Ein Artikel von Martin Fleischer, Produktvorstand, und Frank A. Werner, Vorstand im Konzern Versicherungskammer, Ressort Personenversicherung
Deutschland lebt länger und wird immer älter. Diese demografische Entwicklung ist kein Randthema, sondern ein zentraler Treiber für den künftigen Arbeitsmarkt, die Rentenfinanzierung und Unternehmensstrategien. Betriebliche Altersversorgung und betriebliche Krankenversicherung sind in diesem Umfeld nicht bloß ein „Benefit“, sondern die strategische Antwort auf Fachkräftemangel, Gesundheitsrisiken und die Schließung von Versorgungslücken.
Langlebigkeit als ökonomischer Faktor
Die Lebenserwartung steigt in Deutschland weiter. Heute neugeborene Jungen werden im Schnitt etwa 78, Mädchen über 83 Jahre alt (Destatis 2023). Dadurch verbringen die Menschen mehr Zeit im Ruhestand, derzeit rund 20 Jahre (DRV 2022/2023). Gleichzeitig wächst laut Eurostat die Zahl der Älteren im Verhältnis zu den Erwerbstätigen: Bis 2040 kommen auf 100 Erwerbstätige fast 50 über 65-Jährige. Das stellt Politik, Unternehmen und Beschäftigte vor Herausforderungen. Sie müssen die Dauer und Struktur der Erwerbstätigkeit neu denken und anpassen, um die Versorgung des Einzelnen und die Produktivität für die Wirtschaft zu sichern. Für die umlagenfinanzierte erste Säule bedeutet Langlebigkeit: Mehr Rentenjahre müssen auf relativ weniger Beitragszahler verteilt werden. Für Betriebe heißt das: längere Erwerbsbiografien und ein stärkerer Fokus auf Prävention und Mitarbeiterbindung.
Betriebliche Altersvorsorge als Chance für eine adäquate Alterssicherung
Das Rentenniveau der gesetzlichen Rente liegt aktuell bei 48% (vor Steuern) des durchschnittlichen Alterseinkommens und soll laut Rentenpaket II langfristig stabilisiert werden. International weist die OECD für Deutschland eine Nettoersatzquote aus verpflichtenden Systemen von rund 52% für Durchschnittsverdiener aus. Ergebnis: Selbst bei durchgängigen Erwerbsbiografien in mittleren Einkommen bleibt eine Lücke – bei Unterbrechungen wird sie größer.
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) mit über 18 Millionen Anwartschaften ist ein zentraler Hebel, um Versorgungslücken im Alter zu schließen. In Großunternehmen ist sie weitverbreitet, in kleinen und mittelständischen Betrieben (KMU) dagegen weniger. Gerade KMU können mithilfe der bAV ihre Mitarbeitenden besser absichern, attraktiver als Arbeitgeber werden und so Unternehmenstreue stärken. Kombiniert man die bAV mit Gesundheitsangeboten wie der bKV und Gesundheitsservices, entsteht für KMU ein echter Mehrwert in Form einer umfassenden betrieblichen Vorsorge.
Gesundheit als ökonomischer Faktor
Gesundheit ist heute ein harter Produktivitätsfaktor. Der TK-Gesundheitsreport 2024 weist für 2023 durchschnittlich 20 Krankheitstage pro Erwerbsperson aus – ein Höchstwert der letzten Jahre. Psychische Erkrankungen nehmen dabei besonders stark zu. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten krankheitsbedingter Ausfälle regelmäßig im hohen zweistelligen bis dreistelligen Milliardenbereich pro Jahr.
Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel strukturell. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit dokumentiert für 2023 eine Rekordzahl an Engpassberufen – quer durch Branchen und Qualifikationsniveaus. In diesem Umfeld werden Prävention, schnelle Versorgung und Gesundheitssicherheit zu einem Wettbewerbsfaktor. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) hat sich daher stark entwickelt: Laut PKV-Verband bieten inzwischen rund 50.000 Unternehmen eine bKV an, aktuell profitieren schon fast drei Millionen Beschäftigte – Tendenz steigend. Ökonomisch wirkt die bKV in drei Richtungen: Sie stabilisiert die Arbeitsfähigkeit, reduziert Kosten für Fluktuation sowie Arbeitsunfähigkeit und stärkt Bindung sowie Arbeitgeberattraktivität.
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Martin Fleischer
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