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bAV: Das lange Warten auf das erste Sozialpartnermodell
17. Juni 2019

bAV: Das lange Warten auf das erste Sozialpartnermodell

Die Umsetzung eines ersten Sozialpartnermodells lässt weiter auf sich warten. Nur keinen Fehler machen, lautet die Devise bei den Tarifparteien. Die Versicherer stehen dagegen in den Startlöchern. Versicherungsmakler sehen sich bei dem Modell übergangen und Arbeitnehmer glauben häufig, das Sozialpartnermodell löse die bisherige bAV ab.


Die Umsetzung eines ersten Sozialpartnermodells lässt weiter auf sich warten. Nur keinen Fehler machen, lautet die Devise bei den Tarifparteien. Die Versicherer stehen dagegen in den Startlöchern. Versicherungsmakler sehen sich bei dem Modell übergangen und Arbeitnehmer glauben häufig, das Sozialpartnermodell löse die bisherige bAV ab.

bAV: Das lange Warten auf das erste Sozialpartnermodell

Eine Verankerung der bAV in Tarifverträgen sei die beste Lösung für eine bessere Verbreitung der Betriebsrente. So ist die Idee hinter dem Sozialpartnermodell, das mit dem BRSG zum 01.01.2018 eingeführt wurde. Die zweite Idee dazu ist, dass eine reine Beitragszusage zu höheren Versorgungsleistungen der Versicherten führe. Das Mehr soll aus dem Verzicht auf Garantien und neuen Möglichkeiten in der Kapitalanlage kommen. Der Arbeitgeber wird bei dem Tarifmodell zudem enthaftet.

Für alle Neuland

Vieles davon ist in Deutschland Neuland und deshalb wartet man auch weiter auf die Umsetzung des ersten Sozialpartnermodells. Die Vorbereitung bei den Tarifpartnern, die Träger der Sozialpartnermodelle sind, dauert an. Denn die sind es, die die Steuerung übernehmen und auch darüber entscheiden müssen, in welchem Rahmen sich die Geldanlage bewegen soll. Da das Kapitalmarktrisiko bei der reinen Beitragszusage allein beim Arbeitnehmer liegt, wollen die Tarifpartner auf Nummer sicher gehen. Sollte sich irgendwann herausstellen, dass ein Arbeitnehmer mit dem neuen Modell schlechter abschneidet als mit bisherigen Garantiemodellen, wäre das insbesondere für die Gewerkschaften nur schwer verkraftbar.

Das erste Modell muss sitzen, erklärte Dr. Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik in der ver.di Bundeverwaltung, denn auch kürzlich auf dem HDI bAV-Expertenforum in Köln. Und bereits im März sprach BaFin-Präsident Felix Hufeld von einem sozialpolitischen Mondlandungsmoment für die Tarifpartner. Im internationalen Maßstab möge der Start der reinen Beitragszusage als kleiner Schritt erscheinen, für die Versorgungsberechtigten, insbesondere aber für Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, sei er ein großer.

Versicherer sind umsetzungsbereit

Startklar sind dagegen die Versicherer. Man sei umsetzungsbereit, betont etwa Fabian von Löbbecke, der bei HDI für die bAV verantwortlich ist. Der Mutterkonzern Talanx hat zusammen mit der Zurich hierfür die „Deutsche Betriebsrente“ entwickelt. Aber auch die anderen Versicherer, die allein oder in Kooperationen Sozialpartnermodelle anbieten, sind startklar und führen teilweise bereits seit Mitte des letzten Jahres Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Mit einem zeitlichen Verzug war auch insofern zu rechnen, da die Tarifpartner die Einführung einer Versorgungseinrichtung mit den nächsten Tarifverhandlungen und einem neuen Tarifvertrag verbinden wollten. Kleinere Sozialpartner dürften zudem abwarten, was die Großen machen. Vorreiter könnten so etwa der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und die IG Metall werden. Auch ver.di arbeite engagiert an entsprechenden Vorbereitungen, so Kerschbaumer. So deutet sich auch an, dass man dann vielleicht doch noch in der zweiten Jahreshälfte ein erstes Sozialpartnermodell am Markt sehen könnte.

Beratung? Vorerst nicht!

Vieles sei aber auch ein Kommunikationsproblem, erklärt die Gewerkschafterin. Manche Arbeitnehmer dächten, dass das Sozialpartnermodell die alte bAV-Welt ablöse. Dabei böte auch diese aufgrund der Verbesserungen durch das BRSG neue Chancen. Zur Umsetzung eines Sozialpartnermodells fehlt vielerorts auch das Know-how. Externe Berater wolle man aber vorerst nicht hinzuziehen, erklärte Kerschbaumer bei der HDI-Veranstaltung vor Versicherungsmaklern. Zunächst seien die Fragen intern zu klären und natürlich werde man die Tarifpolitik nicht aus den Händen geben. Wie eine Unterstützung nach den Grundsatzentscheidungen aussehen könnte, werde man dann zu einem späteren Zeitpunkt sehen.

Hohe Erwartungen haben Versicherungsmakler an dieser Stelle aber sowieso nicht. So hat erst kürzlich die Studie „AssCompact AWARD – Betriebliche Altersversorgung 2019“ ergeben, dass nur 7% der befragten Versicherungsmakler im Rahmen eines Sozialpartnermodells eine echte Chance für ihr Geschäftsmodell sehen. (bh)

Bild: © Monkey Business – stock.adobe.com

Lesen Sie auch: Die Renaissance der Riester-Förderung in der bAV




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