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Fort- & Weiterbildung

Female Finance: „Um eine Sonderbehandlung geht es nicht“

Mit gezielt an Frauen gerichteter Beratung macht Lisa Hassenzahl Karriere in dem von ihr gegründeten HFO. Sie gehört zum Vorstand des Financial Planning Standards Board Deutschland e. V. und ist Speakerin für alles rund ums Thema „Female Finance“. Auf welchem Stand sieht sie die Beratung für Frauen?

Interview mit Lisa Hassenzahl, Geschäftsführerin von YPOS Finanzplanung GmbH und HFO – Her Family Office GmbH
Frau Hassenzahl, wen beraten Sie im HFO?

Unsere Beratung richtet sich gezielt an Frauen, wobei die Finanzplanung und Fragen der Vermögensstrukturierung im Mittelpunkt stehen. Für unsere Mandantinnen sind wir die zentralen Ansprechpartnerinnen rund um alle Aspekte der Finanzplanung, der Kapitalanlage sowie natürlich auch die hiermit verbundenen rechtlichen und steuerlichen Aspekte. Insofern kommt es natürlich oft dazu, dass wir die Beratung auf die ganze Familie ausweiten, aber unser Fokus liegt auf der Beratung der Frauen. Selbstverständlich beraten wir aber auch Männer, viele Partner unserer Mandantinnen kommen nach einiger Zeit ebenfalls aktiv auf uns zu.

Und wie ist die Idee für HFO entstanden?

Die Idee einer reinen Beratung für Frauen ist ja nicht neu. In Deutschland gibt es seit vielen Jahren einige sehr erfolgreiche Frauenfinanzberatungen und das Angebot wächst stetig. Nicht weiter überraschend, denn Frauen sind eine attraktive Zielgruppe und nach wie vor sind das Angebot und vor allem die Angebotsbreite viel zu gering. Die meisten der bestehenden Angebote richten sich an jüngere Frauen bzw. verhältnismäßig kleinere Vermögensgrößen.

So entstand die Idee für HFO: Wir beraten Frauen, die aufgrund ihrer Vermögensgröße bzw. der Komplexität des Vermögens eine umfassende Finanzplanung und vernetzte Betrachtung mit rechtlichen oder steuerlichen Aspekten benötigen. In diesem Bereich gibt es für Frauen keine Angebote, aber gerade hier kommen die besonderen Anforderungen, die Frauen an eine Beratung stellen, zum Tragen.

Welche sind das zum Beispiel?

Was Frauen und Männer in Sachen Finanzen wirklich unterscheidet, ist die grundlegende Herangehensweise. Frauen haben oft ein deutlich größeres Informations­bedürfnis, möchten Zusammenhänge besser verstehen und haben vor allem den Wunsch, mit ihrer Ausgangs­situation, ihren Zielen und Herausforderungen im Mittelpunkt der Beratung zu stehen. Kurz gesagt: Frauen interessieren sich in erster Linie für ihre Finanzplanung und erst dann für konkrete Anlageprodukte, was in vielen Studienergebnissen gerne mit „Frauen interessieren sich nicht für ihre Finanzen, weil sie weniger Wertpapierdepots haben“ fehlinterpretiert wird. Mit der Finanzplanung als Ausgangspunkt zu starten, ist vielmehr eine sinnvolle Herangehensweise, die Frauen – auch das zeigen Studien – dann auch bei der Kapitalanlage langfristig erfolgreicher macht. Das Problem ist vielmehr, dass es für diesen Wunsch zu wenig Angebote gibt.

Kritiker und sicherlich auch Kritikerinnen werden sagen: „Frauen brauchen doch keine Extra-Beratung. Alle sollten gleich beraten werden.“ Was können Sie diesen antworten?

Ich höre die Frage oft in etwas anderer Form, nämlich: „Muss jede Frau zwingend von einer Frau beraten werden?“ Die Antwort hierauf ist natürlich ein klares „Nein“ und ich kann diese kritischen Stimmen auch verstehen. Andererseits zeigen sie auch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.

Selbstverständlich kann jeder und jede selbst entscheiden, von wem er und sie beraten werden möchte, und es gibt auch viele Frauen, die sich ganz bewusst für einen männlichen Berater entscheiden, weil sie keine Sonderbehandlung haben möchten. Hier müssen wir übrigens auch gut aufpassen, denn um eine Sonder­behandlung geht es überhaupt nicht. Angebote für Frauen, die bis zur fachlichen Fraglichkeit vereinfacht werden, sind in keiner Hinsicht hilfreich, sinnvoll und auch nicht notwendig. Wir brauchen sicher keine „rosa Produktfalle“, wie es sie in anderen Bereichen gibt.

Worum es wirklich geht, ist, zunächst einmal überhaupt Angebote zu schaffen, damit Frauen auch wirklich die Wahl zwischen einer Beratung durch einen Mann oder eine Frau haben – und zwar über alle Vermögensgrößen und Anforderungen hinweg.

Die Zielgruppe von Finanzanlageprodukten für Frauen sind bisher eher die Jüngeren. Warum sollten Berater und Beraterinnen auch auf ältere Frauen zugehen und wie könnte das gelingen?

Zunächst einmal ist es eine absolut positive und erfreuliche Entwicklung, dass das Thema „Female Finance“ mehr Aufmerksamkeit bekommt: Frauen bewusst zu machen, wie wichtig es ist, die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen und entsprechende Angebote zu schaffen, die Berührungsängste abzubauen. Gerade für junge Frauen ist es wichtig, nicht den alten Rollenbildern und Narrativen aufzusitzen, daher sind die Angebote wichtig.

Leider ist das Angebot für ältere Frauen deutlich geringer. Das liegt zum einen daran, dass diese Zielgruppe häufig etwas komplexere Anforderungen stellt, aber natürlich auch daran, dass sie schwerer oder gar nicht über Social Media zu erreichen ist – über diese Kanäle laufen viele der neuen Angebote. Für Beraterinnen und Berater ist diese Zielgruppe daher umso spannender und auch passender.

Hier ist es wichtig, die Wünsche und Anforderungen dieser Zielgruppe an eine Beratung zu kennen. Viele Frauen haben, auch wenn es vielleicht gar nicht berechtigt ist, Angst, im Ruhestand nicht ausreichend versorgt zu sein. Hier ist Finanzplanung einmal mehr der Schlüssel zum Erfolg, da sie die eigenen Finanzen und die Ruhestandsplanung transparent und nachvollziehbar macht.

Also lohnt es sich, in jedem Alter noch mit dem Anlegen zu beginnen bzw. dazu zu beraten?

Selbstverständlich lohnt sich eine Beratung, insbesondere eine Finanzplanung, immer. Denn sie bietet zum einen nachvollziehbaren Überblick und ist somit die beste Basis für alle weiteren Entscheidungen.

Denn gerade in einem Umfeld aus Niedrigzinsen ist Kapitalanlage keine Kür, sondern schon lange Pflicht. Das eigentliche Mindestziel „Vermögens­erhalt“ kann nicht wie früher durch konservative „Sparstrategien“ erfüllt werden, sondern alle müssen sich in risikoreichere Anlagen bewegen, und zwar in jedem Alter. Mit zunehmendem Alter sinkt jedoch der Raum für Fehler bzw. deren Korrektur und je näher der Ruhestand rückt, desto höher ist das Vermögen, das es zu schützen gilt. Also kommt der Herleitung der Handlungsstrategie (bestehend aus Anlagestrategie und weiteren Aspekten wie zum Beispiel Asset Protection durch eine aktive Nachfolgeplanung) eine noch größere Bedeutung zu als in jungen Jahren.

Welche Unterschiede sollte denn der Finanzplan einer 25-Jährigen im Gegensatz zu dem einer 55-Jährigen aufweisen?

Typischerweise wird der Finanzplan einer 55-jährigen Frau schon allein aufgrund des höheren Alters und des damit verbundenen höheren Vermögens etwas umfangreicher ausfallen.

Hinsichtlich der Themen steht bei einer jungen Frau in erster Linie der Vermögensaufbau im Fokus. Um hier ein Ziel zu formulieren, ist aber auch bei einer so jungen Frau schon ein Blick auf die Ruhestandsplanung sinnvoll. Viele junge Frauen möchten wissen, wie viel Kapital sie zusätzlich zu anderen Einnahmen eigentlich benötigen, um eine gewisse monatliche Liquidität im Ruhestand sicherzustellen. Ein absolut sinnvoller Weg, sich der eigenen Anlagestrategie zu nähern, und außerdem hilfreich bei Gehaltsverhandlungen …

Hinzu kommt die Absicherung gewisser Risiken, von den klassischen biometrischen Risiken bis hin zu Fragen nach Eheverträgen und dem Ausgleich von Erziehungszeiten.

Bei älteren Frauen bleibt das Thema Ruhestandsplanung – je nach Vermögensgröße und Lebensstil – natürlich auch ein Schwerpunkt. Hier geht es oft mehr um den Erhalt des bereits aufgebauten Vermögens und durchaus auch um Fragen der aktiven Gestaltung einer Nachfolgeplanung.

Neben all Ihren Qualifikationen sind Sie außerdem Testamentsvollstreckerin (AGT). Wenn frau sich ein Vermögen aufgebaut hat, wie sieht denn dann eine gute Beratung zur Nachfolgeplanung aus?

Nach meiner Erfahrung lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass sich Frauen deutlich proaktiver mit dem Thema Nachfolgeplanung beschäftigen als Männer. Das Thema Testament brennt den meisten meiner Mandantinnen als ein Thema unter den Nägeln und kommt daher meist schon im ersten Gespräch auf den Tisch. Da kann es hier und da durchaus mal eine kleine Herausforderung sein, den Ehemann oder Lebenspartner mit ins Boot zu holen.

Dabei stellen alle Mandantinnen und Mandanten nach Umsetzung aller Aspekte der Nachfolgeplanung fest, wie erleichternd es ist, wenn alles geregelt ist.

Dabei ist es gerade für Frauen unheimlich wichtig, das Thema aktiv anzugehen und hier nichts dem Zufall oder der Verantwortung des Partners oder der Partnerin zu überlassen: Frauen leben statistisch gesehen länger, sind also mit höherer Wahrscheinlichkeit diejenigen, die mit den Folgen der gesetzlichen Erbfolge, einer verfrühten Schenkung oder anderen Zufälligkeiten leben müssen.

Wie ist Ihre Erfahrung mit Female Robos? Wie stehen Sie dazu? Ersatz, Ergänzung oder …?

Grundsätzlich gilt auch hier: Alles, was die Aufmerksamkeit für das Thema „Female Finance“ steigert und Frauen die Berührungsängste vor dem Thema Finanzen nimmt, finde ich sehr gut.

In den USA gibt es ein extrem erfolgreiches Beratungsunternehmen für Frauen, das zunächst als Female Robo begonnen hat und heute alle Vermögensgrößen und Anforderungsbereiche abdeckt. Auch hier scheint die Erkenntnis gereift zu sein, dass „nur“ eine Investmentlösung zu schaffen, nicht ausreicht bzw. eigentlich noch viel mehr Potenzial bestand.

In Deutschland sind wir noch beim ersten Schritt. Es gibt Robos extra für Frauen und für die Investmentlösung an sich können sie auch eine gute Möglichkeit sein, insbesondere für eher jüngere Frauen, die vielleicht mit kleineren Beträgen starten möchten. Aber Robos bieten keine Beratung und, wie das Beispiel aus den USA zeigt, Beratung lässt sich nicht digitalisieren. Da Frauen aber gerade an die Beratung höhere Ansprüche haben, ist es spannend zu beobachten, welche Lösungen hier gefunden werden.

Sie haben in einem Vortrag gesagt, dass Sie eine Chance für Beraterinnen darin sehen, dass Female FinTechs und Finfluencerinnen die Nachfrage nach individueller Beratung (noch) nicht decken können. Wie kann die Zusammenarbeit gelingen? Wo sehen Sie Probleme?

Ich bin davon überzeugt, dass die Kombination aus standardisierten und digitalisierten Lösungen und auf Wunsch individueller Beratung ein Erfolgsmodell sein kann. Das Vorbild aus den USA zeigt es ja deutlich.

Es gibt auch bereits einige Female FinTechs, die diese Idee verfolgen und Gespräche mit Beraterinnen suchen. Für beide Seiten kann diese Zusammenarbeit große Mehrwerte bieten. Die größten Probleme sehe ich aktuell zum einen in der Passgenauigkeit der Anfragen; hier liegt die Aufgabe vor allem aufseiten der Beraterinnen, das eigene Geschäftsmodell und die Zielgruppe zu definieren. Das größere Problem sehe ich aber vor allem in der fehlenden Skalierbarkeit. Der Engpass sind die fehlenden Beraterinnen, die auf einem entsprechenden fachlichen Niveau arbeiten können. Denn für viele FinTechs stellt sich hier die zentrale Frage nach Transparenz und Glaubwürdigkeit: Sind Kooperationen mit Banken eine umsetzbare Lösung für eine Klientel, die sich online informiert, kritisch und kostensensibel ist? Oder sind unabhängige Beraterinnen die Lösung, von denen es aber schlicht zu wenige gibt?

Gibt es in Zeiten von Krisen, wie wir sie gerade erleben, überhaupt noch viele Geldanlagen, die guten Gewissens vermittelt werden können? Würden Sie als Certified ETF-Specialist (DBG) jetzt besonders auf ETFs setzen?

In Bezug auf Geldanlagen wie Investmentfonds, Aktien, Anleihen oder andere liquide Anlageklassen hängt das gute Gewissen aus meiner Sicht nicht an der Geldanlage selbst. Auch wir haben leider keinen Einfluss auf die Notenbank- oder gar Geopolitik und somit auf die Marktentwicklung.

Aus meiner Sicht geht es vielmehr um die Herleitung einer Anlagestrategie, die für die Mandantin nachvollziehbar und verständlich ist und selbstverständlich grundlegende Aspekte wie Risikobereitschaft, Anlagehorizont, Zielrendite etc. berücksichtigt. Und nicht zu vergessen: ein gutes Erwartungsmanagement. Deutlich aufzuzeigen, wie hoch ein möglicher Verlust mit der gewählten Anlagestrategie ausfallen kann, ist wichtig. Noch wichtiger ist, dass die Mandantin auf Basis der eigenen Finanzplanung verstanden hat, warum sie überhaupt aus der Komfortzone Konto raus und in die Kapitalmärkte rein soll. Denn das hilft dabei, auch in schwierigen Börsenzeiten Ruhe zu bewahren.

Für ETFs muss man nach den Börsenzeiten der letzten Jahre, glaube ich, keine Werbung mehr machen. Wir setzen ETFs natürlich gerne ein, da sie eine breite Streuung bei geringen Kosten und im Rahmen der Vermögensverwaltung eine hohe Transparenz für die Portfoliokonstruktion bieten. Allerdings wird aktuell der „alte Hut“ Risikomanagement seit langer Zeit mal wieder interessant und ich bin gespannt, wie sich das „Einfach ETFs kaufen, die sind günstig und man kann nichts falsch machen“-Mantra in den nächsten Monaten entwickeln wird.

Welchen Wert legen Ihre Kundinnen denn aktuell auf nachhaltige Produkte?

Gerade bei Frauen ist das Thema nachhaltige Kapitalanlage deutlich stärker im Fokus. Nicht alle Mandantinnen sprechen das Thema aktiv an, aber es kommt häufig vor und wir diskutieren diesen Punkt im Rahmen der Herleitung der Anlagestrategie auch aktiv mit unseren Mandantinnen. Hierbei geht es darum, erst einmal die Begriffe zu klären und zu definieren, was Nachhaltigkeit für die jeweilige Mandantin bedeutet. Als Beraterin ist es meine Aufgabe, die Vorteile, aber auch die Schwachstellen der aktuellen Standards und Lösungen aufzuzeigen. Nachhaltigkeit spielt in der Umsetzung der Anlagestrategie durchaus eine Rolle, und diese wird sicher auch an Bedeutung gewinnen, aktuell findet sich jedoch häufig ihre Grenze dort, wo sie die Port­foliokonstruktion zu sehr einschränkt.

Sie sind Gründerin, Geschäftsführerin, halten Vorträge und Workshops und sind Teil eines großen Branchennetzwerks. Darüber hinaus gehören Sie zum Vorstand des FPSB. Was ist Ihre Motivation für dieses starke Engagement?

„Veränderung schaffen“, das ist sicherlich nicht nur ein für mich zentraler Wert, sondern auch der Ursprung meines Engagements. Female Finance und alles, was dazu­gehört, hat in den letzten Jahren mehr und mehr Aufmerksamkeit erhalten. Trotzdem gibt es noch viel zu tun und wir müssen uns auch fragen, welche neuen Ansätze es braucht, um noch mehr Frauen zu erreichen, aber auch Männer von der Bedeutung dieses Themas zu überzeugen – hierzu zählt auch die unangenehme Frage, wie wir eine männlich dominierte Finanzbranche so gestalten, dass sie überhaupt in der Lage ist, der „neuen“ Zielgruppe Frau in allen Gesichtspunkten gerecht zu werden.

Und was ist Ihnen persönlich besonders wichtig an Ihrer Arbeit?

Innerhalb unseres Teams genauso wie gegenüber unseren Mandantinnen ist für mich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit besonders wichtig. Ein offener und fairer Umgang ist für mich der Schlüssel langfristiger Beziehungen und somit auch unternehmerischen Erfolges.

Sehr persönliche Einblicke und auch emotionale Gespräche, die mir Mandantinnen gewähren, sind für mich eines der schönsten Komplimente an unsere Arbeit, denn sie zeigen, wie groß das Vertrauen ist, das uns entgegengebracht wird.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 86 ff., und in unserem ePaper.

Bild: © Farknot Architect

 
Ein Interview mit
Lisa Hassenzahl

Workshop: Eine Teilnahme am Jungmakler Award lohnt sich

Die Jungmakler-Finalisten des vergangenen Jahres haben sich zu einem Workshop in Lübeck getroffen. Das Thema: Die DIN-Norm für die Privatkundenanalyse. Junge Makler, die ihr Unternehmen auf das nächsthöhere Level bringen wollen, können sich noch bis Ende Juni für den Jungmakler Award 2022 anmelden.

Junge Makler, die mit einer Teilnahme am bedeutendsten Nachwuchswettbewerb der Finanz- und Versicherungsbranche liebäugeln, dürfen langsam Torschlusspanik bekommen. Die Bewerbungsphase zum Jungmakler Award 2022 endet in weniger als zwei Wochen am 30.06.2022. Hier geht es zur Anmeldung.

Zahlreiche Preise winken

Eine Teilnahme lohnt sich jedoch nicht nur wegen der Geldpreise in Höhe von insgesamt 18.000 Euro, die den Gewinnern winken – hinzu kommt noch der Baufi-Sonderpreis von 5.000 Euro, der von der ING gestiftet wird. Auch die Möglichkeit, das eigene Geschäftskonzept zu überarbeiten und zu verfeinern, bietet sich.

Workshop in Lübeck

Weitere Benefits sind das Netzwerken mit ambitionierten Kollegen und der direkte Draht zu den Entscheidern der Branche. Das wurde auch im Mai deutlich, als sich die Jungmakler-Finalisten zu einem Workshop in Lübeck trafen.

Eingerahmt von Oldtimern

Eingeladen hatte Konrad Schmidt von der bbg Betriebsberatungs GmbH zusammen mit Marcel Neumann von OCC. Als Rahmen für das Meeting wurde die OCC-Küstentrophy mit unglaublichen Mengen an wunderschönen Oldtimern genutzt. Damit wurde die Kernausrichtung von OCC als Spezialist für Oldtimer unmittelbar haptisch erlebbar.

Normierte Privatkundenanalyse

Im Workshop selbst ging es um die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Konkreter: Dr. Wolfgang Kuckertz von GOING PUBLIC! und Dr. Klaus Möller von Defino drehten die DIN-Norm für die Privatkundenanalyse gemeinsam mit den Jungmakler-Finalisten 2022 von links auf rechts. Das einhellige Fazit der Teilnehmer am Ende des Workshops: Richtig eingesetzt ist die Norm für Makler ein gewaltiger Sprung nach vorne. Dieses „richtig Einsetzen“ wird Thema weiterer Meetings sein, wie die Teilnehmer vereinbarten. (tku)

Lesen Sie auch: Jungmakler Award ab sofort mit Mentorenprogramm

 

MLP öffnet Weiterbildungsangebot

Das Weiterbildungsangebot von MLP steht nun auch anderen Interessentengruppen zur Verfügung, z. B. externen Finanzberatern. Im Angebot gibt es z. B. die Vorbereitung auf die Zertifizierung zum Certified Financial Planner®. Im Kurzinterview erklärt Dr. Carolin Gellert von MLP mehr dazu.

Der Finanzdienstleister MLP öffnet seine Bildungsangebote nun auch für neue Interessentengruppen, darunter Unternehmer und Mitarbeitende anderer Firmen sowie externe Finanzexperten. An der unternehmenseigenen Corporate University und der darin eingebundenen MLP School of Financial Education können nun Kurse rund ums Thema „Financial Education“ belegt werden.

Dozenten und Kooperationen

Der Unterricht erfolgt einerseits durch externe Dozenten, andererseits durch ausgewählte MLP Beraterinnen und Berater. Zudem gibt es auch Kooperationen zum Beispiel mit der diversity company, einer Anbieterin für Karrierecoaching für Frauen, oder BG3000, wo der der Schwerpunkt auf digitaler Bildung liegt. Ein Kurs kann online, am Campus in Wiesloch oder an einem Ort der Wahl absolviert werden.

Dies wird für die Finanzbranche angeboten

Speziell für Externe, die in der Finanzberatung tätig sind, werden nun beispielsweise die „Financial Planning Powertage“ oder das „MLP Business Forum“ angeboten. Außerdem kann die Vorbereitung auf die Zertifizierung zum Certified Financial Planner® und den European Financial Advisor® EFA absolviert werden. Berechtigt sind dazu nur vier Einrichtungen in Deutschland.

 

MLP öffnet Weiterbildungsangebot

 

Im Interview beantwortet Dr. Carolin Gellert, Leiterin Development & Design an der MLP Corporate University, drei Fragen zur Weiterbildung.

Wen sprechen Sie mit Ihrem Weiterbildungsangebot an?

„Unser Angebot richtet sich an alldiejenigen, die beratend in der Finanzbranche tätig sind – zuvorderst Finanzberater und Immobilienvermittler. Zum einen können Beraterinnen und Berater ihre Expertise vertiefen und sich zum Fachexperten in einem bestimmten Themengebiet weiterbilden, beispielsweise im Bereich Krankenversicherung oder Behavioral Finance. Zum anderen ist die School of Financial Education zertifizierte Weiterbildungseinrichtung für die Qualifizierung zum European Financial Advisor® (EFA) und zum Certified Financial Planner® (CFP), dem höchsten international anerkannten Standard für Finanzberater. Wer also seinen Karriereweg professionalisieren und seine Beratungsdienstleistung qualitativ optimieren möchte, findet dafür bei uns die richtigen Bildungsangebote.

Neben unserem Angebot für Finanzexpertinnen und -experten bieten wir auch Weiterbildungen an, die anderen Zielgruppen offenstehen – etwa Ärzten oder Unternehmern. Vorkenntnisse sind hierfür nicht nötig, ganz im Gegenteil: es geht um den Aufbau von Finanz-Grundlagenwissen.“

Was führt Sie denn zu dem Schritt, das Weiterbildungsangebot auszuweiten?

„Bei MLP spielt Weiterbildung seit jeher eine große Rolle und bildet die Basis unserer Qualitätsberatung. An unserer unternehmenseigenen Corporate University bieten wir seit mehr als 20 Jahren ein umfangreiches Bildungsangebot für unsere Beraterinnen und Berater. Wir greifen also auf einen großen Erfahrungsschatz zurück, den wir jetzt mit einem größeren Publikum teilen möchten. Da der Bedarf an Finanzwissen gerade auch für andere Berufsgruppen groß ist, war die Gründung der MLP School of Financial Education der logische nächste Schritt für uns.“

Und wie schätzen Sie allgemein die Weiterbildungslandschaft in der Branche ein?

„Grundsätzlich ist die kontinuierliche Weiterbildung enorm wichtig in unserer Branche: Die Anforderungen an Beraterinnen und Berater verändern sich permanent. Mit der Einführung der Weiterbildungsverpflichtung von 15 Stunden pro Jahr im Rahmen der Insurance Distribution Directive (IDD) wurde 2018 zudem ein wichtiger Grundstein für die systematische Qualifizierung gelegt. Somit besteht ein hoher Schulungsbedarf: Wer sich nicht regelmäßig gewissenhaft fortbildet, wird schnell abgehängt – und Kunden verdienen selbstverständlich einen Berater, der mit seinem Wissen auf der Höhe der Zeit ist und sie individuell betreuen kann. Durch unser erweitertes Angebot erhoffen wir uns deshalb nicht zuletzt, zur Qualität in der Branche beizutragen.“

Unter mlp-sofe.de finden Interessierte weitere Informationen. (lg)

Bild: © denisismagilov – stock.adobe.com

Foto zum Interview: © MLP

 

Cyberweiterbildung für Versicherungsbranche

Die TH Köln bietet ab Oktober 2022 die Weiterbildung „Cyber Insurance Manager*in“ an. Mitarbeiter der Versicherungsbranche können daran teilnehmen. Inhaltlich geht es darum, Cybergefahren zu verstehen und zu versichern. Die Anmeldung läuft ab sofort.

Die Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung der technischen Hochschule Köln bietet ab November 2022 den neuen Zertifikatslehrgang „Cyber Insurance Manager*in“ an. Er richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Versicherungsbranche, z. B. Mitarbeitende von Versicherungsunternehmen, Versicherungsvermittlern, Schadenregulierungsunternehmen, Inhouse Brokern und gewerblichen Unternehmen, die sich im täglichen Geschäftsbetrieb mit Cyberrisiken und/oder Cyberversicherungen beschäftigen. Anmeldungen sind ab sofort bis zum 19.10.2022 möglich.

Praxisnahe Weiterbildungsinhalte zu Cyberrisiken und -versicherung

Praxisnah soll die Weiterbildung Informationen über Versicherungen gegen Cyberangriffe weitergeben. Dabei geht es unter anderem um Kundenbedarfe, rechtliche Rahmenbedingungen, Vermittlung technischer Hintergründe und Verständnis der IT-Forensik. Auch wird über das Underwriting – Risikobewertung im Hinblick auf die Zeichnung von Risiken durch Versicherer – und die versicherungsvertragliche Produktgestaltung im Zusammenhang mit Cyberrisiken gesprochen. Mit anschaulichen Beispielen wie komplexen Schadenfällen werden die Lerninhalte illustriert.

„Durch die Weiterbildung erwerben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die notwendigen Kompetenzen, um unterschiedliche Cyberrisiken zu identifizieren, zu bewerten und ihre Auswirkungen unter Berücksichtigung IT-forensischer Erkenntnisse zu begrenzen. Zudem erfahren sie, wie diese Risiken im Rahmen von Cyberversicherungen abgesichert werden können“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Weiterbildung Prof. Dr. Michael Fortmann vom Institut für Versicherungswesen der TH Köln.

Weitere Informationen zum Lehrgang

Insgesamt findet der Zertifikatslehrgang mit sechs Präsenzterminen sowie Onlineveranstaltungen statt. Maximal 24 Teilnehmende sind möglich. Die Kursgebühr beträgt 5.550 Euro, wobei es für den ersten Lehrgang einen Einführungsrabatt von 10% gibt. Weitere Informationen und die Anmeldung gibt es hier. (lg)

Bild: © Mangostar – stock.adobe.com

 

Versicherungswirtschaft: Beruf für unterschiedlichste Menschen

Beim BWV dreht sich alles um Bildungsangebote für die deutsche Versicherungsbranche. Mit Gütekriterien für Prüfungen schafft der Verband bundesweite Vergleichbarkeit und Objektivität. Über ein neues Berufsbild und darüber, wie es um den Nachwuchs in der Branche steht, spricht Dr. Katharina Höhn im Interview.

<h5>Interview mit Dr. Katharina Höhn, Hauptgeschäftsführerin des <a href="https://www.bwv.de/startseite&quot; target="_blank" >Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft</a> (BWV) e.V.</h5><h5>Ab August gibt es ein neues Berufsbild im Bereich Versicherungen und Finanzanlagen. Warum wurde dies nötig?</h5><p>Die bisherige Ausbildungsordnung ist fast zehn Jahre alt. Im letzten Jahrzehnt hat sich in der Branche viel verändert: Geschäftsprozesse wurden digital, die Bearbeitung von Kundenanfragen stark automatisiert und die verbleibenden Tätigkeiten für die Mitarbeitenden komplexer. Die Produktentwicklung hat die Kundinnen und Kunden an den Anfang gestellt und versucht, mit Arbeitsmethoden wie Design Thinking deren Lebenswelten zu erfassen. InsurTechs wurden in die Prozesse einbezogen, und schließlich hat die Pandemie das „Neue Normal“ in der Arbeitswelt eingeläutet, bei der die Mitarbeitenden mehr Selbstverantwortung und die Leitenden ein neues Führungsverständnis übernehmen. </p><p>Mit dem neuen <a href="https://www.bwv.de/qualifikationen/kaufmann-vfa&quot; target="_blank" >Berufsbild Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen</a> bekommen junge Leute das Rüstzeug für all diese Herausforderungen. Wie man der Grafik entnehmen kann, erhalten sie weiterhin breites versicherungsfachliches Know-how. Dann können sie sich mit Wahlqualifikationen spezialisieren.</p><h5> Welche Ausbildung ersetzt es? </h5><p>Sie ersetzt die Ausbildung Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, zuletzt teilnovelliert 2014.</p><h5>In welchen Unternehmen wird die Ausbildung zum Tragen kommen? Auch in Maklerhäusern? </h5><p>Das Berufsbild wird in allen Betrieben unserer Branche ausgebildet, um Nachwuchs mit Versicherungs-Know-how zu gewinnen: in Hauptverwaltungen, Geschäftsstellen, Agenturen und Maklerhäusern. Auch Sparkassen, Bankfilialen oder Versicherungsabteilungen der Industrie bilden in dem Beruf aus. Mit den sechsmonatigen Wahlqualifikationen können Maklerinnen und Makler ihren Schwerpunkt auf ihr eigenes Geschäfts­modell setzen. Das kann zum Beispiel das Gewerbekundengeschäft im Baustein „Risiken für Nicht-Privatkunden“ oder das spezifische Maklermodell im Baustein „Betriebswirtschaftliches Arbeiten im Vertrieb“ sein. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Können Sie sagen, welche Qualifikationen am häufigsten gewählt werden? --><h5>Können Sie sagen, welche Qualifikationen am häufigsten gewählt werden? </h5><p class="zoombild" > <div class="zoomImage"><a href="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom_large/p…; rel="prettyPhoto" title=""><img alt="Versicherungswirtschaft: Beruf für unterschiedlichste Menschen" height="94" src="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom/public/…; typeof="Image" width="200" /><img class="zoomIcon" src="/sites/asscompact.de/themes/asscompact/gfx/zoom_icon.png" width="54"></a></div></p><p>Bei den fünf Wahlqualifikationen eignen sich manche mehr für Innendiensttätigkeiten, egal ob in Versicherungsunternehmen oder Maklerunternehmen, andere mehr für vertriebliche Tätigkeiten. </p><p>Da ein großer Teil der Auszubildenden bei Versicherern beschäftigt ist, gehen wir davon aus, dass die hier benötigten Wahlqualifikationen am häufigsten gewählt werden.</p><h5>Nicht nur, aber insbesondere Maklerbetriebe haben mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Wie beurteilen Sie die Situation?</h5><p>Die Nachwuchssorgen in der Versicherungswirtschaft gibt es, sind aber im Vergleich zu anderen Branchen wie Handwerk, Handel oder Gastronomie bei Weitem noch nicht so gravierend. Unsere Ausbildungserhebung – bei der sich allerdings mehrheitlich Versicherer beteiligen – zeigt, dass 11% der angebotenen Ausbildungsplätze 2020 nicht besetzt werden konnten. Die Befragten geben an, dass mangelnde Eignung der häufigste Grund für dieNicht-Besetzung und die Situation regional äußerst unterschiedlich ist.</p><p>Wir wünschen uns sehr, dass Maklerunternehmen ihren Nachwuchs verstärkt über die klassische Berufsausbildung gewinnen und die Absolventinnen und Absolventen anschließend über eine hochwertige Fortbildung, zum Beispiel zum Fachwirt für Versicherungen und Finanzen, ein sehr hohes Qualifikationsniveau erreichen. Das neue Berufsbild mit seinen Spezialisierungsmöglichkeiten eignet sich hervorragend für eine Ausbildung bei Maklern und im Vertrieb. Die Versicherungswirtschaft hat verstanden, sich um die knappen Talente auch in ihren Social-Media-Kanälen zu bemühen. Wir werben übrigens mit der Kampagne WERDE#INSURANCER (<a href="https://werde-insurancer.de/&quot; target="_blank" >werde-insurancer.de</a>) um Talente.</p><p>Wer wird denn eigentlich gesucht? Welche Voraussetzungen sollten junge Menschen mitbringen, die sich für eine Karriere in der Finanz- und Versicherungsbranche entscheiden?</p><p>Das Gute an der Versicherungswirtschaft ist: Bei uns können die unterschiedlichsten Menschen ihre berufliche Heimat finden. Wichtig sind persönliche Eigenschaften: Eigeninitiative, Eigenverantwortung, schnelle Auffassungsgabe, Offenheit und Experimentierfreudigkeit. Wer ein Teamplayer ist, Interesse an Finanzen und keine Scheu vor Zahlen hat und sich dazu noch gut ausdrücken kann, ist ideal geeignet. Aufgrund des sehr anspruchsvollen Tätigkeitsfelds steigen überwiegend Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife in eine Ausbildung bei uns ein.</p><h5> Ist der Verdienst ein Grund für den Start?</h5><p>Die hohe Ausbildungsvergütung und die weiteren Arbeits­bedingungen sind sicher ein Plus für die Branche: Mit 1.120 Euro ab Ausbildungsstart nach dem AGV-Tarifvertrag, gültig ab 1. September 2022, liegt die Vergütung beispielsweise über der von Banken. Die Ausbildungsvergütung im Versicherungsvermittlergewerbe – BVK-Tarifvertrag – hat ein niedrigeres Grundniveau von 693 Euro, hier können noch leistungsorientierte Bestandteile dazukommen. Krisensichere Arbeitsplätze, eine – auch in der Pandemie – hochwertige Ausbildung, gute Übernahmequoten und die hohe Bedeutung von Aufstiegsfortbildungen machen die Branche für Berufsstarterinnen und -starter attraktiv.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Können auch vermehrt junge Frauen für Berufe in der Versicherungswirtschaft gewonnen werden?--><h5>Können auch vermehrt junge Frauen für Berufe in der Versicherungswirtschaft gewonnen werden?</h5><p>Wir sehen – Stand 2020 – 43,3% weibliche Auszubildende in unserer Branche. Der Anteil von Frauen und Männern in der Versicherungswirtschaft insgesamt liegt in den letzten zehn Jahren stabil bei etwa 50:50 – 47,6% Frauen. Im Vertrieb sieht das anders aus: Mit 23,6% im Jahr 2020 sind im Außendienst deutlich weniger Frauen beschäftigt. Es wäre absolut wünschenswert, viel mehr junge Frauen für eine vertriebliche Tätigkeit zu gewinnen. (Quelle: <a href="https://www.agv-vers.de/projekte/women-in-leadership-culture/kennzahlen…; target="_blank" >agv-vers.de/projekte/women-in-leadership-culture/kennzahlen/frauenanteile-in-den-unternehmen.html</a>)</p><h5>Bei Versicherern und in Maklerhäusern werden auch andere Kompetenzen benötigt. Zum Beispiel Büromanagement oder auch Mathematiker und IT-Spezialisten. Wie sieht es denn hier mit Fachkräften aus?</h5><p>IT-Spezialistinnen und -Spezialisten sind auch in der Versicherungswirtschaft dringend gesucht. Die IT ist für das Geschäft der Versicherer essenziell – nicht erst seit der Corona-Krise, in der noch mobiles Arbeiten mit Web-Konferenzen und Co. als IT-Herausforderungen hinzukamen. Zukünftig kann das neue Ausbildungs­berufsbild Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen genutzt werden, um – von der versicherungsfachlichen Seite kommend – IT-affine Auszubildende für eine Tätigkeit an der Schnittstelle zur IT selbst auszubilden. Hierfür gibt es die neue Wahlqualifikationseinheit „Digitalisierungsprozesse initiieren und begleiten“. Auch der Bedarf an Mathematikerinnen und Mathematikern ist hoch. In der Versicherungswirtschaft macht diese Gruppe 13% unter den Akademikerinnen und Akademikern aus. Die Stellen im Bereich des Büromanagements haben sich in den letzten zehn Jahren rückläufig entwickelt, von 3,6% (2010) auf 1,9% (2020). Um den Bedarf an Akademiker­innen und Akademikern zu decken, kooperiert ein Großteil der Versicherungsunternehmen direkt mit Hochschulen, stiftet zum Beispiel Lehrstühle, entsendet Lehrbeauftragte oder positioniert sich in Veranstaltungen. Was das Büromanagement angeht, bildet die Branche auch in diesem Berufsfeld aus, nicht nur im Beruf Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen. Hier hat die Branche sicher gute Chancen, mit attraktiven Arbeits­bedingungen geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für sich zu gewinnen.</p><h5>Für im Vertrieb Tätige gibt es Regeln für die Weiterbildung. Wie sieht es denn insgesamt mit der Weiterbildung in der Branche aus?</h5><p>Das Weiterbildungsengagement unserer Branche ist im Vergleich zu anderen Branchen vorbildlich. Um die Weiterbildung von Versicherungsvermittlerinnen und -vermittlern hatte sich die Branche schon vor der IDD gekümmert, ab 2014 mit der freiwilligen Brancheninitiative „gut beraten“. Ab 2018 wurden die gesetzlichen Vorgaben – 15 Stunden Weiterbildung pro Jahr – dann in die Initiative integriert. Die 149.000 Kontoinhaberinnen und -inhaber haben im Durchschnitt 18 Stunden anrechenbarer Weiterbildung auf ihren Konten dokumentiert. 21.726 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben 30 Stunden auf ihren Konten nachgewiesen – ein Anspruch, den wir weiter verfolgen wollen. </p><p>Die Weiterbildungsbeteiligung der Innendienstmitarbeitenden ist traditionell hoch. Unsere letzte Sondererhebung mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gemeinsam mit dem AGV zeigte 2017 das überdurchschnittliche Engagement der Versicherungswirtschaft: Unsere letzte Weiterbildungsumfrage (2020) belegt einen erneuten Anstieg um drei Prozentpunkte auf 76% von Mitarbeitenden, die mindestens eine Maßnahme besucht haben, mit durchschnittlich 2,1 Tagen Weiterbildung im Jahr.</p><p>Für erfreulich halten wir die hohe Bedeutung der Fachwirt-Fortbildung. Letztes Jahr haben wir das 50-jährige Bestehen unseres „Meisters der Branche“ gefeiert und wollen nach der Neuordnung des Ausbildungsberufs diese staatlich geregelte und BAföG-geförderte Fortbildung ebenfalls neu ordnen. Denn wir benötigen insbesondere im Vertrieb ein sehr hohes Qualifikationsniveau. Diese Fortbildung schafft ein solides Fundament für alle Funktionen, es gibt auch den Schwerpunkt Vertriebsmanagement. Daran anknüpfend steht dann ein immenses Spektrum an spezialisierenden Weiterbildungen zur Verfügung.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Die Sachkundeprüfung und Weiterbildung für Vermittler wird häufig kritisiert: nicht tief genug, zu produktorientiert. Wie stehen Sie dazu? --><h5>Die Sachkundeprüfung und Weiterbildung für Vermittler wird häufig kritisiert: nicht tief genug, zu produktorientiert. Wie stehen Sie dazu? </h5><p>Die Sachkundeprüfung ist eine Mindestqualifikation. Sie sichert ein Niveau, das nicht unterschritten werden darf. Die Branche hat diese Hürde für den Einstieg in den Vertrieb vor 30 Jahren selbst eingeführt. Dabei ist das Niveau für eine Mindestqualifikation als hoch anzusehen. </p><p>Als der Gesetzgeber die EU-Richtlinie IMD in deutsches Recht umsetzen musste, gab es aus der Politik zunächst Bedenken gegen eine so umfangreiche Prüfung – schriftlich und praktisch über zwei Tage. Schließlich besteht ein Recht auf freie Berufsausübung, das durch Zulassungsregeln eingeschränkt werden kann, wenn es um ein besonderes Interesse der Allgemeinheit geht. Die Mindestqualifikation dient einem Mindestmaß an Schutz der Kundinnen und Kunden vor Falschberatung; sie ist keine ausreichende Qualifikation für Menschen, die sich als professionelle Vermittlerinnen und Vermittler einen Berufsweg im Versicherungsvertrieb vorstellen. So ist die Sachkundeprüfung nicht angelegt. </p><p>Daher schließt sich eine Verpflichtung zur Weiterbildung an, und dazu steht eine enorme Bandbreite an Angeboten zur Verfügung.</p><h5>Gibt es praktische Tipps, wie Aus- und Weiterbildung in großen und kleineren Betrieben organisiert und forciert werden kann?</h5><p>Junge Menschen auszubilden, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die sich lohnt, um den eigenen Nachwuchs zu schaffen. Große Betriebe haben eigenes Ausbildungspersonal. In den größeren Unternehmen kümmern sich die Ausbilderinnen und Ausbilder mit Hingabe um die Azubis, die Bestehensquote bei den IHK-Prüfungen liegt bei starken 95%. In kleineren Betrieben ist es wichtig, dass mindestens eine Person sich fachlich und persönlich gut um die Auszubildenden kümmert. Die Teilnahme an der Berufsschule und an überbetrieblichen Bildungsangeboten, zum Beispiel bei den regionalen BWV, sollte sicher­gestellt sein. </p><p>Ähnliches kann für die Weiterbildung gesagt werden: Hauptamtliche Personalentwicklerinnen und -entwickler leisten hervorragende Arbeit in großen Unternehmen. Auch kleinere Betriebe können ihren Mitarbeitenden gute Weiterbildungsmöglichkeiten bieten, indem sie Fortbildungen fördern, zum Beispiel durch Freistellung oder Kostenbeteiligungen. Ergänzend steht eine große Zahl an Online-Bildungsangeboten zur Auswahl. Hier können sich Mitarbeitende in kleinen Sequenzen orts- und zeitunabhängig genau die Inputs holen, die sie für ihre Tätigkeit benötigen. Der Trend geht zu mehr Eigenverantwortung bei der Arbeit und auch bei der Weiterbildung. Dies können auch kleinere Betriebe sehr gut nutzen.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 05/2022, s. 104 ff., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-05-2022/66810570&quot; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p>Lesen Sie auch: <a href="https://www.asscompact.de/nachrichten/beruf-kaufmannkauffrau-f%C3%BCr-v…; target="_blank" >Beruf: Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen</a></p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © juniart – stock.adobe.com</i></p><p><i class="font-twelve-italic" >Grafik: Neues Berufsbild: Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen, Strukturmodell zur neuen Ausbildungsordnung, Quelle: Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V.</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/41513546-67C9-452E-8076-E408D017A24B"></div>

 
Ein Interview mit
Dr. Katharina Höhn

Kennen Sie das Durchschnittsalter Ihrer Belegschaft?

Demografischer Wandel und Akademisierungstrend erschweren die Fachkräftesicherung für Betriebe im Vermittlungsgeschäft. Die strategische Personalakquise und -bindung gewinnt an Bedeutung. Der Beitrag präsentiert Erfolgsfaktoren für eine proaktive Herangehensweise.

Ein Artikel von Dr. Alexander Ströhl, Redakteur AssCompact

Bei den kaufmännischen Berufen im Versicherungs- und Finanzbereich steigt die Engpassquote – also der Anteil der offenen Stellen in Engpassberufen an allen offenen Stellen – nach Angaben des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) kontinuierlich an. Gründe sind der demografische Wandel, ein verändertes Bildungsverhalten sowie die gute Beschäftigungssituation am Arbeitsmarkt. Eine besondere Herausforderung beim Thema Fachkräftesicherung liegt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) darin, dass sie im Wettbewerb um Fachkräfte nicht die gleiche personelle und finanzielle Ausstattung wie Großunternehmen haben.

Dabei haben KMU viele Stärken als Arbeitgeber: flache Hierarchien, abwechslungsreiche Aufgaben, eigenverantwortliches Arbeiten, eine starke Mitarbeiterorientierung und Familienfreundlichkeit. Doch zu wenige KMU punkten damit. Je frühzeitiger sich KMU also dem Thema Fachkräftesicherung und -bindung in Form einer internen Unternehmensanalyse widmen, desto besser können sie Handlungsbedarfe im Hinblick auf das Finden, das Binden sowie das Qualifizieren von Personal erkennen.

Kennen Sie eigentlich das Durchschnittsalter Ihrer Belegschaft?
Analyse der Personalstruktur

Um sicherzustellen, dass auch zukünftig das passende Personal mit entsprechendem Qualifikationsniveau beschäftigt ist, ist der Blick auf die gegenwärtige Personalsituation unerlässlich. Mittels einer Analyse der derzeitigen Altersstruktur des Personals ist ein demografisch bedingter Ersatzbedarf frühzeitig zu ermitteln. Idealerweise werden dabei die voraussichtlichen altersbedingten Austritte fortgeschrieben. Eine Ergänzung verschiedener Annahmen und Szenarien über die künftige Entwicklung – etwa hinsichtlich der allgemeinen Geschäftsentwicklung und des Unternehmensumfelds – runden die Altersstrukturanalyse ab.

Die Analyse legt offen, wo und wann kurz-, mittel- und längerfristig Personalengpässe auftreten könnten, die sich negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken. So führt beispielsweise ein hohes Durchschnittsalter schnell zu einem Personalengpass, wenn das alters­bedingte Ausscheiden mehrerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansteht. Zumal altersbedingte Belegschaftsabgänge auch einen erheblichen Verlust an erfahrungsbasiertem Wissen wie das Wissen um Kundeneinstellungen und -präferenzen oder auch Kontakte zu persönlichen Netzwerken und „direkte Drähte“ zur Folge haben.

Analyse des Rekrutierungsprozesses

Ein zentraler Bestandteil der Personalarbeit ist die Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um den bestehenden bzw. künftigen Personalbedarf abzudecken. Daher ist es empfehlenswert, die bisherige Rekrutierungspraxis in Bezug auf Zielgruppen und Rekrutierungskanäle eingehend zu überprüfen. Insbesondere die Kontaktherstellung mit jungen potenziellen Fachkräften durch Praktikumsangebote oder Werkstudentenjobs, aber auch durch Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen eignet sich als Rekrutierungsstrategie. Gegenwärtig wichtige Rekrutierungskanäle sind außerdem Anzeigen in Online-Stellenbörsen wie StepStone oder indeed, Karriereseiten über Social Media, aber auch persönliche Kontakte der Beschäftigten und Mitarbeiterempfehlungen.

Analyse der Weiterbildungsmaßnahmen

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Nutzung interner Weiterbildungspotenziale. Als Teil der strategischen Personalplanung dient Weiterbildung dazu, einzelne Fachkräfte systematisch in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. So geht die angedachte Übernahme von Projekt- und Führungsverantwortung oder von Fachkarrieren bei einzelnen Mitarbeitern im besten Fall mit Weiterbildungsmaßnahmen einher. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungsmaßnahmen im Versicherungsvertrieb können zunächst klassische Lehrveranstaltungen der Anpassung individueller Kompetenzen an sich verändernde berufliche Anforderungen dienen. Dazu zählt der Erwerb weiterer berufsspezifischer Kenntnisse in einem Spezialgebiet (betriebliche Altersvorsorge, Generationenberatung oder Gewerbekundengeschäft) oder sozialer Fertigkeiten wie der Umgang mit Konfliktsituationen. Weiter können Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung durch eine geregelte Aufstiegsfortbildung wie Fach- oder Betriebswirt für Versicherungen und Finanzen für anspruchsvolle Fach- und Führungstätigkeiten qualifiziert werden.

Beseitigung „blinder Flecken“ durch Netzwerkarbeit

Die genannten personalbezogenen Analysetools können jedoch eines nicht vermeiden: die Existenz strategischer blinder Flecken. Solche Flecken können die Wahrnehmung der Wettbewerbsrealität in der Personalakquise entscheidend verzerren mit der Folge von Fehlentscheidungen und ineffektiven Maßnahmen. Ein Erfolgsfaktor zur Beseitigung verzerrter Wahrnehmung ist das Verlassen der eigenen „Blase“, zum Beispiel durch Anbahnung einer regen Netzwerktätigkeit. Bezogen auf die Personalakquise erweitert die aktive Teilnahme an regionalen Ausbildungs- und Berufsmessen, an Stellenbörsen der Wirtschaftskammern oder auch an regionalen Firmenkontaktmessen den Such- und Entdeckungsradius des eigenen Maklerhauses erheblich.

Daneben sind in vielen Regionen Deutschlands – ausgehend von regional ansässigen Wirtschaftskammern – sowohl kurzzeitige Austauschformate wie Personalforen oder -kongresse als auch dauerhafte personalarbeitsbezogene Netzwerke und Initiativen entstanden. Dieser überbetriebliche Austausch bündelt Know-how im Personalbereich, um gegenseitig von bereits vorhandenen Erfahrungen bei anderen Unternehmen zu profitieren. Zudem ermöglicht eine branchen- und unternehmensgrößenübergreifende Zusammenarbeit eine praxisnahe Entwicklung effektiver Lösungsansätze für die personalrelevanten Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 05/2022, S. 102 f., und in unserem ePaper.

Bild: © pathdoc – stock.adobe.com

Grafik: AS, Quelle: eigene Forschungsarbeiten

 

Impulse sammeln rund um das Thema Gewerbeversicherung

Beim AssCompact Gewerbe-Symposium dreht sich alles um Versicherungsschutz für Gewerbekunden. Vermittler können sich über neue Lösungen im Bereich der Gewerbeversicherung informieren und haben ausreichend Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Branchenkollegen und Produktanbietern.

Auch wenn die Digitalisierung im Gewerbesegment längst Einzug gehalten hat und sich somit Beratungs- und Betreuungsprozess effizienter gestalten lassen, bleibt der Bereich ein individuelles und komplexes Feld. Der Bedarf an Absicherung ist bei Gewerbekunden so vielfältig und breit gefächert wie die Branchen, in denen die jeweiligen Firmen unterschiedlichster Größe angesiedelt sind. Auf den jeweiligen Bedarf abgestimmte Versicherungslösungen sind gefragt, fordern aber vom Vermittler und Versicherer gleichermaßen das entsprechende Know-how.

Aktuelle Lösungen im Blick

Hierzu sollten gerade Vermittler nicht nur ihre Zielgruppe sowie deren Absicherungsbedarf kennen, sondern auch die Produkte, die für das jeweilige Unternehmen relevant sind. Unerlässlich ist es zudem, neue Risiken im Blick zu haben und um die Möglichkeiten zu wissen, wie sich der Versicherungsschutz sinnvoll erweitern lässt.

AssCompact Gewerbe-Symposium: Drei Termine, drei Orte

Eine gute Gelegenheit, auf dem Laufenden zu bleiben, bietet das Gewerbe-Symposium aus der Reihe der AssCompact Wissen Veranstaltungen. Bei dem kompakten Weiterbildungstag mit einem breit gefächerten Programm dreht sich alles um Risiken im Gewerbesegment und passende Versicherungslösungen. Das Gewerbe-Symposium gastiert in diesem Jahr in drei Städten der Republik. Zum Auftakt geht es am 21.06.2022 nach Dortmund, am 23.06.2022 macht die Veranstaltung dann Station in Ha­nau und zum Abschluss lädt das AssCompact Gewerbe-Symposium am 30.06.2022 nach München.

Breites Themenspektrum der Fachvorträge

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Technologieunternehmen und Gewerbespezialisten THINKSURANCE als fachlichem Partner statt. In ihren Vorträgen spannen die Experten der mitwirkenden Versicherer einen weiten Bogen über das Geschäftsfeld. Die Themen reichen von der Betriebshaftpflicht über Technische Versicherungen bis hin zu digitalen Tools und Lösungen im Maklervertrieb. Zum Abschluss der Veranstaltung geht es im Rahmen einer Podiumsdiskussion um aktuelle Fragen und Entwicklungen im Gewerbeversicherungsmarkt. Somit erhalten Vermittler mit Gewerbeexpertise wie auch Neulinge im Firmenkundengeschäft vielfältige Impulse für die eigene Beratungspraxis.

Persönlicher Austausch und Networking

Das Gewerbe-Symposium ist nicht nur eine gute Gelegenheit, Fachwissen zu tanken, sondern auch das berufliche Netzwerk zu erweitern. Das Weiterbildungsevent findet bewusst wieder als reine Präsenz­veranstaltung statt, um die Vernetzung und den persönlichen Kontakt innerhalb der Branche zu stärken. Vor und nach den Vorträgen können Vermittler mit Branchenkollegen und Produktanbietern ins Gespräch kommen und sich an den Ständen der Aussteller über aktuelle Entwicklungen, Produkte und Konzepte im Gewerbebereich informieren.

Weiterbildungszeit sammeln

Mit dem Besuch der Vorträge können teilnehmende Vermittler bis zu 330 Weiterbildungsminuten sammeln. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Weiterbildungszeit an die Initiative „gut beraten“ zu übermitteln.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter: asscompact.de/gewerbe-symposium
Direkt zur kostenfreien Anmeldung geht es hier.

Bild: © ipopba – stock.adobe.com

 

Duales Studium: Schulabgänger finden das Angebot unübersichtlich

Duale Studiengänge sind beliebt bei jungen Menschen, auch versicherungsbezogene Angebote, sagt Prof. Dr. Thomas Köhne von der HWR Berlin. Mit AssCompact spricht er über das duale Studium und wann die Nachwuchsgewinnung darüber auch für Maklerunternehmen sinnvoll ist.

Interview mit Prof. Dr. Thomas Köhne, Fachleiter Versicherung, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
Das duale Ausbildungssystem gilt als besonderes Erfolgsmodell Deutschlands. Wie ist denn die Entwicklung im Bereich Versicherungen?

Das duale Ausbildungssystem ist vielschichtig, es gibt sehr unterschiedliche Varianten. Als Leiter zweier dualer Bachelor-Studiengänge an unserer Hochschule möchte ich heute insbesondere über diese Form der dualen akademischen Ausbildung sprechen. Duale Studiengänge sind sehr beliebt bei jungen Menschen – und das gilt auch für versicherungsbezogene Angebote. Zugleich bilden auch Versicherer und Vermittler in zunehmendem Ausmaß über duale Studienangebote aus.

Welche dualen Ausbildungsmöglichkeiten in Richtung Finanz- und Versicherungsbranche gibt es an Ihrer Hochschule?

Wir bieten zwei unterschiedliche duale Bachelorstudiengänge mit integrierter Praxisphase an, das heißt, Drei-Monats-Blöcke an der HWR Berlin wechseln sich mit Drei-­Monats-Blöcken in den ausbildenden Unternehmen an deutschlandweit verteilten Standorten ab. So ist auch das Einzugsgebiet unserer Studierenden und Ausbildungspartner deutschlandweit und nicht auf Berlin begrenzt. Zum einen bieten wir einen auf die Industrieversicherung ausgerichteten Studiengang BWL/Industrieversicherung an, der in dieser Form einmalig ist. Zum anderen bieten wir den klassischen Studiengang BWL/Versicherung an, der vertriebsorientiert ist und sich neben Versicherungslehre, Marketing und Vertrieb auf die Sparten des Privat- und Gewerbekundensegments ausrichtet. Hier sind die Studierenden in der Praxisphase oftmals im Vertrieb im Einsatz. Beide Studiengänge führen zum akademischen Titel Bachelor of Arts und sind Intensivstudiengänge, die mit 210 (anstelle der üblichen 180) Credits einhergehen, was für die Studierenden besonders attraktiv ist, weil es eine mögliche spätere Belegung berufs­begleitender Masterstudiengänge deutlich erleichtert.

Wer sich für ein Studium interessiert, muss sich erst einen Arbeitgeber suchen. Wer gehört denn insbesondere zu Ihren Partnerunternehmen?

Das ist richtig. Zu unseren Partnerunternehmen gehören zahlreiche Versicherer, große und kleinere Vermittlerbetriebe sowie im Industrieversicherungsbereich zusätzlich die internationalen Industriemakler und auch firmenverbundene Vermittler. Die bei uns ausbildenden Partnerunternehmen sind auf unserer Studiengang-Website gelistet. Interessierte Schüler und Schülerinnen werden von dort an die Unternehmen weitergeleitet oder – und das ist der überwiegende Teil – von den Ausbildungspartnern direkt rekrutiert.

Wir wissen um den Fachkräfte­mangel. Insbesondere von Maklerhäusern hören wir immer öfter, wie schwer es ist, Nachwuchs zu finden. Spüren Sie aber auch ein höheres Engagement von Maklerbetrieben?

Das Engagement von Makler­betrieben nimmt kontinuierlich zu. Aber meines Erachtens wird es dem faktisch bestehenden Nachwuchsproblem bei Weitem noch nicht gerecht. In dieses Thema müssten die Maklerbetriebe flächendeckend noch viel mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen investieren. Von selbst kommen junge Leute nicht oder nur sehr selten auf die Idee, den Beruf des Versicherungsmaklers anzustreben. Diesen Beruf und den potenziellen Arbeitgeber im Zuge eines attraktiven Studiums durch ein 18-monatiges praktisches Learning by Doing kennenlernen zu können, ist eine riesige Chance für alle Beteiligten.

Wann macht es denn Sinn für einen Maklerbetrieb, ein duales Studium anzubieten?

Die Nachwuchsgewinnung über ein duales Studium ist dann sinnvoll, wenn dieses Thema strategisch und langfristig angegangen werden soll. Dieser Weg eignet sich nicht für unmittelbare Lösungen und kurzfristige Personalbeschaffung. Bei unserem dualen Studium handelt es sich um eine Erstausbildung, die im Regelfall zeitnah an das Abitur oder Fachabitur anschließt. Sie stellt eine Investition in die Zukunft dar: Auch wenn die Studierenden natürlich während der dreimonatigen Praxisphasen schon aktiv mit­arbeiten können, sind sie noch in der Ausbildung – das heißt, sie sind weder akademisch noch berufs­bezogen „fertig“. Der Vorteil daran ist jedoch, dass ein Maklerbetrieb dadurch junge Nachwuchskräfte rekrutieren und über drei Jahre für sein Unternehmen begeistern und gewinnen kann, bevor diese bereits in andere Branchen „abgewandert“ sind.

Was sind denn die Voraussetzungen aufseiten des Maklerbetriebs?

Formelle Voraussetzungen sind – genau wie bei klassischen Auszubildenden – eine Ausbildereignungsbescheinigung, die Vorlage eines Ausbildungsplans und ein zwischen Maklerbetrieb und Auszubildenden geschlossener Ausbildungsvertrag, der auch eine entsprechende Ausbildungsvergütung vorsieht.

Bezüglich der Größe oder der Struktur des Maklerbetriebs gibt es keine Vorgaben. Man sollte jedoch bedenken, dass die Auszubildenden in den drei Monaten der Praxisphase regelmäßige Betreuung benötigen. Diesbezüglich hilfreich sind Erfahrungen im Bereich der klassischen beruflichen Ausbildung.

Worin unterscheiden sich denn in der Regel die Studienangebote? Gibt es heute mehr Spezialisierungen oder bestimmte Kompetenzen, die im Vordergrund stehen?

Diese Frage seriös zu beantworten, würde den Rahmen unseres Interviews bei Weitem sprengen. Die Vielfalt der Studienangebote ist enorm und nimmt kontinuierlich zu. 2019 gab es in Deutschland allein über 1.600 duale Studiengänge für die Erstausbildung. Neben den öffentlich-rechtlichen Hochschulen – zu denen auch die HWR Berlin gehört – treten immer mehr private Anbieter in den Bildungsmarkt ein, entsprechend gibt es auch immer mehr Spezialisierungen. Für junge Schulabgänger ist das Angebot unübersichtlich, teils verwirrend. Die Gefahr, etwas zu studieren, was man später nicht beruflich nutzen kann, steigt damit. Unsere beiden Studiengänge begegnen dem durch ihre Berufs- und Branchenbezogenheit: Der Abschluss ist ein allgemeiner Bachelor-Abschluss in BWL, entsprechend zielt ein Teil des Lehrstoffs darauf ab und dieses Wissen ist branchenübergreifend für Kaufleute nutzbar. Zugleich fördert ein zweiter großer Teil des Studieninhalts die fachlichen, produkt­bezogenen und methodischen Branchenkompetenzen, die dazu führen, dass die Absolventen und Absolventinnen in der Versicherungsbranche gefragt sind und ihnen viele Möglichkeiten offenstehen. Bezogen auf den Maklerbetrieb bedeutet das für den Studiengang BWL/Versicherung, dass sowohl die betriebswirtschaftlichen als auch die versicherungsbezogenen Studienschwerpunkte der Tätigkeit des Versicherungsmaklers zugutekommen und dort verlangte Kompetenzen vermitteln. Für das Industrieversicherungsangebot gilt das entsprechend.

Welchen Eindruck haben Sie denn von den Studierenden, die zu Ihnen kommen? Wie würden Sie die junge Generation anhand Ihrer Charaktere beschreiben?

Die jungen Menschen sind sehr aufgeschlossen, kommunizieren digital und sind anspruchsvoll. Insbesondere sind sie noch offen für viele Richtungen. Sie haben ja noch keine oder nur wenige berufliche Eindrücke und Erfahrungen. Das heißt, dass sie sich während und teils durch die dreijährige Ausbildung noch stark entwickeln und Präferenzen ausbilden. Ich halte wenig davon, eine ganze Generation in Schubladen zu stecken wie Gen X, Y, Z. Tatsächlich gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen: Einige möchten die „Welt“ kennenlernen und beim Studium oder beruflich möglichst unterschiedliche Standorte aufsuchen, andere bevorzugen es demgegenüber, am ursprünglichen Wohnort zu studieren und zu arbeiten, weil man sich diesem sozial verbunden fühlt. Wichtig erscheint mir die Feststellung, dass man die jungen Leute in dieser Phase ihres Lebens begleiten und mitformen kann, mitunter eine Art Erwartungsmanagement betreiben sollte, damit ein gemeinsames und realistisches Verständnis über künftige Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen wird.

Duales Studium an der HWR Berlin

An der HWR Berlin gibt es nach Angaben der Hochschule über 2.200 duale Studienplätze. Theorie und Praxis werden dabei über drei Jahre konsequent miteinander verbunden. Studiert werden können zum Beispiel die Studiengänge BWL/Versicherung oder BWL/Industrieversicherung. Mehr Informationen gibt es hier.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 05/2022, S. 110 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Tierney – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Prof. Dr. Thomas Köhne

Nachwuchs gewinnen mit überlegtem Ausbildungskonzept

In der Versicherungsbranche herrscht Nachwuchsmangel. Maklerbetriebe sollten sich daher eigene Ausbildungskonzepte aufbauen, empfiehlt Ronald Perschke von GOING PUBLIC!. Er erklärt, wo der Nachwuchs herkommt, wie eine Ausbildung im Maklerbetrieb funktioniert und wie sich diese Investition lohnt.

Ein Beitrag von Ronald Perschke, Vorstand GOING PUBLIC!, Akademie für Finanzberatung AG

In fast allen Wirtschaftsbranchen herrscht Nachwuchsmangel. Das gilt besonders für die Versicherungs- und Finanzbranche. Der hohe Altersdurchschnitt führt zu einem Rückgang der vorhandenen Vermittler, zugleich wurde die Gewinnung von Nachwuchs immer mehr zurückgefahren. Die Ausbildungsquote bei Banken und Versicherungen liegt aktuell noch bei 4% bis 6,2%. Weniger als ein Fünftel davon wird in Maklerbetrieben oder Agenturen ausgebildet.

Ein allgemein entspannter Arbeitsmarkt, das relativ schlechte Image der Branche und eher überzogene Erwartungen, Beratung durch Digitalisierung ersetzen zu können, führen dazu, dass qualifizierte junge Menschen für unsere wichtige Branche schwerer zu begeistern sind. Dabei wird oft übersehen, dass Finanzprodukte nicht „sexy“ und oftmals komplex sind, also aktiv verkauft und beraten werden müssen.

Die geringe Ausbildungsquote bei Vermittlern ist vor allem darin begründet, dass in der Vergangenheit stark auf die Gewinnung von Mitarbeitern „aus dem Markt“ gesetzt wurde. Aus den genannten Gründen wird das aber immer schwieriger und – aufgrund des entspannten Arbeitsmarktes – tendenziell auch teurer. Deshalb empfiehlt es sich für Maklerbetriebe, mehr eigene Ausbildungskonzepte aufzubauen und die eigene Nachwuchsgewinnung selbst in die Hand zu nehmen.

Die Nachwuchsgewinnung in die Hand nehmen

Dafür bietet sich das Berufsbild „Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen“ (IHK) sowie ein Bachelor-Studium mit Versicherungs- und Finanzausrichtung an. Beides lässt sich auch flexibel kombinieren, wenn man geeignete Bewerber für ein solches „duales Qualifizierungsmodell“ hat.

Seit 2008 hat GOING PUBLIC! (GP) mit Praxispartnern, den IHKs sowie der Hochschule Kaiserslautern (HSKL) schrittweise das „Premium-Ausbildungskonzept“ entwickelt. Im Gegensatz zum klassischen Ausbildungsweg absolvieren die Azubis den Schulanteil an der Akademie von GP. Sie beenden die Ausbildung aber mit dem gleichen Abschluss bei der IHK. Dadurch, dass GP Träger der Ausbildung ist, können sie diese an den Anforderungen des Vermittlerbetriebs ausrichten. So verbringt der Nachwuchs 80% seiner Ausbildungszeit im Betrieb. Die Azubis sind somit über drei Jahre Ausbildung ca. 100 Tage mehr im Betrieb als bei staatlichen Modellen, wodurch sich das Schulgeld schnell refinanziert.

Für ambitionierte Nachwuchskräfte mit Abitur steht in Kooperation mit der HSKL der berufsintegrierte Fernstudiengang „Bachelor of Arts – Fachrichtung Finanzberatung für Unternehmen und Privatkunden“ zur Verfügung. Dieser lässt sich mit der Berufsausbildung verzahnen, entweder gleich zu Beginn oder zeitversetzt.

Modernes Lehr- und Lernkonzept

In allen Modellen konzentriert sich der Maklerbetrieb auf die praktische Ausbildung. GP bzw. die Hochschule entlasten den Praxispartner von vielen formellen Pflichten der Ausbildungsorganisation und achten auf eine gute Verzahnung von Theorie und Praxis.

Dozenten aus der Praxis, Fokus auf die für die Ausbildung wichtigen Inhalte und hybrides Lernen mit einer digital erprobten Lernplattform sind integrale Bestandteile des Lehr- und Lernkonzepts.

Suchwege für Makler- und Vermittlerbetriebe

Der favorisierte Weg zur Nachwuchsgewinnung sollte zunächst das eigene Netzwerk sein: Mitarbeiter, Kunden, Umfeld. Regionale Einrichtungen wie Schulen, Arbeitsagenturen usw. können angesprochen und zum Beispiel Praktika offeriert werden. Bei streuenden Suchwegen wie Anzeigen, Messen etc. ist der Vermittler meist so stark im Wettbewerb zu größeren Unternehmen, dass es sich nicht lohnt, weil man finanziell und in der Professionalität dort oft nicht mithalten kann.

Durch das Premium-Ausbildungskonzept kann der Vermittlerbetrieb auf sich aufmerksam machen und die Ausbildungskompetenz zum Beispiel auf der eigenen Homepage darstellen.

Bei der Bewerberauswahl – gerade aus dem persönlichen Umfeld – sollte man sich selbst und auch dem Bewerber gegenüber ehrlich sein: Ist derjenige wirklich für die beruflichen Anforderungen des sehr kommunikativen und vertriebsorientierten Vermittlerberufes geeignet? Schon oft wurden aus einem Gefallen heraus Azubis eingestellt und aus einer Fehlauswahl entwickelte sich die Ansicht: „Ausbildung funktioniert ja doch nicht.“ Die Eignung kann man recht gut über eine Kombination aus Auswahlgespräch, Probearbeit oder Assessment-Center testen. Hat der Makler dabei wenig Erfahrung, kann GP den Prozess begleiten. Die Investition zahlt sich bei gelungener Auswahl schnell aus, da man auf diesem Weg langjährig zufriedene Mitarbeiter selbst prägen und binden kann. Ausbildung ist zunächst immer eine Investition von Zeit und Geld. Dazu muss man bereit sein. In einer mehrjährigen Ausbildung erhält man spätestens im Laufe des zweiten Jahres so viel zurück, dass sich die Investition schon innerhalb der Ausbildungszeit rechnet.

Langfristige Bindung guter Nachwuchskräfte

Motivierte junge Leute suchen Perspektiven. Das heißt Verantwortung, Erfolgsaussichten und Weiterbildungsmöglichkeiten im Betrieb. Zum Beispiel über die Qualifikationsstufen Fachwirt/Bachelor/Master kann man junge Leute an das eigene Unternehmen binden und erfolgreiche Ausbildung damit noch krönen.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 05/2022, S. 108f., und in unserem ePaper.

Bild: © Blue Planet Studio – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Ronald Perschke