Ein Artikel von Steffen Liebig, Business Development Manager bei Standard Life Versicherung
Dass die gesetzliche Rente weder sicher noch ausreichend ist, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Um der Rentenlücke zu entgehen und den Lebensstandard im Alter halten zu können, sparen Kundinnen und Kunden häufig jahrzehntelang.
Sie verzichten auf Konsum, legen teilweise auch kleine Beträge zurück, um sich ein finanzielles Polster für den Ruhestand aufzubauen. Sie lassen sich beraten und dabei aufzeigen, wie viel monatlich gespart werden muss, um die Rentenlücke mit monatlichen Zahlungen im Alter schließen zu können. Sie schließen ein Versicherungsprodukt ab, um sich mit lebenslangen Rentenzahlungen gegen das Langlebigkeitsrisiko abzusichern. In den meisten Fällen halten sich die Kunden gerade bei Versicherungsprodukten sehr diszipliniert an den Ansparplan. Bei finanziellen Engpässen nutzen sie die Produktgestaltungen wie Beitragsferien oder -freistellungen. Auf der Gegenseite kommt es in besseren wirtschaftlichen Zeiten auch zu Zuzahlungen oder Beitragserhöhungen.
Mit viel Kapital, aber wenig Planung in den Ruhestand
Je näher der Ruhestand kommt, desto mehr rückt die Frage in den Vordergrund, was mit dem angesparten Kapital geschehen soll bzw. für was es konkret im Ruhestand verwendet werden soll. Als Grundlage dafür ist es dringend notwendig, sich einen Überblick über die laufenden Einnahmen und Ausgaben im Alter zu verschaffen. Laut einer Umfrage unseres Hauses gehen knapp 60% der Befragten davon aus, dass sie im Ruhestand ein deutlich geringeres monatliches Einkommen zur Verfügung haben werden als während ihres Erwerbslebens. Demgegenüber erwartet etwas mehr als die Hälfte der Befragten gleichbleibende oder höhere Ausgaben im Alter. Kunden ist also die Gefahr bewusst, dass im Ruhestand eine monatliche Lücke entstehen wird, die durch eine monatliche Zahlung gedeckt werden sollte. Dennoch entscheiden sie sich bei Ablauf einer Lebens- oder Rentenversicherung nicht für die Rentenzahlung, sondern die überwiegende Mehrheit der Kunden entscheidet sich für eine Kapitalauszahlung. Ohne Zweifel gibt es Fälle, in denen das Kapital schon für einen konkreten Zweck wie die Ablösung eines Immobilienkredites benötigt wird. Es ist auch verständlich, dass sich Menschen mit Eintritt in den Ruhestand einen lang gehegten Traum erfüllen wollen oder auch in ihre Hobbys investieren wollen. Der häufigste Fall ist aber, dass Kundinnen und Kunden keinen konkreten Plan für die Verwendung des Kapitals haben und es vorerst, vermeintlich sicher, in Tages- oder Festgeld investieren oder auf das Bankkonto legen. Daraus wird dann häufig eine sehr lange Zeit, in der das angesparte Kapital inflationsbedingt Jahr für Jahr an Wert verliert. Natürlich muss sich die Versicherungsbranche eingestehen, dass auch die Kommunikation mit den Kunden, häufig sehr komplexe Ablaufmitteilungen und eine unverständliche Darstellung der Alternativen am Vertragsende dafür sorgen, dass Kundinnen und Kunden das Geld nicht mehr in der Versicherungsbranche anlegen. Hier besteht definitiv Verbesserungsbedarf.
Seite 1 Die unterschätzte Stärke der lebenslangen Rente
Seite 2 Der Wert der Rente wird deutlich unterschätzt
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