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Digital Insurance Podcast: Der verglaste Kunde?

In der neuen Folge des Digital Insurance Podcast sind Nina Schmal, Vorständin für Kundenmanagement und neue Geschäftsmodelle, sowie André Nakonetzki, Bereichsleiter Kunde und Marke bei der Provinzial, zu Gast bei Jonas Piela. Sie sprechen über das transformative Potenzial von KI.

Wie smarte Datenmodelle den Graben zwischen Digital- und Stationsgeschäft schließen – unter diesem Motto steht die aktuelle Episode des „Digital Insurance Podcast“. Moderator Jonas Piela blickt gemeinsam mit Nina Schmal, Vorständin für Kundenmanagement und neue Geschäftsmodelle, sowie André Nakonetzki, Bereichsleiter Kunde und Marke bei der Provinzial, auf das transformative Potenzial künstlicher Intelligenz in der Versicherungsbranche. Während das Thema KI in vielen Unternehmen derzeit primär unter dem Aspekt der Effizienzsteigerung und Produktivität im Back-Office diskutiert wird, zeigt die Provinzial einen strategisch weitreichenderen Ansatz. Das Unternehmen nutzt die Technologie gezielt, um die Interaktion mit den Kunden neu zu gestalten und eine echte Verzahnung zwischen digitalen Neukundengeschäften und einer stationären Bestandsdurchdringung zu etablieren.

Die Evolution der Kundenbindung im digitalen Wandel

Die Experten der Provinzial betonen, dass KI weit mehr als ein reines Rationalisierungswerkzeug ist. Sie fungiert vielmehr als Katalysator, um die traditionell komplexen und oft als intransparent wahrgenommenen Prozesse der Versicherungsbranche verbraucherfreundlicher zu gestalten. Durch den gezielten Einsatz von Daten und Algorithmen wird es möglich, Kundenbedürfnisse präziser zu antizipieren und Ansprachen im Sinne einer Hyperpersonalisierung zu individualisieren. Das Ziel ist eine hybride Beziehungsebene: Während rein transaktionale Prozesse wie Adressänderungen vollständig automatisiert und damit schneller abgewickelt werden, bleibt der persönliche Berater für komplexe Anliegen und emotionale Themen wie die Schadenregulierung unverzichtbar. KI unterstützt die Vermittler hierbei durch eine fundierte Kontextbereitstellung und qualifizierte Beratungsimpulse.

Datenkonsolidierung als Fundament für den Vertrieb der Zukunft

Um diese Vision einer nahtlosen Customer Journey zu realisieren, treibt die Provinzial die Konsolidierung ihrer Datenbestände maßgeblich voran. Über ein zentrales System, den sogenannten Customer Data Hub, werden Bestandsdaten aus verschiedenen Unternehmensbereichen auf einem Data Lake zusammengeführt. Im nächsten Schritt erfolgt die Verknüpfung mit den Haushalts- und Partnerdaten der Vertriebspartner vor Ort. Durch diese ganzheitliche Datengrundlage, die künftig auch verhaltensbasierte Daten einschließen soll, können Vermittler im Vertrieb fundiertere und kontextbezogene Gespräche führen. Statt reiner Masse an Kontaktdaten erhalten die Vertriebspartner hochqualifizierte Hinweise, was die Relevanz der Kundenansprache steigert und die Conversion-Chancen optimiert.

Der Faktor Mensch in der technologischen Transformation

Trotz der rasanten technologischen Entwicklung unterstreichen die Verantwortlichen, dass der Erfolg von KI-Projekten maßgeblich von den beteiligten Menschen abhängt. Um Berührungsängste abzubauen und neue Kompetenzen aufzubauen, investiert die Provinzial kontinuierlich in das Re-Skilling ihrer Mitarbeitenden. Die Einführung neuer Tools, wie intelligenterer Chatbots oder digitaler Risiko-Checks, wird eng von messbaren Kennzahlen wie der Kundenzufriedenheit (NPS) und der Servicequalität begleitet. Der Wandel im Berufsbild des Vermittlers wird dabei als Chance begriffen, administrative Aufgaben zu reduzieren und wertvolle Freiräume für die eigentliche Kernkompetenz zu gewinnen: die persönliche und vertrauensvolle Kundenberatung.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Marketing mit KI: So sparen Makler Tausende Euro

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

Der Einsatz von KI im Maklerbüro ist nach wie vor mit Herausforderungen verbunden. Insbesondere dann, wenn Kundendaten mit KI verarbeitet werden. Doch es gibt einen Bereich, in dem KI extrem viel Zeit und Kosten spart, ohne dass sensible Kundendaten im Spiel sind und ohne dass sich der Makler auf rechtliches Glatteis begibt: Marketing und Vertrieb mit KI.

Warum Marketing durch KI heute anders funktioniert

Bilder, Fotos, Videos, Avatare, Lead-Magneten, Landingpages und sogar komplette Kampagnen lassen sich heute ohne externe Agenturen und ohne großen Aufwand mithilfe von künstlicher Intelligenz erstellen.

Dadurch sparen sich Makler mehrere tausend Euro pro Jahr. Was früher Wochen gedauert hat, entsteht heute in wenigen Minuten mit einem Prompt. Und durch KI spart der Makler neben Zeit auch mehrere Tausend Euro. Allein für Marketing-Basics geben Maklerbüros ohne eigenes Marketingteam schnell 3.000 bis über 10.000 Euro pro Jahr aus. Mit den richtigen KI-Tools lässt sich ein Großteil davon für einen Bruchteil der Kosten selbst umsetzen, manches sogar kostenlos.

Und da man sich jetzt sogar selbst mit KI digital klonen kann und unglaublich realistische Businessfotos und auch Videos mit seinem KI-Avatar erstellen kann, brauchen Makler sich für den eigenen Marketingauftritt nicht einmal mehr selbst vor die Kamera zu stellen.

Der wichtigste Hebel: Der richtige Prompt

KI-Plattformen wie ChatGPT, Canva AI und ähnliche Tools arbeiten auf Basis von Prompts, also klar formulierten KI-Befehlen.

Ein guter Prompt entscheidet darüber, ob ein Lead-Magnet wirklich Aufmerksamkeit erzeugt und zur Kontaktaufnahme führt oder ob lediglich ein optisch ansprechendes, aber wirkungsloses Ergebnis entsteht. Wichtig dabei ist: Nur weil Inhalte schnell erstellt werden können, bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch zum gewünschten Ziel führen.

Genau hier kann KI erneut unterstützen. Inhalte lassen sich analysieren, optimieren und aus verschiedenen Perspektiven bewerten. KI kann dabei beispielsweise die Rolle eines Marketingstrategen, Vertriebsprofis, Werbetexters, Designers oder eines kritischen Endkunden übernehmen. Diese Technik wird auch Role-Play-Prompting genannt. Mit den richtigen Prompts holt man sich damit ein komplettes digitales Marketingteam an den Tisch. Und wer versteht, wie künstliche Intelligenz trainiert wurde und woher die Antworten von ChatGPT und Co. stammen, versteht auch besser, worauf es in der Kommunikation mit KI ankommt, und erzielt mit KI Ergebnisse, die den eigenen Marketingauftritt und den Vertrieb spürbar verändern können.

Vibe Coding: Ein relativ neuer Begriff aus der KI-Welt

Immer häufiger fällt im Zusammenhang mit KI auch der Begriff Vibe Coding. Gemeint ist damit, dass Nutzer einer KI in natürlicher Sprache beschreiben, was entstehen soll, und die KI daraus eigenständig den passenden Code erstellt.

Gerade bei Landingpages, kleinen Apps oder digitalen Tools kommt dieses Prinzip bereits heute zum Einsatz. Der Makler beschreibt der KI lediglich den gewünschten Ablauf oder den „Vibe“. Die KI erstellt daraus die technische Umsetzung. Oft lassen sich die Ergebnisse anschließend einfach per weiterem Prompt anpassen, ohne selbst programmieren zu müssen. Genau darin liegt aktuell einer der größten Vorteile moderner KI-Systeme im Marketing und Vertrieb.

Vorstellungskraft als neuer Makler-Skill

Egal, ob mit klassischen Prompts oder im Sinne von Vibe Coding gearbeitet wird: Eine der wichtigsten Fähigkeiten im KI-Marketing ist die Vorstellungskraft. Denn KI setzt das um, was ihr vorgegeben wird. Wer sich klar vorstellen kann, wie ein Lead-Magnet aussehen soll, welche Zielgruppe angesprochen wird und welche Reaktion ausgelöst werden soll, erzielt deutlich bessere Ergebnisse. Ohne dieses Zielbild entstehen oft Inhalte, die zwar gut aussehen, aber keine Wirkung haben: ein schöner Post ohne Anfragen oder eine Landingpage ohne Terminbuchungen.

Automatisierte Leads mit künstlicher Intelligenz

Besonders spannend ist der Blick auf die Leadgewinnung mithilfe von KI. Viele Makler kaufen externe Leads ein und sind teilweise unzufrieden mit der Qualität. Doch mit KI lassen sich heute eigene Leadstrecken vom ersten Kontakt bis zur Terminvereinbarung selbst aufbauen.

Eine Leadstrecke startet häufig mit einem sogenannten Lead-Magneten. Dieser kann ganz unterschiedlich aussehen – vom Flyer über Social-Media-Beiträge bis hin zu Videos oder digitalen Leitfäden. Mit den richtigen KI-Tools lässt sich die komplette Leadstrecke in weniger als 20 Minuten ganz einfach selbst erstellen.

Die richtigen KI-Tools auswählen

Viele Makler gehen davon aus, dass sie eine Vielzahl an KI-Tools benötigen, und sind durch die Flut neuer Anwendungen oft überfordert. Dabei lässt sich ein großer Teil des Maklermarketings bereits über Plattformen wie Canva AI abbilden. Vom Lead-Magneten über Landingpages bis hin zur Überleitung in den eigenen Terminkalender kann vieles zentral umgesetzt werden.

Ein Log-in am Morgen und die komplette Marketing- und Vertriebsumgebung steht bereit. In den KI-Workshops der KI-Vertriebsakademie erfahren Makler Schritt für Schritt und praxisnah, wie sich automatisierte Leadstrecken mit KI selbst aufbauen lassen und welche KI-Tools für Makler wirklich sinnvoll sind.

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Wenn KI Vorurteile lernt: Lösungen kommen aus der Branche

KI-Systeme entscheiden längst über Prämien, Anträge und Personal. Viele davon unfair. Was dabei sichtbar wird, ist weniger ein Technologieproblem als ein Abbild gesellschaftlicher Muster. Ausgerechnet die Versicherungsbranche hat die Werkzeuge, um damit umzugehen.

Ein Artikel von Stefanie Weidner, Leitung Unternehmensentwicklung bei GründerFinanz und Unternehmerin

Im Oktober 2025 war ich Panelistin bei FemSurance auf der DKM. Dort kam eine unbequeme Frage auf: Was macht ein KI-­Bewerbungs­tool, das auf Basis von 20 Jahren Entscheidungspraxis deutscher Konzerne trainiert wurde? Die Antwort ist simpel und ernüchternd: Es lernt, wie bisher entschieden wurde. Nicht, wie entschieden werden sollte.

Der Algorithmus, der zu genau gearbeitet hat

Amazon hat genau das bereits 2018 erlebt. Reuters deckte damals einen Fall auf: Ein intern entwickeltes KI-Tool für die Bewerbungsvorauswahl bewertete Frauen systematisch schlechter. Der Grund lag nicht im Code, sondern in den Trainingsdaten: zehn Jahre interne Bewerbungshistorie, männerdomi­niert. Das Tool war nicht kaputt. Es war so präzise, wie es gebaut wurde.

Ähnliche Systeme laufen in­zwischen in deutschen Versi­che­rungshäusern, Maklerbetrieben und HR-Abteilungen. Meist ein­geführt unter der stillschwei­genden Annahme, dass Maschinen objektiver entscheiden als Men­schen. Diese Annahme stimmt eben nur zum Teil.

Datenerbe statt Datenfehler

Künstliche Intelligenz lernt aus Daten. Daten sind dokumentierte Vergangenheit. Dazu gehören zum Beispiel: Gehaltsentscheidungen der letzten fünfzehn Jahre, Annahmequoten bei Berufsunfähigkeitsanträgen nach Geschlecht oder Beförderungspraxis in Führungsetagen. Wer ein Modell trainiert, füttert es mit genau dieser Historie.

Nicht das Erkennen gesellschaftlicher Muster durch KI ist eigentlich das Problem. Proble­matisch wird es, wenn sie diese Muster reproduziert und gleichzeitig als Prognose ausgibt. Ein Algo­rithmus, der auf der Grundlage von 20 Jahren männerbesetzten Führungsposi­tionen trainiert ist, prognostiziert genau das: Männer in Führungs­positionen. Nicht aus Überzeugung, sondern wegen der Statistik der Vergangenheit.

Das versteckte Problem: Proxy-Diskriminierung

Direkte Diskriminierung ist mittlerweile verboten. Kaum ein seriöses KI-System nutzt Geschlecht oder Herkunft als Trainingsmerkmal. Das beruhigt viele An­wender:innen. Leider zu Unrecht. Denn Bias schleicht sich über Umwege ein. Postleitzahl korreliert mit Herkunft und Einkommen. Berufsbezeichnung korreliert mit Geschlecht. Name mit vermuteter Nationalität. Ein Modell, das mehrere dieser Merkmale kombi­niert, landet am Ende bei einer Entscheidung, die sich wie Diskriminierung anfühlt – und es auch ist. Nur eben ohne das verbotene Merkmal im Input.

Für die Versicherungsbranche ist dieser Punkt besonders heikel. Ein Kfz-Tarif, der über eine Telematik-Box das tatsächliche Fahrverhalten misst – Bremsstärke, Beschleu­nigung, Nachtfahrten – und daraus die Prämie ableitet, basiert auf einer nachvollziehbaren Risikoeinschätzung. Ein Tarif, der bestimmte Postleitzahlen systematisch höher bepreist und dabei Stadtteile mit hohem Migra­tionsanteil trifft, ist etwas anderes. Der Unterschied ist mathematisch oft klein, juristisch und gesellschaftlich ist er groß.

Warum die Branche hier einen Vorsprung hat

Und jetzt zur Versicherungs­branche: Risikodifferenzierung ist das Kerngeschäft seit über einem Jahrhundert. Aktuarinnen und Aktuare unterscheiden seit Generationen zwischen statistisch rele­vanter Differenzierung und unfairer Benachteiligung. Keine andere Branche hat so viel Erfahrung mit genau dieser Grenzziehung.

Dazu kommt die Regulierung. Der EU AI Act stuft KI-Systeme zur Risikobewertung und Preisgestaltung in der Lebens- und Krankenversicherung explizit als Hochrisiko-Anwendung ein (Anhang III Nr. 5 Buchstabe c der KI-Verordnung). Für die betroffenen Bereiche heißt es: Fairness-­Prüfungen dokumentieren, Datenqualität nachweisen, Diskrimi­nierungsrisiken aktiv prüfen. Das ist ab Inkrafttreten Pflicht.

Versicherer sind es gewohnt, Risiko in Zahlen zu übersetzen. Genau das braucht Fairness-Auditierung auch. Metriken, Schwellenwerte und Modellvergleiche: Wer versicherungsmathematisch denkt, bringt für Fairness-Auditierung die passende Denkweise mit.

Wie sich versteckter Bias aufspüren lässt

Wer wissen will, ob ein System fair entscheidet, muss es testen. Outcome-Analysen nach Ge­schlecht, Alter, Herkunft und weiteren Merkmalen. Nicht nur einmalig zur Einführung, sondern regelmäßig. Testdatensätze mit identischen Profilen, die sich nur in einem geschützten Merkmal unterscheiden, zeigen innerhalb weniger Minuten, ob das Modell anders entscheidet, als es sollte.

Ebenso wichtig sind externe Fairness-Audits. Interne Teams haben einen blinden Fleck für Muster, die sie selbst erzeugt haben. Eine zweite Meinung kostet Geld und ist unbequem. Sie spart aber Klagen, regulatorische Eingriffe und Vertrauensverluste in der Kundschaft.

Wie sich Bias in der Entwicklung vermeiden lässt

Drei Hebel zählen. Erstens: diverse Teams im Training. Wer Modelle baut, beeinflusst, welche Merkmale einfließen, welche Tests laufen und welche Ergebnisse als normal gelten. Homogene Teams übersehen homogen. Zweitens: eine diverse und aktuelle Daten­basis. Wer ein Modell mit Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre füttert, schreibt genau diese Muster fort. Gezielte Rebalancierung der Trainingsdaten ist technisch möglich und wird in der Praxis zu selten genutzt. Drittens: menschliche Letztentscheidung bei Einzelfällen. Automatisierung hilft bei Skalierung. Für sensible Entscheidungen über Personen bleibt ein menschliches Korrektiv sinnvoll.

Fazit: Ignorieren geht nicht mehr

Bias in der KI lässt sich selten mit besserer Technik lösen. Er sitzt in den Daten und damit in Entscheidungsmustern, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Das Unangenehme: Ignorieren geht nicht mehr, weil Bias jetzt messbar ist. Das Nützliche: Korrigieren geht aus genau demselben Grund.

Die Versicherungswirtschaft ist die einzige Branche, die Risiko seit über einem Jahrhundert mathe­matisch präzise von Diskrimi­nierung trennt. Aktuarielles Know-how, regulatorische Erfahrung und Praxis in der fairen Risikodifferenzierung sind bereits vorhanden. Die Frage ist nicht, ob Fairness in der Versicherungswirtschaft geprüft wird. Die Frage ist, ob die Branche den Standard selbst setzt oder ihn anderen überlässt.

Lesen Sie auch: Versicherungen und Psychologie: Was Makler beachten sollten

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Digital Insurance Podcast: Google IO Visual

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcast dreht sich wieder alles um das Thema künstliche Intelligenz und Automation. Jonas Piela und Thomas Fröhlich sprechen über Ankündigungen der jüngsten Google I/O 2026.

In der neuesten Ausgabe des Digital Insurance Podcast beleuchtet Moderator Jonas Piela gemeinsam mit KI-Experte Thomas Fröhlich die bahnbrechenden Ankündigungen der jüngsten Google I/O 2026. Die Episode verdeutlicht eindringlich, wie rasant sich die technologische Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz beschleunigt. Im Zentrum der Diskussion steht das besorgniserregende Delta zwischen den revolutionären Möglichkeiten der globalen Tech-Giganten und dem digitalen Umsetzungsstand innerhalb der traditionellen Versicherungswirtschaft.

Technologische Quantensprünge durch Google Omni und Gemini Spark

Thomas Fröhlich analysiert die neuesten Modellvorstellungen und hebt dabei insbesondere das kosteneffiziente Modell Gemini Flash sowie die neuen agentischen Funktionen hervor. Mit Tools wie Google Omni, das die nahtlose Transformation jeglicher Medienformate ermöglicht, und Gemini Spark – Googles intuitiver Antwort auf fortgeschrittene KI-Assistenten – wird die Brücke zwischen komplexer Entwicklertechnologie und alltagstauglicher Anwendung geschlagen. Diese Innovationen erlauben es Systemen, in autonomen, mehrstufigen Workflows agieren zu können. Sie hinterfragen sich selbst, optimieren Ergebnisse im Hintergrund und arbeiten Hand in Hand mit anderen KI-Agenten. Damit verändert sich die Rolle des menschlichen Mitarbeiters grundlegend hin zu einer reinen Supervisoren- und Führungskraftfunktion.

Herausforderung für Versicherer: Vom Kulturwandel zur Datenqualität

Das Kernproblem der Versicherungsbranche liegt laut den Podcast-Teilnehmern nicht primär in der Verfügbarkeit der Technologie, sondern in der internen Adaption und der Qualität der eigenen Daten. Während Angestellte im privaten Umfeld KI-Tools bereits ganz selbstverständlich nutzen, stagniert die Einführung im beruflichen Alltag oft an bürokratischen Hürden oder mangelnder Bereitschaft zur Prozessänderung. Piela und Fröhlich sind sich einig, dass reine Onlinekurse oder theoretische Anweisungen verpuffen. Um das drohende Delta zu schließen, müssen Mitarbeiter durch praxisnahes Coaching direkt am eigenen Arbeitsplatz erleben, wie KI ihre täglichen Abläufe entlasten kann. Erst durch diese praktische Anwendung entsteht das Bewusstsein, dass eine KI nur so gut performen kann, wie die zugrunde liegende Datenstruktur des Unternehmens. Versicherer müssen daher dringend ihre Hausaufgaben in der Datenpflege und im Change Management machen, um den Anschluss an den Markt nicht endgültig zu verlieren.

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Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Qualitypool mit neuem Vergleichsrechner

Ab sofort können die angebundenen Vertriebspartner von Qualitypool die neue Vergleichstechnologie von Smart InsurTech nutzen. Der Vollsortiment-Rechner Smart Compare wurde umfassend überarbeitet und in das bestehende technologische Angebot des Lübecker Maklerpools eingebunden.

Der Lübecker Maklerpool Qualitypool hat die neue Vergleichstechnologie aus dem Hause Smart InsurTech in sein Angebot integriert. Mit der neuen Smart Compare-Generation steht angebundenen Vertriebspartnern von Qualitypool nun ein Vollsortiment-Rechner zur Verfügung, der alle privaten Versicherungsarten ohne Systembruch in einem Workflow zusammenfügt. Laut Andrea Föllmer, Geschäftsführerin der Qualitypool Versicherungsmakler Service GmbH, seien über 300 angebundene Versicherungen und rund 80.000 Tarife für die Makler abschließbar.

Der neue Smart Compare-Rechner trennt klar zwischen Berechnung und Antragsprozess. Zu Beginn ist nur die Eingabe der Daten notwendig, die für die tatsächliche Berechnung erforderlich sind. Somit verringert sich der Aufwand für die Datenerfassung deutlich. Zudem wurde die Weboberfläche neu bzw. noch nutzerfreundlicher gestaltet, wie Qualitypool mitteilt.

Der überarbeitete Vergleichsrechner wurde von der Smart InsurTech AG entwickelt und steht für angebundene Vermittler ab sofort im Live-Modus bereit. Der Rechner soll kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Im November 2025 hat Qualitypool seine Geschäftsbereiche in zwei spezialisierte Gesellschaften aufgeteilt, wie AssCompact berichtete: Die Qualitypool GmbH umfasst den Finanzierungsmaklerpool, während die Qualitypool Versicherungsmakler Service GmbH den Versicherungsmaklerpool verantwortet. Die Qualitypool Versicherungsmakler Service GmbH besteht aus den bisherigen Einheiten Qualitypool Versicherung und der 2022 vollständig übernommenen AMEXPool AG. Die Smart InsurTech AG zählt wie die Qualitypool Versicherungsmakler Service GmbH zum Unternehmensnetzwerk der Hypoport SE. (tik)

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Warum Vertriebserfolg am Prozess scheitert, nicht am Produkt
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KI im Maklervertrieb: Interaktion zwischen Mensch und KI stärken

Im Maklervertrieb hält künstliche Intelligenz Einzug. Welche Mehrwerte auf der einen und Risiken auf der anderen Seite ergeben sich dadurch? Ersetzt die neue Technologie mittelfristig Teile der Beratung und schwächt somit perspektivisch die Rolle des Vermittlers?

Interview mit Prof. Dr. Heiko Beier, Gründer des KI-Unternehmens moresophy, und Dr. Thomas Wolf, Managing Director von twinBAIT
Herr Dr. Wolf, wie steht es aus Ihrer Sicht derzeit um den Einsatz von KI?

Dr. Thomas Wolf Das strategische Potenzial von KI nutzbar zu machen und in ein klares Zielbild sowie eine konkrete Umsetzungsagenda zu überführen, ist aktuell das Megathema, das jede Versicherungsgesellschaft nahezu täglich beschäftigt. Allerdings befinden wir uns noch in einer Phase, in der viele Unternehmen bei der Umsetzung lediglich an der Oberfläche kratzen. Anwendungen wie Chatbots, Dashboards oder KI-gestützte Insights sind zwar gut gemeint, werden aber häufig eingesetzt, ohne zuvor die kontextbezogenen Daten tiefgehend zu analysieren und zu strukturieren. Das ist wenig zielführend. Gleichzeitig steigt der Kostendruck auf Versicherer in mehrfacher Hinsicht: Sie müssen den quantitativen und qualitativen Anforderungen aus Solvency II gerecht werden und zusätzlich aufwendige regulatorische Themen wie DSGVO, DORA, FiDA sowie indirekt Cybersicherheitserweiterungen aus NIS-2 bewältigen. Diese schlagen direkt auf die laufenden Betriebskosten durch, etwa durch höhere Personalkosten infolge zusätzlicher Reporting-, Dokumentations- und Auditpflichten in den Risiko-, Compliance- und Berichtsfunktionen.

Regulatorische Reporting-Plattformen mit KI setzen genau hier an: Sie automatisieren die Erstellung von Berichten wie SFCR, QRTs oder ORSA und verknüpfen dabei Daten, Berechnungen und narrative Texte. Dadurch kann der Aufwand um 40 bis 50% reduziert werden. Gleichzeitig können Dokumentationen automatisiert ergänzt, Vorgaben kontinuierlich mit aktuellen Regelwerken abgeglichen und erklärbare Zusammenhänge zwischen Regelwerken und Prozessen hergestellt werden, was zu weiteren Entlastungen auf der Kostenseite führt.

Letzteres gilt stellvertretend auch für zahlreiche weitere Funktionsbereiche in Unternehmen, etwa im Schaden, im operativen Betrieb oder in der Unternehmenssteuerung bzw. im Controlling.

Herr Prof. Dr. Beier, wo entsteht im Maklervertrieb heute messbarer wirtschaftlicher Nutzen?

Prof. Dr. Heiko Beier Der größte Nutzen entsteht dort, wo hohe Volumina auf komplexe Datenstrukturen treffen. Ein konkreter Return on Investment (ROI) lässt sich derzeit vor allem durch die Automatisierung von Routineaufgaben erzielen. Ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn ein Versicherer im Maklerkanal jährlich etwa 50.000 Vorgänge bearbeitet, die jeweils zehn Minuten Recherche erfordern, kann eine hybride KI-Lösung bei einer Automatisierungsquote von 30 bis 50% zwischen 2.500 und 4.200 Arbeitsstunden pro Jahr einsparen. Das entspricht fast zwei Vollzeitstellen. Mitarbeitende können sich dadurch auf komplexere und lukrativere Fälle konzentrieren.

Wie können Makler KI möglichst effizient einsetzen?

HB Im Maklergeschäft lohnt es sich, klar zwischen Massengeschäft und hochkomplexen Individualrisiken zu unterscheiden.

Im Komposit- und B2C-Geschäft liegt der größte Hebel zunächst in der Effizienz an der Kundenschnittstelle: KI kann Prozesse von der Lead-Qualifizierung über die Antragsprüfung bis hin zur Schadenbetreuung deutlich beschleunigen. Das erhöht nicht nur den Durchsatz, sondern verbessert auch die Servicequalität, die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung. Besonders wirksam sind hybride Lösungen, die unstrukturierte Kommunikation wie E-Mails, Notizen oder Dokumente mit strukturierten Bestands- und Vertriebsdaten verbinden. Denn klassische Business Intelligence beantwortet meist nur das „Was“, während reine LLMs oft nur das „Warum“ in Textform liefern.

Der hybride Ansatz verbindet beides und macht daraus operativ nutzbare Entscheidungsgrundlagen. So lassen sich Fragen wie „Warum verlieren wir Deals?“ oder „Welche Angebote vereinen Kundenakzeptanz und Rentabilität?“ kontinuierlich fundiert beantworten.

Bei komplexen Risiken, etwa im Industriegeschäft, ist der Wert spezialisierter Daten noch höher, da individuelle Risikosituationen bewertet werden müssen. Voraussetzung ist hier zunächst die effiziente Erfassung und Auswertung aller relevanten Unterlagen – von Antragsdokumenten bis hin zu externen Umfelddaten wie Karten- oder Luftbildinformationen. Darauf aufbauend kann KI Entscheidungen durch den Abgleich mit Prüfhistorien, Vergleichsfällen und weiteren Risikodaten deutlich besser absichern.

Im Ergebnis profitieren Makler auf mehreren Ebenen zugleich: durch Zeit- und Kosteneinsparungen, eine höhere Prozessqualität, eine bessere Bestandsstabilität und eine insgesamt ertragsstärkere Risikoselektion.

Wie lässt sich aus den Daten ein konkreter Mehrwert ziehen?

TW Versicherungen sind im Kern ein Datengeschäft. Ein Mehrwert entsteht also dann, wenn im Vertrieb die vorhandenen Daten über Kunden, Geschäftspartner, Zielgruppen, Absatzkanäle und Produktsegmente konsequent gehoben werden. Der eigentliche Mehrwert verschiebt sich mittels KI aber von der Insight-Generierung zur Fähigkeit, aus diesen Erkenntnissen eine Kompetenzerhöhung für skalierbare Geschäftsmodelle zu ermöglichen. KI wird zum Enabler für Wachstum und Transformation.

Eine „One size fits all“-Lösung wird dabei nicht funktionieren. Vielmehr werden Versicherer erst durch die gezielte Kuratierung ihrer eigenen Daten sowie deren Anreicherung mit Marktdaten oder soziodemografischen Merkmalen in die Lage versetzt, beispielsweise präzise Personas abzubilden und darauf aufbauend passende Customer Journeys zu entwickeln.

Ich betone das bewusst, weil ich davon überzeugt bin, dass in einer Welt zunehmend austauschbarer Produkte die Customer Experience den entscheidenden vertrieblichen Vorteil liefert, um sich positiv vom Wettbewerb abzuheben. Agentic AI übernimmt dabei einen Teil der komplexen Hintergrundarbeit, indem sie Lösungen autonom vorbereitet.

HB Ganz genau. Um diesen Mehrwert zu realisieren, müssen aber zunächst Datenmuster über alle Touchpoints hinweg erfasst, verknüpft und analysiert werden, also sowohl qualitative Texte als auch quantitative Kennzahlen.

Im Maklervertrieb wirken kontinuierlich unstrukturierte Informationen wie E-Mails oder Gesprächsnotizen mit harten KPIs wie Storno- oder Schadenquoten zusammen. Eine hybride KI, die qualitative und quantitative Daten miteinander verbindet, kann beispielsweise Fragen beantworten wie: „Welche Maklerbestände zeigen steigende Stornoquoten und aus welchen Gründen?“

Durch das Aufbrechen von Datensilos wird das gesamte Unternehmenswissen zentral nutzbar gemacht und direkt in „Next Best Actions“, also konkrete Handlungsempfehlungen für den Vertrieb, übersetzt.

Welche Risiken ergeben sich durch generative KI im Maklerumfeld – etwa im Hinblick auf Haftung? Anders gefragt: Wo sehen Sie wiederum Grenzen?

TW Halluzinationen sind ein massives Risiko. LLMs neigen dazu, bei Unsicherheit eher zu raten, als Unwissen zuzugeben. Solche syntaktisch korrekten, aber faktisch falschen Aussagen sind oft schwer zu erkennen, können aber in der Beratung fatale Folgen haben.

HB Hinzu kommen regulatorische Grenzen. Artikel 22 der DSGVO stellt extrem hohe Anforderungen an die Erklärbarkeit und Reproduzierbarkeit automatisierter Entscheidungen, insbesondere dann, wenn diese rechtliche Wirkung entfalten. Da LLMs rein statistisch arbeiten, können sie oft nicht kausal erklären, warum eine bestimmte Antwort generiert wurde. Versicherer sollten deshalb auf „Trusted AI“ setzen, die im Zweifelsfall lieber transparent zugibt, dass keine verlässliche Antwort möglich ist, anstatt zu halluzinieren.

Ersetzt KI mittelfristig Teile der Maklerberatung an der Schnittstelle zum Kunden?

HB Aus meiner Sicht geht es weniger um einen vollständigen Ersatz der Beratung, sondern um die Automatisierung volumenstarker und dokumentenintensiver Routineprozesse. Maklerprozesse sind oft heterogen und zeitaufwendig. Hier können hybride KI-Agenten die Arbeit massiv streamlinen und so eine gute Balance zwischen technischem Fortschritt und menschlicher Interaktion schaffen.

TW KI ist leistungsstark, keine Frage. Sie kann Erkenntnisse beschleunigen, Prozesse automatisieren und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Aber sie funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem Menschen. Die persönliche Expertise an der Schnittstelle zum Kunden bleibt ein zentraler Bestandteil des Maklergeschäfts. KI ist ein Hilfsmittel zur Unterstützung, aber kein Ersatz für die menschliche Interaktion. Wenn Fingerspitzengefühl, Empathie und Intuition gefragt sind, ist und bleibt der Mensch unschlagbar!

Unterstützendes Change-Management ist insofern nicht verhandelbar: Alle Beteiligten müssen in diesen Veränderungsprozess eingebunden werden, um Ängste – etwa vor Arbeitsplatzverlust durch KI – abzubauen. Es braucht Klarheit darüber, dass KI die komplexe Hintergrundarbeit übernimmt, damit der Mensch an der Kundenschnittstelle seine Stärken voll ausspielen kann. So entsteht eine Win-win-Situation zwischen Mensch und Maschine und wird zum Gamechanger.

Schwächt oder stärkt die neue Technologie perspektivisch die Rolle des Vermittlers?

TW Wenn die Technologie zielgerichtet in die Use Cases der Vermittler integriert wird, stärkt sie deren Rolle massiv. KI versetzt den Vertrieb in die Lage, anspruchsvollere, expertennahe Tätigkeiten auszuüben, während die Maschine die Routine übernimmt. Darüber hinaus ermöglichen Algorithmen eine vorausschauende Identifikation potenzieller Kundenanliegen. Auf dieser Basis entstehen konkrete Anlässe für eine proaktive Kontaktaufnahme.

HB Die Technologie wird die Rolle des Vermittlers eindeutig stärken, sofern er auf hybride KI-Ansätze setzt. Die Kombination aus analytischen Verfahren und generativen Sprachmodellen führt zu präzisen „Next Best Actions“, die direkt in den Vertriebsprozess zurückgespielt werden können.

KI-gestützte Konsistenzchecks können zudem überproportional hohe Rabatte aufdecken und Stornoquoten senken, was unmittelbar zum wirtschaftlichen Erfolg des Vermittlers beiträgt. KI fungiert somit als Werkzeug für einen echten Return on Investment und macht die Beratung insgesamt datengestützter und damit professioneller.

 

KI im Maklervertrieb: Interaktion zwischen Mensch und KI stärken

 

Lesetipp der Redaktion: Automatisierung, KI und Pools: Was die junge Maklerbranche bewegt

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Digital Insurance Podcast: Spagat zwischen Tradition und Tech

In der neuesten Ausgabe des „Digital Insurance Podcast“ spricht Moderator Jonas Piela mit Christian Senft, Vorstandsvorsitzender der Gartenbau-Versicherung. Im Gespräch erläutert Christian Senft, warum die Gartenbau-Versicherung auf Drohnen-Scans und künstliche Intelligenz setzt.

In der aktuellen Episode des „Digital Insurance Podcast“ begrüßt Moderator Jonas Piela einen Gast, der den Spagat zwischen traditionsreichem Vereinswesen und datengetriebener Zukunft meisterhaft beherrscht: Christian Senft, Vorstandsvorsitzender der Gartenbau-Versicherung. Das Gespräch verdeutlicht, dass radikale Mitgliederorientierung und technologische Innovation keineswegs im Widerspruch stehen müssen, sondern die Basis für den Erfolg in einer hochspezialisierten Marktnische bilden.

Eine Nische mit beeindruckenden Kennzahlen

Christian Senft, selbst studierter Gartenbauingenieur, führt eine Versicherung, die mit einer Combined Ratio von 87% eine beeindruckende Effizienz aufweist. Seit fast 180 Jahren agiert die Gartenbau-Versicherung als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und hat sich dabei eine klare DNA bewahrt. Senft betont im Gespräch, dass die Rechtsform des VVaG enorme strategische Vorteile bietet: Ohne den Druck zur Gewinnmaximierung durch externe Shareholder kann sich das Unternehmen voll und ganz auf die Bedürfnisse seiner rund 13.000 Mitglieder konzentrieren, die alle aus dem hochtechnisierten und spezialisierten Bereich des Gartenbaus stammen.

Die Herausforderung der Skalierung im Spezialsegment

Obwohl der Verein nicht gewinnorientiert arbeitet, muss er laut Senft dieselben wirtschaftlichen Grundsätze wie eine Aktiengesellschaft befolgen, um langfristig rentabel zu bleiben. Besonders die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz erfordern erhebliche Investitionen. Da eine Kapitalbeschaffung über den Markt für einen Verein schwieriger ist, setzt die Gartenbau-Versicherung auf organisches Wachstum und eine vorausschauende Finanzplanung. Das Ziel ist es, Wissen und Technologie so zu verzahnen, dass Skaleneffekte genutzt werden können, ohne die Nähe zum Kunden zu verlieren.

Digitalisierung als Unterstützung des menschlichen Faktors

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Rolle des Menschen in der digitalen Transformation. Senft stellt klar, dass trotz neuer Technologien wie einem eigenen Mitgliederportal oder der Beteiligung an Start-ups der persönliche Kontakt der wichtigste Touchpoint bleibt. Die Versicherung bietet „Tailor-Made“-Lösungen an, bei denen Risiko-Berater vor Ort individuelle Underwriting-Prozesse durchführen. Digitale Workflows sollen diese Experten nicht ersetzen, sondern entlasten und unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist die Kooperation mit dem Start-up VFD, das Drohnen und 360-Grad-Scans einsetzt, um Bestandsimmobilien wie riesige Gewächshäuser präzise zu digitalisieren. Dies ermöglicht unter anderem Thermografie-Analysen zur Identifizierung von Wärmeverlusten, was einen direkten Mehrwert für die Prävention darstellt.

Vision: Der beste Dienstleister für Europas Gartenbau

Die Vision von Christian Senft ist ambitioniert: Die Gartenbau-Versicherung soll nicht nur als Versicherer, sondern als der beste Dienstleister für den Gartenbau in Europa wahrgenommen werden. Durch den Einsatz von KI zur automatisierten Auswertung von Maschinentypen oder Installationen soll die Risikoeinschätzung weiter perfektioniert werden. Senft sieht die Digitalisierung als Werkzeug, um die Leistungsfähigkeit des Vereins für die Zukunft zu sichern und die Mitglieder in einer Welt zunehmender Klimarisiken resilienter zu machen.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Versicherungstipps von KI-Chatbots? VOTUM schaltet Bafin ein

Der VOTUM Verband hat sich an Bafin und DIHK gewandt: Es geht um Fälle, in denen KI-Chatbots individuelle Versicherungsempfehlungen aussprechen – ohne Erlaubnis nach § 34d GewO. Verbraucherschutz sowie Zulassungs- und Haftungsfragen seien ungeklärt. Der Verband warnt vor Risiken.

Der VOTUM Verband hat Anfragen an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sowie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) gerichtet. Anlass sind Versicherungsempfehlungen von KI-Chatbots wie ChatGPT von OpenAI oder Claude von Anthropic. In konkreten Konversationen sollen von den Chatbots individuelle Versicherungsempfehlungen erfolgt sein – ohne über die dafür erforderliche Erlaubnis nach § 34d GewO zu verfügen. Es geht dem Verband um Verbraucherschutz sowie ungeklärte Zulassungs- und Haftungsfragen bei KI-basierter Versicherungsberatung.

Laut VOTUM haben die KI-Systeme in dokumentierten Dialogen konkrete Versicherungsprodukte existierender Anbieter empfohlen – inklusive Tarifbezeichnung und Begründung auf Grundlage einer vermeintlichen Bedarfsanalyse. „Sobald ein System nicht mehr nur allgemeine Hinweise gibt, sondern eine individuelle Produktempfehlung ausspricht, bewegt es sich im Bereich der erlaubnispflichtigen Versicherungsberatung“, sagt Martin Klein, Geschäftsführender Vorstand des VOTUM Verbands. „Die entscheidende Frage lautet: Wer haftet, wenn der Verbraucher auf Basis einer fehlerhaften KI-Empfehlung eine ungeeignete Versicherung abschließt?", so Klein weiter.

Verband fürchtet Gefahren für Verbraucher

Der VOTUM Verband sieht erhebliche Risiken für Verbraucher. Während zugelassene Versicherungsvermittler einer gesetzlich geregelten Beratungs- und Dokumentationspflicht unterliegen und für Beratungsfehler haften würden, gebe es bei den KI-Anbietern weder eine berufsrechtliche Zulassung noch eine entsprechende Haftungsabsicherung, argumentiert der Verband. Wenn sich Verbraucher auf eine fehlerhafte Empfehlung verlassen würden, drohe im Schadenfall ein Haftungsvakuum. Die Empfehlungen von KI-Systemen würden sich weder auf eine qualifizierte Risikoanalyse stützen noch würden sie eine Angabe enthalten, auf welcher Markterhebung sie erteilt wurden. Fehlerhafte oder veraltete Datengrundlagen würden für den Nutzer unsichtbar bleiben.

VOTUM fordert klare regulatorische Einordnung

„Die Frage ist nicht, ob wir technologischen Fortschritt wollen. Die Frage ist, ob wir zulassen, dass bewährte Verbraucherschutzstandards durch die Hintertür ausgehebelt werden, nur weil der Berater diesmal kein Mensch, sondern ein Algorithmus ist“, unterstreicht Klein. VOTUM appelliert an die zuständigen Aufsichtsbehörden, zeitnah eine klare regulatorische Einordnung vorzunehmen und gegebenenfalls aufsichtsrechtliche Maßnahmen zu prüfen. Entscheidend sei, dass gleiche rechtliche Rahmenbedingungen gelten würden und der gesetzlich verankerte Verbraucherschutz gewahrt bleibe. „Verbindliche Versicherungsempfehlungen dürfen ausschließlich von Personen und Unternehmen ausgesprochen werden, die über die entsprechende Erlaubnis und Haftungsabsicherung verfügen – nur so lassen sich Verbraucher vor ungeprüften Empfehlungen mit potenziell weitreichenden finanziellen Folgen schützen“, heißt es vom VOTUM Verband weiter. (tik)

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Kampf gegen Versicherungsbetrug: Neue KI-gestützte Ansätze

Durch KI-Einsatz wird Versicherungsbetrug professioneller. Zugleich hat KI enormes Potenzial in der Betrugsbekämpfung. Mit KI-gestützten Ansätzen lassen sich Schadenfälle automatisiert prüfen und Betrug effizienter erkennen, wie die neue Lösung des InsurTechs a68 zeigt.

Interview mit Julian Becker, CEO des Darmstädter Start-ups a68
Herr Becker, wie hat sich Versicherungsbetrug in den vergangenen Jahren verändert und welche neuen Betrugsmuster entstehen aktuell durch den Einsatz generativer KI?

Versicherungsbetrug ist professioneller, einfacher zugänglich und skalierbarer geworden. Die Einstiegshürde sinkt, weil auch Personen ohne technische Spezialkenntnisse massenweise realistische Bilder, Belege, Rechnungen oder Schadenbeschreibungen erstellen oder manipulieren können. Dadurch steigen Qualität und Menge der Betrugsversuche. Gerade bei kleineren Schäden entsteht dadurch ein Risiko, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen oft nur eingeschränkt manuell geprüft werden können. Betrüger wissen diese Bagatellgrenzen auszunutzen.

Wie stark verändern sich dadurch die Herausforderungen für Versicherer?

Der KI-Einsatz verändert die Herausforderungen erheblich. Erstens sinkt die Einstiegshürde für Betrug. Zweitens steigt die Zahl potenzieller Fälle, weil Unterlagen automatisiert und in großer Menge erzeugt werden können. Drittens steigt die Qualität der Betrugsversuche, weil KI-generierte oder manipulierte Nachweise professionell und konsistent wirken. Für manuelle Prüfprozesse wird es dadurch schwieriger, echte von manipulierten Fällen zu unterscheiden. Deshalb braucht es auch auf Versichererseite KI-gestützte und forensische Prüfverfahren.

Welche organisatorischen Weichen müssen Versicherer heute stellen, um mit der zunehmenden Professionalisierung von KI-basiertem Betrug Schritt halten zu können?

Versicherer müssen Betrugserkennung stärker als strategische Aufgabe verstehen. Organisatorisch wird es wichtig, manuelle Prüfkapazitäten gezielter einzusetzen. Nicht jeder Schadenfall kann detailliert geprüft werden. Gleichzeitig wird es riskanter, kleinere Schäden ungeprüft durchlaufen zu lassen, weil Bagatellgrenzen ausgenutzt werden.

Versicherer sollten sich technisch so aufstellen, dass jeder Schadenfall automatisiert auf Betrugsindikatoren geprüft werden kann. Das bedeutet keine automatische Ablehnung, sondern eine vorgelagerte Risikoprüfung: unauffällige Fälle werden effizient bearbeitet, auffällige Fälle früh erkannt und weitergeleitet.

Mit Ihrem Start-up a68 wollen Sie die Betrugserkennung in der Versicherungsbranche optimieren. Welchen Ansatz verfolgen Sie dabei?

a68 automatisiert Betrugserkennung und macht sie nachvollziehbarer. Versicherer müssen immer mehr Unterlagen prüfen, können aber nicht jeden Schadenfall manuell tief analysieren. Genau hier setzen wir an. Wir betrachten jeden Schadenfall aus der Perspektive eines Betrugsabwehr-Spezialisten, nur vollautomatisiert.

Wie darf man sich das Konzept konkret vorstellen?

a68 ist ein vollautomatisierter digitaler Betrugserkennungsassistent. Sobald ein Schadenfall eingeht, analysiert das agentische System automatisch Bilder, PDFs, Rechnungen, Belege und die Schadenbeschreibung. Technisch basiert a68 auf einem agentischen KI-System mit mehr als 160 spezialisierten Agenten. Diese kombinieren KI-Modelle, klassische Machine-Learning-Modelle, forensische Verfahren und Plausibilitätsanalysen. Der Fall wird ähnlich geprüft wie durch einen erfahrenen Betrugsabwehr-Spezialisten, nur automatisiert und skalierbar.

Die forensischen Modelle wurden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München entwickelt und werden kontinuierlich an aktuelle Betrugsmuster sowie neue Technologien angepasst, die von Betrügern genutzt werden. Der Use Case mit unserem Versicherungspartner INZMO wurde im aktuellen Bitkom-Whitepaper veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass durch den Einsatz von a68 über 130 Prozent mehr Betrugsfälle erkannt und die Bearbeitungszeit pro Schadenfall um mehr als die Hälfte reduziert werden konnte.

Inwiefern unterscheiden Sie sich mit Ihrem Ansatz im Wettbewerb?

Viele Anbieter lösen einzelne Teilprobleme der Betrugserkennung, etwa gefälschte Dokumente, KI-generierte Bilder oder Netzwerkanalysen. Diese Ansätze sind wichtig, betrachten aber häufig nur einen Ausschnitt des Schadenfalls.

a68 verfolgt dagegen einen holistischen Ansatz. Wir analysieren den gesamten Schadenfall mithilfe eines agentischen Systems aus Sicht eines Betrugsabwehr-Spezialisten. Der Unterschied liegt weniger in einem einzelnen Modell, sondern in der Kombination und Orchestrierung von mehr als 160 Agenten, Modellen und Prüfverfahren.

Hinzu kommt der Fokus auf Automatisierung und Triage: Jeder Schaden wird automatisiert im Hintergrund überprüft, während Sachbearbeiter auf Fälle gelenkt werden, bei denen menschliche Expertise gefragt ist.

Worin liegen die größten Vorteile für die Versicherungsbranche? Inwiefern profitieren Makler bzw. Pools und letztlich die Kunden?

Der größte Vorteil liegt darin, Betrugserkennung bei jedem Schaden zu betreiben. Durch Automatisierung wird es möglich, jeden Schadenfall in Echtzeit auf Betrugsindikatoren zu analysieren, auch kleinere Fälle, bei denen manuelle Prüfung oft nicht wirtschaftlich wäre.

Für Versicherer entsteht eine bessere Triage: Auffällige Fälle werden früh erkannt und weitergeleitet, unauffällige Fälle können dunkelverarbeitet werden. Das erhöht die Dunkelverarbeitungsquote, entlastet Schadenabteilungen und verkürzt Bearbeitungszeiten. Wirtschaftlich können ungerechtfertigte Auszahlungen reduziert sowie die Schadenquote und Combined Ratio verbessert werden.

Makler und Maklerpools profitieren durch schnellere, klarere Prozesse. Für ehrliche Kunden heißt das: Berechtigte Schäden werden schneller reguliert, ohne dass jeder Kunde unter Generalverdacht steht.

Wie steht es um das wichtige Thema Datenschutz?

Datenschutz ist zentral, weil in Schadenfällen personenbezogene und teilweise sensible Daten verarbeitet werden. Deshalb ist a68 so aufgebaut, dass sich die Lösung in Datenschutz-, IT- und Compliance-Strukturen von Versicherern integrieren lässt. Die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform, zweckgebunden und auf das notwendige Maß begrenzt. Schadenunterlagen werden nur im Kontext der Betrugsprüfung analysiert. Die Systeme werden in Europa gehostet. Außerdem ist die Lösung auf DORA, IT-Sicherheit, und EU AI Act ausgelegt.

In welcher Phase der Entwicklung befindet sich Ihre Lösung aktuell?

Unsere Lösung ist bereits bei ersten Versicherungen live in deren Kernsysteme integriert. Wir haben gemeinsam mit der Technischen Universität München lange an den forensischen Modellen geforscht und die Lösung mit ausgewählten Entwicklungspartnern im realen Schadenalltag getestet und weiterentwickelt. Neben einigen Piloten gibt es inzwischen wie gesagt erste Integrationen in Kernsysteme.

Sehen Sie in der KI-gestützten Betrugserkennung künftig eher einen Differenzierungsfaktor im Wettbewerb zwischen Versicherern oder vielmehr grundlegendes Rüstzeug für alle Marktteilnehmer?

Kurzfristig ist KI-gestützte Betrugserkennung ein Differenzierungsfaktor. Versicherer, die früh in automatisierte Prüfprozesse investieren, können Schäden schneller bearbeiten, Betrug besser erkennen und ihre Sachbearbeitung entlasten. Das wirkt sich auf Effizienz, Schadenkosten, Bearbeitungszeit, Kundenzufriedenheit und Kennzahlen wie Schadenquote oder Combined Ratio aus.

Langfristig wird es grundlegendes Rüstzeug für alle Marktteilnehmer. Wenn Betrugsversuche durch KI einfacher, professioneller und skalierbarer werden, können Versicherer nicht dauerhaft mit manuellen oder klassischen regelbasierten Prüfprozessen reagieren.

Über a68

Das Darmstädter Start-up a68 entwickelt zusammen mit der Technischen Universität München ein agentisches, KI-basiertes System zur automatisierten Erkennung von Versicherungsbetrug. Die Lösung orchestriert hunderte spezialisierte Agents zur Prüfung von Schadenmeldungen. Dadurch wird eine skalierbare Dunkelverarbeitung auch bei kleinen Schäden ermöglicht, die manuelle Sichtprüfung reduziert und die Bearbeitungszeit deutlich verkürzt. Schadenabteilungen werden spürbar entlastet, Routinechecks entfallen und Mitarbeiter können sich auf komplexe Fälle konzentrieren.

 

Makler:innen werden zur Brückentechnologie

Der aktuelle Kurs der Digitalisierung im Makler:innenmarkt lagert immer mehr Daten und Prozesse in Plattformen aus. Damit einher geht auch ein Verlust der unternehmerischen Freiheit, und eine Frage stellt sich: Wer hat eigentlich das Ruder in der Hand? Ein Kommentar.

Ein Artikel von Christopher Kluwe, Geschäftsführer der aruna GmbH

Am Anfang war die Papierakte. Sie war unhandlich, teilweise unleserlich und ohne (Daten-)Sicherung. Es folgten erste Verwaltungsprogramme, die die Prozesse im eigenen Bestand beschleunigten, aber auch von dem/der Unternehmer:in mehr verlangten. Aktualisierungen der Software, Datensicherungen und den Betrieb von Hardware galt es nun sicherzustellen.

Daten

Die zunehmende Verbreitung des Internets erlaubte dann den nächsten technischen Sprung: webbasierte Verwaltungsprogramme. Diese reduzieren alle IT-Aufwendungen auf das Bereitstellen eines Browsers. In einem ersten Schritt wurden so die Themen Datenhaltung und -sicherung als Dienstleistung mit ausgelagert – eine enorme Erleichterung, wenn auch mit dem Wermutstropfen, den eigenen Datenbestand nicht mehr „unter dem Schreibtisch“ zu haben.

Prozesse

In der nächsten Stufe wird das Verwaltungsprogramm zur Plattform weiterentwickelt – Pools, Verbünde und große Systemhäuser verzahnen externe Programme in die eigene Systemwelt. Alle integrierten Systeme sind einfach nutzbar – nicht angebundene Tools hingegen lassen sich nur umständlich mit den eigenen Daten befüllen. Im Zweifel wird so einer Software der Vorzug gegeben, die nicht gut, sondern nur gut genug ist. Verlässt sich Makler:in auf eine Plattform, geschieht dies zum Preis, nicht mehr alle Prozesse selbst ausgestalten und nicht mehr jede Software frei wählen zu können.

Zeitgleich erhöhen sich die Wechselkosten: Neben der Übertragung des Datenbestandes (der seit jeher aufgrund unterschiedlicher Datenfelder und -formate mit einem Verlust an Datentiefe einhergeht) müssen jetzt auch zahlreiche Prozesse umgestellt werden, denn ein Wechsel der Plattform entspricht einem gleichzeitigen Wechsel vieler eingesetzter Softwaresysteme.

Wissen

Die aktuelle Plattformlandschaft wird aktuell mit künstlicher Intelligenz (KI) angereichert. Technisch ein naheliegender Gedanke, liegen doch Daten und das Wissen um deren Nutzung sowieso seitens der Plattformen vor. Wer dabei allerdings KI nur als neues technisches Werkzeug sieht, verfehlt zwei elementare Unterschiede zu bisherigen Systemen:

1. KI ist kein Werkzeug

Ein Werkzeug (oder auch eine Software) hat einen klar abgegrenzten Handlungsrahmen. Einen Hammer schert es wenig, ob ich mit ihm einen Nagel oder eine Schraube in die Wand schlage oder ein Sparschwein zerstöre. Eine Software kann nur Daten auf eine programmierte Art und Weise verarbeiten. KI hingegen führt nicht nur meine Anweisungen aus. Eine formulierte Aufgabe wird entlang der Dienstleistungskette eingebettet in mehrere Regelkorsette – jedes davon kann die ursprüngliche Aufgabe erweitern, ändern oder auch ganz umkehren.

2. KI lernt mit – immer

Werkzeuge (und Software) können einfach nur benutzt werden – an ihrer Funktion ändert sich nichts. KI-Systeme hingegen lernen immer mit. Aus jeder Interaktion lernt ein KI-System, wie Aufgaben angegangen werden. Über die Zeit muss es so immer weniger begleitet werden und kann immer mehr selbstständig agieren.

Beide Punkte stellen grundlegende Fragen an die Unabhängigkeit von KI-nutzenden Unternehmen. Ausgehend von der Beobachtung, dass die wenigen großen Betreiber:innen von KI-Systemen noch kein wirtschaftliches Geschäftsmodell für die Technologie gefunden haben, stellt sich die Frage, wie viel die Nutzung von KI letzten Endes kosten wird. Zwei Lösungen sind naheliegend: eine (höhere) Beteiligung der Makler:innen an den Nutzungsgebühren oder eine Änderung des Regelkorsetts auf die Bevorzugung ertragreicherer Produktgeber und Partner:innen.

Die Lernfähigkeit von KI-Systemen scheint zunächst Segen und effektives Mittel gegen Fachkräftemangel zu sein. Doch auch in diesem Punkt stellen sich bei genauerer Betrachtung einige Fragen: Ist es nicht auch Teil des Unternehmertums, Verantwortung für seine Angestellten zu übernehmen? Ebenso wird mit eigenen Angestellten Wissen im Unternehmen aufgebaut – Wissen über Kund:innen, Produkte und Prozesse. Werden diese nun durch KI-Systeme ersetzt, wird auch unternehmenskritisches Wissen in Fremdsystemen gespeichert und trainiert diese. Was bedeutet dies für die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Betriebs? Nach der Auslagerung von Daten, Prozessen und nun Wissen stellt sich die Frage, wie „unabhängig“ und wie sehr ein:e Makler:in überhaupt noch Unternehmer:in ist. Und wie sehr unterscheidet sie sich von anderen Nutzer:innen der gleichen Plattform.

Dystopie

Weitere „Vorteile“ von KI-unterstützten Systemen sind schon absehbar. Immer mehr organisatorische Aufgaben werden übernommen. Die KI ermittelt im Bestand, welche:r Kund:in wann auf welches Thema angesprochen werden sollte, um am ehesten einen erfolgreichen Abschluss zu generieren.

Aber wer sitzt eigentlich gestalterisch am Steuer, wenn Mensch täglich nur noch eine To-do-Liste aus einem solchen System abarbeitet? Mit jeder abgearbeiteten Aufgabe wird die KI weiter trainiert – bis zu dem Punkt, an dem es keinen Menschen mehr braucht, um Kund:innen zu betreuen und zu beraten. Schon mit den heutigen Plattformen werden diese daran gewöhnt, einzelne Prozesse selbst anzustoßen oder zu bearbeiten. Die Großeltern der heutigen KI-Systeme bringen in den sozialen Medien tagtäglich Menschen dazu, gegen ihre Interessen Dinge zu glauben, zu sagen und zu tun. Wer meint, es brauche in der Beratung immer noch den Menschen, verkennt meiner Meinung nach, um wie viel mächtiger KI-Systeme sind, die auf die Beeinflussung von Menschen trainiert wurden.

Denkt man die Auslagerung von immer mehr Unternehmensbereichen und -funktionen an große KI-Systeme zu Ende, werden die Makler:innen zur Brückentechnologie. Dem entgegenwirken kann, wer nach mehr als nur Effizienz und Einfachheit strebt und unternehmerisch langfristig denkt.

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Ein Artikel von
Christopher Kluwe