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„Privathaftpflicht ist nicht gleich Privathaftpflicht“
24. Januar 2020

„Privathaftpflicht ist nicht gleich Privathaftpflicht“

Vergleichsportale werden zunehmend Anlaufstelle für Kunden auch bei der Privathaftpflicht. Verivox rät zum Vergleich der Angebote. Denn die Preisspannen sind mitunter erheblich und die Leistungen sehr unterschiedlich, so Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH, im Interview.


Vergleichsportale werden zunehmend Anlaufstelle für Kunden auch bei der Privathaftpflicht. Verivox rät zum Vergleich der Angebote. Denn die Preisspannen sind mitunter erheblich und die Leistungen sehr unterschiedlich, so Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH, im Interview.


„Privathaftpflicht ist nicht gleich Privathaftpflicht“
Herr Schütz, Sie bieten auf Ihrem Portal auch den Vergleich von privaten Haftpflichtversicherungen an. Welchen Stellenwert hat diese Sparte bei Ihnen?

Wir steigern das Geschäft mit der Privathaftpflicht kontinuierlich. 2019 wird sich die Zahl der abgeschlossenen Verträge im Vergleich zu 2017 mehr als verdoppeln. Seit wir 2012 mit dem Bereich Versicherung gestartet sind, waren Kfz-Versicherungen der wichtigste Umsatztreiber. Das wird mittelfristig so bleiben. Daneben entwickeln wir die übrigen Bereiche, um Kunden umfassend beraten und mehr Verträge platzieren zu können.

In diesem Zusammenhang spielen die Sachversicherungen und hier insbesondere die Privathaftpflicht die entscheidende Rolle. Wir agieren als Versicherungsmakler. Davon profitieren unsere Kunden, die bei uns eine umfassende Beratung erhalten. Genauso profitieren unsere Versicherungspartner, die zufriedene und gut informierte Kunden erhalten.

Wie groß sind denn die Preisspannen bei einer Haftpflicht? Und klaffen die Prämienhöhen bei Tarifen für Singles weiter auseinander als bei Familientarifen?

Die Preisspannen sind erheblich. Mit günstigen Tarifen sparen Kunden über 40% im Vergleich zum Marktmittelfeld und rund 70% im Vergleich zu den teuersten Anbietern. Für die Berechnung haben wir Tarife für einen Single ohne Kinder sowie eine Familie mit Kindern ausgewertet und nur hochwertige Tarife verglichen. Alle Tarife enthielten die Ausfalldeckung, den Schutz bei Gefälligkeitsschäden, bei Schlüsselverlust inklusive der Büroschlüssel und für geliehene Sachen. In der Praxis sind das Spannen von 94 bzw. 109 Euro zwischen den teuersten und den günstigsten Angeboten.

Was zählt Ihrer Einschätzung nach zu den Kostentreibern in der privaten Haftpflicht?

Wir sehen gar nicht, dass die Kosten stark steigen. Sie erhalten als Single heute eine erstklassige Haftpflicht für rund 40 Euro im Jahr. Hier wirkt sich positiv aus, dass neue Marktteilnehmer um Kunden kämpfen. Assekuradeure mit umfangreichen Deckungskonzepten und digitale Start-ups mit besonderer Nutzerfreundlichkeit nehmen beim Preis oft Spitzenplätze ein. Vergleichsportale wie Verivox beflügeln diesen Wettbewerb.

Wie sehr unterscheiden sich die Tarife bei den Leistungen?

Privathaftpflicht ist nicht gleich Privathaftpflicht. Von 250 Tarifen und Tarifkombinationen, die wir Anfang des Jahres analysiert hatten, boten immerhin 25 keinen Schutz bei verlorenen Schlüsseln der Mietwohnung. 26 enthielten keine Ausfalldeckung und acht zahlten nicht für Regressansprüche der Sozialversicherungsträger. Bei Gefälligkeitsschäden zeigt sich die Bandbreite beispielhaft: Einige Tarife zahlen gar nicht, andere nur maximal 2.500 oder 5.000 Euro. Viele sichern aber auch Millionenschäden ab.

Können Sie alle Leistungskriterien abbilden? Oder bleiben Kriterien unberücksichtigt, die nicht ins System passen?

Im Leistungsvergleich finden Verbraucher Detailinformationen zu 66 verschiedenen Leistungskriterien. Wir bilden damit die Tarifvielfalt umfassend ab und erfüllen unsere Beratungspflichten als Makler. Welcher klassische Makler kann schon auf der Couch dem Kunden 66 Tarifmerkmale erläutern?

Wir lassen den Kunden aber mit dieser Tarifvielfalt nicht allein. Eine hilfreiche Orientierung gibt schon unsere Tarifnote. Alle Details stehen außerdem im Leistungsvergleich unseres Tarifrechners. Und Kunden können ihre Fragen immer telefonisch loswerden. Bei uns landen sie nicht im Callcenter, sondern bei ausgewiesenen Versicherungsexperten.

Wie kommen die Tarifnoten zustande?

Die Tarifnote ist das Ergebnis einer umfangreichen Tarifanalyse, in die diese 66 Kriterien einfließen. Je besser ein Tarif ein Kriterium erfüllt, also zum Beispiel je höher der Versicherungsschutz bei Gefälligkeitsschäden ist, desto mehr Punkte erhält er. Im Ergebnis bekommt der Tarif mit den umfangreichsten Leistungen auch die beste Note.

Auf Ihrem Portal geben Sie für die im Vergleich angezeigten Tarife eine Leistungs- sowie eine Preis-Leistungs-Empfehlung. Worin bestehen hier die Unterschiede?

Die Leistungsempfehlung ist immer der Tarif mit der besten Verivox-Tarifnote, der zu den Suchkriterien des Kunden passt. Für die Preis-Leistungs-Empfehlung wählen wir aus den bestbewerteten Tarifen den günstigsten aus. Wir sehen diese Empfehlungen als Teil unseres Beratungsprozesses. Verivox ist viel mehr als ein reiner Preisvergleich. Durch Filter, Vergleiche und Texte geben wir umfassende Informationen zu den Leistungen.

Die Tarifempfehlungen stehen ganz oben in der Ergebnisliste im Haftpflichtvergleich. Diese Position basiert auf objektiven und absolut neutralen Kriterien, kein Versicherer kann sich die Position erkaufen. Unsere Empfehlungen an den Kunden sind auch eine Einladung an die Versicherer. Bei uns können sie mit guten Leistungen punkten und Kunden gewinnen, nicht nur mit günstigen Preisen.

Welche Empfehlungen haben Sie für Ihre Kunden denn darüber hinaus?

Gerade wo bei Kunden noch ein alter Vertrag im Vertragsordner schlummert, lohnt sich eine Bedarfsprüfung. Oft gibt es heute viel mehr Schutz für dasselbe Geld. Ausfalldeckung inklusive Rechtsschutz, Gefälligkeitsschäden oder deliktunfähige Kinder – es gibt zahlreiche Beispiele, wo die Versicherer in den letzten zehn oder 15 Jahren gravierend nachgebessert haben.

Bei der Suche nach dem passenden Tarif empfehlen Sie eine Deckungssumme von mindestens 5 Mio. Euro. Verbraucherschützer raten ja hier zu deutlich höheren Summen.

Viele Verbraucher haben noch alte Verträge – vielleicht mit 1 Mio. Versicherungssumme. Da erhalten sie mit den empfohlenen 5 Mio. schon einen deutlichen Mehrwert. Wir empfehlen außerdem jedem Nutzer zwei Tarife, die wir nach Leistungs- und nach Preis-Leistungs-Kriterien auswählen und ganz oben in der Ergebnisliste präsentieren. Diese Tarife zahlen überwiegend auch für höhere Summen als 5 Mio. Euro.

Die meisten Versicherer haben eine private Haftpflicht im Portfolio. Wie viele Tarife von wie vielen Gesellschaften werden bei Ihnen für den Vergleich herangezogen?

Wir vergleichen aktuell 630 Tarife und Tarifvarianten von 45 Versicherern. Damit haben wir für alle Kunden ein Angebot, das attraktiv nach Preis und Leistung ist. Dennoch wollen wir die Marktabdeckung ständig erweitern. Wir suchen daher ständig das Gespräch mit den Versicherern, die noch im Vergleich fehlen. Als Versicherungsmakler erhalten wir von den Versicherern jährlich eine marktübliche Provision; wir sind also ein attraktiver Vertriebskanal.

Gewinnt Ihrer Einschätzung nach der Online-Vertrieb für die Haftpflichtanbieter an Bedeutung?

Vergleichsportale gewinnen stark an Bedeutung, so wie der Online-Vertrieb insgesamt. Bisher fragen sehr viele preissensitive Kunden unser Angebot nach. Günstige Preise sind aber nicht unsere einzige Stärke. Wir beraten auch umfassend und haben Serviceangebote wie unseren Versicherungsmanager, die digitale Vertragsübersicht. Damit ziehen wir jetzt verstärkt Kunden an, die eher auf Leistung und Service Wert legen.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 01/2020 auf Seite 48 f. und in unserem ePaper.

Bild: © fotomek – stock.adobe.com


Wolfgang Schütz Wolfgang Schütz



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