Interview mit Dr. Florian Sallmann, Vorstandsvorsitzender der InterRisk Versicherungen
Herr Dr. Sallmann, für viele Deutsche wird die gesetzliche Rente im Alter nicht reichen. Private Vorsorge allerdings mag nicht so recht in Schwung kommen. Wie ist es um die Absicherung im Alter aus Ihrer Sicht heutzutage bestellt?
Die Altersversorgung ruht auf drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Vorsorge. Die gesetzliche Rentenversicherung ist die wichtigste Säule, doch ist die Höhe der Rente im Verhältnis zum letzten Einkommen bei Arbeitnehmern immer mehr gesunken. Teilzeit- oder nur vorübergehend Beschäftigte erhalten – dies gilt insbesondere für Frauen – oft nur geringfügige Renten. In den Genuss einer betrieblichen Altersversorgung kommt nur etwa die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer. Private Vorsorge ist daher in größerem Umfang angesagt. Bisher fehlte es aber an geförderten chancenreichen Angeboten, wie sie der Kapitalmarkt eröffnet. Angesichts der in weiten Kreisen bestehenden finanziellen Defizite trifft das Altersvorsorgedepot genau den Bedarf.
Inwiefern muss sich auch die Versicherungswirtschaft an dieser Misere messen lassen?
Sie werfen eine berechtigte Frage auf. Ganz sicher fehlte es in der Vergangenheit an attraktiven Angeboten. Die Riester-Rente, die mit großem Aplomb gestartet und von hohen Erwartungen begleitet wurde, büßte im Laufe der Zeit dramatisch an Reputation ein und verlor, auch wegen des Missverhältnisses zwischen Ertrag und Kosten, mehr und mehr das Interesse des Publikums. Insofern wurde es höchste Zeit für etwas Neues.
Zum 01.01.2027 hat der Gesetzgeber die geförderte private Altersvorsorge reformiert. Wie bewerten Sie die Reform mit Blick auf die Altersvorsorge der Bevölkerung generell?
Der Gesetzgeber hat bereits vor langen Jahren erkannt, dass sich eine Schere zunehmend öffnet zwischen dem finanziellen Bedarf im Alter und den realen Verhältnissen. Initiativen, die zur Riester- und zur Rürup-Rente führten, sind der frühe Beweis. Die Ergebnisse und vor allem die Praxis waren aber nicht zufriedenstellend: Je länger, je mehr verlor vor allem die Riester-Rente in der Bevölkerung ihren Glanz. Besonders der große Verwaltungsaufwand, verbunden mit hohen Kosten, war eine Quelle ständigen Ärgernisses. Gerade in diesem Punkt ist es ein erfreulicher Fortschritt, dass das neue Altersvorsorgedepot mit streng limitierten Kosten auskommt. Dieser Punkt wird die Akzeptanz sehr beschleunigen. Entscheidend aber wird das beachtliche Fördervolumen sein, das das Niveau der Altersvorsorge beträchtlich heben wird. Durch die Flexibilität im Angebot – Standarddepot mit Kostendeckel, Altersvorsorgedepot mit 0%-, 80%- oder 100%-Garantie – ist auch der Vielfalt privater Wünsche und Vorstellungen Genüge getan. Die Zugriffsmöglichkeit auf den Kapitalmarkt hat im Gegensatz zu früheren Zeiten stark an Akzeptanz gewonnen und stellt eine richtige Entscheidung für die Entwicklung des neuen Konzepts dar. Das Altersvorsorgedepot, das ist das Entscheidende, wird für die Bevölkerung insgesamt zu einer besseren Versorgung im Alter führen.
Und wie bewerten Sie die Reform mit Blick auf das Chancen-Nutzen-Risiko für die Versicherungsbranche?
Der Einstieg in eine neue Produktsparte stellt auch immer ein finanzielles Risiko dar. An dieser Stelle darf ich einmal pro domo sprechen: Die InterRisk ist – neben Komposit – ein Spezialversicherer für Biometrie und hat einen besonderen Schwerpunkt in der Altersvorsorge. Wir bieten schon lange Fondsrentenversicherungen an und verfügen über ein Portfolio von rund 100 ETFs und gemanagten Fonds. Die Fondsrente ist unsere „Perle“: Dank breitem Angebot und großer Erfahrung sind wir einer der führenden Anbieter. Dies kommt uns jetzt bei der Entwicklung unseres Altersvorsorgedepot-Angebots zugute.
Die InterRisk plant also den Einstieg in die private geförderte Altersvorsorge, ein Stück weit Neuland also und ein großer Schritt. Welche Produkte darf der Markt erwarten? Und wodurch will sich die InterRisk als Anbieter etablieren?
Richtig, wir planen den Einstieg und halten unser Vorhaben dank unserer fachlichen Kompetenz auch für legitimiert. Es ist für alle Unternehmen ein Stück weit Neuland, aber wir haben schon die Nase vorn, weil wir mit unseren in den Ratings attraktiv bewerteten Fondsrenten bereits über große Erfahrung in der kapitalgedeckten Altersvorsorge verfügen.
Wir erwarten einen breiten Fokus der Vermittler in Leben auf das Altersvorsorgedepot. Es sind bereits zahlreiche Anfragen und Ansprachen aus dem Markt bei uns angekommen. Wir als InterRisk sind auf dem Weg zum „Neo-Insurer“.
Wie laufen die Vorbereitungen intern in puncto Produktmanagement?
Wir haben die Vorbereitungen für die Produktentwicklung rechtzeitig gestartet, sind in der Ausarbeitung schon weit fortgeschritten und damit voll im Zeitplan. Wir konzentrieren uns zurzeit auf das Altersvorsorgedepot, von dem wir attraktive geschäftliche Chancen erwarten. Dabei war zu bedenken: Die alten Lösungen waren teuer und nicht ertragreich genug. Sie waren nicht digital; die Garantien kosteten einfach zu viel Geld. Was jetzt kommt: Unsere Altersvorsorgedepot-Lösungen werden voll digital sein, renditefressende Garantien wird es nicht mehr geben. Durch die Zulagennutzung erhöht sich die Gesamtrendite deutlich.
Aus heutiger Sicht werden wir zwei Produkte anbieten: Zum einen ein gesetzlich verbindliches Standarddepot ohne Garantie als Direktprodukt, das provisionsarm ist und sich in erster Linie an digitalaffine Kunden wendet. Es ist kostengünstig, wir erwarten von ihm eine erhebliche Breitenwirkung.
… und das zweite Produkt?
Das zweite Produkt – ebenfalls ohne Garantie – ist für Makler konzipiert, an die wir eine zeitgemäße Provision zahlen. Sein Mehrwert entsteht durch den größeren Umfang wegen der Wahlmöglichkeit des Kunden, die O Beratung und laufende Betreuung sowie die Services, inklusive dem Angebot beim Wechsel der Riester-Rente. Beide Produkte basieren hauptsächlich auf ETFs. Auf der diesjährigen DKM werden wir unser Altersvorsorgedepot-Portfolio präsentieren – zusammen mit den USPs für unsere Vertriebspartner und Kunden. Mit der Zertifizierung rechnen wir bis Ende des Jahres, sodass wir am 01.01.2027 mit Schwung an den Verkaufsstart gehen.
Und dennoch: Die wirtschaftlichen Zeiten sind unsicher, die Industrie baut Jobs ab. Erwarten Sie daher negative Auswirkungen auf die Sparfähigkeit?
Die wirtschaftlich unsicheren Zeiten mit zunehmendem Jobabbau beurteilen Sie zutreffend. Dies wird sich auf die Sparfähigkeit allgemein negativ auswirken. Doch Einschränkungen im Sparvermögen eröffnen keine Alternative! Für das Altersvorsorgedepot sprechen auch in unsicheren Zeiten gewichtige Gründe: Der wichtigste ist die staatliche Förderung: 50 Cent pro gespartem Euro bis zu einem jährlichen Sparbeitrag von 360 Euro, darüber hinaus bei einem Beitrag von 361 bis 1.800 Euro 25 Cent pro Euro. Für jedes Kind gibt es jährlich einen Förderbetrag von bis zu 300 Euro. In der Ansparphase gilt – auch wichtig in schwierigen Zeiten – die Steuerfreistellung, die Besteuerung erfolgt nachgelagert in der Auszahlungsphase. Wählt der Kunde das Standarddepot Altersvorsorge, so wird die durchschnittliche jährliche Rendite durch die effektiv anfallenden Kosten lediglich um max. 1% verringert, beim Beratungsprodukt wird es etwas mehr sein.
Diese guten Argumente pro Altersvorsorgedepot gilt es in der Beratung zu verdeutlichen. Summa summarum bin ich von der Qualität des Altersvorsorgedepot-Konzepts überzeugt und optimistisch bezüglich einer hohen Teilnahmequote. Die neue Altersvorsorge ist kostengünstiger und flexibler als die Vorgängermodelle und durch die Nutzung der Kapitalmarktchancen renditestärker.
Hinzu kommt, dass die Bevölkerung hierzulande altert. Kann in so einem Umfeld private Altersvorsorge als Geschäftsfeld der Versicherer überhaupt Wachstumsimpulse für die Branche liefern?
Wir begrüßen es, wenn Menschen bereits in jungen Jahren anfangen, für das Alter vorzusorgen – im Idealfall mit dem Altersvorsorgedepot. Das angesammelte Kapital plus staatliche Förderung und Zinsen stellt dann eine Versorgung sicher, die im Rentenalter ein finanziell unbeschwertes Leben sichert. Durch die demografische Entwicklung nimmt die Zahl der frühen Sparer tendenziell ab, es verbleiben aber für die Anbieter hinreichend viele Kunden.
Auf der anderen Seite verlängert sich durch die steigende Lebenserwartung die Rentenphase. Die gute Beratung muss darauf hinweisen, dass gerade für diese immer länger werdende Phase ein sorgloses Leben dank weitsichtiger Vorsorge zu sichern ist. Ich bin überzeugt, dass das neue Altersvorsorgedepot der Branche frische Wachstumsimpulse liefern wird – uns zumindest (lacht). Hinzu kommt jetzt die kapitalgedeckte Frühstart-Rente, die sich im Gesetzentwurf-Stadium der schwarz-roten Koalition befindet. Geplant ist, dass für jedes Kind im Alter von 6 bis 18 Jahren der Staat auf Antrag monatlich 10 Euro für die Altersversorgung zur Verfügung stellt. Danach steht das Geld für einen neuen Altersvorsorgevertrag zur Verfügung und muss bis zum Rentenbeginn gehalten werden. Das Kapital in der Ansparphase soll steuerfrei sein, die Besteuerung wird nachgelagert in der Auszahlungsphase erfolgen. Wir als InterRisk werden auch bei der Frühstart-Rente als Anbieter dabei sein.
Gegenüber AssCompact äußerten 50% der befragten Makler, dass sie das Altersvorsorgedepot unbedingt beraten werden. Wie laufen die Vorbereitungen in puncto Maklervertrieb?
Auf Hochtouren. Wir haben Faktenblätter, Gesprächsleitfäden und Argumentationshilfen für unsere Vertriebspartner entwickelt, die sie im Vertriebsprozess unterstützen. In vielen Gesprächen mit unseren Partnern haben wir deren große Zustimmung zum Altersvorsorgedepot festgestellt und deren Anerkennung für unseren Ansatz erfahren. Die Makler sehen die Notwendigkeit und die Zukunftsfähigkeit des neuen Altersvorsorgeangebots. Mit unseren Lösungen werden wir ihre Begeisterung befeuern.
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