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„Die deutsche Wirtschaftspolitik muss sich schleunigst ändern“
31. August 2019

„Die deutsche Wirtschaftspolitik muss sich schleunigst ändern“

Michael Heise wurde in der Vergangenheit bereits drei Mal als Prognostiker der Jahres ausgezeichnet. Der Chefvolkswirt der Allianz sieht im Interview mit AssCompact dunkle Wolken auf Deutschland zuziehen und dringenden Handlungsbedarf für die deutsche Wirtschaftspolitik. Anlegern rät er dennoch dringend dazu, ihr Geld mehr für sich arbeiten zu lassen.

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Michael Heise wurde in der Vergangenheit bereits drei Mal als Prognostiker der Jahres ausgezeichnet. Der Chefvolkswirt der Allianz sieht im Interview mit AssCompact dunkle Wolken auf Deutschland zuziehen und dringenden Handlungsbedarf für die deutsche Wirtschaftspolitik. Anlegern rät er dennoch dringend dazu, ihr Geld mehr für sich arbeiten zu lassen.

„Die deutsche Wirtschaftspolitik muss sich schleunigst ändern“
Was ist von einer EZB-Chefin Christine Lagarde zu erwarten?

Frau Lagarde steht zunächst einmal für Kontinuität im Sinne der Politik Draghis. Sie hat in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass Maßnahmen unternommen werden, um die Nachfrage anzukurbeln. Neben expansiver Geldpolitik hat sie auch empfohlen, dass Deutschland fiskalpolitisch mehr tut und bereit ist, Schulden zu machen. Ich hoffe dennoch, dass sie als EZB-Chefin eine Überprüfung der derzeitigen Strategie veranlasst, die offenkundig in eine Sackgasse hineingelaufen ist. Man versucht seit Jahren erfolglos, die Inflationsrate an die Zielmarke heranzuführen. Diese Politik der eng definierten Inflationsziele hat erhebliche unerwünschte Nebenwirkungen und muss überdacht werden. Strategien sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Vielleicht wird Frau Lagarde versuchen, ihre Ära durch strategische Anpassungen in der Geldpolitik zu prägen. Mal schauen. Zurzeit jedenfalls ist die Hoffnung für die Sparer, dass sich die Lage bald bessert, sehr klein.

Klassische Banksparer sind zweifellos die großen Verlierer der Niedrigzinsen. Sind Bauherren und Immobilienkäufer auf der anderen Seite die Gewinner?

Immobilienbesitzer sind definitiv enorme Gewinner gewesen. Sie haben vom großen Preisaufschwung profitiert. Diejenigen, die Immobilien erwerben wollen und am Anfang ihrer Berufskarriere stehen, haben zumindest in den Ballungsgebieten dagegen ein echtes Problem. Die sozialen Spannungen aufgrund der stark steigenden Miet- und Immobilienpreise sind enorm. Deutschland muss eine Lösung hierfür finden. Das ist auch aus sozialpolitischer Perspektive wichtig. Für Investoren dürften Immobilien angesichts der angesprochenen Zinspolitik weiter attraktiv bleiben. Die Preisentwicklung wird wohl erst kippen, wenn auch der Finanzmarkt in einen Abschwung hineingerät. Und das ist im Moment nicht zu erkennen.

Warum nicht?

Die Bereitschaft der Anleger, Risiken einzugehen, wird bei Nullzinsen vorerst hoch bleiben. Sofern wir, womit ich rechne, eine sanfte Landung der Konjunktur bekommen und keine kräftige Rezession droht, haben die Aktienkurse durchaus noch Potenzial. Niedrigzinsen und zumindest verhaltenes Wirtschaftswachstum werden die Stimmung an den Finanzmärkten einigermaßen positiv halten. Und dann werden auch die Immobilienmärkte nicht einknicken. Langfristig bauen sich allerdings durch die ultra-expansive Geldpolitik Gefahren für die Finanzmarktstabilität auf.


Michael Heise Michael Heise



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