AssCompact suche
Home

0630

Software

Digital Insurance Podcast: Orchester der Algorithmen

In der aktuellen Episode des „Digital Insurance Podcast“ ist Salvatore Scuderi, Head of Insurance Data and AI der kasko2go AG (K2G), zu Gast bei Moderator Jonas Piela. Es geht um das Potenzial der Orchestrierung von KI-Agenten anstelle von punktuellem Einsatz von künstlicher Intelligenz.

In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcast diskutiert Moderator Jonas Piela mit Salvatore Scuderi, Head of Insurance Data and AI der kasko2go AG (K2G), über den notwendigen Wandel in der Versicherungsbranche. Das Gespräch verdeutlicht, dass die Branche vor einer radikalen Transformation steht: weg von der manuellen „Manufaktur“ hin zu einer industrialisierten Fertigungsstraße für Versicherungsprodukte. Scuderi zeigt auf, wie spezialisierte KI-Agenten dabei helfen können, die Trägheit der Branche zu überwinden und Experten von zeitraubenden, administrativen Tätigkeiten zu entlasten.

Das Ende der Daten-Archäologie im Underwriting

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die ineffiziente Arbeitsweise vieler Underwriter und Schadenbearbeiter. Salvatore Scuderi beschreibt den Arbeitsalltag oft als „Daten-Archäologie“. Fachkräfte verbringen bis zu zwei Drittel ihrer Zeit damit, Daten aus verschiedenen Systemen, E-Mails und PDFs zu suchen, zu kopieren und abzugleichen. Nur ein Drittel der Zeit bleibt für die eigentliche Expertise und Risikobewertung. Dieses strukturelle Versagen führt laut Scuderi nicht nur zu Ineffizienz, sondern langfristig auch zu Frustration und Burn-out bei den Mitarbeitern. Die Lösung von K2G setzt hier an, um durch die Orchestrierung von KI-Agenten diese manuellen Prozesse zu automatisieren und den Weg für eine echte industrielle Fertigung freizumachen.

Die Rolle der Verantwortung und das „Human-in-the-loop“-Prinzip

Ein Hindernis für die flächendeckende Einführung von KI ist die ungeklärte Haftungsfrage. Scuderi betont, dass die Branche oft nicht aus Angst vor der Technologie zögert, sondern weil unklar ist, wer die Verantwortung trägt, wenn ein Algorithmus eine Fehlentscheidung trifft. K2G begegnet diesem Problem mit einer „Human-in-the-loop“-Architektur. KI-Agenten geben fundierte Empfehlungen ab, doch die endgültige Entscheidung verbleibt beim Menschen. Dieser modulare Ansatz, bei dem verschiedene Spezialisten-Agenten für Aufgaben wie Datenqualität, Tarifmodelle oder Berichterstattung zuständig sind, macht die Prozesse nachvollziehbar und revisionssicher.

Vom punktuellen KI-Einsatz zur orchestrierten Gesamtlösung

Scuderi kritisiert, dass viele Versicherer bisher nur punktuell KI einsetzen, beispielsweise im Kundensupport oder bei der Bilderkennung von Schäden. Dies gleiche einem Formel-1-Rennwagen im Berufsverkehr: Das Auto ist schnell, wird aber durch das Umfeld ausgebremst. Die wahre Wettbewerbsfähigkeit entstehe erst, wenn das gesamte System orchestriert wird und Agenten die Arbeit nahtlos untereinander weitergeben. Mit Tools wie „Talk to Data“ ermöglicht K2G zudem den Fachabteilungen, komplexe Datenabfragen in natürlicher Sprache zu stellen, was die IT-Abteilungen entlastet und diese zu strategischen Daten-Architekten transformiert.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Wenn der Kunde sagt: „ChatGPT hat mir etwas anderes empfohlen“

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer monatlichen KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

Immer mehr Versicherungsmakler berichten in meinen KI-Trainings, dass ihre Kunden sich vorab von ChatGPT beraten lassen haben. Gleichzeitig herrscht bei Maklern große Unsicherheit darüber, wie man darauf am besten reagiert. Diese Ausgabe der KI-Kolumne soll Makler dabei unterstützen, souverän auf den mit KI informierten Kunden einzugehen und die Aussagen von ChatGPT und Co. richtig einzuordnen.

Vom Vergleichsportal zum KI-Chatbot

Vergleichsportale liefern Listen. Kunden, die dort ihre Versicherung abschließen, sind in der Regel preissensibel und entscheiden sich bewusst gegen eine individuelle und persönliche Beratung. Für die Kunden, die es zu schätzen wissen, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, bleibt der Makler weiterhin in der Rolle als Berater, Begleiter und Empfehlungsgeber.

Anders als Vergleichsportale liefert ChatGPT bereits Empfehlungen basierend auf der Anfrage, also dem Prompt des Kunden. Ein Dialog mit ChatGPT hat für den Kunden ein völlig anderes, fast schon persönliches Erscheinungsbild. Teilweise spricht ChatGPT sogar mit einer freundlichen Stimme, und für viele Kunden fühlt sich das bereits fast wie eine echte individuelle Beratung an.

Das führt dazu, dass der Kunde, der sich früher nur informiert hat, heute der Kunde ist, der sich vorab von ChatGPT beraten lassen hat.

Wenn ChatGPT im Wohnzimmer „mitberät“

Der Kunde nutzt künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich im Alltag. Auf dem Sofa, im Zug oder zwischendurch. KI ist kein Spezialwerkzeug mehr für Technikaffine, sondern ein ständiger Begleiter für Fragen, Entscheidungen und Orientierung.

Und Kunden verwenden KI-Tools wie ChatGPT nicht mehr nur, um zu fragen, wie oft eine Zimmerpflanze gegossen werden muss, sondern erkennen zunehmend das gesamte Potenzial des Chatbots. Somit wird KI auch eingesetzt, um Tarife zu vergleichen, Produkte zu verstehen oder sich bereits vorab eine Meinung zu bilden.

Wenn im Maklerbüro der Satz fällt: „ChatGPT hat mir aber etwas anderes empfohlen“, dann ist das ein neuer Gesprächsbeginn, auf den sich mehr und mehr Versicherungsmakler einstellen müssen.

Was hinter der KI-Antwort steckt

Hinter der Empfehlung von ChatGPT und Co. steckt selten eine klare Wahrheit. Vielmehr basiert die Antwort auf Wahrscheinlichkeiten, Trainingsdaten und der konkreten Fragestellung an das KI-Modell (dem Prompt). Das führt zu drei entscheidenden Punkten:

  • Erstens: Die Qualität der Antwort hängt stark davon ab, wie die Frage vom Kunden gestellt wurde.
  • Zweitens: Zwei Kunden können mit ähnlichem Anliegen unterschiedliche Ergebnisse erhalten.
  • Drittens: Die KI kennt meist keine vollständige individuelle Situation und wichtiger Kontext fehlt bei einfachen Eingaben.
Wie Makler souverän auf ChatGPT-Beratung reagieren können

Ein zentraler Ansatz besteht darin, die Vorarbeit des Kunden positiv aufzugreifen. Statt in eine Rechtfertigung zu gehen, kann der Makler die KI-Beratung als Ausgangspunkt nutzen – beispielsweise:

„Gut, dass Sie sich vorbereitet haben. Lassen Sie uns gemeinsam anschauen, was die KI vorgeschlagen hat und wie das zu Ihrer Situation passt.“ Die Antwort des Maklers kann auch fachlicher ausfallen: „Ich finde es toll, dass Sie sich mit ChatGPT vorbereitet haben. Haben Sie gewusst, dass KI-Antworten auf Wahrscheinlichkeiten und nicht auf Fakten beruhen? Aber kein Problem. Wir ordnen das KI-Ergebnis einmal gemeinsam ein.“

Die neue Rolle des Maklers nach dem KI-Beratungsgespräch

Durch künstliche Intelligenz verändert sich nicht nur das Informationsverhalten der Kunden, sondern auch die Rolle des Maklers. Der Makler wird stärker zum Einordner, Übersetzer und Entscheidungsbegleiter. Der Kunde, der sich vorab mit ChatGPT beschäftigt hat und dennoch den Weg zum Makler sucht, trifft damit bereits eine klare Entscheidung.

Er nutzt KI zur Orientierung, setzt aber weiterhin auf den Makler, wenn es um Vertrauen, Verantwortung und die finale Entscheidung geht. Das bedeutet: KI ersetzt den Makler nicht. Sie filtert vielmehr vor.

Der Kunde kommt informierter ins Gespräch und stellt genau deshalb höhere Anforderungen an Einordnung und Sicherheit. Für Makler entsteht daraus eine große Chance. Denn wer in diesem Moment Orientierung gibt, baut nicht nur Vertrauen auf, sondern positioniert sich als unverzichtbarer Ansprechpartner in einer Welt mit künstlicher Intelligenz.

KI übernimmt keine Haftung

Empfehlungen aus ChatGPT sind unverbindlich. Sie ersetzen keine rechtssichere Beratung. Und ChatGPT und Co. übernehmen keine Haftung für Empfehlungen, die nicht zum Kunden passen.

Genau hier liegt ein klarer Vorteil für Makler. Makler übernehmen Verantwortung für die Empfehlung und begleiten den Kunden auch nach der Entscheidung.

Fazit

Der Satz „ChatGPT hat mir etwas anderes empfohlen“ ist kein Problem. Er ist ein Signal: Ein Si­gnal dafür, dass sich das Informationsverhalten verändert hat. Und ein Signal dafür, dass die Rolle des Maklers wichtiger wird, nicht weniger. Makler, die lernen, KI-Aussagen einzuordnen, statt sie abzulehnen, positionieren sich genau dort, wo sie gebraucht werden: zwischen Information und Entscheidung. Denn der Kunde sucht am Ende Sicherheit.

Lesen Sie auch:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

 

KI: Vom digitalen Hilfsmittel zum vollwertigen Kollegen

Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) kommt es zu einer personellen Neuordnung in Vermittlerunternehmen. Welche Vorteile sich durch die Einbindung moderner Datenmodelle als strategische Arbeitskraft in der Versicherungsvermittlung ergeben, zeigt die folgende Analyse.

Ein Artikel von Thomas Fröhlich, Head of AI & Automation Piela & Co. Digital Consultants, und Thorben Schwarz, Practice Lead Insurance Sales Piela & Co. Digital Consultants

Der deutsche Versicherungsvertrieb befindet sich in einer Phase von existenziellen Herausforderungen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man als unabhängiger Vermittler agiert oder als Ausschließlichkeitsvertreter in die Struktur einer großen Versicherungsorganisation eingebunden ist – das Kernproblem bleibt identisch: Ein massiver Nachwuchsmangel trifft auf eine stetig wachsende administrative Last, die das eigentliche Beratungsgeschäft zu ersticken droht. In dieser Situation ermöglicht erst der gezielte Einsatz von Technik eine Steigerung der individuellen Kapazitäten.

Mehr Effizienz

Während ein Vermittler klassisch an der Kapazitätsgrenze von etwa 1.500 Kunden scheiterte, bietet die digitale Assistenz heute die Option, 3.500 Mandanten bei gleichbleibend hoher Qualität zu begleiten. In diesem Umfeld entsteht eine strategische Chance, die durch technologische Professionalisierung genutzt werden kann. Der Einsatz moderner KI-Systeme bildet die Brücke, um fachliche Expertise vervielfältigbar zu machen und eine Effizienz zu erreichen, die bisher nur Großorganisationen vorbehalten war. Es findet ein Wechsel in der Organisation statt: Technik übernimmt Rollen, die bisher Menschen vorbehalten waren, und muss daher als eigenständiges Teammitglied begriffen und geführt werden.

Automatisierung der Präzision

Bisher war Software in der Vermittlung ein rein passives Werkzeug. In einem modernen Vermittlerbetrieb wandelt sich dieses Bild fundamental. Wir bewegen uns von reinen Vergleichsrechnern hin zu Systemen, die Sprache verstehen und logische Schlüsse ziehen. Für Inhaber bedeutet dies eine Verschiebung oder Aneignung der Führungsaufgabe: Sie müssen Aufgaben klar delegieren – so, als würden sie einen neuen Mitarbeiter einstellen. Während weite Teile des Marktes heute vor allem das Marketing automatisieren, liegt der Erfolgsweg des Vermittlers in der Automatisierung der Präzision. Nur so bleibt das Vertrauensverhältnis zum Kunden in einer Zeit gewahrt, in der die rechtlichen Anforderungen an die Dokumentation und Analyse stetig steigen.

Vom digitalen Lehrling ...

In der ersten Stufe bietet sich ein Vergleich der neuen Technik mit einem Auszubildenden an. Ein digitaler Lehrling verfügt über großes theoretisches Wissen, kennt aber die individuellen Abläufe des Hauses noch nicht. Er braucht klare Anweisungen und eine erfahrene Hand, die seine Ergebnisse kontrolliert. Der größte wirtschaftliche Nutzen liegt hier in der Strukturierung des Alltags. Die Notwendigkeit, den Tag mit dem händischen Sichten von Posteingängen zu beginnen, entfällt für den Berater. Intelligente Modelle können diese Priorisierung im Hintergrund übernehmen und eine nach Relevanz sortierte Tagesordnung erstellen. Das System gewichtet dabei Wiedervorlagen nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung vor, sodass der Vermittler morgens eine fertige Prioritätenliste erhält. Ziel ist es, den Kopf des Vermittlers von bürokratischem Ballast zu befreien, damit die Zeit für den aktiven Vertrieb frei wird.

Diese Entlastung verbessert die Qualität der Beratung spürbar. Wenn eine verlässliche Technik die formale Dokumentation übernimmt, kann sich der Vermittler ganz auf sein Gegenüber einlassen. Das Gespür für Zwischentöne und die fachliche Solidität werden zum Alleinstellungsmerkmal des ehrbaren Kaufmanns. Der digitale Auszubildende erledigt die Pflichtaufgaben, etwa indem er aus Gesprächsaufzeichnungen DSGVO-konforme Protokollentwürfe erstellt, damit der Mensch sich der Kür widmen kann. Es geht nicht darum, Personal zu ersetzen, sondern Mitarbeiter von Tätigkeiten zu befreien, die ihre Qualifikation unterfordern – ein wesentlicher Faktor, um dem Personalmangel auf beiden Seiten der Vermittlerschaft aktiv zu begegnen.

... zum spezialisierten Mitarbeiter

Mit zunehmender Einbindung entwickelt sich das System zu einem spezialisierten Mitarbeiter, der weitgehend eigenständig arbeitet. Ein solcher digitaler Kollege zeichnet sich dadurch aus, dass er den gesamten Datenbestand unermüdlich im Blick behält. Während ein Mensch kaum täglich Tausende Verträge auf Deckungslücken prüfen kann, scannt die Technik den Bestand unermüdlich nach spezifischen Datenmustern. Sie erkennt etwa Kunden in Risikogebieten ohne Elementarschutz und bereitet sofort konkrete Umdeckungsvorschläge vor. Diese Beständigkeit ist ein entscheidender Vorteil, um Bestände auch bei personellen Engpässen stabil und haftungssicher zu führen.

Neue Technik als Hochleistungswerkzeug

Das System wirkt wie ein Schutzschild für die Geschäftsleitung und gewährleistet, dass jeder Vorgang nach hohen Qualitätsstandards bearbeitet wird. Auch in der gehobenen Beratung, etwa bei der Berufsunfähigkeit oder der betrieblichen Altersvorsorge, ersetzt die Technik den Menschen nicht, sondern wertet ihn auf. Die KI fungiert hier als Hochleistungswerkzeug, das Hunderte Seiten an Bedingungen in Sekunden simultan prüft und für den Vermittler nur jene Klauseln markiert, die für die spezifische Risikosituation des Kunden kritisch sind.

Künstliche Intelligenz als Vertriebsmotor

Die höchste Stufe ist erreicht, wenn das Backoffice durch diese Intelligenz zum Motor für den Vertrieb wird. Durch die Automatisierung von Massengeschäften bleibt der Vermittler wettbewerbsfähig. Im Kfz-Bereich übernimmt die Technik die Tarifprüfung und einfache Vertragsänderungen weitgehend automatisierbar, sodass Bestände profitabel bleiben, die früher aufgrund des hohen Aufwands unrentabel gewesen wären.

Darüber hinaus fungiert das Backoffice als Ideengeber. Durch die Analyse von Datenmustern liefert das System dem Berater genau zum richtigen Zeitpunkt den passenden Anlass für ein Gespräch. Das System erkennt Lebensereignisse wie einen Umzug oder das Ende einer Finanzierung und generiert automatisch eine passende Gesprächsvorlage. Anstatt den Kunden mit wahllosen Angeboten zu konfrontieren, konzentriert sich der Vertrieb auf Fälle mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen echten Bedarf.

Prozessinventur und Datenpflege als A & O

Damit diese Zusammenarbeit funktioniert, ist ein pragmatisches Vorgehen der Vermittler entscheidend. Eine ehrliche Prozessinventur und eine saubere Datenpflege im CRM bilden die Grundvoraussetzungen. Sogar bei Gesellschaften ohne moderne Datenschnittstellen kann die KI heute Versicherungsscheine einlesen und Daten fehlerfrei übertragen.

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Versicherungsvermittlung vor einer Neuordnung steht. Der Vermittler der Zukunft wird weniger Zeit mit Datenverwaltung verbringen – Aufgaben, die eine Maschine präziser erledigt. Seine Stärke wird darin liegen, komplexe Lebenssituationen als erfahrener Experte zu bewerten.

Den KI-Kollegen klug einbinden

Die Technik ist kein Ersatz für den Menschen, sondern das Werkzeug, um in einer komplexen Welt als verlässlicher menschlicher Ankerpunkt wertvoller zu sein denn je. Wer neue digitale Kollegen klug integriert, gewinnt die Zeit zurück, die er für das Wichtigste braucht: den Menschen. Denn letztlich gilt im Sinne einer werteorientierten Vermittlung mehr denn je: Gut beraten ist, wer gut beraten wird! Dieser Grundsatz gilt heute in doppelter Weise – für den Kunden in seiner Absicherung ebenso wie für den Vermittler bei der strategischen Beratung zur eigenen Unternehmensführung. Gerne stellen wir interessierten Lesern für die vertiefende operative Umsetzung die detaillierten Anwendungsbeispiele eines modernen Vermittlervertriebs zur Verfügung.

Lesen Sie auch:
Lesetipp der Redaktion:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

 
Ein Artikel von
Thomas Fröhlich
Thorben Schwarz

Versicherer: 10% zählen zu KI-Vorreitern mit Umsatzvorsprung

Laut einem weltweiten Bericht von Capgemini klafft bei Schaden- und Unfallversicherern eine zunehmende Wettbewerbslücke in Sachen KI. 10% sind Vorreiter und übertreffen Mitbewerber beim Umsatzwachstum. Eine weitere Studie zeigt: Versicherer-CEOs sehen KI als die bedeutendste Technologie für die Branche.

Wie der aktuelle „World Property & Casualty Insurance Report 2026“ des Capgemini Research Institute zeigt, setzt einer von zehn Versicherern künstliche Intelligenz (KI) erfolgreich ein, wohingegen andere darum ringen, nennenswerte Vorteile daraus zu ziehen. Laut Bericht erklärt sich die KI-Kluft teilweise dadurch, dass 42% der Versicherer keine KI-Kennzahlen erfassen. Ohne zu messen und zu validieren, was funktioniere, verharren 60% der Versicherer in der Erkundungs- oder Proof-of-Concept-Phase, wie es im Bericht heißt.

„Die Versicherungsbranche steht vor ihrem Moment der Wahrheit: Die Vorreiter liefern den Beweis dafür, dass sich KI zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt, der sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirkt. Voraussetzung dafür ist, dass Versicherer sie von Anfang an in ihre Geschäftsstrategie einbetten“, erklärt Dr. Joachim Rawolle, Leiter Versicherungen bei Capgemini in Deutschland. „Während viele Versicherer noch mit den üblichen technischen und kulturellen Hürden kämpfen, sind die Vorteile inzwischen glasklar. Durch die Stärkung der Datengrundlagen, klare Zuständigkeiten und Investitionen in Mitarbeiter und Governance können Versicherer über Pilotprojekte hinausgehen. Der Fokus liegt nun auf organisatorischer Disziplin, um die Wirkung von KI im gesamten Unternehmen nachhaltig sicherzustellen.“

KI-Vorreiter erzielen höheres Umsatzwachstum

Laut der Studie geht nur bei einer kleinen Gruppe, die als KI-Vorreiter gilt, der Einsatz künstlicher Intelligenz über die Anwendung als Werkzeug hinaus. Vielmehr wird die neue Technologie als zentrale operative Kompetenz genutzt. Diese wenigen Schaden- und Unfallversicherer setzen auf eine gleichzeitige Abstimmung zwischen Strategie und Personal, technologischer Grundlage und organisatorischer Umsetzung. Laut Capgemini Research Institute erzielten diese KI-Vorreiter über einen Zeitraum von drei Jahren ein bis zu 21% höheres Umsatzwachstum und verzeichneten einen Anstieg des Aktienkurses um etwa 51%.

Das trennt die Spreu vom Weizen

Der Studie zufolge unterscheiden sich die top 10% der Versicherer in mehreren Punkten vom Rest des Feldes: So investieren sie fast viermal häufiger in Change Management über grundlegende Schulungen hinaus. Zudem haben sie fast dreimal häufiger eine Infrastruktur für erklärbare KI, die unternehmensweit Vertrauen schafft. Schließlich verankern die KI-Vorreiter unter den Gesellschaften fast doppelt so häufig KI direkt in Stellenbeschreibungen, wodurch Verantwortlichkeit geschaffen werde, so die Experten von Capgemini.

Branche hinkt hinterher

Weiter ist die Rede von einem scharfen Kontrast zwischen Vorreitern und der Branche, die mit einem „Architektur-Mismatch“ zu kämpfen habe: Der technologische Fortschritt ist schneller als die Fähigkeit vieler Unternehmen, neue Lösungen wirksam einzubinden. Im Durchschnitt investieren Schaden- und Unfallversicherer 72% ihrer KI-Investitionen in Technologie und Infrastruktur, während nur 28% in Change Management, einschließlich grundlegender Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte, fließen. Deshalb hätten laut der Studienautoren viele KI-Initiativen Schwierigkeiten, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Rendite von KI-Investitionen noch weitestgehend unbekannt

Über die Hälfte (55%) der Schaden- und Unfallversicherer stellte fest, dass es keinen klaren ROI für KI-Initiativen gibt. Ebenfalls mehr als jedes zweite Unternehmen gab an, es sei unklar, wer im Unternehmen für KI-Initiativen verantwortlich ist. Infolgedessen liege die Verantwortung oft bei Einzelpersonen oder kleinen Teams, was es unmöglich mache, unternehmensweite Auswirkungen zu messen.

Erfolgsrezept? Mensch und KI im Einklang

Während KI-Vorreiter klare Vorteile einheimsen, hadert die restliche Branche weiterhin mit den Herausforderungen. Fast die Hälfte der Arbeitszeit entfällt auf die teamübergreifende Zusammenarbeit. Die meisten KI-Werkzeuge arbeiten nach wie vor auf der Ebene einzelner Aufgaben. Auch bei der Datenbereitschaft besteht Luft nach oben. Eigenen Angaben zufolge haben lediglich 12% der Versicherer einen sehr hohen Reifegrad, obwohl sie stark auf Daten angewiesen sind, die bisher nur unstrukturiert vorliegen. Außerdem existiert nach wie vor ein Vertrauensdefizit: 43% der Mitarbeiter nennen die Arbeitsplatzsicherheit ihr größtes Anliegen und nur 14% der Beschäftigten haben eine „sehr klare“ Vorstellung davon, wie KI in ihre Arbeit passt, wie es in der Studie weiter heißt.

Laut Capgemini sollte die Führungsspitze die strategische Ausrichtung vorgeben und die Grenzen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI definieren. Zudem sollten qualifizierte Mitarbeiter komplexe operative Entscheidungen anhand von Echtzeit-Erkenntnissen treffen und KI-Agenten routinemäßige Aufgaben automatisieren. Orchestrierungsmanager könnten daran arbeiten, die Geschäftsstrategie und KI-Prinzipien so aufeinander abzustimmen, dass sich die Intelligenz in großen Unternehmen skalieren lässt.

Versicherungs-CEOs sehen KI als bedeutendste Technologie für Branche

Wie eine weitere Studie zeigt, halten Führungskräfte der Versicherungsbranche künstliche Intelligenz für die derzeit einflussreichste – und potenziell disruptivste – Technologie. Wie aus dem aktuellen Sollers-Report „Künstliche Intelligenz und der menschliche Faktor“ hervorgeht, schreiben sie der KI eine noch größere Relevanz zu als der Cloud, Kernsystemen und dem Internet der Dinge. Der Bericht beruht auf den Einschätzungen von elf CEOs führender Versicherungsunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Australien, Kanada und Slowenien.

Transformation der Belegschaft als größte Herausforderung

Wie die Interviews mit den Führungskräften zeigen, betonen die CEOs wiederholt, dass KI Empathie, Personalisierung und persönliche Interaktion verbessern und nicht beeinträchtigen sollte.

„Mehrere CEOs sehen in der Transformation der Belegschaft eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre“, erklärt Marcin Pluta, Präsident und Mitbegründer von Sollers. „Unsere Interviewpartner lehnen die Vorstellung ab, dass KI zwangsläufig Arbeitsplätze zerstört. Stattdessen verschieben sich Rollen hin zu stärker technologischen, analytischen und strategischen Aufgaben.“

Den vollständigen Bericht von Sollers gibt es zum Download auf sollers.com.
Über die Studie von Capgemini

Der Bericht von Capgemini stützt sich auf Daten aus drei Hauptquellen: den 2026 Global Insurance Executive Interviews, den 2026 Global Insurance Employee Surveys und der 2026 Global Voice of the Customer Survey. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden 344 Führungskräfte führender Schaden- und Unfallversicherer, 809 Versicherungsmitarbeiter aus den Bereichen Underwriting, Schadenbearbeitung, Vertrieb und Kundenservice sowie 1.113 Versicherungsnehmer befragt. (tik)

Lesen Sie auch: Welche technologischen Trends prägen die Assekuranz?
 

KI und Versicherungsschutz: Neue Risiken in einer digitalen Wirtschaft

Mit dem zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz verändern sich auch die Risiken, die es für Versicherer abzusichern gilt. Einige Gefahren lassen sich schon heute mit bestehenden Versicherungsprodukten abdecken – Stichwort Cyber. Bei anderen ist es hingegen schwieriger.

Ein Beitrag von Daniel Blazquez, Leiter Cyber Gewerbe der Markel Insurance SE

Künstliche Intelligenz hat sich in wenigen Jahren von einer experimentellen Technologie zu einem zentralen Bestandteil moderner Wirtschaft entwickelt. Unternehmen nutzen KI für Kundenservice, Datenanalyse, Produktentwicklung oder automatisierte Entscheidungen. Auch Versicherer selbst setzen zunehmend auf diese Technologie, etwa in der Risikoprüfung oder Schadenbearbeitung. Mit der Verbreitung von künstlicher Intelligenz entstehen jedoch auch neue Risiken. Diese betreffen nicht nur Technologieunternehmen, sondern nahezu alle Branchen. Die zentrale Frage lautet daher: Welche Schäden können durch KI entstehen und in welchem Umfang lassen sich diese Risiken versichern?

Die Herausforderung liegt hierbei vor allem darin, dass KI-Systeme komplexe und mitunter schwer nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Wir Experten sprechen von der Blackbox-Systemtheorie. Damit ist gemeint, dass selbst Entwickler nicht immer vollständig erklären können, wie ein bestimmtes Ergebnis zustande kommt. Für Versicherer stellt dies ein grundlegendes Problem dar, denn Versicherbarkeit setzt voraus, dass Risiken kalkulierbar sind.

Gefahr von Fehlentscheidungen

Dennoch lassen sich die Risiken der künstlichen Intelligenz grundsätzlich in mehrere Kategorien einteilen. Eine erste Risikogruppe bilden Fehlentscheidungen von KI-Systemen. Generative künstliche Intelligenz kann falsche Informationen erzeugen oder fehlerhafte Empfehlungen geben. In einem Unternehmen kann dies zu wirtschaftlichen Schäden führen, etwa durch falsche Marktanalysen oder automatisierte Fehlentscheidungen im Kundenservice.

Haftungsfragen als Risiko

Eine zweite Risikogruppe betrifft Haftungsfragen. Wenn eine KI falsche Entscheidungen trifft, stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit. Mögliche Beteiligte sind der Entwickler der Software, der Anbieter der Plattform, das Unternehmen, das die KI einsetzt, oder der Betreiber der Infrastruktur. Diese mehrschichtige Verantwortung erschwert die rechtliche Zuordnung von Schäden.

Datenschutz und Cyberangriffe als Herausforderung

Eine dritte Gruppe sind Fälle algorithmischer Bias. Darunter versteht man systematische Verzerrungen in den Daten, mit denen eine KI trainiert wurde. Wenn Trainingsdaten bestimmte Gruppen benachteiligen, kann dies diskriminierende Entscheidungen verursachen. Besonders relevant ist dieses Risiko in Bereichen wie Kreditvergabe, Personalentscheidungen oder Versicherungspricing. Neben rechtlichen Fragen entstehen auch technische Risiken. KI-Systeme verarbeiten häufig große Mengen sensibler Daten. Fehlerhafte Implementierungen können zu Datenschutzverletzungen führen. Gleichzeitig eröffnet KI auch neue Möglichkeiten für Cyberangriffe.

Neue Betrugsformen durch KI-Einsatz

Künstliche Intelligenz verändert darüber hinaus zunehmend die Art und Weise, wie Betrug entsteht und ausgeführt wird. Moderne generative Systeme können täuschend echte Bilder, Videos oder Dokumente erzeugen. Dadurch wächst das Risiko, dass Kunden selbst Opfer von Täuschung, Identitätsmissbrauch oder digitalen Manipulationen werden. Versicherer setzen daher gezielt eigene KI-Lösungen ein, um solche Aktivitäten frühzeitig zu erkennen und ihre Kunden wirksam zu schützen.

Neue Risiken absichern

Aus Sicht der Versicherungswirtschaft zeigt sich ein differenziertes Bild. Einige Risiken lassen sich bereits heute mit bestehenden Versicherungsprodukten abdecken. Dazu gehören etwa Cyberversicherungen, Vermögensschadenhaftpflicht oder Produkthaftpflichtversicherungen. Diese decken Schäden ab, die durch Fehlfunktionen digitaler Systeme oder fehlerhafte Software entstehen.

Andere Risiken sind deutlich schwieriger zu versichern. Besonders problematisch sind sogenannte systemische Risiken. Wenn eine weitverbreitete KI-Plattform gleichzeitig bei Tausenden Unternehmen Schäden verursacht, kann dies zu extrem hohen Schadensummen führen. Solche Szenarien erinnern an Naturkatastrophen oder Finanzkrisen – Ereignisse, die schwer zu kalkulieren sind.

Auf hohe Dynamik reagieren

Auch die Dynamik selbstlernender Systeme stellt Versicherer vor neue Herausforderungen. Ein KI-Modell kann sich im Laufe der Zeit verändern und Entscheidungen treffen, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht vorhersehbar waren. Damit verschiebt sich das Risikoprofil kontinuierlich. Ein möglicher Lösungsansatz liegt daher in einer Kombination aus Regulierung, technischer Transparenz und neuen Versicherungsmodellen. Der europäische AI Act sowie geplante Haftungsrichtlinien könnten künftig klarere Verantwortlichkeiten definieren. Gleichzeitig entwickeln Versicherer spezialisierte Deckungskonzepte für KI-Risiken.

Fazit und Ausblick

Langfristig wird sich die Versicherungsbranche intensiv mit der Frage beschäftigen müssen, wie sich digitale und algorithmische Risiken versichern lassen. Künstliche Intelligenz schafft neue Chancen für Effizienz und Innovation. Gleichzeitig verlangt sie nach neuen Formen des Risikomanagements. Für Versicherer bedeutet dies nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein neues Geschäftsfeld.

Weitere News rund um künstliche Intelligenz, neue Services, Tools und Dienstleistungen finden Sie in unserer Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

Digital Insurance Podcast: Medizin trifft Algorithmus

In der neuen Ausgabe des „Digital Insurance Podcast“ ist Klaus Weber zu Gast, Leiter Personenschaden bei Generali Deutschland und ehemaliger Unfallchirurg. Thema des Gesprächs mit Moderator Jonas Piela ist unter anderem, wie die Generali Sprachmodelle nutzt, um Schicksale besser zu verwalten.

In einer neuen Episode des Digital Insurance Podcasts begrüßt Moderator Jonas Piela einen Gast, dessen Werdegang die Brücke zwischen medizinischer Expertise und modernem Versicherungsmanagement schlägt: Klaus Weber, Leiter Personenschaden bei der Generali Deutschland und ehemaliger Unfallchirurg. Das Gespräch beleuchtet eindrucksvoll, wie die Versicherungswirtschaft den Bereich des Personenschadens – oft als „Königsdisziplin“ und letzte Bastion manueller Arbeit betrachtet – durch den gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz transformiert.

Personenschadenmanagement: Empathie trifft auf Hochtechnologie

Weber erläutert zu Beginn, warum das Management von Personenschäden weitaus komplexer ist als die Abwicklung von Blechschäden. Während es bei Sachschäden primär um effiziente Reparaturprozesse geht, steht beim Personenschaden das menschliche Schicksal im Mittelpunkt. Besonders bei schweren Unfällen mit bleibenden Behinderungen übernimmt die Generali eine aktive Rolle als Rehabilitationsmanager. Weber betont, dass es nicht nur um die finanzielle Regulierung geht, sondern darum, Verletzte „an die Hand zu nehmen“ und durch den Dschungel medizinischer Heilverfahren zu führen. Ziel ist die bestmögliche Wiedereingliederung in den Alltag und Beruf, wobei die Versicherung gezielt auf Spitzenleistungen in der Rehabilitation und technische Hilfsmittel setzt.

Die Automatisierung der „unantastbaren Festung“

Lange galt der Personenschaden aufgrund seiner hohen Sensibilität und der Unmengen an unstrukturierten Daten als kaum automatisierbar. Weber räumt mit diesem Vorurteil auf und zeigt, wie die Generali bereits heute Sprachmodelle und KI-Tools einsetzt, um die Effizienz zu steigern. Ein zentrales Einsatzgebiet ist die Verarbeitung massiver Dokumentenberge. Ein einzelner Fall kann hunderte Seiten an Arztbriefen, Gutachten und Anwaltsschreiben umfassen. KI-Systeme sind heute in der Lage, diese Dokumente zu lesen, Diagnosen zu extrahieren und Zusammenfassungen für die Sachbearbeiter zu erstellen. Dies spart wertvolle Zeit, die die Mitarbeiter stattdessen in die persönliche Betreuung der Geschädigten investieren können.

Sicherheit durch Anonymisierung und menschliche Kontrolle

Ein kritischer Punkt im Umgang mit hochsensiblen Gesundheitsdaten ist der Datenschutz. Weber beschreibt ein gemeinsam mit Partnern entwickeltes Tool, das Dokumente innerhalb von Sekunden anonymisiert oder pseudonymisiert. Dabei erkennt die KI semantische Zusammenhänge, sodass Namen entfernt werden, während die medizinisch relevanten Diagnosen erhalten bleiben. Trotz des technischen Fortschritts hält Weber am Prinzip „Human in the Loop“ fest. Die KI fungiert als intelligenter Assistent, der Behandlungspläne prüft oder Einwände gegen Gutachten formuliert, doch die finale Entscheidung und die emotionale Führung des Falls bleiben in menschlicher Hand. Für Weber ist klar: KI nimmt dem Experten nicht die Arbeit weg, sondern befähigt ihn, Schicksale präziser und schneller zum Guten zu wenden.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Warum Vertriebserfolg am Prozess scheitert, nicht am Produkt

Die Versicherungsbranche diskutiert seit Jahren über Digitalisierung, Vergleichstechnologie und zunehmend auch den Einsatz von KI. Dabei entsteht leicht der Eindruck, dass technologische Weiter­entwicklungen zentrale Herausforderungen der Branche lösen werden. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild.

Ein Beitrag von Markus Niederreiner, Chief Executive Officer der Smart InsurTech AG und Vorstand der Hypoport InsurTech AG

Die zentrale Herausforderung liegt heute nicht im fehlenden Zugang zu Tarifen oder Informationen. Der Markt ist weitgehend transparent und Vergleichbarkeit ist gegeben. Die eigentlichen Engpässe zeigen sich vielmehr in der Struktur und im Ablauf der Beratung.

In vielen Maklerhäusern entscheidet nicht nur die Qualität eines Tarifs über den Beratungserfolg, sondern zu einem wesentlichen Anteil die Effizienz des Weges dorthin. Beratungsprozesse sind häufig durch eine Vielzahl an Eingaben, Systemwechseln und Medienbrüchen geprägt. Das führt dazu, dass sich das Abschlussrisiko zunehmend vom Kunden auf den Prozess verlagert. Beratung wird zur Datenerfassung, Entscheidungen werden verzögert, obwohl die inhaltliche Grundlage oft bereits vorhanden ist.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Branche weniger mit einem Vergleichsproblem konfrontiert ist als vielmehr mit einem Prozessproblem.

Steigende Erwartungen und strukturelle Herausforderungen

Diese Entwicklung gewinnt insbesondere deshalb an Bedeutung, weil sich die Erwartungen auf Kundenseite deutlich verändert haben. Entscheidungen werden heute schneller getroffen, Informationen sind jederzeit verfügbar und Vergleichbarkeit wird vorausgesetzt. Beratung findet zudem nicht mehr ausschließlich im Büro statt, sondern zunehmend vor Ort beim Kunden oder im digitalen Raum. Prozesse müssen daher nicht nur effizient, sondern auch flexibel und intuitiv sein. Komplexität wird dabei immer seltener akzeptiert.

Digitalisierung zeigt, wo es hakt

Digitalisierung wird in diesem Zusammenhang häufig als Lösung betrachtet. Tatsächlich zeigt sie jedoch in vielen Fällen zunächst die bestehenden Schwächen auf. Ein digitaler Prozess bleibt ineffizient, wenn er weiterhin unnötig komplex ist. Eine digitale Anwendung beschleunigt nicht automatisch, wenn die zugrunde liegende Struktur nicht durchdacht ist. Insofern macht Technologie vor allem sichtbar, wie konsequent Prozesse gestaltet wurden.

Gleichzeitig verschiebt sich auch die Rolle von Vergleichstechnologie. Sie ist heute in vielen Bereichen Standard und kein Differenzierungsmerkmal mehr. Der Mehrwert entsteht dort, wo Beratung nicht beim Vergleich endet, sondern zur fundierten Entscheidung führt. Dafür sind klare Prozesse, reduzierte Datenerhebung und durchgängige Abläufe entscheidend.

Unabhängigkeit als Voraussetzung für nachvollziehbare Beratung

Parallel zu den strukturellen Veränderungen im Markt gewinnt auch das Thema Unabhängigkeit zunehmend an Bedeutung. Die Versicherungsbranche ist heute stark vernetzt: Produktgeber, Pools, Vertriebsorganisationen und Investoren arbeiten vielfach eng zusammen. Diese Entwicklungen schaffen Effizienz, führen aber zugleich dazu, dass Rollen und Interessen nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt sind.

Für die Beratungspraxis bedeutet das, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen stärker in den Fokus rücken. Vergleichslösungen werden häufig als neutral wahrgenommen, sind jedoch in vielen Fällen Teil übergeordneter Wertschöpfungsmodelle. Für Vermittlerinnen und Vermittler stellt sich daher zunehmend die Frage, unter welchen Voraussetzungen Vergleich und Beratung stattfinden und wie unabhängig diese tatsächlich ausgestaltet sind.

Mit steigender Markttransparenz wächst auch das Bewusstsein für diese Zusammenhänge. Kundinnen und Kunden erwarten nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen und eine Beratung, die sich klar an ihren Interessen orientiert. Insofern wird Unabhängigkeit zu einer wichtigen Komponente für Vertrauen.

Vor diesem Hintergrund rückt die klare Trennung von Technologie, Produktinteressen und Vertrieb stärker in den Mittelpunkt. Vergleichstechnologie, die nicht durch Beteiligungen von Produktgebern oder vertriebliche Strukturen geprägt ist, kann dazu beitragen, Entscheidungsprozesse transparenter und nachvollziehbarer zu machen und die Beratungsqualität zu steigern. Gleichzeitig behalten Vermittlerinnen und Vermittler in solchen Modellen ihre unternehmerische Eigenständigkeit, sowohl in Bezug auf ihre Bestände als auch auf ihre Beratungshoheit.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit entstehen damit nicht allein durch die Bereitstellung von Informationen, sondern durch die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen Beratung stattfindet.

Struktur als zentraler Hebel für Skalierbarkeit

Vor diesem Hintergrund greift die Diskussion über neue Technologien allein zu kurz. Entscheidend ist nicht, wie viele Tools zur Verfügung stehen, sondern wie sinnvoll sie in den Beratungsprozess und die Wertschöpfungskette eingebunden sind.

Der Ansatzpunkt liegt in der Struktur: Prozesse müssen so gestaltet sein, dass sie Beratung unterstützen, nicht verlangsamen. Dazu gehören eine reduzierte Datenerfassung im richtigen Moment, klar definierte Abläufe sowie eine möglichst durchgängige Integration der eingesetzten Systeme.

Ziel ist, den Weg von der Analyse zur Entscheidung so effizient wie möglich zu gestalten, ohne dabei an Qualität oder Nachvollziehbarkeit zu verlieren. Gleichzeitig schafft eine klare Trennung von Technologie und wirtschaftlichen Interessen die Grundlage für eine Beratung, die sich konsequent am Kunden orientiert.

Fazit: Der Weg zum Tarif ist entscheidend

Oft liegt die Herausforderung weniger im Tarif selbst als im Weg dorthin. Wer es schafft, diesen Weg klar, effizient und unabhängig zu gestalten, schafft die Grundlage für bessere Beratung, schnellere Abschlüsse und nachhaltiges Vertrauen. Die Zukunft der Versicherungsberatung entscheidet sich daher nicht primär an der Technologie, sondern an der Qualität der Prozesse, die sie tragen.

Lesen Sie auch:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

Porträtfoto: Hypoport

 

Smart InsurTech stellt Vergleichstechnologie neu auf

Smart InsurTech bietet mit der neuen Generation von Smart Compare einen Vollsortiment-Rechner, der alle Privatsparten in einem Workflow bündelt. Durch die Trennung von Berechnung und Antragsprozess verringert sich die Datenerfassung und Vermittler erhalten schneller belastbare Ergebnisse.

Die Smart InsurTech AG hat an ihrer Vergleichstechnologie gefeilt: Mit der neuen Generation von Smart Compare bringt das Unternehmen einen Vollsortiment-Rechner auf den Markt, der alle Privatsparten ohne Systembruch in einem einheitlichen Workflow bündelt. Indem Berechnung und Antragsprozess getrennt sind, wird die Datenerfassung für den Rechner merklich verringert. Somit gelangen Vermittler schneller zu belastbaren Ergebnissen und insgesamt zügiger zum Abschluss. Mit rund 80.000 Tarifen von über 300 angebundenen Versicherern biete Smart Compare laut Smart InsurTech eine umfassende Marktübersicht – von der Lebens- und Krankenversicherung bis hin zu Sach- und Kfz-Sparten.

„Die Herausforderung liegt heute weniger im Zugang zu Tarifen, sondern im Prozess dorthin“, erklärt Markus Niederreiner, Chief Executive Officer (CEO) der Smart InsurTech AG. Entscheidend sei, wie sinnvoll Vergleichstechnologie in den Beratungsprozess eingebunden ist, um die Kundenberatung zu unterstützen und den Arbeitsalltag zu entlasten.

Neuer Rechner bietet durchgängigen digitalen Prozess

In der neuen Generation von Smart Compare liegt der Fokus stärker auf dem Vergleich als Bestandteil eines durchgängigen Beratungs- und Abschlussprozesses. Entsprechende Filter- und Favoritenfunktionen helfen bei der strukturierten Auswahl, Dokumente und Antragsunterlagen stehen schon im Berechnungsergebnis bereit. Der gesamte Prozess ist vom Vergleich bis zum Vertragsabschluss vollständig digital, inklusive elektronischer Signatur und anschließender Übermittlung der Unterlagen an den Versicherer.

Smart Compare ist vollständig in die Plattformwelt der Smart InsurTech AG eingebunden. Der Einstieg erfolgt über das Vermittler-Frontend oder die Beratungstechnologie. Ergänzend ist das Verbraucherschutzrating Smart Check in die Ergebnisdarstellung eingebunden und bietet eine zusätzliche Qualitätsbewertung. Über Schnittstellen lässt sich der Vergleichsrechner zudem in externe Systeme einbetten. (tik)

Lesen Sie auch: Welche technologischen Trends prägen die Assekuranz?
 

Vergleichsprogramme: „Markt braucht neutralen Anbieter“

Das unabhängige Vergleichs- und Analysehaus comparit macht sich für mehr Unabhängigkeit am Vergleichermarkt stark. Das Unternehmen gehört mehrheitlich Management und Mitarbeitern und wird von mehreren Maklerorganisationen finanziell unterstützt.

Interview mit Matthias Brauch, CEO der cpit comparit GmbH
Herr Brauch, Sie setzen sich mit Ihrer Brancheninitiative für den unabhängigen Versicherungsvergleich ein. Was waren und sind die Beweggründe?

Früher war der Markt für Vergleichsprogramme stark vom Wettbewerb geprägt. Ich nenne das gerne ein „gesundes Oligopol“. Die wenigen Anbieter standen in einem intensiven Konkurrenzverhältnis, niemand hat dem anderen etwas geschenkt. Wenn einer etwas entwickelt hat, haben die anderen sofort nachgezogen. Das hat für positive Dynamik und Bewegung im Markt im Sinne des Maklers gesorgt. In den vergangenen Jahren sind die Vergleichslösungen dann jedoch zunehmend in die Einflusssphäre bestimmter Marktteilnehmer gekommen. Genau an diesem Punkt setzt unsere Initiative an. comparit verfolgt mit ihrer Philosophie und ihrer Vision und auch der gesellschaftsrechtlichen Aufstellung das Ziel, für all jene Marktteilnehmer, die keinen Zugriff auf einen eigenen Vergleich haben, einen neutralen Vergleichsanbieter bereitzustellen. Wir wollen uns somit als Brancheninitiative im Bereich Vergleichsprogramme positionieren. Denn ich bin überzeugt: Der Markt braucht nicht nur in Bezug auf den Endkunden, sondern auch in Bezug auf den Makler einen neutralen Anbieter, der nicht gelenkt wird von Versicherern oder den Interessen einzelner Marktteilnehmer.

Was ist der strategische Nutzen für Makler?

Unabhängigkeit gehört zur DNA eines Maklers. Das gilt zum einen für das eigene Unternehmen: Als Makler will man mit seiner Firma unabhängig sein gegenüber äußeren Einflüssen. Zum anderen hat man als Makler gleichzeitig natürlich auch den Anspruch, unabhängig von irgendwelchen Interessen zu beraten. comparit trägt als neutrale Brancheninitiative dazu bei.

Sie arbeiten mit vielen Pools zusammen, die Ihre Initiative fördern, und sind in der Branche relativ aktiv. Wie wichtig sind Zusammenarbeit und Austausch?

Diese Zusammenarbeit ist für uns sehr wichtig. Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben wir uns in der Weiterentwicklung stark an den Wünschen orientiert, die von den Kunden kamen, die bereits mit unseren Lösungen live sind. Wir hören sehr genau hin, welche Anforderungen aus der Praxis an uns herangetragen werden, und lassen diese Rückmeldungen direkt in die Entwicklung einfließen.

Mit jedem weiteren Partner, der hinzukommt, erweitert sich dieser Austausch. Mittlerweile zählen wir 14 verschiedene Maklerpools, Finanzvertriebe und Großmakler zu unseren Gesellschaftern, die mehr als 35.000 Nutzer und über 1,6 Mrd. Euro Umsatzvolumen repräsentieren. Zudem konnten wir auch außerhalb des Gesellschafterkreises Kunden von unseren Lösungen überzeugen. Hinzu kommen noch mehr als 6.000 verschiedene Nutzerinnen und Nutzer aus dem Kauf der ObjectiveIT mit der Software „Levelnine“, die meisten auch unabhängige Maklerfirmen. Dabei entstehen Communitys, in denen wir uns gezielt bewegen, um Impulse aufzunehmen. Diese Rückmeldungen bündeln wir in unserer sogenannten Alpha Group. Dort engagieren sich interessierte Vermittler, die unsere Entwicklung aktiv mitgestalten. Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer nicht nur zuhören, sondern konkrete Hinweise, Ideen und Erfahrungen einbringen. Wir schauen sehr genau darauf, wer das System tatsächlich nutzt und wer bereit ist, konstruktiv mitzuarbeiten. In dieser Gruppe holen wir gezielt Feedback ein und stimmen auch Neuerungen ab, bevor wir sie an den Markt bringen. So stellen wir sicher, dass unsere Weiterentwicklung eng an den tatsächlichen Bedürfnissen der Vermittler bleibt.

Wie nehmen Sie denn die zunehmende Konsolidierung der Branche und auch die Marktkonzentration wahr? Und liegt darin vielleicht auch eine Chance?

Ich glaube, diese Marktkonzentration ist nichts grundsätzlich Neues. Schon immer war es so, dass kleinere Unternehmen von größeren übernommen wurden. Ich sehe diese Entwicklung deshalb vergleichsweise gelassen. Denn ich glaube, dass zugleich immer wieder neue Unternehmen nachkommen mit marktstrategisch interessanten Neuheiten, die vorhandene Lücken schließen. In der Vertriebslandschaft geschieht dies nahezu tagtäglich. comparit ist dafür aus meiner Sicht ein gutes Beispiel auch für den Markt der Dienstleister. Ich halte den Markt daher insgesamt für gesund und durchaus in der Lage, solche Konzentrationsprozesse zu verkraften und gleichzeitig Raum für neue, eigenständige Marktteilnehmer zu lassen.

Wer sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Wettbewerber und worin unterscheidet sich comparit von ihnen?

Unser Anspruch ist es, als Vollsortimenter am Markt aufzutreten. In dieser Rolle stehen wir im Wettbewerb mit den Vollsortimentern Franke und Bornberg, softfair und MORGEN & MORGEN. Wir unterscheiden uns vor allem dadurch, dass wir es geschafft haben, Vergleichslogik noch einmal ganz anders zu denken. Mit unserer Bausteinlogik ist es uns gelungen, Versicherungsprodukte trotz ihrer Komplexität intuitiv abzubilden. Das war möglich, weil wir die Datenbanken grundlegend neu aufbauen konnten. Gerade in der Einfachheit der Programme, im strukturellen Aufbau und in der Abbildung von Besonderheiten einzelner Produktbausteine haben wir aus meiner Sicht neue Maßstäbe gesetzt. Die Rückmeldungen von Vermittlern bestätigen dies. Vermittler können mit den Programmen, die sie konkret brauchen, direkt arbeiten, ohne zuvor umfangreiche Schulungen absolvieren zu müssen. Die intuitive Nutzbarkeit der Vergleichsprogramme ist für uns ein zentraler Unterschied.

Wie sichern Sie denn die Unabhängigkeit bei comparit?

Die Gesellschaftsstruktur ist bewusst so angelegt, dass die Unabhängigkeit gesichert bleibt. Insgesamt haben wir fremde Beteiligungen von 49%, während 51% bei mir und unserer Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft liegen. Wenn neue Investoren dazukommen, verändert sich nur der Anteil innerhalb der 49%. Die Mehrheit von 51% bleibt unberührt und wird nicht verwässert.

Natürlich kann man die Frage stellen, was passiert, wenn mich eines Tages der Hafer sticht, da ich die hundertprozentigen Stimmrechte an den 51% habe. Auch dafür gibt es eine Absicherung: Die derzeitigen Investoren verfügen entsprechend ihren Beteiligungsverhältnissen über ein Vorkaufsrecht für diese Anteile. Selbst wenn mehrere Investoren kein Interesse hätten, könnte ein einzelner Investor dieses Vorkaufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen auch für den gesamten Anteil ausüben. Dadurch entsteht eine Struktur, die einen Verkauf der Mehrheit bewusst sehr komplex macht. Aus meiner Sicht ist die Unabhängigkeit damit sehr weitgehend geschützt.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie comparit in den kommenden Jahren?

Ich sehe comparit ganz klar als Brancheninitiative – und perspektivisch auch als Standard im Bereich Tarifierung, Angebot, Antrag und Vergleich. Wenn der unabhängige Makler und die unabhängige Beratung in Deutschland weiterhin gewollt sind, bin ich überzeugt, dass wir in diesem Segment eine führende Rolle einnehmen und Standards setzen werden.

Was ist dabei das größte strategische Risiko, mit dem Sie sich auseinandersetzen müssen?

Ein wesentliches strategisches Risiko wäre sicher, wenn der unabhängige Makler etwa durch ein Provisionsverbot erheblich eingeschränkt würde. Das würde allerdings den gesamten Markt betreffen. Wenn die unabhängige Finanz- und Versicherungsvermittlung in Deutschland insgesamt unter Druck gerät, wirkt sich das zwangsläufig auch auf Vergleichsprogramme aus.

Gleichzeitig muss man realistisch sagen: Im Verhältnis zu Endkundenportalen wie CHECK24 ist der Markt für Vergleichsprogramme im Maklerbereich eher ein spezialisiertes Segment. Solange Versicherungen aber weiterhin aktiv vermittelt und nicht einfach nur gekauft werden, und ich sehe hier trotz KI und allen anderen Themen keinerlei Änderung, wird dieser Markt seine klare Berechtigung behalten. Genau darin liegt auch seine langfristige Relevanz.

Lesetipp der Redaktion: FiNet setzt auf Vergleichsplattform comparit

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler

 

 

Digital Insurance Podcast: KI-Agenten-Jahr 2026

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcast dreht sich wieder alles um das Thema künstliche Intelligenz. Jonas Piela und Thomas Fröhlich sprechen über KI-Agenten, neue Interfaces und die Überlegenheit von Claude gegenüber ChatGPT.

In der neuesten Ausgabe des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela den Experten Thomas Fröhlich zu einem umfassenden KI-Update. Das Gespräch verdeutlicht einen signifikanten Wendepunkt in der Entwicklung künstlicher Intelligenz: weg von der reinen Chat-Interaktion hin zu einer tieferen Integration in bestehende Arbeitsprozesse durch die Rückkehr klassischer Benutzeroberflächen.

Vom Zauberstab zum Werkzeugkasten

Thomas Fröhlich beobachtet eine Renaissance von Knöpfen, Reglern und Dropdown-Menüs innerhalb führender KI-Tools wie Claude von Anthropic, Google Workspace und Microsoft Copilot. Während die erste Welle der KI-Adoption stark auf die Interaktion per Chat setzte, zeigt sich nun, dass die reine Texteingabe viele Nutzer vor Hürden stellt. Die Einführung strukturierter Steuerungselemente senkt die Eintrittsbarriere erheblich, da sie dem Nutzer konkrete Handlungsoptionen aufzeigen, anstatt ihn vor einem leeren Textfeld allein zu lassen. Fröhlich vergleicht diese Entwicklung mit der Evolution von Flugbuchungssystemen, die einst nur von Spezialisten über Kommandozeilen bedient werden konnten und heute für jeden intuitiv per App zugänglich sind.

Der KI-Kollege als Azubi im Team

Ein zentrales Thema des Podcasts ist die Wahrnehmung der KI als digitaler Mitarbeiter. Fröhlich plädiert dafür, eine KI wie einen hochgebildeten Auszubildenden zu betrachten. Dieser verfügt zwar über enormes theoretisches Wissen, kennt aber weder die spezifischen Unternehmensprozesse noch die individuelle Arbeitsweise seiner Kollegen. Der Erfolg beim Einsatz von KI hänge massiv davon ab, ob man bereit ist, Zeit in das „Anlernen“ zu investieren. Dies erfordert laut Fröhlich ein Mindset von „Trial and Error“, bei dem Ergebnisse analysiert und Prompts kontinuierlich verfeinert werden, um die gewünschte Reproduzierbarkeit zu erreichen.

Effizienzsteigerung durch Spezialisierung

Die Experten diskutieren zudem über den Trend zu spezialisierten KI-Agenten, die über die reine Texterstellung hinausgehen. Ein Beispiel hierfür ist Claude Co-Work, das es ermöglicht, interaktive Apps und Strukturen direkt aus der KI-Interaktion heraus zu generieren. Für die Versicherungswirtschaft bietet dies enorme Potenziale, etwa beim Onboarding neuer Mitarbeiter oder bei der Analyse komplexer Vertragswerke. Die KI wird hierbei zum Sparringspartner, der nicht nur Texte schreibt, sondern aktiv beim Durchdenken von Problemen hilft und maßgeschneiderte Lösungen präsentiert, die weit über einfache Bulletpoint-Listen hinausgehen.

Ausblick auf das Jahr der Agenten

Abschließend blicken Jonas Piela und Thomas Fröhlich auf den weiteren Verlauf des Jahres 2026, das bereits als das Jahr der KI-Agenten proklamiert wurde. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der reinen Leistungsfähigkeit der Sprachmodelle hin zur nahtlosen Integration in tägliche Workflows. Die Botschaft an die Branche ist klar: Um von der Automatisierung zu profitieren, ist die tägliche Nutzung und das Experimentieren mit KI unerlässlich. Nur wer den Weg vom einfachen Chatten über das präzise Prompting bis hin zur Prozessautomatisierung aktiv mitgeht, wird die Effizienzvorteile der neuen Technologie voll ausschöpfen können.

Hier geht es zur aktuellen Folge: AI & Automation Update
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts