Was bedeutet das konkret für den Alltag in den Agenturen? Sehen Sie KI eher als Effizienztreiber für Verwaltungsprozesse, Back-Office etc oder wird es, auch perspektivisch, in der Beratung und Kundenbindung eingesetzt (werden)?
Beides. Kurzfristig ist KI vor allem ein Effizienztreiber, mittelfristig wird sie auch die Beratung selbst verändern.
Im heutigen Agenturalltag reduziert KI manuelle Dateneingaben, bündelt Informationen aus verschiedenen Systemen für die Terminvorbereitung und strukturiert Standardanfragen vor. Viele Dinge, die früher manuell liefen – vom Eingangsmanagement über Teile der Schadenbearbeitung bis zu einfachen Servicethemen im Kundenportal – werden zunehmend automatisiert und KI-gestützt. Dadurch entsteht mehr Raum für das Kerngeschäft: persönliche Beratung, Beziehungspflege, Netzwerkarbeit.
Perspektivisch wird KI stärker in Beratung und Kundenbindung wirken. Sie kann Bestände analysieren, Versorgungslücken identifizieren oder Prioritäten für das nächste Gespräch setzen. „Was-wäre-wenn“-Simulationen machen die Konsequenzen von Absicherungsentscheidungen greifbarer, personalisierte, anlassbezogene Ansprache kann die Kundenbindung stärken – selbstverständlich transparent und datenschutzkonform. Denkbar sind auch digitale Assistenten im Hintergrund, die während des Gesprächs Hinweise geben oder Unterlagen bereitstellen.
Trotzdem bleibt für mich klar: Die vertrauensvolle Beziehung zwischen Kunde und Vermittler ist der zentrale Erfolgsfaktor. KI ist ein Werkzeug, um diese Beziehung zu unterstützen – kein Ersatz für Vertrauen und menschliche Urteilsfähigkeit.
Wagen Sie einen Ausblick: Wie wird sich der Vertrieb in den nächsten drei bis fünf Jahren verändern? Und was müssen Versicherer machen, um im Markt wettbewerbsfähig zu bleiben?
Der Vertrieb wird sich deutlich verändern. Hybride Beratung wird zum Standard: Kundinnen und Kunden wechseln selbstverständlich zwischen persönlichem Gespräch, Video-Beratung und digitalen Self-Services. Erfolgreich sind Vertriebe, die diesen Wechsel ohne Medienbrüche und mit einem konsistenten Erlebnis über alle Kanäle ermöglichen.
Beratung wird zugleich noch stärker wertorientiert. In einer Welt mit nahezu unbegrenztem Informationsangebot steigt der Bedarf an Einordnung. Gute Vermittlerinnen und Vermittler werden noch mehr zu Lotsen, die filtern, erklären und priorisieren. Wer das glaubwürdig und verständlich tut, gewinnt Vertrauen – und damit Geschäft.
Technologie wird in diesem Umfeld zum klaren Differenzierungsmerkmal. Digitale Tools, KI-Unterstützung und schlanke Prozesse werden vorausgesetzt. Wer das nicht bieten kann, verliert Marktanteile und wird es schwer haben, Nachwuchs zu gewinnen.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Versicherer aus meiner Sicht drei Dinge tun: konsequent in Menschen investieren – in Recruiting, Ausbildung, Weiterbildung und eine Kultur, in der Leistung, Verantwortung und Lebensrealität zusammenpassen. Technologie als Enabler nutzen – immer mit dem Ziel, Kunden und Vertrieb zu unterstützen. Und Vertrauen sowie Relevanz stärken – durch transparente Produkte, verständliche Kommunikation und Beratung, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden orientiert.
Vertrieb bleibt ein Zukunftsberuf. Wer diese Transformation gestaltet, wird auch in einem anspruchsvollen Markt erfolgreich sein.
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Seite 1 „Vertrieb bleibt ein Zukunftsberuf“
Seite 2 Die Ausschließlichkeit steht ja vor Herausforderungen wie Fluktuation, Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung. Was tut Ihr Unternehmen konkret, um die Ausschließlichkeit zu stärken und zukunftsfest zu machen?
Seite 3 Was bedeutet das konkret für den Alltag in den Agenturen? Sehen Sie KI eher als Effizienztreiber für Verwaltungsprozesse, Back-Office etc oder wird es, auch perspektivisch, in der Beratung und Kundenbindung eingesetzt (werden)?
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