Ein weicher werdender Versicherungsmarkt setzt die Profitabilität der Versicherer unter Druck. Das zeigt eine Umfrage unter Versicherungsunternehmen beim WTW Insurer Summit, der kürzlich in Essen stattfand. So empfinden es 58% der befragten Unternehmen als Herausforderung, angesichts sinkender Prämien und starken Wettbewerbs profitabel zu bleiben. Eine weitere große Herausforderung für die Versicherer ist der Fachkräftemangel, 42% der Befragten sehen ihn als drängendes Problem.
Auch den Einfluss geopolitischer Risiken (31%) und den KI-Einsatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette (28%) sehen viele als Herausforderung. „Versicherer spüren den Druck von mehreren Seiten“, erklärt Lukas Nazaruk, Head of Broking Deutschland und Österreich bei Willis, einem Geschäftsbereich von WTW.
KI bei den meisten noch in den Kinderschuhen
Der Einsatz neuer Technologien wie künstliche Intelligenz steht bei Versicherern zwar hoch auf der Agenda, aber in der Praxis stehen viele dabei noch am Anfang. Laut der Befragung liefert die KI bei 88% der befragten Unternehmen lediglich ein Anfangskonstrukt im Underwriting. Weitere Prozesse und Bewertungen übernehmen Experten. Bei 12% der Unternehmen halten sich KI-gestützte Analysen und menschliche Expertise die Waage.
„Gerade in der Industrieversicherung kommt es auf menschliches Fachwissen und den Austausch an, damit Kunde, Makler und Underwriter gemeinsam zur passenden Absicherungsstrategie gelangen“, so Nazaruk. Allerdings seien automatisierte Prozesse und datenbasierte Analysen dabei wesentlich – und können nicht zuletzt auch den Fachkräftemangel teilweise ausgleichen.
Vertriebspotenzial im Bereich betriebliche Benefits
Und was erwarten Kunden angesichts der Krisen von der Versicherungsbranche? Wichtig sei für Unternehmen heute vor allem Planungssicherheit. Versicherer sind heute nicht mehr nur Kapazitätengeber, sondern Partner. Die Hälfte der Befragten nennt daher proaktive Kommunikation und eine verlässliche Zeichnungspolitik als Erwartungen auf Kundenseite.
Vertriebspotenzial liege für Versicherer vor allem im Bereich betriebliche Benefits. Wichtig seien hier aber die Bereitstellung digitaler und moderner Produkte, die die Lebenswirklichkeit der Menschen abbilden. Auch sollten Versicherer die Alleinstellungsmerkmale beim Thema Benefits stärker herausstellen, so Hanne Borst, Head of Retirement bei WTW. „Zudem müssten der administrative Aufwand und die Komplexität für Arbeitgeber und Mitarbeitende gesenkt werden“ so Borst weiter.
Um Unternehmen weiterhin als verlässlicher Partner zur Seite zu stehen, werden Anpassungsfähigkeit und Resilienz künftig zur Schlüsselkompetenz der Versicherer, so WTW. (js)
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