In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcast diskutiert Moderator Jonas Piela mit Dr. Thomas Rodewis, Chief Innovation Officer des Konzerns Versicherungskammer, und Ewa Chocianowska von Dataiku über den entscheidenden Wendepunkt der künstlichen Intelligenz in der Versicherungsbranche. Dataiku ist eine führende Plattform für künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML), die 2013 gegründet wurde. Sie ermöglicht Unternehmen, Datenanalysen zu demokratisieren, indem sie sowohl technische Experten (Data Scientists) als auch Geschäftsanwender (Business User) befähigt, KI-Projekte von der Datenaufbereitung bis zur Produktion (Everyday AI) umzusetzen. Das Gespräch verdeutlicht, dass die Phase des reinen Experimentierens beendet ist und KI nun als notwendige Infrastruktur zur Bewältigung massiver demografischer Herausforderungen dienen muss.
Vom Hype zur messbaren Wertschöpfung
Dr. Thomas Rodewis betont, dass die Versicherungskammer bereits seit fast einem Jahrzehnt an KI-Themen arbeitet, die Intensität durch generative KI jedoch massiv zugenommen hat. Er stellt klar, dass es im Jahr 2026 nicht mehr um isolierte Pilotprojekte geht, sondern um die Skalierung von „Archetypen“ – Lösungen, die strukturiert durch alle Unternehmensprozesse gerollt werden. Dabei steht nicht die Technologie selbst, sondern die Lösung konkreter Probleme für Kunden und Mitarbeiter im Vordergrund. Ewa Chocianowska ergänzt, dass Unternehmen KI nun als kritische Infrastruktur begreifen müssen, die zuverlässig, sicher und wertstiftend funktioniert.
KI als Schutzschild gegen den Fachkräftemangel
Ein zentrales Thema der Episode ist der „Demografie-Hammer“. Bis 2030 werden die Versicherungskammer rund 2.000 Mitarbeitende verlassen, was etwa einem Viertel der Belegschaft entspricht. Laut Rodewis ist es weder möglich noch gewollt, diese Babyboomer eins zu eins durch neue Menschen zu ersetzen. Stattdessen soll KI repetitive, weniger wertschöpfende Tätigkeiten übernehmen, damit sich die verbleibenden Mitarbeitenden auf komplexe und verantwortungsvolle Aufgaben konzentrieren können. Besonders kritisch ist hierbei die Rettung von Expertenwissen. Ewa Chocianowska sieht in KI ein Werkzeug, um das implizite „Bauchgefühl“ langjähriger Underwriter zu kodifizieren und in institutionelles Vermögen zu verwandeln.
Integrierte Lösungen statt isolierter Chatbots
Die Zukunft der Versicherung sieht Dr. Rodewis nicht in einer unüberschaubaren Ansammlung einzelner Chatbots, sondern in integrierten Assistenten-Systemen auf einer gemeinsamen technologischen Plattform. Die Versicherungskammer setzt hierbei bereits erfolgreich auf „KammerGPT“, eine interne, datenschutzkonforme Instanz auf Basis von Microsoft Azure und OpenAI. Über 50% der Belegschaft nutzen dieses Tool bereits aktiv, um E-Mails zu formulieren, Protokolle zu erstellen oder komplexe Prozessanalysen durchzuführen.
Demokratisierung der Daten als Erfolgsfaktor
Für eine erfolgreiche Skalierung fordert Ewa Chocianowska eine Demokratisierung der KI-Werkzeuge. KI darf kein reines IT-Projekt bleiben, sondern muss in die Fachbereiche wandern. Wenn Aktuare und Schadenexperten befähigt werden, mit Daten zu arbeiten, ohne programmieren zu müssen, wird die IT vom Flaschenhals zum Enabler. Nur durch diese breite Akzeptanz und Transparenz der Modelle kann das Vertrauen der Mitarbeitenden gewonnen und der Sprung zur messbaren Business-Effizienz vollzogen werden.
Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast
Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.
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