Während der Arbeit an meinem Buch über die Generation Z, die Generation Alpha und die tiefgreifenden Veränderungen unserer Gesellschaft bin ich immer wieder an einem Gedanken hängen geblieben, der zunächst gar nichts mit der Versicherungswirtschaft zu tun hatte und am Ende doch mitten ins Herz unserer Branche trifft:
Warum diskutieren wir ständig darüber, wie wir junge Menschen gewinnen können, aber so selten darüber, warum sie bleiben sollten?
Wir sprechen über Fachkräftemangel, Nachwuchsgewinnung, Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung. Wir investieren in Recruitingkampagnen, entwickeln Employer-Branding-Strategien, modernisieren Karriereseiten und diskutieren über Benefits, Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten. All das hat seine Berechtigung und dennoch bleibt in vielen Unternehmen das Gefühl zurück, dass die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Aufmerksamkeit ist zur Währung geworden
Vielleicht liegt das daran, dass wir die falschen Fragen stellen. Denn je tiefer ich mich im Rahmen meines Buches mit den Themen Sozialisierung, Aufmerksamkeit, Führung und gesellschaftlicher Wandel beschäftigt habe, desto deutlicher wurde mir, dass viele Diskussionen an der Oberfläche bleiben. Wir beschäftigen uns intensiv mit Maßnahmen, aber deutlich seltener mit den Ursachen.
Die Generationen Z und Alpha, die heute in unsere Unternehmen kommen, sind nicht einfach anders, sie sind unter komplett anderen Bedingungen groß geworden. Zum ersten Mal in der Geschichte wachsen junge Menschen in einer Welt auf, in der Aufmerksamkeit zur Währung geworden ist, in der Algorithmen täglich mitentscheiden, welche Informationen sichtbar werden, und in der Vergleichbarkeit, Geschwindigkeit und permanente Bewertung zum Alltag gehören.
Wer heute ausbildet, führt oder Personal verantwortet, erlebt die Auswirkungen längst selbst. Auszubildende stellen andere Fragen, Mitarbeitende haben andere Erwartungen an Führung und viele Führungskräfte stehen vor Situationen, auf die sie selbst nie vorbereitet wurden.
Genau deshalb bin ich überzeugt, dass die Versicherungswirtschaft kein Nachwuchsproblem hat. Sie hat ein Orientierungsproblem!
Wie Führung in einer komplexen Welt gelingt
Orientierung ist zu einer der knappsten Ressourcen unserer Zeit geworden. Nicht nur für junge Menschen, sondern für uns alle. Kunden suchen Orientierung, Mitarbeitende suchen Orientierung, Führungskräfte suchen Orientierung und selbst Unternehmen suchen Orientierung in einer Welt, die immer komplexer, schneller und gleichzeitig widersprüchlicher wird.
Aus diesen Beobachtungen heraus ist während der Arbeit an meinem Buch das ECHO-Modell® entstanden. Nicht als weiteres Managementkonzept und nicht als theoretisches Konstrukt für den Seminar- raum. Vielmehr als Denkrahmen für Menschen in Verantwortung, die sich die Frage stellen, wie Führung, Zusammenarbeit und Entwicklung in einer immer komplexeren Welt gelingen können.
Das ECHO-Modell® basiert auf vier Schritten:
- Emotionen erkennen,
- Chaos einordnen,
- Haltung zeigen und
- Orientierung geben.
Seite 1 Wie Führung in einer komplexen Welt gelingt
Seite 2 Die vier Schritte des ECHO-Modell®
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