In der Maklerbranche gibt es dieses Jahr so einige Fragestellungen, die sich auftun: Wie wird es denn nun mit dem Altersvorsorgedepot? Was ist mit der Konsolidierung im Markt? Wie relevant sind Pools wirklich für den einzelnen Makler? Und auch Prozessautomation und künstliche Intelligenz beschäftigen nach wie vor die Gemüter.
Die Jungmakler MasterClass bringt seit 2023 jedes Jahr junge Makler und Versicherer für spannende Workshops und einen angeregten Austausch zusammen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jungmakler Awards der bbg Betriebsberatungs GmbH statt, wird von diversen Förderern des Jungmakler Awards gesponsert und richtet sich exklusiv an vergangene und aktuelle Teilnehmer des Awards. Am 06. Und 07.05.2026 fand sie zum vierten Mal erneut im Hotel FREIgeist in der Göttinger Innenstadt statt.
bbg-Co-Geschäftsführer Tobias Knörrer sowie Andreas Wollermann, Head of Growth & Sales bei der bbg, führten die Besucher durch die Veranstaltung unter der Prämisse: Man müsse auch über die Unternehmensseite sprechen, nicht nur die reine Maklerseite – auch dafür sei die MasterClass da.
KI und Automation im Fokus
Steffen Ritter, langjähriger Begleiter des Jungmakler Awards (er gestaltet den Award seit dessen Beginn im Jahr 2011 mit) gab wie schon in den Jahren zuvor einen Impulsvortrag zum Besten, der sich schwerpunktmäßig mit KI und Prozessoptimierung auseinandersetzte. Und sein Appell war klar: Jeder moderne Makler, jede Maklerbetreuerin, jeder Versicherer müsse sich beim Thema KI jetzt die Frage beantworten, was er oder sie nun damit machen wird. Heute sei man strategisch wie nie zuvor gefragt, wo es mit dem eigenen Unternehmen hingehen soll und der Unternehmer müsse „denken, bis eh weh tut“.
Ritter selbst arbeitet vorwiegend mit Superchat und der Claude AI, die seiner Meinung nach am besten für Prozessautomationen funktioniere, was er auch live demonstrierte anhand eines Prozesses zur Transkription und Dokumentation von Kundengesprächen.
Ein Punkt, der vor allem den Jungmaklern sehr wichtig war, wie in einem weiteren Workshop von Steffen Ritter zum gleichen Thema deutlich wurde: Makler und wir als Gesellschaft tragen eine gewisse Verantwortung und können ebenso dazu einen Beitrag leisten, Menschen an künstliche Intelligenz heranzuführen.
Pool- oder Direktanbindung?
Beinahe kontrovers ging es in Andreas Wollermanns als Diskussionsrunde konzipiertem Workshop zum Thema Pools zu. Er stellte die Frage: Pool- oder Direktanbindung? Daraus entstand eine durchaus emotionale Debatte über die Vor- und Nachteile, die Pools liefern, und ergaben sich außerdem neue Fragen, die dabei, vor allem für den einzelnen Makler selbst, geklärt werden müssen: Wie abhängig fühle ich mich bei einer Poolanbindung wirklich? Wie viel Geschäft mache ich bei einem einzelnen Versicherer? Wie viele Kosten nehmen mir Pools wirklich ab, da ich mich nicht um ein eigenes MVP und eigene Vergleichstools kümmern muss? Geht dadurch meine unternehmerische Abhängigkeit wirklich verloren?
Das Fazit lässt sich wohl so fassen, dass sich Direktanbindungen vor allem dann lohnen, wenn man über einen Versicherer viel Geschäft macht, während sich für breiter aufgestellte Makler, die ihr Geschäft auf viele verschiedene Produktgeber verteilen, eine Poolanbindung mehr lohnt – was natürlich nicht pauschal gilt.
Hoher Besuch
Mit dabei war auch Dr. Claus Hunold, Marketing- und Vertriebsvorstand bei der Haftpflichtkasse, der den Jungmaklern für eine Q&A-Session Rede und Antwort stand. Die Jungmakler waren sehr interessiert an Hunolds Erfahrungen in der Versicherungsbranche, seinen Ansichten zum Thema KI und was zukünftig für die Haftpflichtkasse geplant ist. So erläuterte Hunold etwa, dass man bei der Haftpflichtkasse zukünftig plane, in die Gewerbeversicherung einzusteigen, bspw. in die Vermögensschadenhaftpflicht und Hausrat für Kleingewerbe.
Auch zum Thema Pools äußerte sich Hunold. Für ihn sei es enorm wichtig, dass ein Pool dem Versicherer weiter Zugang zu den Maklern gewährt, denn wenn der Versicherer mit dem Makler nicht in Kontakt treten könne, dann habe der Makler auch nichts davon. Hunolds Empfehlung: Für die Versicherer, mit denen man favorisiert Geschäft macht, sollte man sich eine Direktanbindung anlegen.
Datenplattform für Makler
Tobias Knörrer stellte außerdem zusammen mit Makler-Urgestein Michael Richthammer Pläne der bbg für eine Art Maklerdaten-Plattform vor, auf der öffentlich zugängliche Daten von Maklerunternehmen gesammelt und zur Verfügung gestellt werden, um das Interesse von Jungmakler-Seite genauer zu eruieren. Die Rückmeldungen waren sehr positiv – allerdings mit einem kleinen Twist: Die Jungmakler sahen darin weniger eine Möglichkeit für den Konkurrenzvergleich („Wie stehe ich im Vergleich zu anderen Maklern finanziell da?“), sondern eher ein Tool, um andere Maklerunternehmen zu finden, mit denen sich potenziell eine spannende, ergiebige Zusammenarbeit ergeben könnte.
Viele Jungmakler kommen aus der AO-Welt, wo es eher mit ausgefahrenen Ellenbogen zugehen würde, wie ein Jungmakler erklärte. Der Austausch in der Jungmakler-Community, könnte durch solch eine Plattform noch zusätzlich gefördert, nicht aber ersetzt werden.
MasterClass 2027
Die MasterClass dürfte mittlerweile als feste Größe in der Jungmakler-Community gelten, getrieben durch den Austausch zwischen „Jungmakler-Veteranen“ und Branchen-Neulingen sowie Vertretern von Versicherern. Auch nächstes Jahr wird die MasterClass wieder im FREIgeist in Göttingen stattfinden, dann zum fünfjährigen Jubiläum. (mki)
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