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Wohngebäudeversicherung: Lage in der Sparte bleibt angespannt
15. Oktober 2020

Wohngebäudeversicherung: Lage in der Sparte bleibt angespannt

Zunehmende Wetterextreme und veraltete Gebäudestrukturen verursachen teure Schäden und beeinflussen die Wirtschaftlichkeit in der Wohngebäudeversicherung. Versicherer haben deshalb fleißig saniert. Einer Studie zufolge hat sich die Profitabilität der Sparte jedoch nicht signifikant verbessert.


Zunehmende Wetterextreme und veraltete Gebäudestrukturen verursachen teure Schäden und beeinflussen die Wirtschaftlichkeit in der Wohngebäudeversicherung. Versicherer haben deshalb fleißig saniert. Einer Studie zufolge hat sich die Profitabilität der Sparte jedoch nicht signifikant verbessert.


Wohngebäudeversicherung: Lage in der Sparte bleibt angespannt

Nur 40% der Versicherer erzielen im Segment der Wohngebäudeversicherung positives Wachstum. Eine Untersuchung der Managementberatung 67rockwell kommt zu dem Schluss, dass sich die Profitabilität in der Sparte in den letzten sechs Jahren nicht signifikant verbessert hat.

Probleme, trotz Verbesserung der Profitabilität

Dabei wurden in den vergangenen Jahren große Sanierungsanstrengungen gemacht. Die Prämien wurden erhöht, manche Verträge gekündigt. Die Combined Ratio in der Wohngebäudeversicherung wurde so von durchschnittlich 110% (2015) auf 98% (2019) reduziert. Dennoch scheinen einige Bemühungen im Sand zu verlaufen. Noch immer wachsen 60% der Versicherer deutlich zu Lasten ihrer Profitabilität, so die 67rockwell-Analyse.

Nun sind aber auch in Zukunft weitere Wetterextreme zu erwarten. Beispielsweise gehen Wetterdienste davon aus, dass insbesondere in den eigentlich trockner werdenden Sommermonaten mit häufigeren Starkniederschlägen zu rechnen ist. Die bisherigen Bestrebungen der Versicherer könnten also im Sande verlaufen.

Verkauf unter Preis

Die Frage, warum sich die Situation nicht verbessert, beantwortet Tim Braasch, Leiter der Untersuchung und Managing Partner von 67rockwell: „Dies hat verschiedene Gründe. Insbesondere der intensive Verdrängungswettbewerb führt dazu, dass die Wohngebäudeversicherung als „Eintrittsparte“ durch den Vertrieb häufig (zu) stark rabattiert und unter Preis verkauft wird. So existieren heute beispielsweise Preisunterschiede für gleichartige Risiken von über 300%. Zudem würden Potentiale, beispielsweise aus dem Einsatz neuartiger Technologien und Data Analytics-Verfahren zur besseren Risikoeinschätzung, heute nur unzureichend ausgeschöpft. Es müsse eine tiefgreifende Neuorientierung stattfinden, so Braasch weiter.

Was genau könnte also helfen? 67rockwell schlägt die bessere Nutzung von Geodaten zur risikoadäquaten Tarifierung und eine datenbasierte Schadenprävention durch Smart-Home-Technologien vor. Als weitere Erfolgsfaktoren nennt die Beratungsfirma dynamische Tarife auf Basis der Gebäudealter sowie die Sicherstellung der Beitragsanpassungsfähigkeit im Neugeschäft.

„Das exakte Verständnis aller Einflußgrößen und deren Neujustierung ist erforderlich, um über unternehmensindividuelle Maßnahmenkataloge profitables Wachstum zu generieren. Risikoadäquate Nachkalkulationen im Bestand oder die dynamische Tarifierung im Neugeschäft bieten das notwendige Potential dafür“, fasst Braasch die Untersuchungsergebnisse zusammen. „Es gilt aus den Versäumnissen der letzten Jahre zu lernen.“ (bh)

Bild: © Gina Sanders – stock.adobe.com



Kommentare

von Erwin Daffner am 17.10.2020 um 16:25 Uhr
"die bessere Nutzung von Geodaten zur risikoadäquaten Tarifierung": Was sagen die Geodaten über den Zustand des Leitungswassernetzes im Gebäude oder den Zustand der Verfugungen im Badezimmer aus?

"eine datenbasierte Schadenprävention durch Smart-Home-Technologien vor": Dann müssten die Versicherer sich davon verabschieden Schadenvorsorgemaßnahmen ausschließlich dem Versicherungsnehmer aufzubürden.

"die Sicherstellung der Beitragsanpassungsfähigkeit im Neugeschäft": Ich dachte immer in den VGB ist eine Beitragsanpassungsklausel enthalten?

Die meisten Versicherer haben gar kein Interesse an einer individuellen Tarifierung. Einheiten- oder Flächenmodelle spiegeln doch den individuellen Wert eines Objekts in keinster Weise wider. Es ist auch nicht vermittelbar wie bei der heutigen Bauweise die Baukosten auf den Stand 1914 zurück berechnet werden können.



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