dinge auszuprobieren. Gleichzeitig ergeben sich Vorteile durch den Einsatz besserer Tools, besser aufbereiteter Daten und den direkten Einsatz von KI in der Produktentwicklung. Damit streben wir eine signifikante Verkürzung in der Time-to-Market an. Ziel ist, diese auf wenige Monate zu verkürzen.
Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeitenden auf diesem Weg zur Transformation mit?
RB Wir sehen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nicht als IT-Projekt, sondern als Veränderung, die das gesamte Unternehmen betrifft. Für uns steht dabei der Mensch im Mittelpunkt, denn Transformation gelingt nur dann, wenn die Mitarbeitenden im Unternehmen sie mittragen.
FW Die wichtigste Aufgabe besteht aktuell darin, die Belegschaft an die neuen Möglichkeiten heranzuführen, Berührungsängste abzubauen und Neugier zu wecken. Wir wollen zeigen, welchen konkreten Nutzen neue Technologien im Arbeitsalltag bringen können.
Dafür investieren wir intensiv in Kommunikation und Führung. Wir führen regelmäßige Mitarbeiterversammlungen durch, informieren transparent über Fortschritte und Veränderungen und setzen auf einen direkten Austausch zwischen Vorstand und Belegschaft. Gleichzeitig begleiten wir unsere Führungskräfte mit Qualifizierungsmaßnahmen, damit sie die Veränderung aktiv in ihre Teams tragen können.
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