AssCompact suche
Home
Management & Wissen
14. April 2026
„Makler brauchen Grundverständnis für ihre eigenen Daten“

2 / 2

„Makler brauchen Grundverständnis für ihre eigenen Daten“

Woran lässt sich erkennen, dass Versicherer diesen Zusammenhang bereits verstanden haben?

Hier sehe ich deutliche Unterschiede im Markt. Einige Versicherer haben in den vergangenen Jahren gezielt Datenkompetenz aufgebaut und nutzen diese sehr strategisch. Sie analysieren Risiken präziser, steuern ihre Portfolios differenzierter und arbeiten effizienter. Ergebnisse sind nicht nur schlankere Prozesse, sondern auch echte Preisvorteile und bessere Produkte für Kundinnen und Kunden. Diese Unternehmen setzen Technologie nicht punktuell ein, sondern integrieren sie systematisch in ihre Organisation.

Heißt das im Umkehrschluss, dass wirtschaftlich erfolgreiche Versicherer vor allem technologisch führend sind?

Nicht zwingend technologisch führend im Sinne von „am modernsten“, sondern strategisch klar mit Blick auf die eigene Zielgruppe und notwendige Anpassungen in der Organisationsstruktur. Entscheidend ist, dass Technologie in ein schlüssiges Gesamtkonzept eingebettet ist. Versicherer, die ihre Daten sinnvoll nutzen und ihre Investitionen klar an Kundennutzen und Profitabilität ausrichten, bauen sich Wettbewerbsvorteile auf. Andere hingegen experimentieren viel, ohne mögliche Lösungen in eine wirtschaftliche Logik zu überführen. Dort bleiben Effekte häufig isoliert und verpuffen.

Wie ordnen Sie die Tech-Kompetenz der Versicherungsbranche im internationalen Vergleich ein?

Das kann ich nicht klar einschätzen. In China scheinen einige Versicherer sehr weit zu sein, insbesondere weil sie Daten aus unterschiedlichen Lebensbereichen bündeln und konsequent auswerten; der Ökosystemansatz ist dort weiter fortgeschritten. Aus einer aktuellen wissenschaftlichen Studie von Forschenden der Louisiana State University in den USA geht zudem hervor, dass der überwiegende Teil der technologischen Vertriebsimpulse aus den USA kommt und Deutschland eher eine untergeordnete Rolle spielt. Das liegt auch daran, dass dort regulatorisch mehr experimentiert werden kann. Aber auch in Deutschland finden wir bereits gute Ansätze von Versicherern, sich z. B. als datengetriebene Unternehmen zu platzieren.

Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie KI. Welche Rolle spielt generative KI aktuell?

Generative KI wird derzeit vor allem als starker Effizienztreiber gesehen. Viele Versicherer setzen sie ein, um Prozesse produktiver zu gestalten, etwa bei der Texterstellung, Analyse oder internen Wissensaufbereitung. Besonders viel Aufmerksamkeit von der Branche und Investoren erhält derzeit zudem Agentic AI. Gemeint sind KI-Systeme, die auf generativer KI aufbauen und autonom agieren: Sie planen Ziele, setzen erforderliche Tools eigenständig ein und korrigieren Fehler selbst. Dadurch sinken technische Einstiegshürden erheblich. Entwicklungsaufgaben werden mit Agentic AI deutlich schneller und für mehr Menschen zugänglich, auch ohne spezialisiertes IT-Know-how.

Welche Risiken sehen Sie beim KI-Einsatz?

Wir setzen KI-Lösungen zunehmend unter hohem Produktivitätsdruck ein. Das darf uns nicht blind machen für Risiken. Modelle erzeugen systematisch falsche Inhalte, und wenn Denkprozesse zu stark ausgelagert werden, droht ein schleichender Kompetenzverlust. Gerade im Vertrieb brauchen wir Menschen, die Absicherungsfragen durchdringen, Kausalitäten verstehen und etwa im Industriekundengeschäft maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Diese Expertise sollten wir bewusst erhalten, statt sie vorschnell an Technologie zu delegieren.

Lesen Sie auch: KI-gestützte Transkription: Schritt hin zu effizienterer Beratung

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

Seite 1 „Makler brauchen Grundverständnis für ihre eigenen Daten“

Seite 2 Woran lässt sich erkennen, dass Versicherer diesen Zusammenhang bereits verstanden haben?