4. Die größte Chance der Reform liegt nicht im Produkt
Die vielleicht größte Chance der Reform liegt nicht im einzelnen Produkt, sondern in der Aufmerksamkeit, die das Thema Altersvorsorge derzeit erhält. Selten wurde so intensiv über private Altersvorsorge diskutiert wie aktuell.
Entscheidend wird nun sein, diese Aufmerksamkeit zu nutzen. Wenn die aktuelle Diskussion dazu beiträgt, Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und Menschen stärker für ihre finanzielle Zukunft zu sensibilisieren, kann die Reform weit über neue Produktabschlüsse hinaus wirken. Die Reform wird nicht allein daran zu messen sein, wie viele neue Verträge abgeschlossen werden. Sie sollte auch daran gemessen werden, ob sie Menschen wieder stärker dazu bringt, sich mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen.
5. Orientierung schafft Vertrauen
Die Reform schafft neue Möglichkeiten. Ob daraus bessere Entscheidungen entstehen, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob Kundinnen und Kunden diese Möglichkeiten verstehen und einordnen können. Orientierung, Transparenz und Vergleichbarkeit werden deshalb wichtiger denn je.
Dafür braucht es gute Beratung, verständliche Informationen und geeignete Orientierungshilfen. Das IVFP begleitet die Entwicklung unter anderem mit Ratings und Softwarelösungen wie dem Fördervergleichsrechner, die Transparenz schaffen und unterschiedliche Lösungswege vergleichbar machen. Solche Instrumente ersetzen keine Beratung. Sie können jedoch dazu beitragen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Kundengespräche auf eine belastbare Grundlage zu stellen.
Auch Anbieter werden sich daran messen lassen müssen, ob sie Orientierung schaffen oder lediglich Produktversprechen formulieren. Wer verständlich kommuniziert, für wen eine Lösung geeignet ist und für wen nicht, stärkt Vertrauen. Vertrauen ist in der Altersvorsorge mindestens so wichtig wie Renditechancen – vielleicht sogar wichtiger.
Fazit: Die Reform ist eine Chance, aber kein Selbstläufer
Ob die Reform ihr Potenzial entfalten kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend ist, wie die neuen Spielräume genutzt werden und ob die Reform Menschen tatsächlich dazu bewegt, sich stärker mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen.
Das Ziel sollte nicht sein, möglichst vielen Menschen möglichst schnell ein neues Produkt zu vermitteln. Das Ziel muss sein, möglichst viele Menschen anständig für das Alter aufzustellen. Wenn die Reform dazu beiträgt, wäre sie mehr als ein Nachfolger der Riester-Rente.
Der neue Rahmen steht. Ob daraus bessere Altersvorsorge entsteht, entscheidet sich jetzt.
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