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18. Februar 2026
Verbraucherschützer fordert niedrigeren Kostendeckel
Verbraucherschützer fordert niedrigeren Kostendeckel

Verbraucherschützer fordert niedrigeren Kostendeckel

Beim neuen Altersvorsorgedepot ist ein Kostendeckel in Höhe von 1,5% geplant. Dieser Deckel ist anscheinend nicht nur dem Bundesrat zu hoch angesetzt. Auch Verbraucherschützer Axel Kleinlein sieht darin eine zu hohe Kostenbelastung, vor allem für junge Menschen.

„Kostendeckel“ – aktuell ein starkes Buzzword in der Versicherungsbranche. Hintergrund ist die geplante private Altersvorsorgereform, die auch am 26.02.2026 im Bundestag zumindest angesprochen werden soll, ehe der Gesetzentwurf an die Ausschüsse gehen wird.

Eine Passage aus dem Entwurf, die vor allem in der Versicherungsbranche, aber auch politisch diskutiert wird, ist der Kostendeckel, der bei der Standardfassung des Altersvorsorgedepots Anwendung finden soll. Er soll die Effektivkosten für das Produkt auf 1,5% beschränken. Der Bundesrat hat hierzu bereits seine Meinung abgegeben, nämlich, dass der Deckel zu hoch angesetzt ist. Und auch der GDV sowie die Vermittlerverbände AfW und BVK haben sich schon dazu geäußert – aber in die genau andere Richtung. Insbesondere die Vermittlerverbände kritisierten, dass solch ein Kostendeckel aus Beratersicht wirtschaftlich schwierig sei. Beratung, aber auch Verwaltung, kostet eben Geld.

Jetzt hat sich auch der Versicherungsmathematiker und ehemalige Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, eingeschaltet und einmal errechnet, wie sich die Effektivkosten tatsächlich auf den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge auswirken. Sein Fazit: Vor allem junge Menschen seien von zu hohen Kosten belastet.

Insbesondere junge Kunden benachteiligt

Kleinlein rechnet auf der Grundlage von Effektivkosten in Höhe von 1,5% vor: Würde am Kapitalmarkt eine Rendite von 5% erwirtschaftet werden und es fallen Effektivkosten von 1,5% an, so verbleiben nur 3,5% tatsächliche Rendite. Zahlt der Kunde monatlich 100 Euro ein und es gäbe keine Kosten, so hätte er beispielsweise bei einer Laufzeit von 47 Jahren (Einzahlungsstart im Alter von 20 Jahren) knapp 220.000 Euro zur Verfügung. Durch die Kosten würden ihm gut 78.000 Euro entgehen, dann blieben ihm nur gut 141.000 Euro.

„Durch den Zinseszinseffekt schlagen die Effektivkosten bei langen Laufzeiten besonders stark zu“, erläutert Kleinlein. Die oben angenommenen Werte würden einem kostenfreien Sparvertrag entsprechen, in den monatlich nur 64,25 Euro eingezahlt würden. Die Kosten wirken also so, als würden ihm monatlich 35,75 Euro abgezogen. „Die Angabe der Effektivkosten ist nur für einen Finanzmathematiker wirklich verständlich und gibt kein Gefühl für die echte Kostenbelastung“, so Kleinlein.

Die Rechnung fällt anders aus, wenn man von einem 50-Jährigen ausgeht, der die letzten 17 Jahre seines Arbeitslebens bis zur Rente mit 67 einzahlt. Hier würden die Kosten so wirken, als würden ihm monatlich nur 12,75 Euro abgezogen.

„Gut gemeint ist nicht gut gemacht“

Kleinleins Fazit gegen Ende lautet: „Gut gemeint ist nicht gut gemacht.“ Die Kosten müssten seiner Ansicht nach runter, wenn besonders junge Menschen dazu animiert werden sollen, fürs Alter vorzusorgen. „Altersvorsorge sollte sich besonders für junge Menschen lohnen und nicht ihre Jugend bestrafen“, so Kleinlein. Besser wäre somit ein Kostendeckel bezogen auf den Sparbeitrag: „Nur wenn klar ist, welcher Anteil meines Sparbeitrags für Kosten abgezogen wird, dann kann ich günstige oder teure Verträge erkennen.“ (mki)

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