Interview mit Stefan Liebig, Geschäftsführer, und Christian Bartsch, Chief Technology Officer (CTO) der Molentum GmbH
Herr Liebig, Sie haben Ende 2025 die Molentum GmbH gegründet. Worum geht es bei Molentum, was ist das Neue an Ihrem Unternehmen und an wen richten Sie sich?
Stefan Liebig Wir entwickeln für das private Kompositgeschäft ein eigenes Betriebssystem – von Maklern für Makler. Und zwar durchgängig: vom Antrag bis zur Schadenregulierung. Das Neue dabei ist der konsequente End-to-End-Gedanke: Wir digitalisieren nicht einzelne Prozessschritte, sondern denken die gesamte Wertschöpfungskette ohne Medienbrüche. Wir richten uns an Vertriebsorganisationen und Maklerverbünde, die ihren Partnern ein eigenes, leistungsstarkes Label im privaten Kompositgeschäft bieten wollen.
Und Sie sind als Assekuradeur tätig.
SL Genau. Als Assekuradeur arbeiten wir mit Vollmachten der Risikoträger und verantworten alle relevanten Themen: Produktentwicklung, Underwriting, Vertragsservice und Schadenmanagement. Der Makler hat damit einen Ansprechpartner für den kompletten Lebenszyklus eines Vertrags – und wir die Prozesshoheit, die es für echte Automatisierung braucht.
Herr Bartsch, warum hat genau diese Idee dem Markt noch gefehlt?
Christian Bartsch Weil Digitalisierung bislang meist an Systemgrenzen endet. Jeder Beteiligte optimiert sein eigenes Silo, an den Schnittstellen entstehen trotzdem Medienbrüche und manuelle Nacharbeit. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir sind mit dem Maklerverwaltungsprogramm Keasy, das von der vfm-Gruppe entwickelt und vertrieben wird, vollständig integriert. Unseres Wissens sind wir damit aktuell der einzige Marktteilnehmer, der beide Enden der Geschäftsprozesse – das Maklerverwaltungsprogramm auf der einen und den Assekuradeur auf der anderen Seite – vollständig in der Hand hält und modellieren kann. Erst dadurch lassen sich Prozesse wirklich durchgängig abbilden und automatisieren. Technologisch setzen wir dabei konsequent auf den neuesten Stand: eine cloudbasierte, modulare Plattformarchitektur mit offenen Schnittstellen.
Und warum gerade der private Kompositbereich?
SL Hausrat, Privathaftpflicht, Wohngebäude und Unfall sind Sparten mit hohen Stückzahlen, standardisierbaren Produkten und – gemessen am Beitrag – hohem Verwaltungsaufwand. Genau dort entfaltet Automatisierung die größte Wirkung. Für viele Makler schwindet die wirtschaftliche Attraktivität des Privatgeschäfts, obwohl es für die Kundenbindung und die Stabilität des Maklerunternehmens zentral ist. Diesen Widerspruch lösen wir auf.
Sie versprechen „spürbare Entlastung“. Was genau dürfen Makler denn darunter verstehen?
CB Ganz konkret: keine Doppelerfassung. Der Makler arbeitet in seiner gewohnten Systemwelt, Angebot und Antrag entstehen aus den vorhandenen Bestandsdaten, die Police kommt in Minuten statt in Tagen – und alle Vertrags- und Schadendaten fließen automatisch strukturiert ins Maklerverwaltungsprogramm zurück. Standardvorgänge laufen dunkel durch.
Welche Bilanz ziehen Sie nach rund einem Dreivierteljahr – und was wollen Sie 2026 noch erreichen?
SL Wir haben das Fundament gelegt: Kooperationen fixiert, eine zukunftsfähige IT-Infrastruktur mit einem modernen Kernsystem aufgebaut, wettbewerbsfähige Tarife entwickelt und ein schlagkräftiges Team am Standort Aschaffenburg rekrutiert. Als Pilotpartner haben wir mit der vfm-Gruppe, der SCALA Finanzgruppe und der FondsKonzept AG drei Vertriebsorganisationen gewonnen, die unsere Überzeugungen teilen. Im Oktober starten wir mit vfm in den operativen Betrieb – das ist der wichtigste Meilenstein für 2026. Danach binden wir die weiteren Partner schrittweise an.
Seite 1 Kompositgeschäft für Makler mit Automatisierung verändern
Seite 2 Im Mittelpunkt steht die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Wo setzen Sie zum Beispiel bei Schadenfällen an – und wie viel muss der Mensch noch beitragen?
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