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16. Juni 2021
„Baufinanzierungskunden bleiben auf der vorsichtigen Seite“

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„Baufinanzierungskunden bleiben auf der vorsichtigen Seite“

Sind das noch Summen, die man sinnvoll finanzieren kann?

In den Metropolen können sich häufig nur noch gut und doppelt verdienende Haushalte eine Immobilie finanzieren. Die durchschnittlichen Einkommen der Kunden, die bei uns finanzieren, gehen immer weiter nach oben. Im Schnitt lag die Darlehenssumme bei 543.000 Euro. Das ist allein innerhalb eines Jahres ein Plus von rund 50.000 Euro bzw. 12%. Parallel dazu steigen die Einkommen, die diese Summen finanzieren. Im vergangenen Jahr lag das durchschnittliche Haushaltseinkommen bei 5.700 Euro netto. Jetzt sind es bereits 5.900 Euro.

Offenbar gibt es aber immer noch genügend Menschen, die solche Einkommen haben, wenn die Nachfrage so groß ist, dass die Preise weiter anziehen …

Das ist so. In den Metropolen beschränken sich die Wohnwünsche mittlerweile aber ausschließlich auf Wohnungen. Häuser gibt es dort nicht mehr. Das ist nicht mehr leistbar. Dass wir 2020 trotzdem mehr Häuser finanziert haben, zeigt, dass Familien wieder stärker auf das Umland setzen, wo ein Häuschen noch eher realistisch ist. Dazu hat auch die Pandemie beigetragen. Früher wollten alle in die Stadt. Das geht bei diesen Preisen nicht mehr. Durch das vermehrte Home-Office können sich zudem mehr Leute vorstellen, etwas weiter außerhalb der Metropolen zu wohnen, weil sie nicht jeden Tag ins Büro fahren müssen.

Wie gehen die Banken mit dieser Gesamtsituation um. Sind sie angesichts der Preisrallye vorsichtiger geworden?

Die Banken werden in der Tat etwas vorsichtiger. Sie wollen nicht in irgendeine Blase hinein zu 100% finanzieren. Sie sind aber ohnehin durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie zu einer ordentlichen Prüfung verpflichtet. Unter dem Strich ist die Immobilienfinanzierung aber fast das einzige Geschäft, an dem sie überhaupt noch etwas verdienen. Entsprechend wird es ein Kerngeschäft der Banken bleiben.

Sind die Kunden ähnlich umsichtig wie die Banken oder sind sie aufgrund der historisch niedrigen Zinsen fahrlässiger geworden?

Auch die Kunden bleiben in Deutschland auf der vorsichtigen Seite. Die Tilgungsmentalität ist weiter gut. Die Tilgung liegt im Schnitt weiter bei etwa 3%. Der Beleihungsauslauf ist ebenfalls relativ stabil. Er liegt weiterhin bei unter 90%. Auch das spricht nicht dafür, dass Kunden die Baufinanzierung auf die leichte Schulter nehmen. Oft werden zudem Ersatz­sicherheiten wie etwa das Haus der Eltern zur Verfügung gestellt. Die Politik muss also keine Angst haben, dass sich die Immobilieninteressenten zu hoch verschulden. Die Verschuldung ist immer noch in einem vertretbaren, gesunden Rahmen.

Kunden sichern sich die Zinsen zudem für längere Zeiträume als früher. Waren früher zehnjährige Zinsbindungen besonders beliebt, sind es heute 15-jährige. Über 40% unserer Finanzierungen haben heute 15-jährige Zinsbindungen. Weitere 14% unserer Kunden schließen sogar 20-jährige Zinsbindungen ab. Es gibt aber natürlich auch kürzere Zinsbindungen, weil der Aufpreis nicht immer leistbar ist oder weil Kunden davon ausgehen, dass die Zinsen dauerhaft auf niedrigem Niveau verbleiben werden.

 
Ein Interview mit
Ditmar Rompf