Die Versicherungswirtschaft redet viel über die Gen Z, aber leider erstaunlich selten mit ihr. Gerade dieses „über bestimmte Menschen und Kategorien reden, aber nicht mit ihr reden“ wird für die Zukunft eine der größten Herausforderungen. Warum? Weil die meisten Menschen nicht zuhören, um zu verstehen, sondern um mit Erfahrungen der Vergangenheit zu antworten. Gerade in Zeiten, in denen wir aktuell leben und in denen junge Menschen aufwachsen, wird dieses Verhalten ein Problem. Lebenswirklichkeiten verändern sich schneller denn je. Social Media, Algorithmen und u. a. Gaming sind tägliche Begleiter und Einflussnehmer auf Verhalten und Erwartungen. Wenn wir diese Veränderungen nur oberflächlich betrachten und bewerten, passiert genau das, was wir aktuell erleben: Vorurteile die blockieren.
Zu anspruchsvoll, zu unverbindlich, zu wenig loyal und zu wenig bereit, Verantwortung zu übernehmen. Doch vielleicht ist genau das der Denkfehler, denn wir bewerten eine Generation mit Maßstäben aus einer Welt, die es so nicht mehr gibt.
Wenn Risiken existieren, aber nicht erlebt werden
Schrödingers Katze liefert dafür ein erstaunlich passendes Bild. Die Katze ist gleichzeitig lebendig und tot, solange niemand in die Box schaut. Erst der Blick hinein zwingt zur Entscheidung und zur Klarheit. Übertragen auf die Gen Z bedeutet das: Risiken sind da. Jeder weiß das, aber solange sie nicht konkret erlebt werden, bleiben sie abstrakt, theoretisch und damit leicht verdrängbar!
Berufsunfähigkeit? Kann passieren, aber nicht jetzt. Altersvorsorge? Irgendwann, aber nicht heute und nicht ohne Flexibilität. Absicherung generell? Wenn mein Leben sortiert ist, aber irgendwie wird das nichts. All dies wirkt bequem, ist es aber nicht.
Eine Generation im Dauerkrisenmodus
Die Gen Z und gerade folgend die Gen Alpha sind die ersten Generationen, die mit Dauerkrisen sozialisiert werden. Pandemie, Krieg, Inflation, Klimawandel, politische Polarisierung, wirtschaftliche Unsicherheit und das Ganze dann noch verstärkt durch Social Media, Algorithmen und permanente Überreizung.
Wer in so einem Umfeld groß wird, plant nicht jetzt und auch zukünftig nicht mehr 40 Jahre im Voraus. Man versucht, im Hier und Jetzt handlungsfähig zu bleiben. Kontrolle wird wichtiger als langfristige Sicherheit, und Flexibilität wird wichtiger als feste Versprechen. Genau hier kollidiert diese Lebensrealität frontal mit der Logik unserer Branche.
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Andreas Wollermann - Anmelden, um Kommentare verfassen zu können