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27. Mai 2026
Assekurata: PKV kämpft mit steigenden Kosten und politischen Unsicherheiten
Assekurata: PKV kämpft mit steigenden Kosten und politischen Unsicherheiten

Assekurata: PKV kämpft mit steigenden Kosten und politischen Unsicherheiten

Erneut hat sich 2025 für die PKV als ein Jahr voller Licht und Schatten erwiesen: Zwar wuchs die Branche bereits das dritte Jahr in Folge, doch hohe Leistungsausgaben machen sich bemerkbar. KI und politische Rahmenbedingungen offenbaren sich als Herausforderung, und auch die geplante GOÄ wirft ihre Schatten voraus.

Wie es der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aktuell ergeht, das kann man fast täglichen Medienberichten entnehmen: Eine große Lücke klafft in der Finanzierung, die Bundesregierung versucht, mit einem Reformpaket gegenzusteuern. 

Wie sieht es in der privaten Krankenversicherung (PKV) aus? Die Lage der PKV hat sich die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur angesehen und im Rahmen ihres gerade veröffentlichen Assekurata-Marktausblicks zur privaten Krankenversicherung 2026 auch einen Ausblick gewagt.

2025 ist PKV zum dritten Mal in Folge gewachsen

So gibt es erst einmal eine positive Nachricht: Bereits zum dritten Mal in Folge ist die Branche gewachsen: Im Jahr 2025 stieg die Anzahl der vollversicherten Personen, die von der GKV in die PKV wechselten, von 184.500 Personen im Vorjahr auf 206.300 an – was der Vollversicherung immerhin ein Plus von 0,5% auf fast 8,8 Millionen Menschen bescherte.

Auch in der Zusatzversicherung sieht es gut aus. Die Zahl der Verträge stieg um 2,2% auf aktuell 32 Millionen Stück. Wie bereits im Vorjahr ist die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ein maßgeblicher Treiber. Lag der Anteil der bKV am Zusatzversicherungsgeschäft vor zehn Jahren noch bei 2,4%, ist er mittlerweile auf 8,8% angestiegen. Die Bedeutung der bKV steigt von Jahr zu Jahr an: Aktuell bieten 60.600 ihren Mitarbeitern eine bKV an, das entspricht einem Wachstum von 16% gegenüber dem Vorjahr.

Leistungsausgaben seit 2018 fast um die Hälfte gewachsen

Das Wachstum hat sich auch 2025 in einem Rekordzuwachs an Beitragseinnahmen niedergeschlagen. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr um weitere 7,3% auf 54,4 Mrd. Euro an. Neben dem Wachstum waren allerdings auch erneut überdurchschnittlich hohe Beitragsanpassungen für die höheren Einnahmen verantwortlich. Denn auch die Ausgaben sind für die PKV-Unternehmen deutlich angestiegen, und zwar um knapp über 7% auf 42,1 Mrd. Euro, seit dem Jahr 2018 sind die sogar um gut 44% angestiegen. Zum Vergleich: In der GKV ist im gleichen Zeitraum ein Anstieg der Leistungsausgaben von fast 49% von 226,2 Mrd. Euro auf 336,4 Mrd. Euro zu beobachten.

Die Herausforderungen der beiden Systeme sind dabei relativ ähnlich. Beiden machen die allgemeine medizinische und demografische Entwicklung zu schaffen. Neben dem medizinischem Fortschritt treiben auch Fachkräftemangel, steigende Krankenhauskosten und Arzneimittelinnovationen die Ausgaben, und das in beiden Systemen.

Weitere Beitragssteigerungen für 2026 erwartet

Die gestiegenen Leistungsausgaben haben die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote weiter gedrückt. „Wie bereits im Vorjahr hat sie sich 2025 mit knapp 7,8% erneut der kritischen Marke von 5% genähert“, so Assekurata-Geschäftsführer, Dr. Reiner Will. Die bereits hohen Beitragsanpassungen konnten also die steigenden Leistungsausgaben nicht ausgleichen. Für 2026 wird das voraussichtlich erneut überdurchschnittliche Anpassungen für Versicherte bedeuten.

Die anhaltend hohen Ausgaben stellen die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen auf den Prüfstand, so die Analyse. Je nach Kalkulationspolitik, Rückstellungsbildung und Kapitalanlageergebnis zeigen sich Unterschiede in der Beitragsentwicklung – und diese werden für Vermittler und Kunden zunehmen zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal.

Digitalisierung: Chance und Risiko zugleich

Ein Weg, wie die Versicherer versuchen, gegen den Kostendruck anzukommen, ist durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. KI-Anwendungen kommen zunehmend in der Leistungsbearbeitung, im Risikomanagement und im Kundenservice zum Einsatz.

Eine zentrale Herausforderung bei der zunehmenden Digitalisierung ist die Datenresilienz – die Fähigkeit, sensible Versichertendaten auch bei Cyberangriffen oder Systemausfällen zu schützen und schnell wiederherzustellen. Die zunehmende Digitalisierung erhöht sowohl Datenmengen als auch die Anfälligkeit für Cyberangriffe. Eine Datenresilienz-Strategie sei daher nicht nur regulatorisch geboten, sondern entscheidend für einen stabilen Versicherungsvertrieb und das Vertrauen von Versicherten.

Geplante GOÄ-Reform wirft Schatten voraus

Auch die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wirft ihre Schatten voraus. Seit 30 Jahren unverändert, stellt das Update die Unternehmen vor Herausforderungen – und dürfte sich ebenfalls auf Leistungsausgaben auswirken. Neben der Anpassung von bestehenden Prozessen in der Leistungsbearbeitung muss die neue GOÄ auch bei der Produktentwicklung inhaltlich und kalkulatorisch berücksichtigt werden.

Politische Unsicherheiten prägen das Bild

Politische Unsicherheiten, die aus den strukturellen Schwächen der GKV resultieren, betreffen auch die PKV unmittelbar. Einerseits entstehen durch Leistungskürzungen bzw. der geplanten Einschränkung der kostenlosen Familienversicherung in der GKV Vertriebspotenziale in der PKV. Gleichzeitig erschwert die ab Jahreswechsel geplante Anhebung der Versicherungspflichtgrenze den Zugang zur PKV für viele Menschen erheblich.

Trotz dieser politischen Eingriffe bleibt die PKV mit ihrem kapitalgedeckten Ansatz und ihren Altersrückstellungen von 355 Mrd. Euro „langfristig ein zukunftsfähiges Finanzierungsmodell“, resümiert die Assekurata. (js)

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