Was hat den Ausschlag gegeben, sich für die Aventus Gruppe als Nachfolger zu entscheiden?
AD Wir haben für bestimmte Zielgruppen, vor allem im Bau- und Baunebengewerbe, sehr gute Deckungskonzepte entwickelt. Diese werden über viele starke Vertriebspartner vertrieben. Uns war wichtig, dass ein Käufer das versteht und fortführt. Die Aventus hat glaubhaft vermittelt, dass sie genau das will – und dass sie unsere Stärken auch in ihren anderen Unternehmen der Gruppe nutzen kann und wird. Das war für uns ausschlaggebend. Und ich wollte nicht an einen Finanzinvestor verkaufen, der nur kurzfristige Ziele verfolgt.
Wann wussten Sie, dass das der richtige Partner ist?
AD Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Aber ich konnte viele Menschen aus der Aventus Gruppe kennenlernen und mir frühere Übernahmen ansehen. Das hat Vertrauen geschaffen. Zwischendurch gab es einige Wechsel im Projektteam – das hat uns verunsichert. Aber der CEO, Herr Nörtersheuser, hat sich dann persönlich eingeschaltet und das Projekt selbst übernommen. Daran haben wir gemerkt, wie ernst es dem Käufer mit dieser Übernahme ist.
Wie wichtig war Ihnen, dass der Standort und die Arbeitsplätze erhalten bleiben?
AD Das war für uns eine Grundvoraussetzung. Wir wollten keinen Käufer, der nur die Bestände übernimmt und dann den Betrieb schließt. Trotzdem haben sich solche Interessenten vorgestellt. Aber die MIDEMA würde ohne die Belegschaft vor Ort nicht funktionieren.
Sie bleiben selbst noch mindestens ein Jahr als Geschäftsführer aktiv. Wie fühlt sich das an?
AD Gut. Ich sehe das als Übergangsphase, in der ich Wissen weitergeben und die Strukturen stabil halten kann. Es ist kein Abschied von heute auf morgen, sondern ein geordneter Übergang.
RD Anton hat sein Leben lang mit vollem Einsatz für die Firma gearbeitet. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man etwas kürzertreten sollte. Die letzten Jahre waren sehr anstrengend – es war höchste Zeit, etwas Verantwortung abzugeben.
Frau Dschida, fällt Ihnen das Loslassen schwer?
RD Nein, eigentlich nicht. Es war der richtige Zeitpunkt. Und wir hören ja nicht ganz auf – Anton bleibt ja noch eine Zeit im Unternehmen. Ich war ohnehin immer eher im Hintergrund tätig, habe die Finanzen betreut und die Zusammenarbeit mit der Steuerberaterin organisiert. Das kann ich jetzt mit gutem Gewissen abgeben.
Was hat Sie im Prozess am meisten überrascht?
AD Wie tief Käufer in die Unterlagen schauen und welche Fragen sie stellen. Das war für mich unerwartet und stellenweise befremdlich. Aber man darf das nicht persönlich nehmen. Und man sollte auch nicht enttäuscht sein, wenn ein Interessent Dinge anders bewertet als man selbst.
Was raten Sie anderen Maklerinnen und Maklern, die ihre Nachfolge planen?
AD Früh anfangen – am besten drei bis fünf Jahre vorher. Und sich professionelle Unterstützung holen. Man selbst ist oft zu nah dran, um alles klar zu sehen.
RD Die Zahlen in Ordnung halten und sich früh überlegen, was einem wirklich wichtig ist.
Ihr Fazit nach Abschluss des Prozesses?
AD Ich würde vieles wieder so machen, wobei es doch mental anstrengender war, als ich das erwartet hatte. Vielleicht würde ich noch etwas früher starten.
Andreas W. Grimm ist Gründer des Resultate Institut und beleuchtet an dieser Stelle regelmäßig Aspekte zur Nachfolgeplanung. Gemeinsam mit AssCompact hat er den Bestandsmarktplatz initiiert.
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Seite 1 „Man darf die Nachfolge nicht unterschätzen“
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Andreas W. Grimm
Renate Dschida
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