Interview mit Lennard Schwarzer, Geschäftsführer von LS Finanzmakler
Hi, Lennard, du hattest deinen Einstieg in die Versicherungsbranche und die Vermittlerbranche im Strukturvertrieb. Was hat dich dazu bewegt, in die Selbstständigkeit zu gehen?
Der Strukturvertrieb war für mich ein guter Einstieg, um die Branche von Grund auf kennenzulernen. Man lernt dort früh Vertrieb, Kundengespräche und Eigenverantwortung sowie Führung kennen. Mit zunehmender Erfahrung wächst aber bei vielen der Wunsch, Beratung und Prozesse selbst zu gestalten.
Hattest du einen bestimmten ausschlaggebenden Punkt, an dem du dir gesagt hast: „So nicht, ich werd’ jetzt Makler“?
Das war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Ich habe zunehmend gespürt, dass meine persönliche Beratungsphilosophie nicht immer mit den strukturellen Vorgaben zusammenpasste. Mir war wichtig, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen und nicht nur produkt- oder provisionsgetrieben zu arbeiten. Der Wunsch nach unternehmerischer Freiheit und einer ganzheitlichen Beratung hat letztlich den Ausschlag gegeben.
Würdest du sagen, dass der Strukturvertrieb ein guter Start in die Branche ist? Hat dir dieser Start geholfen, dein eigenes Unternehmen aufzubauen?
Ja, definitiv. Der Strukturvertrieb ist ein intensives Lernfeld. Man wird früh ins kalte Wasser geworfen, lernt Vertrieb, Eigenmotivation und Zielorientierung. Diese Erfahrungen helfen mir bis heute – gerade beim Aufbau eines Teams und klarer Prozesse. Wichtig ist aber, dass man sich weiterentwickelt und reflektiert, ob dieses Modell langfristig zur eigenen Haltung passt. Bei mir war es nicht der Fall.
Du hast dich später auch beim Jungmakler Award beworben – 2025 zum ersten Mal und gleich gewonnen. Was hat dich daran denn konkret gereizt?
Mich hat vor allem der fachliche Austausch gereizt. Der Jungmakler Award ist kein reiner Wettbewerb, sondern eine Plattform, auf der innovative Geschäftsmodelle sichtbar gemacht werden. Für mich war das eine Chance, mein Konzept zu reflektieren, Feedback von erfahrenen Branchenexperten zu bekommen und mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Dass ich dann auch noch mit dem Vereinssponsoring den Sieg hole, hat mich enorm mit Stolz erfüllt.
Wie hast du die Reise durch den Jungmakler Award erlebt – sei es beim Thema Community oder beim Wettbewerb um den 1. Platz?
Die Community war für mich eines der Highlights. Der Austausch war offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Der Wettbewerb selbst war anspruchsvoll, aber fair. Man wird gezwungen, sein Geschäftsmodell klar zu erklären und kritisch zu hinterfragen. Der 1. Platz war natürlich eine große Anerkennung, aber fast noch wichtiger war der Weg dorthin und die wertvollen Mitbewerber, die ich kennenlernen durfte und mit denen ich zum Großteil auch heute noch im Kontakt stehe.
Du bist mit deinem Geschäftsmodell Vereinssponsoring an die Spitze gekommen. Erklär‘ das gerne noch mal für die Leser, die dich vielleicht nicht kennen.
Vereinssponsoring ist bei uns kein klassisches Marketing, sondern ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Regionale Vereine sind soziale Treffpunkte, in denen Vertrauen entsteht – und genau darauf basiert nachhaltige Finanzberatung.
Wir unterstützen Vereine nicht nur finanziell, sondern mit klaren Strukturen, festen Ansprechpartnern und echtem Engagement. Ziel ist nicht der schnelle Abschluss, sondern langfristige Beziehungspflege. Mitglieder kommen freiwillig auf uns zu, häufig mit einer sehr hohen Vertrauensbasis. So entsteht keine Lead-Generierung im klassischen Sinn, sondern ein kontinuierlicher, organischer Empfehlungsprozess. Das Modell funktioniert, weil es regional verankert ist, auf Augenhöhe stattfindet und für alle Beteiligten einen echten Mehrwert bietet.
Strukturvertrieb und Sportsponsoring sind keine unübliche Kombi. Hast du dich für dein Geschäftsmodell etwa davon inspirieren lassen?
Sicherlich fließen Erfahrungen aus meiner Vergangenheit ein. Der Strukturvertrieb hat mir gezeigt, wie wichtig Sichtbarkeit und persönliche Ansprache sind. Das Sponsoring überträgt diese Prinzipien auf eine bodenständige, regionale Ebene. Der Unterschied ist, dass der Fokus heute klar auf Mehrwert und langfristiger Partnerschaft liegt – das ist vor allem spürbar bei den Abschlüssen und der überdurchschnittlich hohen Zusagen zu Beratungen der Mannschaftsmitglieder.
Wie macht sich so ein JMA-Sieg im Arbeitsalltag bemerkbar?
Der Award schafft Vertrauen – sowohl bei Kunden als auch bei Kooperationspartnern. Intern wirkt er motivierend, weil das Team sieht, dass unser Ansatz funktioniert. Gleichzeitig steigt die Verantwortung, diesem Anspruch dauerhaft gerecht zu werden.
Du planst jetzt eine Art Expansion mit deinem Vereinssponsoring. Was hast du genau damit vor und wie funktioniert es?
In den letzten zwei Jahren haben uns viele Makler auf unser Vorgehen angesprochen, weil sie ähnliche Herausforderungen sehen: steigende Marketingkosten und gleichzeitig weniger persönliche Nähe. Deshalb bereiten wir unser Konzept aktuell so auf, dass es auch für andere Makler nutzbar wird.
Dabei geht es nicht um ein starres System, sondern um erprobte Abläufe, klare Leitlinien und Erfahrungswerte aus der Praxis. Der Ansatz richtet sich an Makler, die regional arbeiten und bereit sind, in Beziehungen statt in reine Werbung zu investieren. Anfragen können hierzu direkt an mich gestellt werden, hier freue ich mich über jede einzelne sehr.
Hast du für dieses neue Unternehmen eine bestimmte Zielgruppe im Kopf, oder können sich grundsätzlich alle Makler anschließen?
Grundsätzlich richtet sich das Modell an Makler, die regional verwurzelt arbeiten und langfristig denken. Es passt weniger zu rein digitalen oder anonymen Ansätzen, sondern zu Menschen, die Nähe und Engagement als Teil ihrer Beratung verstehen. Hierdurch kann der Jahresumsatz schnell um 100.000 Euro bis 200.000 Euro steigen.
Wo siehst du dich in Zukunft? Als Makler, als Dienstleister, als Kombi?
Ganz klar als Kombination. Ich möchte weiterhin aktiv als Makler arbeiten, weil der direkte Kundenkontakt mir wichtig ist. Gleichzeitig sehe ich meine Rolle zunehmend auch als Unternehmer und Impulsgeber – sowohl für mein Team als auch für Kollegen in der Branche.
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