Kaum ein Thema taucht derzeit im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz so häufig auf wie der Begriff „Automatisierung“ oder „Automationen“. Und viele Makler bekommen derzeit schnell den Eindruck, dass sich mit künstlicher Intelligenz nun ganze Büros automatisieren lassen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Eine Automatisierung hat zunächst einmal nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun. Für Makler lohnt es sich daher, den aktuellen Hype rund um dieses Thema etwas genauer anzuschauen und richtig einzuordnen.
Automatisierung ist ein alter Schuh
Zunächst einmal ist Automatisierung nichts Neues. Schon Henry Ford führte im Jahr 1913 die bewegliche Fließbandproduktion ein und damit eine der bekanntesten Formen der Automatisierung.
Auch digitale Prozesse werden schon seit vielen Jahren automatisiert, lange bevor ChatGPT und ähnliche Systeme im Maklerbüro angekommen sind. Ein Kunde füllt auf einer Website ein Formular aus und erhält automatisch eine Bestätigungsmail. Nach einer Terminbuchung wird automatisch eine Kalendereinladung verschickt. Einige Tage später folgt eine Erinnerungsnachricht. Solche Abläufe basieren auf klar definierten Regeln. Wenn ein bestimmtes Ereignis (Trigger) ausgelöst wird, wird eine vorher festgelegte Aktion aktiviert. Technisch spricht man hier auch von Workflows oder Prozessautomatisierung.
Wie KI eine Automatisierung unterstützen kann
Während Automatisierung festen Regeln folgt, arbeitet KI mit Inhalten. Systeme wie ChatGPT oder ähnliche Large Language Models analysieren Texte, erkennen Muster und formulieren daraus neue Antworten. Sie können E-Mails erstellen, Inhalte zusammenfassen, komplexe Themen verständlich erklären oder Leads vorqualifizieren. Die Antwort entsteht jedes Mal neu auf Basis von Trainingsdaten und Wahrscheinlichkeiten.
Leads mit KI: Ein Praxisbeispiel
Ein potenzieller Kunde interessiert sich für eine Berufsunfähigkeitsabsicherung. Statt eines statischen Formulars chattet er mit einem KI-Assistenten auf der Makler-Website. Die KI kann in diesem Fall mehrere Aufgaben übernehmen.
Individuelle Bedarfsermittlung
Die künstliche Intelligenz fragt nicht nur Daten ab, sondern reagiert auf Antworten. Schreibt der Kunde zum Beispiel „Ich bin Handwerker“, kann die KI direkt spezifischer und anders auf den Interessenten eingehen als bei einem potenziellen Kunden mit einem Bürojob.
Vorklärung wichtiger Kriterien
Die KI kann im Dialog bereits klären, ob Vorerkrankungen bestehen oder ob der Kunde risikorelevante Hobbys ausübt. Sie gibt keine Beratung ab, bereitet aber eine mögliche Risikovoranfrage vor.
Vorqualifizierter Lead
Der Makler erhält dadurch einen durch KI vorqualifizierten Datensatz. Gleichzeitig kann die KI bereits eine individuelle Angebotsmail und Terminabstimmung mit dem Interessenten vorbereiten.
DSGVO bei KI-Automatisierungen mitdenken
Bei aller Begeisterung für KI-Automatisierungen sollte ein Punkt nicht vergessen werden: der Datenschutz. Gerade im Versicherungsvertrieb werden besonders sensible personenbezogene Daten verarbeitet. Dazu gehören zum Beispiel Gesundheitsangaben oder finanzielle Informationen.
Auch wenn sich Automatisierungen ohne KI mittlerweile relativ einfach DSGVO-konform umsetzen lassen, sieht das Ganze anders aus, wenn Makler hier künstliche Intelligenz in den Prozess einbinden wollen. Hier ist es wichtig, sich rechtlich genau zu informieren.
Seite 1 Der große Irrtum über KI-Automatisierungen im Maklerbüro
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