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28. September 2026
Allianz Sach-Maklervorständin über KI und die Zukunft des Vertriebs
Allianz Sach-Maklervorständin über KI und die Zukunft des Vertriebs

Allianz Sach-Maklervorständin über KI und die Zukunft des Vertriebs

Nicole Weyerstall erklärt, wie sie die ersten Monate in der neuen Rolle erlebt hat, wie das Unternehmen mithilfe von KI die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Versicherer effizienter gestalten will und warum persönliche Beratung auch künftig unverzichtbar bleibt.

Interview mit Nicole Weyerstall, seit Januar 2026 Vorständin für den Maklervertrieb bei der Allianz Versicherungs-AG
Frau Weyerstall, Sie verantworten seit Januar 2026 den Sach-Maklervertrieb der Allianz. Wie haben Sie die ersten Monate in der neuen Rolle erlebt?

Das erste halbe Jahr war natürlich unglaublich intensiv, mit vielen neuen Kolleginnen und Kollegen, neuen Themen und Projekten. In einem so großen Konzern muss man sich erst einmal zurechtfinden. Ich hatte dabei eine großartige Unterstützung, sowohl aus dem Maklervertrieb als auch aus den anderen Ressorts, sodass ich wirklich gut ankommen konnte.

Meine Priorität war zunächst ganz klar: lernen. Ich wollte die Allianz und ihre Besonderheiten kennenlernen, viel zuhören und verstehen, bevor ich eigene Impulse einbringe. Jetzt widme ich mich mit großer Freude den Aufgaben und freue mich darauf, die Zukunft des Maklervertriebs aktiv mitzugestalten.

Sie kennen sowohl die Versicherer- als auch die Maklerperspektive aus eigener Erfahrung. Wie hilft Ihnen dieser doppelte Blick dabei, die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten weiterzuentwickeln?

Das ist für mich persönlich ein ganz großer Mehrwert. Ich kenne die Versichererperspektive aus vielen Jahren in Versicherungskonzernen. Gleichzeitig habe ich neun Jahre lang ein Maklerhaus geleitet. Das heißt: Ich kenne die Maklerperspektive nicht nur vom Hörensagen, sondern habe den Alltag im Maklerhaus selbst viele Jahre gelebt. Deshalb sehe ich mich heute als Brückenbauer zwischen beiden Welten.

Als Makler lernt man sehr unmittelbar, dass Kunden ganz konkrete Anforderungen haben. Sie denken nicht in Versicherungssparten, sondern sehen ihre Risiken und möchten möglichst schnell eine passende Absicherung. Versicherer müssen dagegen in Sparten denken und ihre Prozesse entsprechend aufsetzen. Genau darin sehe ich meinen Auftrag: die Bedürfnisse der Kunden und Makler noch besser mit dem zusammenzubringen, was ein Versicherer leisten kann und muss.

Gerade im Firmenkundengeschäft entsteht häufig noch ein regelrechtes E-Mail-Pingpong zwischen Makler und Versicherer, bis alle Informationen vorliegen und ein Angebot erstellt werden kann. Das kostet auf beiden Seiten Zeit. Deshalb schauen wir uns diese Prozesse genau an: Welche Informationen liegen dem Makler vor, welche benötigen wir tatsächlich und wie können wir gezielter zusammenarbeiten? So wollen wir schneller zu guten Angeboten und Rückmeldungen kommen.

Künstliche Intelligenz gilt als einer der größten Treiber für Veränderungen im Versicherungsvertrieb. Welche strategische Rolle spielt KI heute bereits im Maklervertrieb der Allianz?

Wir beschäftigen uns bei der Allianz sehr intensiv mit künstlicher Intelligenz – auch im Maklervertrieb. Dabei schauen wir sehr genau, welche Möglichkeiten KI bietet und welchen konkreten Nutzen sie für Makler und Kunden stiften kann. Gleichzeitig steht für uns der Datenschutz immer an erster Stelle.

KI hilft uns bereits heute ganz konkret dabei, Prozesse effizienter zu gestalten. Unsere Maklerbetreuer erhalten jedes Jahr mehr als 800.000 E-Mails mit ganz unterschiedlichen Anliegen. Wir haben intern eine KI entwickelt, die diese Anfragen automatisch den zuständigen Fachbereichen zuordnet. Dadurch gelangen sie schneller zu den richtigen Ansprechpartnern und die Makler erhalten schneller eine Rückmeldung.

Ein weiteres Thema ist die Aufbereitung von Risikoinformationen. Diese erhalten wir auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Manche Makler schicken eine lange E-Mail mit viel Fließtext. Andere senden eine sehr kurze E-Mail mit 30 Anhängen. Dann müssen wir zunächst herausfinden, wo sich die notwendigen Risikoinformationen befinden. Auch hier ist KI ein hilfreiches Instrument, um die relevanten Angaben schneller zu erfassen und dem Makler entsprechend schneller eine Rückmeldung geben zu können.

Wo schafft KI heute schon einen konkreten Mehrwert für Makler – und wo stößt sie aus Ihrer Sicht an Grenzen?

Für mich liegt der größte Mehrwert der KI derzeit darin, administrative Aufgaben zu reduzieren. Mein Ziel ist, dass Maklerbetreuer mehr Zeit für den persönlichen Austausch mit Maklern haben. Mensch und KI sollen sich für mich ergänzen. Es ist kein Entweder-oder.

KI kann Informationen sehr schnell aufbereiten und Prozesse beschleunigen. Aber Versicherungen sind erklärungsbedürftig. Es braucht weiterhin die Transferleistung zwischen den individuellen Bedürfnissen eines Kunden und dem passenden Versicherungsschutz. Deshalb braucht es erfahrene Berater, die Ergebnisse einordnen und bewerten können.

Hinzu kommt der Faktor Vertrauen. Versicherungen basieren auf Vertrauen. Deshalb sollte der Mensch auch künftig die Entscheidung treffen. KI wird uns dabei immer besser unterstützen, aber die finale Verantwortung bei Entscheidungen sollte beim Menschen bleiben.

Wie wird sich die Rolle des Versicherungsmaklers durch KI und Digitalisierung in den kommenden Jahren verändern?

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Maklervertrieb eine Zukunft hat – auch wenn sich die Rolle des Maklers verändern wird. Denn die Erwartungen der Kunden haben sich verändert. Heute möchten sie möglichst schnell eine Antwort und eine Lösung. Deshalb müssen sowohl Makler als auch Versicherer intensiv an ihren Prozessen arbeiten. Die Investitionen in IT sind heute deutlich höher als noch vor zehn Jahren, und auch der Fokus auf schlanke Prozesse ist größer geworden.

Gleichzeitig sehe ich, dass gerade jüngere Makler den Beruf anders gestalten möchten. Sie sind offener dafür, administrative Aufgaben technisch zu lösen und mehr Zeit beim Kunden zu verbringen. Außerdem setzen sie verstärkt auf Schadenprävention. Es geht nicht mehr nur um den Verkauf einer Versicherung oder die Betreuung im Schadenfall, sondern darum, Unternehmen und Privatkunden besser zu verstehen und gemeinsam zu überlegen, wie Schäden möglichst vermieden werden können. Das ist eine Entwicklung, die ich ausdrücklich begrüße.

Prävention wird in der Versicherungsbranche immer wichtiger. Welche neuen Beratungsansätze ergeben sich daraus für Makler und wie können Versicherer sie dabei unterstützen?

Schadenprävention ist unglaublich wichtig, denn ein zentrales Anliegen ist für mich die Bezahlbarkeit von Versicherungen. Wenn die alltäglichen Kosten für Kunden steigen, müssen wir gemeinsam Wege finden, im Versicherungsbereich gegenzusteuern. Schadenprävention kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir verfügen über Erfahrungen aus Millionen von Schadenfällen und können daraus häufig ableiten, welche Maßnahmen geholfen hätten, einen Schaden zu vermeiden. Diese Erkenntnisse teilen wir mit unseren Maklern, teilweise auch branchenspezifisch. So erhalten sie zusätzliche Beratungsansätze, um ihre Kunden für Risiken zu sensibilisieren und Schäden möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Denn das ist letztlich das, was sich jeder Kunde wünscht.

Wie unterstützt die Allianz ihre Vertriebspartner dabei, die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz künftig noch besser zu nutzen?

Jedes Maklerhaus kennt seine eigenen Prozesse am besten und muss selbst entscheiden, wie sie optimiert werden können. Wir schauen gleichzeitig sehr genau darauf, wie wir Maklern die Zusammenarbeit mit der Allianz erleichtern können. KI bietet beispielsweise die Möglichkeit, Informationen zu Produkten schneller und rund um die Uhr bereitzustellen, sodass nicht für jede Frage eine E-Mail oder ein Telefonat notwendig ist.

Die eigentliche Herausforderung liegt aber darin, die Systeme von Maklern und Versicherern künftig besser miteinander zu verknüpfen. Deshalb beschäftigen wir uns bereits heute mit einem technischen Pilotprojekt, bei dem ein KI-Agent eines Maklerhauses mit einem KI-Agenten der Allianz kommuniziert. Dabei geht es zunächst ausschließlich darum, technische Abläufe zu testen – noch ohne echte Kundendaten. Entscheidend ist, dass Datensicherheit und Datenschutz jederzeit gewährleistet sind. Das hat für uns oberste Priorität und wird auch darüber entscheiden, wie schnell sich solche Lösungen künftig in der Praxis umsetzen lassen.

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